Fußball Tabus und Probleme
Konflikte zwischen Männern und Frauen, Hass auf Schwule, existenzielle Deutungskämpfe – all das gibt es im Stadion. Warum wir Fußball trotzdem lieben. Ein Interview

© Martin Oeser/ ddp
Für viele ist der Rasensport das Leben: Fans im Fußballfieber
Der Sozialwissenschaftler Michael Rautenberg von der Technischen Universität Dresden erforscht, welche gesellschaftlichen Probleme sich im Fußball widerspiegeln und wie er die Alltagswelt vieler Menschen prägt. Rautenberg ist Co-Autor des Buchs "Doppelpässe Eine sozialwissenschaftliche Fußballschule".
ZEIT online:
Sie untersuchen Fußball wissenschaftlich. Können Sie noch ganz entspannt Spiele ansehen?
Michael Rautenberg:
Ich kann das ganz gut trennen. Ich selbst bin ein großer Fan von Dynamo Dresden. Natürlich fallen einem beim Zuschauen manche Dinge auf, aber ich habe mir diese Momente bewahrt, in denen ich das Fußballspiel einfach genieße.
ZEIT online:
Was macht Fußball so besonders für die Menschen?
Rautenberg:
Fußball ist eine Welt der Gefühle, der Dramatik und Tragik. Man erlebt Freude und Trauer. Und das Ganze nicht allein: Viele Fans gehen nicht nur wegen des Spiels ins Stadion, sondern weil sie dort Freundschaften pflegen. Die Fans verfolgen gemeinsame Interessen, identifizieren sich mit ihrer Mannschaft und fühlen sich zugehörig.
ZEIT online:
Warum sind diese Gefühle beim Fußball so stark?
Rautenberg:
Die Welt um uns wird immer individualisierter, Beziehungen zerbrechlicher. Wir wollen aber Bindungen aufbauen. Fußball bietet eine wunderbare Möglichkeit, in einer Gemeinschaft einen Haltepunkt zu finden.
Michael Rautenberg erforscht die Soziologie des Fußballs
ZEIT online:
Welche Rolle spielen die Profis auf dem Platz dafür heute noch?
Rautenberg:
Es ist nicht mehr wie früher, als Spieler ihre ganze Karriere lang bei einem Verein blieben und aus der Mitte der Fans kamen. Heute wechseln Spieler und auch Trainer jede Saison. Fußball ist es ein schnelllebiges, unpersönliches Geschäft. Es ist also der Verein an sich, der zählt. Ein Verein ist ein abstraktes Gebilde, das vor allem symbolischen Wert hat. Ich habe einmal einen Fan von Dynamo Dresden gefragt, was für ihn der Verein bedeutet. Seine Antwort war "Die Farben".
- Datum 11.06.2008 - 06:21 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online, 11.6.2008 - 14:53 Uhr
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren