Fußball Tabus und ProblemeSeite 3/3
ZEIT online:
Und wer das nicht mitmacht, ist kein richtiger Fan?
Rautenberg:
Das wird auch innerhalb der Fanszene viel diskutiert: Muss man zu jedem Auswärtsspiel fahren oder reicht es, wenn man zu jedem zweiten Heimspiel geht? Fans wie den Ultras sind natürlich diejenigen ein Dorn im Auge, die in den VIP-Logen oder den teuren Plätzen sitzen. Sie werden nur als Konsumenten angesehen, denen die emotionale Bindung an den Verein fehlt. Auf der anderen Seite werden Fans, denen Fußball viel bedeutet, aber auch aus dem Stadion gedrängt.
ZEIT online:
Inwiefern?
Rautenberg:
Durch die kommerzielle Entwicklung kann sich nicht mehr jeder leisten, zu einem Spiel zu gehen. Bei uns in Deutschland sind die Preise noch relativ moderat. In England hingegen kostet der Eintritt für ein Spiel in der Ersten Liga bereits ungefähr 50 Pfund (rund 63 Euro). Die Vereine suchen neue Zuschauerschichten, die mehr Geld haben. Aus der Sicht der Fans hegen die aber nicht dieselbe Leidenschaft für den Verein. In Deutschland fühlen sich viele Fans durch die Anstoßzeiten am Sonntag ausgeschlossen. Sie können nicht von Rostock nach Freiburg zu solch einem Spiel fahren, weil sie am Montag arbeiten müssen. Die Vereine argumentieren dann: "Ihr seid nur ein kleiner Teil. Unser Publikum vor dem Fernseher ist der größere." So entstehen Deutungskämpfe: Wer hat das Recht auf den Fußball? Wer ist der wahre Fan?
ZEIT online:
Werden durch das neuerdings so beliebte Public Viewing jetzt immer mehr Fußballfans geschaffen?
Rautenberg:
Da kommt es nicht darauf an, ob man Fan ist oder nicht. Es zählt das gemeinsame Feiern. Public Viewing ist so eine Art Gesellschaftsspiel: eine große Party, die sich natürlich auf das Spiel konzentriert, aber drum herum alles bietet, was anspricht. Die Beliebtheit des Public Viewings zeigt die Wandlung des Fußballs zu einem Event. Es ermöglicht vielen Menschen, sich zu einem gemeinsamen Ereignis gehörig zu fühlen, ob Fan oder nicht.
ZEIT online:
Die Party wird natürlich am größten sein, wenn Deutschland Europameister wird. Glauben Sie, dass wir es schaffen?
Rautenberg:
Eigentlich hatte ich ja auf Italien getippt, aber nach dem
Spiel gegen die Niederlande
... Vielleicht wird es ja Portugal. Die Mannschaft fand ich ziemlich beeindruckend, in ihrem
ersten Spiel
.
Die Fragen stellte Bastian Dornbach.
- Datum 11.06.2008 - 06:21 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 11.6.2008 - 14:53 Uhr
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