"Der Geist von Ascona" Nichts zu meckern

Lehmanns flatterhafter Auftritt? Mario Gomez’ versiebte Großchancen? Alles nicht so wichtig. Lasst uns lieber über die Poesie eines Per Mertesacker sprechen

Nachdem hier gestern vorübergehend eine Brise schlechter Laune durch die Zeilen blies, kann heute über die volle Zeilenbreite Entwarnung gegeben werden: Es gibt Tage, an denen gibt es nichts, aber auch gar nichts zu meckern. Der vergangene war so ein Tag.

Bekanntlich lässt sich auch nach Siegen der deutschen Nationalmannschaft ab und zu etwas kritisieren. Nach dem 2:0-Sieg gegen Polen ist das anders. Wenn man wollte, gewiss, dann könnte man sich ein wenig darüber auslassen, dass zwar nicht der Ball, wohl aber Jens Lehmann in den ersten Minuten erheblich flatterte. Dass Mario Gomez zwar lief und lief, aber zwei sogenannte hundertprozentige Großchancen versiebte. Dass Joachim Löw nach dem Spiel sein Sakko, welches er – offenbar tiefenentspannt – an die Überdachung der Trainerbank gehängt hatte, dass er sein Sakko also hängen ließ, deshalb aus den Katakomben zurückkehren musste – und so die ohnehin knappe Zeit bis zum nächtlichen Abflug der Mannschaft sträflich verlängerte.

Anzeige

Über all das könnte man meckern, man sollte es aber nicht, denn: Wie sich mittlerweile herumgesprochen haben dürfte, ist die deutsche Mannschaft nahezu perfekt in das EM-Turnier gestartet – gegen einen starken Gegner, mit einer starken Leistung, nicht zu stark, um sie als schwer wiederholbar zu bezeichnen, nicht, wie so oft, nur in Phasen überzeugend. Nein, sie waren gestern ganz einfach sehr, sehr gut.

Doch damit nicht genug. Am Montagmittag saß Per Mertesacker auf dem Podium vor den Journalisten im Pressezentrum. Anfänglich kam der junge Mann aus Bremen ziemlich streberhaft rüber („Gestern Nacht zwischen zwei und vier Uhr habe ich mir das Spiel noch einmal angesehen und meine Leistung überprüft“).

Dann fragte ein Kollege eher beiläufig, ob seine Eltern denn zu den Spielen kämen. Da stoppt Mertesacker die Frage mit der Brust, lässt sie ganz behutsam abtropfen und schlägt, nein, er schlenzt einen emotionalen Traumpass in Richtung Publikum: „Meine Eltern sind sich nicht zu schade, aus Norddeutschland mit dem Zug über München nach Klagenfurt zu kommen, um ein Spiel zu sehen“. Pause: „Da merkt man dann doch, dass man doch nicht so alleine ist auf der Welt“. Hallo? Welch ein Blues! Und das von einem Innenverteidiger.

Leser-Kommentare
  1. Was interessiert mich Joachim Löws Sakko oder die Größe des Flughafens in Katastrophiano? Ich dachte in dem Artikel geht es über Fußball... Naja, von einem Mann mit Doppelnamen kann man nicht wirklich erwarten, dass er sich für Fußball interessiert.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hagego
    • 10.06.2008 um 14:31 Uhr

    Ganz im Gegenteil! Der Doppelname prädestiniert geradezu über den Fußball im Allgemeinen und über den Fußball im Besonderen zu sprechen bzw. zu schreiben. Hier ist der Doppelname geradezu ein deutlicher Hinweis auf den Doppelpass - das Zuspiel überhaupt im Fußball!Nein! Deutschland wird mit dieser Elf erfolgreich bleiben:Leh-MannLahm-jun., Mertes-Acker, Metz-Elder, Jans-sen.Fritz-Werder, Frings-Def., Bal-Lack, Podol-SkiKlose-Up, Gom-EzEuer User Gernhardt-Gottlob

    • hagego
    • 10.06.2008 um 14:31 Uhr

    Ganz im Gegenteil! Der Doppelname prädestiniert geradezu über den Fußball im Allgemeinen und über den Fußball im Besonderen zu sprechen bzw. zu schreiben. Hier ist der Doppelname geradezu ein deutlicher Hinweis auf den Doppelpass - das Zuspiel überhaupt im Fußball!Nein! Deutschland wird mit dieser Elf erfolgreich bleiben:Leh-MannLahm-jun., Mertes-Acker, Metz-Elder, Jans-sen.Fritz-Werder, Frings-Def., Bal-Lack, Podol-SkiKlose-Up, Gom-EzEuer User Gernhardt-Gottlob

    • hagego
    • 10.06.2008 um 14:31 Uhr

    Ganz im Gegenteil! Der Doppelname prädestiniert geradezu über den Fußball im Allgemeinen und über den Fußball im Besonderen zu sprechen bzw. zu schreiben. Hier ist der Doppelname geradezu ein deutlicher Hinweis auf den Doppelpass - das Zuspiel überhaupt im Fußball!Nein! Deutschland wird mit dieser Elf erfolgreich bleiben:Leh-MannLahm-jun., Mertes-Acker, Metz-Elder, Jans-sen.Fritz-Werder, Frings-Def., Bal-Lack, Podol-SkiKlose-Up, Gom-EzEuer User Gernhardt-Gottlob

    Antwort auf "grandioser Artikel!"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Neu auf ZEIT ONLINE
    1. Grüne Gentechnik Transgener Mais erstmals anfällig für Schädlinge
    2. Naturkatastrophe Weiteres Beben nach Erdstößen in Norditalien
    3. Gartengestaltung Der neue Geist im Grünen
    4. Bürgerkrieg EU-Staaten weisen syrische Botschafter aus
    5. Finanzmärkte Schwarz-Gelb will Blitzgeschäfte an der Börse regulieren
  • Neu im Ressort
    1. Anzeige
    2. Anzeige
    3. Zeit online sport auf twitter
    4. Anzeige
    Service