Bildungsbericht Hauptschüler ohne Chancen

Der Bildungsbericht von Bund und Ländern erscheint am Donnerstag. Schon jetzt ist öffentlich: Die Hälfte der Hauptschüler hat ein Jahr nach dem Schulabschluss noch keinen Ausbildungsplatz, viele auch nach zwei Jahren noch nicht

Das geht aus dem Bildungsbericht 2008 hervor, den Bund und Länder am Donnerstag der Kultusministerkonferenz vorstellen. Einzelne Ergebnisse des Berichts wurden am Sonntag veröffentlicht.

Demnach hat jeder zweite Hauptschüler 13 Monate nach Schulabschluss noch keinen Ausbildungsplatz. Auch 30 Monate danach haben nur 60 Prozent der Hauptschüler den Sprung in eine qualifizierte Berufsausbildung geschafft. Die größten Probleme bei der Ausbildungsplatzsuche haben dem Bericht zufolge junge Männer ohne Schulabschluss oder mit einem schlechten Hauptschulabschluss sowie Kinder von Migranten. Von den Realschülern hat nach drei Monaten jeder Zweite eine Lehrstelle gefunden.

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Viele Schulabgänger durchlaufen der Autorengruppe Bildungsberichterstattung zufolge zunächst eine "Odyssee" von Nachqualifizierungs- und Überbrückungsmaßnahmen, die zwar den Bund und die Agentur für Arbeit viel Geld kosteten, deren Effektivität und Effizienz die Bildungsforscher jedoch erheblich anzweifeln. Das duale System habe seine "traditionell großen Stärken" eingebüßt, "Kinder aus bildungsschwächeren Gruppen durch Ausbildung beruflich zu integrieren".

Verbesserungen sieht die Forschergruppe bei der frühkindlichen Bildung. Die Nutzung solcher Bildungsangebote habe deutlich zugenommen. Der Bildungsbericht wird zum zweiten Mal von Bund und Ländern herausgegeben. Er erschien erstmals 2006. Der erste Bericht hatte unter anderem festgestellt, dass der Anteil der jungen Erwachsenen mit Sekundar-II-Abschluss nicht wie geplant angestiegen, sondern gesunken war. Das bedeutet, dass weniger 20- bis 24-Jährige als früher Abitur, Fachhochschulreife oder einen anerkannten Ausbildungsabschluss besitzen. Im Jahr 2000 waren es 72 Prozent. Im Jahr 2010 sollen es europaweit 85 Prozent sein, so das Vorhaben der EU.

Für Bildung wird zwar von Staat und Wirtschaft mehr ausgegeben als früher. Doch der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt ist zwischen 1995 und 2006 von 6,9 Prozent auf 6,2 Prozent gesunken. Den vollständigen Bildungsbericht 2008 stellen die Forscher am Donnerstag während der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin vor.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 09.06.2008 um 13:21 Uhr

    Die Schulen müssen heute mit Problemen kämpfen, die es früher in dieser Form schlicht nicht gab. Die gleichen Probleme gelten auch für andere Schultypen als den Hauptschulen, doch treten sie natürlich an den Hauptschulen am massivsten auf.
    Wer Einblicke hat, kann schnell feststellen, dass familiäre Verwahrlosung (doppelte Berustätigkeit besonders der einfachen Schichten) verbunden mit materialistischer Kompensation durch überforderte Eltern ein häufiger Anlass íst. Ich habe einige Kinder kennengelernt die jeden Lernwillen und das meiste Interesse schon in der 5. Klasse fast vollständig vermissen lassen. Anstrengung in der Schule bedeutet da häufig das Aufgeben eingebildeten Erfolges oder Status in einer narzistisch geprägten materialistischen oder virtuellen Vorstellungswelt über das eigene Ego. Die Differenz zwischen Anspruch und Leistungsbereitschaft ist häufig zu groß, als das Kinder diesen Alters den Sprung in die Realität ohne Hilfe noch schaffen wollen, wenn sie schließlich die Diskrepanz erkennen ist es meist viel zu spät.  
    Der zweite besonders hauptschultypische Grund ist die verstärkte Gleichmacherei, die Hauptschulen zu Gymnasien dritter Klasse gemacht hat.
    Die weitere Verschulung wird deshalb die Probleme eher verschärfen, denn lösen, da sie die betroffenen Schüler gar nicht mehr in ihrer Realität abholen kann und sie deshalb auch nicht erreicht.
     
    Mit der Herkunft haben diese Probleme nur in soweit zu tun, als dass die wirtschaftliche Schwäche von Familien am unteren Rand die Verwahrlosung begünstigt, mithin Frauen in diesen Schichten einen hohen Preis für ihre berufliche "Emanzipation" zahlen müssen, weil sie am wenigsten in der Lage sind, ihre Abwesenheit intellektuell oder materiell zu kompensieren.  
    Die Verschwendung an Begabungen außerhalb der akademischen Vorstellungswelt nimmt deshalb ungebremst weiter zu.
     
    Berthold Grabe

  1. Die schulisch erfolgreichen Länder brauchen keine Differenzierung der10 jährigen Kindern. Sie gehen davon aus, dass jedes Kind begabt ist. Man muss es nicht für das weitere Leben vorselektieren. Das Leben wird es schon von alleine tun.

  2. Und wie viele Handwerksbetriebe suchen nach fähigen Azubis? Viele! Nur anstatt mal mit der zweiten Wahl anzufangen, machen sie lieber nichts und gammeln den ganzen Tag nur blöd rum und gehen anderen Leuten auf die Nerven..."Wir wollten uns geistig duellieren, aber du kamst ohne Waffen!"

  3. Die Fähigkeit der Kinder spiegelt die Gesellschaft, in der sie heranwachsen, und hiermit  ist nicht nur das Elternhaus gemeint.

    • Anonym
    • 10.06.2008 um 15:11 Uhr

    Zwischen griffigen Überschriften erfinden, welche den Klischees entsprechen, und seriösem Journalismus ist schon noch ein Unterschied. Und da ist natürlich auch die Nostalgie, "Früher" war doch alles besser. Ich bin 22 Jahre alt, habe dies "Früher" nie erlebt und bin ein sehr optimistischer Mensch. Ich war sogar Hauptschüler, habe im Anschluß eine Lehre absolviert (diese Lehrstelle auch ohne langes Bewerben bekommen) und hole gerade auf dem 2. Bildungsweg mein Abitur nach - wofür mir der Staat sogar elternunabhängiges und vollkommen rückzahlungsfreies "BAFÖG" auszahlt damit ich mich ganz aufs Lernen konzentrieren kann. Mir geht's in diesem Land verdammt gut und mir bieten sich viele Chancen, auch als Sohn einer alleinerziehenden Krankenschwester. Natürlich geht's nicht ohne meine eigene Anstrengung, und ob (der ach so böse) Frontalunterricht hin oder die (sooo tolle) "Gruppenarbeit" her: am Ende muss ich in der Abiturprüfung beweisen dass ich nicht nur auswendig lernen sondern auch nachdenken kann und das kann mir auch keine "Bildungsreform" abnehmen. Entweder ich hab den Grips dazu und hab mich in Eigenarbeit mit den Themen auseinandergesetzt oder eben nicht. Mag sein, bei der Geburt in den klischee Akademikerhaushalt und Nachhilfestunden hät ich das Abitur gleich geschafft, na und? Ich bin umso stolzer darauf was ich aus eigenen Kräften geleistet hab und das waren auch mitnichten "verschwendete" Jahre oder so. Hört endlich auf das Land in den Dreck zu reden/schreiben und krempelt die Ärmel hoch!  So habens unsere Vorfahren nämlich aufgebaut. Die "Alten" in diesem Land sind dermaßen wehleidige Grübler!

  4. Genau, wir krempeln die Ärmel hoch und prügeln der Jugend deine Einstellung zum Lernen ein....

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    • Anonym
    • 10.06.2008 um 18:02 Uhr

    Könnt ihr Alten das nicht mal lassen, diese vorhersehbaren Buzzword-Reaktionen? Und wie man früher sagte, "Wir sind nicht per-Du". Ich finds z.B. auch gar nicht "locker" von Ikea'nern immer geduzt zu werden, nur peinlich. Auf den "Kommentar" (das Genöle) geh ich nicht näher ein, auf Wortklauberei und Worte rumdrehen lassen bloß um jemand zu provozieren kann ich verzichten. Und den Kurzschluß zwischen dem beschriebenen Ehrgeiz den es nunmal braucht im Leben und "repressiver Erziehung"(oder sowas) die Sie darin erkannt haben wollen muss ich glaub ich gar nicht checken. Im übrigen hab ich explizit nicht die Jugend angesprochen sondern alle 30+, die Jugend ist in diesem Land nicht das Problem sondern die lamentierenden Alten. Servus, meine Pizza müsst gleich kommen.. 

    • Anonym
    • 10.06.2008 um 18:02 Uhr

    Könnt ihr Alten das nicht mal lassen, diese vorhersehbaren Buzzword-Reaktionen? Und wie man früher sagte, "Wir sind nicht per-Du". Ich finds z.B. auch gar nicht "locker" von Ikea'nern immer geduzt zu werden, nur peinlich. Auf den "Kommentar" (das Genöle) geh ich nicht näher ein, auf Wortklauberei und Worte rumdrehen lassen bloß um jemand zu provozieren kann ich verzichten. Und den Kurzschluß zwischen dem beschriebenen Ehrgeiz den es nunmal braucht im Leben und "repressiver Erziehung"(oder sowas) die Sie darin erkannt haben wollen muss ich glaub ich gar nicht checken. Im übrigen hab ich explizit nicht die Jugend angesprochen sondern alle 30+, die Jugend ist in diesem Land nicht das Problem sondern die lamentierenden Alten. Servus, meine Pizza müsst gleich kommen.. 

    • Anonym
    • 10.06.2008 um 18:02 Uhr
    7. Ohmann

    Könnt ihr Alten das nicht mal lassen, diese vorhersehbaren Buzzword-Reaktionen? Und wie man früher sagte, "Wir sind nicht per-Du". Ich finds z.B. auch gar nicht "locker" von Ikea'nern immer geduzt zu werden, nur peinlich. Auf den "Kommentar" (das Genöle) geh ich nicht näher ein, auf Wortklauberei und Worte rumdrehen lassen bloß um jemand zu provozieren kann ich verzichten. Und den Kurzschluß zwischen dem beschriebenen Ehrgeiz den es nunmal braucht im Leben und "repressiver Erziehung"(oder sowas) die Sie darin erkannt haben wollen muss ich glaub ich gar nicht checken. Im übrigen hab ich explizit nicht die Jugend angesprochen sondern alle 30+, die Jugend ist in diesem Land nicht das Problem sondern die lamentierenden Alten. Servus, meine Pizza müsst gleich kommen.. 

    Antwort auf "@Bayerbua"
  5. Ihre Forderung"hört endlich auf, das Land in den Dreck zu reden/schreiben"wird hier auf taube Ohren stoßen oder die üblichen Wutanfälle. Wird nicht lange dauern, bis man Sie rhetorisch mit Auschwitz (lyriost, bitte übernehmen Sie!) verknüpfen wird.Genauso unmöglich Ihr Credo, dass es nicht ohne eigene Anstrengung geht. Sie glauben doch nicht im ernst, dass unsere linken Bildungs"wissenschaftler" bereit wären auch nur einmal zu untersuchen, inwieweit der Schulerfolg von der eigenen Anstrengung abhängt. Denken Sie nur an die absurden Redenarten der "Wir müssen die Migrantenkinder besser ausbilden"-Klasse. Am Misserfolg selbst Schuld sind arbeitende, weiße, deutsche Familienväter. Alle anderen sind Opfer des ausländerfeindlichen Patriarchats.  [Anmerkung: Bitte versuchen Sie pauschale Aussagen zu vermeiden./ Die Redaktion; ew]

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  • Quelle ZEIT online, 09.06.2008
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  • Schlagworte Bildungsbericht | Ausbildungsplatz | Berufsausbildung | Kinder | Berlin
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