EM-Tagebuch Immer schön locker, ihr Gnocchis
Christof Siemes findet die Squadra Azzurra unsympathisch. Nach dem gestrigen Tag will er jedoch mit Chefredakteur Giovanni di Lorenzo um eine Wurst wetten, dass Italien Europameister wird
Thema heute: Italien, natürlich. Sympathisches Land eigentlich, fragt sich bloß, warum dessen Fußball so unsympathisch ist. Zu viele Haarbändchen? Zu viele faschistische Fans? Zu viel überhebliche goldene Kragen am Trikot? Zu viel catenaccio, immer noch?
Schon am frühen Morgen jedenfalls, noch im Halbschlaf, schleicht sich der wankende Weltmeister herein. Ich träume, die Mannschaft kratze sich am Ende doch noch mit ä Hönnerkläuke, wie man bei uns am Niederrhein sagt, mit einer Hühnerkralle irgendwie ins Viertelfinale. Und wenn sie dort einmal sind, die Italiener, dann kommen sie auch bis ins Finale. Sagen wir es gleich: Es ist ein Albtraum. Denn ein bisschen nachtragend muss sein.
Das WM-Aus der Deutschen im Halbfinale ist bis heute nicht vergessen, jedenfalls nicht von mir. Um das Glück diesmal zu zwingen, habe ich schon vor Wochen den Chefredakteur zu einer Wette animieren wollen: Alles kann geschehen, nur nicht, dass Italien Europameister wird. Aber Giovanni di Lorenzo, der berühmt ist für seine Wetten, bei denen es um feinen Barolo oder einzigartige Mettwürste aus Bremen geht, der Chef und Italienfan, wollte sich diesmal auf nix einlassen.
Wenn schon er nicht auf seine Mannschaft setzen will, dachte ich, werden wir uns wohl diesmal nicht fürchten müssen vor diesem eiskalten Erfolgsfußball, dessen Geheimnis ich noch immer nicht begriffen habe. So tröste ich mich übers Frühstück und den Vormittag.
Und dann sind die Italiener doch wieder da, in einer Veranstaltung, in der ich sie am wenigsten erwartet habe: in der Feuilleton-Planungskonferenz. Warum das Verhältnis der Deutschen zu Italien so viel schlechter geworden sei - ob das nicht mal ein Thema sei, vielleicht sogar für einen Titel, fragt ein Kollege. „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn ...? Kennst du es wohl? Dahin! Dahin möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!“ Goethe, Mignon, ewiges deutsches Sehnen nach dem Süden - tempi passati. Was ist geschehen?
Zum einen haben die Italiener Berlusconi wieder mal gewählt, obwohl wir ihnen doch 1000 gute Gründe dagegen genannt haben. Wir machen doch auch nicht Matthias Döpfner zum Kanzler! Dann fängt die Mafia, die wir bisher für eine süditalienische Folklore-Veranstaltung gehalten haben, plötzlich an, in Duisburg rumzuballern, in echt. Und schließlich müssen wir auch noch den italienischen Dreck wegmachen, hier oben in Hamburg, in unserer Müllverbrennungsanlage.
- Datum 18.06.2008 - 12:54 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 14.6.2008
- Kommentare 8
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Bei allem Respekt Herr Siemes, immer schön locker bleiben...!
Ich bin zwar selber Franzose und habe seid gestern Abend auch (mal wieder) keine Lust in nächster Zeit Pizza essen zu gehen, aber Ribéry ist alles andere als "rausgetreten" worden. Geben Sie sich bitte noch mal die Mühe eine Wiederholung der Szene anzusehen und Sie werden bemerken, dass es Ribéry war der gefoult hat und dass seine Verletzung lediglich daher kommt weil er nach dem Foul unglücklich aufgekommen ist.
Die Azzura macht zwar auf mich, ebenfalls einen unsympathischen Eindruck und die Methoden mit denen sich die Italiener manchmal Vorteile herausholen, man denke an die Sache mit Torsten Frings nach dem Spiel Deutschland-Italien zur WM 2006, mit mir genauso zuwider, aber das ist noch lange kein Grund die Fakten dermaßen zu vertauschen.
Ribery verletzte sich, während er Zambrotta foulte. Es war ganz offensichtlich nicht Zambrottas (oder irgendeines anderen italienischen Spielers) Schuld. Auch die Rote Karte für Abidal und der anschließende Elfmeter für Italien waren berechtigt. Das waren unstrittige Szenen, von daher ist es schon verwunderlich, dass sie schreiben, sie hätten das Spiel gestern gesehen. Interessant ist die Auffassung (von meinem Vorredner verkorkt deutlicher zur Sprache gebracht), Italien hätte 2006 irgendwie Schuld and Frings' Sperre gehabt - ist es deutschen Spielern denn erlaubt, Argentiniern ungestraft mit der Faust ins Gesicht zu schlagen?Ich möchte Sie, Herr Dr. Christof Siemens, allerdings dafür loben, dass Sie so ehrlich sind und Ihre Abneigung gegenüber Italien hier öffentlich machen und mittels Lügen unterstreichen. Nicht jeder zeigt seine Gefühle so offen, aber bei Ihnen weiß man jetzt wenigstens, woran man ist.
Lieber Herr Siemes, die Wurst können Sie Ihrem Chef gleich geben - denn diesmal wird bekanntlich Deutschland Europameister. Von den Azzurri droht keine Gefahr, denn die haben gegen Frankreich viel zu gut gespielt, als dass sie am Ende das Turnier gewinnen könnten (hätte Luca Toni nur die Hälfte siner 100%igen Chancen verwertet, wäre das Spiel 7:0 ausgegangen). Gleiches gilt für Holland - wer in der Vorrunde so auftrumpft, fliegt in den meisten Turnieren im Viertelfinale wegen Überheblichkeit raus, Spielkunst hin oder her. Turniere gewinnt man, indem man schwach anfängt, mit Glück trotzdem weiterkommt, sich mit seinen Gegnern, von denen man unterschätzt wird, steigert, und am Ende sogar selbst glaubt, dass man gut ist - siehe Italien 2006, Griechenland 2004 und etliche andere vorher (darunter, ja, auch wir).In dem Sinne sind die letzten beiden schlechten Spiele der deutschen Mannschaft ein sehr gutes Zeichen, und die diesmal starke Leistung Italiens ist der Anfang vom Ende.Darauf würde ich sogar 2 Radieschen aus dem eigenen Garten wetten !
Was ist das eigentlich? Teutonischer Beissreflex? Aber es ist ja leider immer das gleiche: Gewinnen die Griechen mal eine EM, dann ist das Steinzeitfussball. Stolpert sich eine deutsche Mannschaft bis ins Finale, dann ist das "Strategie" und effizient. Die Spanier und Portugiesen mag der Deutsche, die gewinnen ja nie. Aber das Italiener gewinnen, dass können sie nicht vertragen. Im TV ist es nicht die Frage, ob, sondern wann der Kommentator "Katenatschioh" stammelt. Da hat Herr Siemes es einfacher: per copy and paste kann er es einfach einfügen.
Fällt Ballack hin, dann "holt er den Freistoss raus", wird ein Italiener gefoult, dann ist das eine Schwalbe. Hat der Schweini einen Gegenspieler um, dann ist das "internationale Härte".
Ich wusste gar nicht, dass Herr Hoyzer Italiener ist und vom Schalke- (bzw Bundesliga-)Skandal hat Herr Siemes auch noch nichts gehört.
Und: "Bei uns am Niederrhein..." ist mit "unserer Müllverbrennungsanlage" in Hamburg inkompatibel. Da sagt der Hamburger in mir: Ausländer rein; Rheinländer raus.
Ihr Artikel ist eine (unangemessene) subjektive Rundum-Abrechnung
mit einem Land ohne bzw. mit Falschinformationen und sagt nicht mehr
aus als "es passt mir nicht, dass die italienische Mannschaft im
Viertelfinale steht". Kurzum, er ist überflüssig.
Hey ihr Nasen, versteht denn hier keiner Ironie?
Ich stelle seit 20 Jahren fest : kein deutscher Fußballfan findet italienischen Fußball sympathisch. Keine Ligamannschaft und schon gar nicht die Nationalmannschaft.Woran kann das liegen ?Wir verlieren (fast) immer gegen Brasilien und die sind ebenfalls genetische Schwalbenakrobaten. Wer aber so zaubert, dem erlauben wir das Mädchenhafte.Die Engländer treten uns oftmals in der ersten Halbzeit erstmal kaputt. Dafür machen sie es von vorne mit Ansage, und jammern selbst auch nicht, wenn Frings die Beinschere zuschnappen läßt.Und wenn wir gegen Senegal oder Nigeria wiedereinmal 2:1 verlieren, dann gönnen wir es den armen Negern sogar ein bisschen.Aber die Italiener..Hand aufs Herz : sie sind uns unsympathisch, weil sie alles das machen, was gegen die deutschen Tugenden verstößt - und damit meistens auch noch Erfolg haben. Fußball ist Männersport - und wir müssen gegen geölte Schönlinge mit Haarbändchen spielen, die wie Mädchen aufheulen, wenn sie gefoult werden. Im Fußball gewinnt man durch Taktik und Kampfgeist im Team - und die Italiener gewinnen durch Einzelaktionen in den letzten Spielminuten.Und das schlimmste von allem : Italiener sind unglaublich stolz auf ihren Fußball und werden - egal wie spielen - in den Medien hochgelobt oder zumindest entschuldigt.Kurz : Die Italiener habe den internationalen Erfolg nach unserer Fußball-Weltanschauung nicht verdient. Finde ich auch !Aber leider ist die Welt ungerecht....
Ich finde die Italiener sind extrem hart mit der eigenen Mannschaft und sie trauen ihr eigentlich nichts zu. Ausser wenn es gegen Deutschland geht, da drehen sie voll auf. Bei der WM dank besch.... Artikel in der BILD, der mehr als beleidigend war. Deshalb haben sie unserer Mannschaft auch das Spiel vermasselt und einfach ein Tor geschossen, während unsere Spieler noch Notizen zur Strategie der Italiener machten um dann minutiös die eigene Taktik, die bereits zuvor von langer Hand aufgestellt und in jedem Detail geplant war, gnadenlos durchzuziehen.
Manchmal übertreiben wir einfach mit dem organisieren und vergessen dann das Fußballspielen. Und dann sind wir schnell da, anderen die Schuld zu geben. Hoffen wir, daß wir dieses Jahr wieder auf Italien treffen, dann wette ich jedoch allenfalls auf die Italiener... Sie sind einfach einen Gang schneller.
Ich finde die Italiener sind extrem hart mit der eigenen Mannschaft und sie trauen ihr eigentlich nichts zu. Ausser wenn es gegen Deutschland geht, da drehen sie voll auf. Bei der WM dank besch.... Artikel in der BILD, der mehr als beleidigend war. Deshalb haben sie unserer Mannschaft auch das Spiel vermasselt und einfach ein Tor geschossen, während unsere Spieler noch Notizen zur Strategie der Italiener machten um dann minutiös die eigene Taktik, die bereits zuvor von langer Hand aufgestellt und in jedem Detail geplant war, gnadenlos durchzuziehen.
Manchmal übertreiben wir einfach mit dem organisieren und vergessen dann das Fußballspielen. Und dann sind wir schnell da, anderen die Schuld zu geben. Hoffen wir, daß wir dieses Jahr wieder auf Italien treffen, dann wette ich jedoch allenfalls auf die Italiener... Sie sind einfach einen Gang schneller.
Ich finde die Italiener sind extrem hart mit der eigenen Mannschaft und sie trauen ihr eigentlich nichts zu. Ausser wenn es gegen Deutschland geht, da drehen sie voll auf. Bei der WM dank besch.... Artikel in der BILD, der mehr als beleidigend war. Deshalb haben sie unserer Mannschaft auch das Spiel vermasselt und einfach ein Tor geschossen, während unsere Spieler noch Notizen zur Strategie der Italiener machten um dann minutiös die eigene Taktik, die bereits zuvor von langer Hand aufgestellt und in jedem Detail geplant war, gnadenlos durchzuziehen.
Manchmal übertreiben wir einfach mit dem organisieren und vergessen dann das Fußballspielen. Und dann sind wir schnell da, anderen die Schuld zu geben. Hoffen wir, daß wir dieses Jahr wieder auf Italien treffen, dann wette ich jedoch allenfalls auf die Italiener... Sie sind einfach einen Gang schneller.
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