Nachruf Jazz für morgenSeite 2/2

Ein großer Bewunderer Svenssons ist auch Ethan Iverson, der Pianist des amerikanischen Jazztrios The Bad Plus. Auf seiner Website ehrt er den Schweden vor allem für seinen respektvollen Umgang mit Klang, für seine „sonische Treue“. Svensson habe die klangliche Umsetzung seiner Musik niemals dem Zufall überlassen. Sein Tontechniker Ake Linton war ihm ein „viertes Mitglied des Trios“. Er nennt Svensson seine Leitfigur.

Esbjörn Svensson hatte mit Anfang 20 begonnen, seine musikalische Vision von ausgedehnten Improvisationen umzusetzen. Zunächst mit dem Schlagzeuger Magnus Öström, 1993 erweiterte der Bassist Dan Berglund das Duo zum Trio. Seitdem stand das e.s.t. für einen künstlerischen Ernst im Umgang mit der Musik und ebenso für ein puristisches, akustisches Konzept. An diesem hielt die Gruppe auch in den Neunzigern fest, als in Skandinavien viel mit elektronischen Klangerweiterungen experimentiert wurde.

Das e.s.t. machte Brüche hörbar, die Auseinandersetzung mit einer politischen Welt, die aus den Fugen geraten war. Und doch entsagte Svensson nie so radikal der Melodie wie etwa der ebenfalls aus Stockholm stammende Free-Jazz-Saxofonist Mats Gustafsson. Svensson war vielmehr ein Architekt der Klanglinien, die er mehrstimmig schichtete.

Vor wenigen Tagen erst hat das e.s.t. die Aufnahmen zu seinem zwölften Album Leucocyte abgeschlossen. Im Beiheft zur Doppel-CD e.s.t. live in hamburg , für die das Trio im März 2008 den German Jazz Award bekam, schrieb Esbjörn Svensson über seine Vorbereitungen zum Konzert: Er habe noch am Nachmittag zur Übung einige Stücke von Bach gespielt, Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier . Der Konzertflügel sei so wunderbar und perfekt gestimmt gewesen, und er habe vor dem Konzert Yogaübungen gemacht. Im Konzert selbst habe er stets das Gefühl, als bleibe die Zeit stehen. Das Spielen improvisierter Musik sei wie die Transzendenz in eine andere Dimension, eine andere Welt.

In dieser anderen Welt ist er jetzt. Uns bleiben die Erinnerung an seine denkwürdigen Konzerte und seine Aufnahmen – ein Stück gefrorene Zeit.

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Leser-Kommentare
  1. Ich bin geschockt. Esbjörn Svenson war einer der vielversprechendsten Figuren des Jazz in unsrer Zeit. Er fehlt.

  2. Ein feinfühliger und poetischer Nachruf auf einen hervorragenden Musiker und sympathischen Menschen, der dem Jazz viele neue Zuhörer gebracht hat und dabei immer er selbst blieb. Es gibt aktuell nicht viele seines Formats.

  3. Dem ist nichts hinzuzufügen. R.I.P.

  4. sehr schöne Würdigung für einen großartigen Musiker.

  5. bilder gibt's auf www.alaskaaa.com
    (s. 2004-12-04 und 2004-12-03)

  6. Ich hatte ich einen Tag vorher noch um Karten für EST bemüht, der Vorverkauf für Köln hatte aber noch nicht begonnen...
    Trotz Live-Konzerten (Grandios 2005 in Leverkusen mit Lars Danielsson als "Vorgruppe") bleibt mir doch viel zu wenig Erinnerung.
    In einem EST-Konzert fand man nicht nur "the usual (jazz-) suspects", sondern auch Grenzgänger. EST-ein Grenzgänger ohne Kompromisse an die Qualität.
    Sehr traurig.

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