Bildungsbericht Einfältige Bildungsdebatte
Im Bildungsbericht wird auf die schlechten Chancen von gering qualifizierten Schülern hingewiesen. Jetzt wird die Hauptschule zum Problem gemacht

© Michael Gottschalk/ ddp
Schüler mit Hauptschulabschluss suchen oft vergeblich nach einem Ausbildungsplatz, auch wenn sie ihn an der Gesamtschule gemacht haben
Richtig ist, dass Deutschland ein Bildungsproblem hat: zu viele Schulabbrecher, zu wenig Chancen für Einwandererkinder, zu wenig Studenten. Daran haben dieser Tage Wissenschaftler in einem "Nationalen Bildungsbericht" erinnert. Richtig ist aber leider auch, dass erschreckend einfältig darüber diskutiert wird.
Ein Beispiel gefällig? Die Wissenschaftler beklagen in ihrem Bericht die Ineffizienz des sogenannten Übergangssystems. Damit sind jene "Maßnahmen" gemeint, in denen Schulabgänger landen, die keinen Ausbildungsplatz bekommen; dort sollen sie eigentlich für eine Ausbildung fit gemacht werden.
Aber ein Viertel der Jugendlichen hat zweieinhalb Jahre nach Schulende noch immer keinen Ausbildungsplatz, bei den Jugendlichen mit und ohne Hauptschulabschluss sind es sogar 40 Prozent.
Viele Zeitungen haben in den vergangenen Tagen daraus fälschlicherweise ein "ungelöstes Hauptschulproblem" gemacht. Und die Lehrergewerkschaft GEW fordert ebenso wie die Grünen einmal mehr die Abschaffung der Hauptschule. Nun muss man aber wissen, dass es ein Unterschied ist, ob jemand die Hauptschule besucht oder ob er einen Hauptschulabschluss macht. In Nordrhein-Westfalen etwa wird fast jeder zweite Hauptschulabschluss an einer Gesamtschule abgelegt. Die Wissenschaftler wollten auf das Problem der gering Qualifizierten aufmerksam machen, jener Jugendlichen, die maximal einen Hauptschulabschluss erreichen, unabhängig davon, welche Schule sie besucht haben. Von einem Problem der Hauptschule als Schulform war bei ihnen nicht die Rede. Das entstand erst in den Medien und bei Politikern, die die Hauptschule sowieso abschaffen wollen.
Dies soll kein Plädoyer für die Hauptschule sein, sondern eines für die Klarheit in der Analyse. Wer dazu zu faul ist oder ihr bewusst ausweicht, der wird die zweifellos vorhandenen Probleme unseres Bildungssystems nicht lösen. Er wird selbst zum Problem.
- Datum 13.06.2008 - 08:17 Uhr
- Quelle ZEIT online
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einen höheren Schulabschluss hätten, verlagerte sich das Problem wahrscheinlich auf die nächst höhere Stufe, sofern es nicht ausreichend Arbeitsplätze, auch im Bereich der geringen Qualifizierungen, gibt.Dann würde der heutige Realschulabschluss die Rolle des jetzigen Hauptschulabschlusses einnehmen.Da scheint mir der Denkfehler in der ganzen Debatte zu liegen.
dass auch vernünftige Menschen im redaktionellen Teil zu Wort kommen.
Danke, Thomas Kerstan.
Da es die klassische Industriegesellschaft (30 % Akademiker, 30 % Fachkräfte, 30 % Angelernte) nicht mehr geben wird , und die Entwicklung zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft geht, wird es auch nicht ausreichend Arbeitsplätze mit geringer Qualifizierung geben. Der Mensch wird sich öfters im Leben neu orientieren müssen. Je höher die Bildung desto leichter die Umstellung. Das deutsche Schulsystem des 19. Jahrhunnderts, das auf die Wahrung der Stände aus war, hat ausgedient. Mein Gott, ist dieses Land festgefahren!
hernach meine Lehre und nach Lehre und etwas Berufsalltag dann doch der Ehrgeiz mehr zu erreichen, Anmeldung auf einer Schule des 2. Bildungswegs. Soviel zur angeblichen Undurchlässigkeit. Steht jedem frei, die einzige Aufnahmevoraussetzung war eine abgeschlossene Berufsausbildung oder 3 jahre sonstige Berufstätigkeit (worauf sogar Arbeitslosigkeit anrechenbar ist) - eben erkennbar eine Schule des 2. Bildungsweges nachdem jemand seine erste Schulausbildung eigentlich schon beendet hatte. Auch gibt es BAFÖG, was nicht zurückgezahlt werden muss, und engagierte Lehrer. So, das nur dazu. Zu vielen ehemaligen Klasskameraden hab ich nach wie vor engen Kontakt. Die haben allesamt nun gute Berufe der sogenannten Mittelschicht, manche auch schon eine kleine Familie. Und alle gehen in ihren Berufen auf und scheinen gute Perspektiven zu haben. Wozu hätten diese nun also weitere Jahre eine Schule besuchen sollen anstatt eben mit 15 den "QA" zu machen, wie der erweiterte Hauptschulabschluß hier in Bayern heißt, und nach einer Lehre einfach ins Berufsleben einzusteigen. Ich sags mal ganz ehrlich, die meisten haben irgendwann einfach kein Bock mehr auf Schule. Schlicht und einfach. Daran hat auch kein Schulsystem eine "Schuld" oder so. Die wollen einfach von Zuhause ausziehen, ihr eigenes Geld verdienen, Erwachsen werden. Wieder andere wählen den Weg der bis ende 20 verlängerten Pubertät mit Studentenleben und so weiter, auch Okay. Aber dass das als für jeden erstrebenswert dargestellt, und nur von dem ach so ungerechten Bildungssystem für viele verwehrt wird, finde ich reichlich Weltfremd und kann nur von Nerds höchster Güte - die wohl auch oft Bildungsforscher und dergleichen werden - konstatiert werden. Nun mag es sein dass gerade in nördlichen Bundesländern ein Hauptschulabschluss für viele potentielle Lehrherren nicht mehr reicht wenn man sich dort um eine Lehre bewirbt, jedoch ist daran nicht diese Schulform "schuld" sondern a) dass diese lange vernachlässigt und nicht mehr den modernen Anforderungen angepasst wurde (z.B. anstatt Werkunterricht gehört praxisbezogenes Arbeiten mit Computeranlagen her, auch in Werkshallen steht alles voller Computer) b) unterfinanziert ist bis zum geht nicht mehr c) es die letzten Jahre ein großes Überangebot an Bewerbern um Lehrstellen gab und sich gemäß naja natürlichen Verhaltens dadurch die Ansprüche stetig in die Höhe schraubten, nach dem Motto unter Mittlere Reife brauchst dich gar nicht erst bewerben (für sowas wie Hotelfachmann! Lachhaft!) obwohl gerade Lehrberufe dadurch gekennzeichnet sind, dass vor allem persönliche Eignung eine Rolle spielt. Das bedeutet aber vor allem die Hauptschulen aufzumöbeln anstatt diese immer weiter in den Dreck zu schreiben. Keine Schulreform kann was daran ändern das viele junge Menschen einfach möglichst schnell ins Berufsleben wollen, Geld verdienen, auf eigenen Beinen stehen. Daran überhaupt die Sinnhaftigkeit von Schulabschlüssen in Frage zu stellen kommt überdies auch kaum einer. Auch die meisten Akademiker die man befragt werden einem Bestätigen das 90% dessen was in der gesamten Schulzeit gelernt wurde vergessen wurde. Das hat nun gar nichts mit Schulsystemen zu tun sondern mit dem menschlichen Geist der ungenutztes schnell aussortiert und uns dadurch davor bewahrt, verrückt zu werden. Da gefällt mir das so viel gescholtene amerikanische Schulsystem erheblich besser. Das funktioniert nach dem Baukastensystem, wer z.B. ein Mathedepp ist kann "Calculus" recht früh komplett abwählen und sich auf seine anderen Fähigkeiten konzentrieren. Universalgenies sind selten. Auf diese Art haben die Amerikaner in der Bilanz nicht nur die angesehensten Unis der Welt, darum kommen Unternehmen wie Google auch aus Amerika und nicht Europa, sondern auch erheblich kürzere Ausbildungszeiten. Was normalerweise auch gerade im Interesse der Studenten liegt, außer natürlich man trägt gerne dread locks ;-)
Ich kann Herrn Kerastan und all meinen vier Vorrednern, insbesondere Bayerbua nur zustimmen.
In Deutschland wird immer versucht, Institutionen, Politik, die Medien, irgendetwas Äußeres für unsere eigenen Fehler und Versäumnisse verantwortlich zu machen - in einem Leserartikel war neulich sogar die böse Sonne am Klimawandel schuld...
Herr Kerstan schreibt ganz richtig:
Die Wissenschaftler wollten auf das Problem der gering Qualifizierten aufmerksam machen, jener Jugendlichen, die maximal einen Hauptschulabschluss erreichen, unabhängig davon, welche Schule sie besucht haben. Von einem Problem der Hauptschule als Schulform war bei ihnen nicht die Rede.
So sieht's aus.
Also gibt es Schüler, bei denen die Schulform auf die Bildung keine große Auswirkung hat - und davon scheint es immer mehr zu geben.
Die kriegen nicht deswegen keine Arbeit, weil sie ungerecht behandelt werden, weil es keine Jobs gibt oder weil irgendeine Politik oder Institution versagt hat, sondern einfach, weil sie im Elternhaus keine elementare Bildung genossen haben und auch keine innere Motivation, "innere Arbeit" an sich selbst zu verrichten.
Wollte man diesen Zustand nachhaltig ändern, dann müßte der Staat sich in die bisher private Erziehung der KLEINKINDER, da wo die Weichen gestellt werden, aktiv und kostenintensiv und manchmal dann wohl auch nervtötend einmischen...
Will man das?
Ich will das eigentlich nicht und bin froh, ein relativ unabhängiger Autodidakt und selbständiger Freiberufler zu sein, aber es scheint hier viele Menschen zu geben, die das "Rund-um-Sorglos"-Paket vom Staat, den Institutionen, Kirchen, Schulen, der Politik oder von wem sonst auch immer erwarten.
Nach einer jahrzehntelang offiziell propagierten Gastarbeiterlüge ("Nein, Deutschland ist kein Einwanderungsland") merken wir nun, daß eben Menschen in unser freies Land gekommen sind, die kulturell und historisch nie gelernt haben, mit dieser Freiheit - und Selbstverantwortung umzugehen.
Wie führt man die entweder in Anarchie oder Obrigkeitsabhängigkeit lebenden, bildungsfernen Unselbständigen behutsam, aber beständig zu einer halbwegs selbstbestimmten Existenz, ohne die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen zu sehr zu beschneiden?
Schulpflicht allein scheint nicht genug zu sein.
__________________________________________________________ Education is the ability to listen to almost anything without losing your temper or your self-confidence. - Robert Frost
Deutsche Kinder werden mittlerweile in den ausländischen Urlaubscamps belächelt, weil sie massenhaft motorischen Störungen aufweisen; nicht singen, nicht malen, nicht tanzen und nichts vortragen können. Dem Ausland ist es bereits aufgefallen, dass die Kinder hinterherhinken. In anderen Ländern identifizieren sich Kinder und Jugendliche mit ihrer Schule, hier wollen sie diese schneller verlassen. Ein Zeichen kranker Gesellschaft.
Wie kann man nur so anstrengend seinWenn's Ihnen gefällt in einem dystopischen Weltbild zu leben in dem aber natürlich m jenseits der Deutschen (-mit ganz viel Abscheu ausgesprochen) Grenzen Utopia anbricht ..Und was "Deutsche Kinder"... und "Das Ausland" betrifft...? Dermaßen viele dümliche Pauschalisierungen in so wenigen Sätzen unterzubringen ist schon eine Leistung. Es gab noch nie in der Geschichte der Menschheit und es gibt in keinem Land eine bemerkenswerte Prozentzahl von Schülern die die Schule nicht möglichst schnell hinter sich bringen wollen. Andernfalls wäre dies in der Tat eine kranke Gesellschaft oder Resultat von tonnenweise Ritalin. Also viel Spaß beim Auswandern, "Tschüßi", wie man im Norden so schön sagt.
Wie kann man nur so anstrengend seinWenn's Ihnen gefällt in einem dystopischen Weltbild zu leben in dem aber natürlich m jenseits der Deutschen (-mit ganz viel Abscheu ausgesprochen) Grenzen Utopia anbricht ..Und was "Deutsche Kinder"... und "Das Ausland" betrifft...? Dermaßen viele dümliche Pauschalisierungen in so wenigen Sätzen unterzubringen ist schon eine Leistung. Es gab noch nie in der Geschichte der Menschheit und es gibt in keinem Land eine bemerkenswerte Prozentzahl von Schülern die die Schule nicht möglichst schnell hinter sich bringen wollen. Andernfalls wäre dies in der Tat eine kranke Gesellschaft oder Resultat von tonnenweise Ritalin. Also viel Spaß beim Auswandern, "Tschüßi", wie man im Norden so schön sagt.
"Aber ein Viertel der Jugendlichen hat zweieinhalb Jahre nach Schulende noch immer keinen Ausbildungsplatz, bei den Jugendlichen mit und ohne Hauptschulabschluss sind es sogar 40 Prozent."dass es junge Menschen geben soll, die sich lieber als Punk üben möchten, an Hauptbahnhöfen rum zu lungern spannender als eine Ausbildung finden, sich mit herzzereißenden Geschichten über verlorenes Fahrgeld (und damit verbundenen, dringend wahrzunehmenden beruflichen Terminen) über Wasser halten möchten oder die sich ihren Unterhalt lieber mit dem Verkauf einer Obdachlosenzeitung verdienen möchten als zu arbeiten (oder bei einer ARGE oder dem Sozialamt vorzusprechen)? Oder die gehobenere Version: als au pair für 1 Jahr im Ausland verschwinden, Studium-hopping betreiben?Und wer nun sagt, meine Ausführungen seien der undiskrete Charme der Bourgoisie, den lade ich gerne zu einem Besuch in einer bundesrepublikanischen Großstadt seiner Wahl ein.
die Dummen und Faulen besser zu alimentieren. Denn wenn die merken, dass Dummheit und Faulheit von der Gemeinschaft gewürdigt wird (moralisch und monetär), werden die sich sagen "jetzt werde ich fleißig sein und mich ordentlich bilden".
die Dummen und Faulen besser zu alimentieren. Denn wenn die merken, dass Dummheit und Faulheit von der Gemeinschaft gewürdigt wird (moralisch und monetär), werden die sich sagen "jetzt werde ich fleißig sein und mich ordentlich bilden".
auch ich dafür, allen Kindern unabhängig von der Herkunft eine gute Bildung und Ausbildung zu ermöglichen, schon deshalb, weil ich das zur Entwicklung der Persönlichkeit wichtig finde. Damit plädiere ich also nicht dafür, alles so sein zu lassen; nur, dass das dann praktisch zu Vollbeschäftigung führen würde, wenn alle mindestens Realschulabschluss hätten, halte ich für illusorisch.Dann gibt es andere Gründe, bestimmte Gruppen als ungeeignet einzuordnen und auszusondern.Früher hatten bestimmte Menschen mit eher praktischen Fähigkeiten oder begrenzter Lernfähigkeit eben noch die Möglichkeiten einfachster Tätigkeiten.Die gibt es doch so kaum noch.
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