Gleichberechtigung Die Zuverdienerin
Frauen werden in Deutschland im Durchschnitt schlechter bezahlt als Männer. Das liegt nicht am Frauenhass der Chefs, sondern an alten Rollenbildern
Monatsende in einer deutschen Firma. Die Angestellten kriegen ihre Gehaltsabrechnungen. Die Sachbearbeiterin Frau Müller öffnet ihr Schreiben, der Sachbearbeiter Herr Maier auch. Man kann davon ausgehen, dass Maier mehr bekommt. Weil er ein Mann ist.
Frauen werden in Deutschland im Durchschnitt pro Stunde deutlich schlechter bezahlt als Männer. So steht es in Studien des Statistischen Bundesamts, der Industrieländerorganisation OECD oder, wie jetzt wieder, der Europäischen Union. Je nach Messmethode wird der Gehaltsunterschied mal auf 22 Prozent beziffert wie aktuell von der EU, mal auf knapp 30 Prozent wie vom Statistischen Bundesamt, mal irgendwo dazwischen wie von der OECD. In einem aber sind sich alle Studien einig: In kaum einem anderen Industrieland ist der Abstand so groß wie in Deutschland, nirgendwo ist er so dauerhaft, in den vergangenen dreißig Jahren hat er sich kaum verringert.
Nun könnte das theoretisch daran liegen, dass Frauen in Deutschland eben deutlich schlechter ausgebildet sind als Männer, dass sie also weniger können, weniger wissen. Früher war da sogar etwas dran. Noch in den siebziger Jahren hatten Mädchen im Schnitt eine deutlich niedrigere Schulbildung als Jungen. Frauen hatten die schlechteren Schulabschlüsse und deshalb auch die schlechter bezahlten Jobs. Aber das ist lange vorbei. Heute stellen die Jungen die Mehrheit unter den Hauptschülern, den Sonderschülern und den Sitzenbleibern. Mädchen schaffen es häufiger zum Abitur, sie studieren schneller und verfügen gemäß zahlreicher Untersuchungen über eine höhere soziale Kompetenz. Doch wenn sie anfangen zu arbeiten, bekommen sie trotzdem weniger Geld.
Die Ursache dafür ist ziemlich simpel: In Deutschland können die Frauen Kinder kriegen. So wie natürlich auch in Frankreich, in Schweden oder in Belgien. Nur in Frankreich, Schweden oder Belgien ändert das nicht besonders viel. Dort ist es kein Grund, den Frauen deutlich weniger Geld zu bezahlen. Weil die Chefs in den Personalabteilungen wissen, dass auch Mütter leistungsfähige und vollwertige Arbeitskräfte sein können, dass sie mitunter eine ganze Familie zu ernähren haben. In Deutschland ist das anders. Dort bedeutet die Geburt eines Kindes in der Regel noch immer: Die Frau tritt beruflich kürzer, der Mann macht weiter wie bisher. Oft hängt er sich sogar noch mehr rein, denn das Babybett, das erste Fahrrad und vor allem das Haus mit kinderfreundlichem Garten müssen ja schließlich bezahlt werden. Seine Frau kümmert sich derweil um den Haushalt.
An dieser klassischen Rollenverteilung hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten wenig geändert. Zwar sind hierzulande inzwischen knapp 70 Prozent der Frauen erwerbstätig, mehr als in den meisten anderen Industrieländern. Aber fast alle arbeiten sie Teilzeit. Die Zahl der von Frauen besetzten Vollzeitstellen ist in den vergangenen Jahren sogar noch gesunken. Für die meisten Frauen von heute gilt: Sie haben zwar jetzt einen Job, aber den Großteil des Haushaltseinkommens verdient immer noch ihr Mann. Er finanziert das Haus, den Urlaub und das Auto. Und sie? Sie kümmert sich um die Kinder und verdient noch was dazu.
Doch wer nur Zuverdienerin ist, ist für seinen Arbeitgeber weniger lange verfügbar. Späte Konferenzen bis in den Abend hinein? Kurzfristig angesetzte Dienstreisen? Bei Zuverdienerinnen ist immer klar: Die Familie geht vor. Bei Zuverdienerinnen ist auch klar: Das Geld ist für sie nicht so wichtig. Sie haben ja einen Mann, der für sie sorgt. Und deshalb verdient die Teilzeit arbeitende Bankkauffrau, die nach der Arbeit nach Hause hetzt, um die Kinder von der Schule abzuholen, eben pro Stunde deutlich weniger als ihr Vollzeit arbeitender Kollege, der auch mal bis zum Abend bleibt.
- Datum 09.06.2008 - 04:32 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 33
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Ich streite nicht ab, dass Mädchen inzwischen die besseren Schüler und die besseren Studenten sind, doch der Einfluss dieser im Verhältnis zum gesamten Arbeitsmarkt eher geringen Anzahl an Bildungselite wird doch in jeder Studie aufs neue Unterschätzt. Man kann nicht 30 Jahre schlechtere Bildung mit 5 Jahren besserer ausgleichen, deshalb sollte man den Zusammenhang zwischen Bildung und Einkommen auch nicht pauschal ablehnen, selbst wenn es sich um eines der Lieblingsreizthemen der Zeit handelt.Ansonsten freue ich mich hier schon wieder auf die zwischengeschlechtlichen Schlammschlachten hach :) Spaß für die ganze Familie ;-Pmfg
... in der Schule waren ungefähr die Hälfte meiner (Gymnasial-)Stufe (und die zwei bis drei älteren Klassenstufen, die ich erinnern kann) Mädchen und viele davon haben nach dem Abitur studiert. Das ist jetzt ungefähr 30 Jahre her. Da passt also was mit den fünf Jahren nicht so ganz.
Daher haben wir hier nicht die Frage des Verhältnisses zwischen Bildung und Einkommen, sondern die Frage, wie erreicht werden kann, dass sich die Sichtweise des "Zuverdienens" ändert. Darin sind gleichermaßen Männer wie Frauen gefragt, an diesem Bild etwas zu ändern. Vielleicht tragen die Kinderpausenmonate für Männer dazu bei. Auf lange Sicht ist nur ein Kulturwandel zielführend, der Frauen im Beruf einfach normal findet und ihnen gleichwertige (auch monetäre) Anerkennung bringt.
Es ist schon so eine Sache mit den Statistiken. Neulich erst wurde von einer Untersuchung berichtet, bei der herauskam, dass Jungen zwar schlechter starten aber viel zielgerichteter Karriere machen, wenn es um den Beruf geht.
Eine weiterer Umstand für das Festhalten an der zumindest Teilzeithausfrau ist die extreme Kinderfeindlichkeit des Staates und im Lande allgemein, die nicht zuletzt Kinder aus doppelten Vollzeitbeschäftigungsehen in der überwiegenden Mehrzahl in den Schulen chancenlos macht.
Was man auch nicht vergessen darf, ist die Tatsache, dass die ehemals gute Ausbildung und soziale Homogenität der Gesellschaft nicht unerheblich auf die hohen nichtmonetären Leistungen der Frauen zurückging und teilweise immer noch geht.
Abgesehen vom ehelichen Ausgleichs-, Rollen und Abhängigkeitsproblem sind also die Ausfälle durch den Wegfall des "Hausfrauenmodells" niemals kompensiert worden, sondern nur in Mehrarbeit mit unterproportionalem Mehrverdienst eingemündet.
Früher nannte man sowas Ausbeutung, und wenn auch nicht mehr zeitgemäß, führte das u.a. zum Frauenarbeitsverbot!
Berthold Grabe
Zitat: "Neulich erst wurde von einer Untersuchung berichtet, bei der herauskam,
dass Jungen zwar schlechter starten aber viel zielgerichteter Karriere
machen, wenn es um den Beruf geht."Da stimme ich vollkommen zu! Ich bin gerade selber zwischen Schule und Uni. Fast alle meiner Mitschüler wissen ziemlich genau, was sie machen wollen. Sie haben zwar, in der Regel, ein schlechteres Abitur aber was heißt das schon. Meine (ehemaligen) Mitschülerinnen allerdings sind ale froh, dass sie das Abitur geschafft haben und das mit der Uni hat noch Zeit, oder man versucht es mal mit Pharmazie, Medizin oder zur Not halt Deutsch/Geschichte auf Lehramt. Des weiteren stelle ich eine gewagte These auf: Frauen sind (in der Regel) mehr mit sturem Auswendiglernen zufrieden als Männer. Prachtbeispiel Mathe: Während die meisten Jungs meiner Klasse an Stochastik verzweifelten, weil sie es einfach net verstanden, haben die Mädchen einfach stur die verschiedenen Fälle auswenidg gelernt und damit das bessere Endergebnis erzielt. Man kann sich streiten, was besser ist oder was einen besser auf den Job vorbereitet, aber meiner Meinung nach gibt es einen generellen Unterschied im Comittment! Und das spiegelt sich auch im Job wieder!"Wir wollten uns geistig duellieren, aber du kamst ohne Waffen!"
Zitat: "Neulich erst wurde von einer Untersuchung berichtet, bei der herauskam,
dass Jungen zwar schlechter starten aber viel zielgerichteter Karriere
machen, wenn es um den Beruf geht."Da stimme ich vollkommen zu! Ich bin gerade selber zwischen Schule und Uni. Fast alle meiner Mitschüler wissen ziemlich genau, was sie machen wollen. Sie haben zwar, in der Regel, ein schlechteres Abitur aber was heißt das schon. Meine (ehemaligen) Mitschülerinnen allerdings sind ale froh, dass sie das Abitur geschafft haben und das mit der Uni hat noch Zeit, oder man versucht es mal mit Pharmazie, Medizin oder zur Not halt Deutsch/Geschichte auf Lehramt. Des weiteren stelle ich eine gewagte These auf: Frauen sind (in der Regel) mehr mit sturem Auswendiglernen zufrieden als Männer. Prachtbeispiel Mathe: Während die meisten Jungs meiner Klasse an Stochastik verzweifelten, weil sie es einfach net verstanden, haben die Mädchen einfach stur die verschiedenen Fälle auswenidg gelernt und damit das bessere Endergebnis erzielt. Man kann sich streiten, was besser ist oder was einen besser auf den Job vorbereitet, aber meiner Meinung nach gibt es einen generellen Unterschied im Comittment! Und das spiegelt sich auch im Job wieder!"Wir wollten uns geistig duellieren, aber du kamst ohne Waffen!"
arbeiten die Frauen in diesem unserem Lande ja selbst permanent dagegen an, gerechter entlohnt zu werden, indem sie sich untereinander Schlammschlachten liefern á la Übermama gegen Rabenmutti und so weiter und so fort. In keinem unserer Nachbarländer wird auf so lächerlichem Niveau (s. Eva Hermann) das Thema Kinderbetreuung derart zerredet und zerpflückt wie unter den Frauen Deutschlands. Offensichtlich dominieren die Übermamas, die ihren Nachwuchs in keinerlei fremde Hände geben wollen und unterstützen somit den im Artikel beschriebenen Trend. So soll frau sich dann nicht beschweren über das, was sie selbst herbeiführt. Es lebe Frau Hermann bzw. Frau Lafontaine.
Eben, deshalb sage ich ja, dass beide Geschlechter dieselbe Aufgabe haben. Der Kulturwandel hat sich in anderen Staaten deutlich rascher vollzogen als hier, da müssen wir nachziehen. Denn ich denke, es zeigt sich durchaus, dass auch dort Kinder glücklich sind, wo Mütter Vollzeit arbeiten.
In der ganzen Diskussion ist hier noch viel zu viel Zündstoff drin. Selbst ein sehr junger Mensch sagte mir mal in einer derartigen Diskussion, Frauen hätten sich ans Kapital verkauft, weil sie nicht mehr ihrer wahren Bestimmung nachgingen, sondern dem Trachten nach Geld das Glück ihrer Kinder opferten. Da haben wir offensichtlich noch ein paar Jahrzehnte Arbeit vor uns.
nur eine der Teilzeit-Beschäftigung, sondern eine des Stundensatzes und der ist für Frauen oft schlechter und schon gar für so genannte typische Frauenberufe.Das sind ja oft soziale Berufe und obgleich die gesellschaftlich wichtig und notwendig sind, kann man sicher sein, dass sie finanziell immer schlechter bewertet sind. Und der Geldwert spiegelt nun mal die gesellschaftliche Anerkennung wider. Darum wird man dafür außer einigen Enthusiasten auch kaum männliche Interessierte finden wie in Kindergärten, Grundschulen und Krankenhäusern.Ach ja, und die abendlichen Konferenzen etc. scheinen mir oft nur Ego-Veranstaltungen zu sein,....man ist ja so wichtig! Ich glaube, bei guter Arbeitsorganisation sind viele davon überflüssig.
Auch in Schweden arbeiten die meisten Mütter nur Teilzeit - und viele von denen, die Vollzeit arbeiten, tun das nur aus einem Grund: weil sie müssen. Auch in Frankreich verdienen Frauen deutlich weniger als Männer. Immerhin wird hier in der ZEIT mal eingeräumt, daß nicht die bösen Chefs schuld sind. Frauen verdienen weniger, weil sie ihrem Arbeitgeber weniger einbringen, so einfach ist das. Der Autor meint, dies würde sich erst ändern, wenn die Geschlechterrollen sich angleichen. Je nun: dann ändert es sich nie. Jede Partnerschaftsbörse zeigt, daß die Partnerwahlkriterien und Verhaltensweisen von Frauen und Männern unterschiedlich sind wie eh und jeh. Der Autor vergißt allerdings, auf eine zweite Möglichkeit hinzuweisen: man könnte Arbeitgebern den Nachteil, den es bringt, eine Mutter zu beschäftigen, ausgleichen. Eine Mutter, wohlgemerkt, und nicht eine Frau - kinderlose junge Frauen haben schon heute so gut wie keine Nachteile mehr. Wir brauchen keine Frauenförderung, sondern eine Mütterförderung - zbw. Elternförderung.
So, und wenn jetzt eben die Männer nicht mehr Vollzeit arbeiten, dann lachen sich die Personalchefs eins ins Fäustchen, weil sie dann einen Grund mehr haben, weniger an ihre männliche Kollegen auszuzahlen. Der Worst Case tritt ein, wenn sich das Geschlechterverhältnis umdreht ( hey, Schatzi, ich hab die Bessere Ausbildung-> Du bleibst daheim) und eben die Frauen im Schnitt mehr verdienten. Dann hätten wir dasselbe in grün.Bezahlung muss nach individueller Situation augehandelt werden, nicht nach Geschlecht.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren