Medizin Klinik der Kuscheltiere
Wie nimmt man Kindern die Angst vor dem Arztbesuch? Das Bochumer "Teddybär-Krankenhaus" versucht es spielerisch - und stößt dabei auch an so manche Grenze
Der kleine Patient hat große Schmerzen, sein Bein ist gebrochen, die Fraktur kompliziert. Eine schwere Operation steht ihm gleich bevor, doch er macht keinen Mucks, als der Arzt sich über ihn beugt. Nur die Augen des Kranken gucken etwas melancholisch. Doch dieser Blick liegt eben in seiner Natur.
Der kleine Patient nämlich ist aus Plüsch und gerade in einem ganz besonderen Hospital. Er wird im "Teddybär-Krankenhaus" an der Ruhr-Universität Bochum behandelt, im dortigen Tutorienzentrum, das sich für einen Tag in eine Klinik für Kuscheltiere verwandelt. Das Teddybär-Krankenhaus gibt es seit acht Jahren, organisiert vom Fachschaftsrat Medizin, geführt von Medizinstudenten.
Die angehenden Ärzte laden Kinder dazu ein, "kranke" Teddys und Puppen zur Untersuchung zu bringen. Dabei stehen die Besitzer selbst im Mittelpunkt, im besten Fall ohne dass es ihnen bewusst wird. "Wir wollen den Kindern spielerisch die Angst vor dem Arzt nehmen - ohne dass sie als Hauptbetroffene in die Situation einbezogen werden", erklärt Sabrina Hildebrandt (28) vom Fachschaftsrat Medizin.
So auch an diesem Frühlingstag. Das Tutorienzentrum ist erfüllt von hellen Stimmchen, Kinder im Kita-Alter wuseln durcheinander, viele an der Hand von Studenten in weißen Kitteln. Dabei wirken die werdenden Mediziner fast so aufgeregt wie ihre Gäste, die mit roten Wangen ihre Lieblinge, Hunde, Elefanten oder Käpt'n Blaubär, fest an sich drücken.
Die Kuscheltierklinik verteilt sich auf zwei Etagen, mit Ambulanz, OP-Saal und Röntgenraum. Bei der Anmeldung bekommt jedes Kind einen "Anamnesebogen" für wichtige Daten zur Diagnostik: das Alter des Patienten, seine Größe und sein Gewicht, Kopfumfang und Krankengeschichte. Auch die Diagnose und Therapie, die natürlich immer ganz individuell ausfällt, werden hier mit eingetragen.
Sincy zum Beispiel, ein flauschiger Schmetterling, hat sich vor einigen Tagen einen Flügel gebrochen. "Da ist ein Flugzeug in der Luft gegen ihn gekracht", erklärt die 6-jährige Ailin und platzt fast vor Stolz. Das schwarzgelockte Mädchen mit den blitzenden braunen Augen ist mit seiner Kindergartengruppe hier und hat Sincy mitgebracht. Doch Angst vor den Ärzten plagt es nicht. "Die sehen zwar nicht schön aus, sind aber trotzdem nicht doof", erklärt Ailin pragmatisch.
- Datum 06.06.2008 - 06:32 Uhr
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