Polizeistudium

Master of Crime

Geiselnahme, Terror, Führungslehre - all diese Themen stehen auf dem Semesterplan der Polizeihochschule in Münster. Ein Besuch in der Kaderschmiede unserer Ordnungshüter

Dank Uni besser vorbereitet für den höheren Dienst: Ein Berliner Polizist im Einsatz

Dank Uni besser vorbereitet für den höheren Dienst: Ein Berliner Polizist im Einsatz

Als Jochen Christe-Zeyse 1984 vom Studium aus den USA nach Deutschland zurückkehrte, hatte er eine ziemlich präzise Vorstellung davon, wie sein idealer zukünftiger Arbeitsplatz einmal aussehen sollte: Der Campus eines kleinen amerikanischen Colleges, altehrwürdige rötliche Backsteinbauten, umgeben von hohen Bäumen, im Zentrum die Bibliothek. Studenten und Dozenten begegnen sich im Hörsaal, in der Mensa, auf dem Sportplatz. Man kennt sich, man diskutiert miteinander.

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Der Traum des Politikwissenschaftlers hat sich inzwischen erfüllt, wenn auch nicht ganz originalgetreu. Christe-Zeyse doziert nicht in Princeton oder Harvard, sondern in Münster-Hiltrup an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) . "Man mag es vielleicht nicht glauben", sagt Christe-Zeyse. "Aber das kommt meinem Traum schon ziemlich nah."

Seit knapp zwei Jahren verfügt die deutsche Polizei über eine eigene Hochschule am grünen Rand von Münster. Ein historischer Torbogen gewährt Einlass, Studenten in grün-braunen Uniformen prägen das Bild. Sie haben es als Polizisten weit gebracht. Die Hochschule ist eine Kaderschmiede für den höheren Dienst. Wer also eine Polizeidirektion leiten möchte, der muss ein Jahr seines Lebens in Münster-Hiltrup verbracht haben.

Die Ausbildung ist nicht neu, eine Polizei-Führungsakademie gab es in Münster bereits seit 1974. Doch in den vergangenen zehn Jahren entschlossen sich die Innenminister aus Bund und Ländern, aus der Führungsakademie eine richtige Hochschule zu machen. Jochen Christe-Zeyse, der an der DHPol Betriebswirtschaft lehrt, erklärt den Unterschied: "Über lange Jahre lief der Unterricht hier so, dass verdiente Praktiker ihre Erfahrungen als "väterliche Tipps" an den Nachwuchs weitergegeben haben. Systematische wissenschaftliche Arbeit war nur begrenzt möglich und wurde auch nicht erwartet."

Aber dieses rein praxisorientierte Konzept einer Führungsakademie werde der Realität inzwischen nicht mehr gerecht. Das bestätigt auch der Präsident der Hochschule, Klaus Neidhardt. "Die Gesellschaft wird komplexer, es entstehen stetig neue Brüche und Konflikte. Die Erwartungen an Führungskräfte steigen, und deshalb muss auch die Polizei wissenschaftliche Erkenntnisse, Methoden und Instrumente in ihrer täglichen Arbeit nutzen können."

Polizei und Wissenschaft? Damit prallen zwei Welten aufeinander. Nirgends liegen wissenschaftliche Dispute wohl so fern wie im täglichen Streifendienst. "Mit dem Polizeiberuf entscheiden sich die meisten für den Reiz der Praxis und gegen ein mögliches Herumtheoretisieren an einer Universität", sagt Jochen Christe-Zeyse. "Die Ausbildung an den Fachhochschulen vermittelt deshalb überwiegend Handlungssicherheit."

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Leser-Kommentare

  1. Nur ein Jahr reicht bei der Polizei schon, um eine Direktion zu leiten ?Bei jedem anständigen StudienGang reicht das noch nicht mal für die GrundLagen ...

    • 26.06.2008 um 9:29 Uhr
    • mhmu

    Da spricht also die Arroganz des "echten" Studenten. Allerdings kann er nicht einmal den Text zu Ende lesen. Dann hätte er nämlich festgestellt, dass es insgesamt 4 Semester sind. Und im Vergleich zum "echten" Studenten, der in der Regel direkt von der Schule an die Uni kommt, wendet sich das Studium an der DHPol an Menschen, die bereits ein Fachhochschulstudium absolviert haben und über mehrjährige Berufserfahrung verfügen. Alternativ ist der Zugang beispielsweise auch nach Abschluß eines juristischen Studiums möglich. Insoweit wäre es insgesamt glücklicher, den Studiengang an der DHPol als Aufbaustudium einzuordnen.

  2. Kurz und knackig sollen Zitate sein und die Dinge auf den Punkt bringen. Doch manchmal gerät ein Zitat zu kurz und zu knackig, und dann wird’s problematisch. Dass an der Polizei-Führungsakademie über lange Jahre verdiente Praktiker ihre Erfahrungen als „väterliche Tipps“ an den Nachwuchs weitergegeben hätten, soll ich gesagt haben. Und dass systematische wissenschaftliche Arbeit an der Polizei-Führungsakademie nur begrenzt möglich war und auch nicht erwartet wurde.

    Darüber haben sich einige Kollegen geärgert, weil sie – zu Recht – behaupten, dass ihr Unterricht fachlich und didaktisch deutlich fundierter sei und keineswegs nur aus „väterlichen Tipps“ bestehe. Ja, stimmt, und ich weiß das auch.
    Alles, was ich mit meiner Äußerung deutlich machen wollte, war, dass über Jahrzehnte hinweg die Ausbildung des polizeilichen Führungskräftenachwuchses in erster Linie nach dem folgenden Muster ablief: Erfahrene und hierarchisch höherstehende Führungskräfte haben den im Führungsgeschäft noch weniger erfahrenen, angehenden Führungskräften das fachliche Wissen zur Einsatzlehre, Kriminalistik, Verkehrslehre, Führungslehre usw. vermittelt. Die Dozenten wurden aus der Praxis rekrutiert und sollten nach drei bis längstens fünf Jahren auch wieder in die Praxis zurück. Das theoretische Wissen und die didaktische Kompetenz haben sich die Dozenten in der Regel selbst angeeignet, ein Universitätsstudium war – abgesehen von den Rechts- und Sozialwissenschaften – nicht erforderlich. Wenn ein Dozent forschte und publizierte, war das zwar schön, es passierte aber auch nichts, wenn das nicht geschah, denn eigentlich konnte man das nicht gut verlangen von Praktikern, für die das Lehrgeschäft meist nur eine Episode in ihrer polizeilichen Laufbahn war. Dass es von diesem Muster auch Ausnahmen gab, weiß ich auch; das ändert aber nichts an der Geltung des geschilderten Prinzips.
    Dass die Ausbildung der Führungskräfte für die deutschen Polizeien früher unzureichend war oder gar schlechte Führungskräfte hervorgebracht hätte, hat niemand behauptet. Das zu behaupten wäre auch Unsinn, denn die deutsche Polizei gehört nicht umsonst zu den professionellsten und angesehensten Polizeien der Welt.
    Ich hoffe sehr, dass damit etwaige Missverständnisse ausgeräumt sind.
    Dr. Jochen Christe-Zeyse, Deutsche Hochschule der Polizei

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  • Von Christian Lauenstein
  • Datum 13.6.2008 - 11:15 Uhr
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