Bildung Die beste Schule für mein Kind

Das Magazin "Focus Schule" will eine neue Datenbank ins Netz stellen. Wie hilfreich sind Schulvergleiche für ambitionierte Eltern - und für die Lehranstalten selbst?

Stellen Sie sich vor, Lehrer sollten aus dem Bauch heraus entscheiden, ob ihre Schüler versetzt werden sollen. Manchmal wäre das wohl fairer als die Noten, die sie vergeben. Aber die meisten Schüler würden sich vermutlich der puren Willkür ausgeliefert fühlen.

Geht es darum, welches die passende Schule fürs Kind ist, bleibt den Eltern vielerorts jedoch nichts anderes übrig, als genau darauf zu vertrauen: ihr Bauchgefühl. Sie verlassen sich auf den (vielleicht längst überholten) Ruf der Institution und auf den Eindruck, den Direktor und Räumlichkeiten am Tag der offenen Tür machen. Oder auf die Gerüchte, die andere Eltern streuen: „Habe gehört, die Tochter meiner Freundin wurde auf dem Schulhof gemobbt.“

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Doch nun könnte alles anders werden. Am Dienstag wird das Magazin Focus Schule seine neue Online-Schuldatenbank ins Netz stellen. Sie soll endlich vergleichbare Informationen liefern.

Das Magazin hat Lehrer, Direktoren, Eltern und Schüler gebeten, umfangreiche Fragebögen auszufüllen. Abgefragt wurden der Zustand der Toiletten und die Anzahl der Computer ebenso wie der Anteil an Migrantenkindern, die Stimmung an der Schule, altersgemischtes Lernen oder die angebotenen Fremdsprachen. Immer geht es um Schulen mit mittlerem und höherem Bildungsabschluss.

Ein Segen für suchende Eltern? Keinesfalls, heißt es aus der Lehrergewerkschaft GEW. Sie läuft schon länger Sturm gegen die Datenbank und hat die Schulen zum Boykott der Umfragen aufgefordert. Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der GEW, ist der Überzeugung, dass Schulrankings die Qualität des Schulsystems nicht verbessern, sondern Ungerechtigkeit und Ungleichheit eher vergrößern.

Wie das? Ist Transparenz nicht ein Zeichen für mehr Gerechtigkeit? Spornt der öffentliche Wettbewerb nicht an, besser zu werden und Unterstützung einzufordern?

Nein, denn es handle sich nicht wirklich um Transparenz, sagt Demmer: „Jeder kann die Fragen beantworten, wie er lustig ist. Da steckt viel Manipulationspotenzial drin. Denn es fehlt jegliche Verbindlichkeit.“

Leser-Kommentare
  1. Derartige, vollständige Schulinformationen für Eltern gibt es in einigen Städten bereits, wenn auch als Einzelinitative eines Professors und gegen den Wiederstand vieler beteiligter.Nach einigen Ausgaben kann man mittlweile schon von einem kleinen Erfolg sprechen, denn immerhin haben die Eltern jetzt die Möglichkeit sich in Oldenbug zu entscheiden.

    • ErichH
    • 17.06.2008 um 11:26 Uhr

    Eines Tages verkündete mein Klassenlehrer, der gleichzeitig Schulleiter war, eine sehr begrüßenswerte Neuerung: den Notenspiegel.
    Unter jede Schularbeiter wurde, mit einem Stempel, die Tabelle für den Notenspiegel gedruckt. Wenn diese Schularbeiten an die Schüler verteilt waren, schrieb der Lehrer an die Tafel,  wie viele Einsen, Zweien, Dreien usw. es gegeben hatte.
    Das war vor mehr als vierzig Jahren, und der Schulleiter war eher rückwartsgewandt.
    Also, Leute: Was machen wir die ganze Zeit?????
     

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    ...das deutsche Bildungssystem ist rückwärtsgewandt - das hat aber v.a. damit zu tun, dass es immer noch ein Großkampfplatz der Ideologien aus der Zeit des Kalten Krieges ist. Da gibt's keinen Pragmatismus, da zählen

    Das Problem liegt darin, dass das deutsche Bildungswesen immer noch einer der Großkampfplätze aus der Zeit des Kalten Krieges ist. Zur Zeit ist reaktionär sein chic - demnächst ist es vielleicht wieder unchic, weil sich der politische Wind gedreht hat und reaktionär keine Mehrheit hat.Pragmatismus spielte in der Bildungspolitik in D noch nie eine große Rolle - da regierte immer schon die pure politische Ideologie und v.a. während des Kalten Krieges prallten dort Welten aufeinander, die so unterschiedlich waren und so unverrückbar waren, dass selbst der kleinste Kompromiss, das kleinste Aufeinander-Zubewegen als katastrophale Niederlage angesehen wurden.

    ...das deutsche Bildungssystem ist rückwärtsgewandt - das hat aber v.a. damit zu tun, dass es immer noch ein Großkampfplatz der Ideologien aus der Zeit des Kalten Krieges ist. Da gibt's keinen Pragmatismus, da zählen

    Das Problem liegt darin, dass das deutsche Bildungswesen immer noch einer der Großkampfplätze aus der Zeit des Kalten Krieges ist. Zur Zeit ist reaktionär sein chic - demnächst ist es vielleicht wieder unchic, weil sich der politische Wind gedreht hat und reaktionär keine Mehrheit hat.Pragmatismus spielte in der Bildungspolitik in D noch nie eine große Rolle - da regierte immer schon die pure politische Ideologie und v.a. während des Kalten Krieges prallten dort Welten aufeinander, die so unterschiedlich waren und so unverrückbar waren, dass selbst der kleinste Kompromiss, das kleinste Aufeinander-Zubewegen als katastrophale Niederlage angesehen wurden.

  2. Das zur Verfügung stellen von Informationen nützt jedoch nur den Eltern, die auch aktiv, neugierig und  besorgt um ihr Kind, nach diesen Informationen suchen!
    Und das sind eben genau die "Bildungsbewußten Eltern".
    Die haben sich aber vorher sowieso schon über alle Schulmöglichkeiten genau informiert und schicken ihr Kind halt auf die Schule, die ihrem Urteil als mündige, erwachsene, gebildete Bürger entspricht.
    Und scheinbar machen diese Eltern das auch ganz gut - die haben kein Problem bei der Schulwahl.
    Und die "bildungsfernen Familien" lesen sich ganz bestimmt keine Studien oder Vergleichsstatistiken im Internet durch... ???
    Also vergrößert dieses Internet-Informationsangebot im Zweifel sogar noch die berühmte "Bildungsschere" - Wer schon hat, dem wird noch mehr gegeben!
    Wie erreicht man aber bitte die Eltern, die eben nicht ins Internet schauen, keine Bücher lesen, nicht im ZEIT Forum diskutieren und denen es herzlich egal ist, was der Bengel in der Schule macht, Hauptsache er zieht irgendwann aus und geht arbeiten - oder die Tochter heiratet halt früh, hm ???
    __________________________________________________________ Education is the ability to listen to almost anything without losing your temper or your self-confidence. - Robert Frost

  3. In Bayern haben nur die Eltern die Wahlmöglichkeit, die bereit sind, für die Schule zu zahlen. Über das Schicksal der Mittellosen bestimmt die Lehrkraft der 4. Klasse.

  4. ...das deutsche Bildungssystem ist rückwärtsgewandt - das hat aber v.a. damit zu tun, dass es immer noch ein Großkampfplatz der Ideologien aus der Zeit des Kalten Krieges ist. Da gibt's keinen Pragmatismus, da zählen

  5. Das Problem liegt darin, dass das deutsche Bildungswesen immer noch einer der Großkampfplätze aus der Zeit des Kalten Krieges ist. Zur Zeit ist reaktionär sein chic - demnächst ist es vielleicht wieder unchic, weil sich der politische Wind gedreht hat und reaktionär keine Mehrheit hat.Pragmatismus spielte in der Bildungspolitik in D noch nie eine große Rolle - da regierte immer schon die pure politische Ideologie und v.a. während des Kalten Krieges prallten dort Welten aufeinander, die so unterschiedlich waren und so unverrückbar waren, dass selbst der kleinste Kompromiss, das kleinste Aufeinander-Zubewegen als katastrophale Niederlage angesehen wurden.

  6. Kommentar 5 wurde unbeabsichtigt und unredigiert verschickt... Also nicht wundern, warum er einfach abreißt...

    • ErichH
    • 18.06.2008 um 8:09 Uhr

    Selbst ein Reaktionär hatte mit unter mehr Einsichtsfähigkeit gezeigt als wir heute.

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    Das hatte aber auch etwas mit dem Sputnik-Schock zu tun, der zwischen 1956 und 1970 naheu allen in den Knochen saß und im Kampf der Systeme die Gefahr deutlich machte, der Westen und ganz besonders Westdeutschland würden bildungspolitisch ins Hintertreffen geraten. Als erstes schuf man nach dem Sputnik-Flug das Schulgeld ab, das noch in den 50er Jahren für den Besuch weiterführender Schulen verlangt wurde. Es ist sicherlich heute vielfach in Vergessenheit geraten, dass noch bis Mitte der 50er Jahre der Besuch öffentlicher Realschulen und Gymnasien vielerorts Geld kostete, weil man der Meinung war, dass Kinder aus Arbeiterhaushalten nichts auf diesen Schulen zu suchen hätten.

    Das hatte aber auch etwas mit dem Sputnik-Schock zu tun, der zwischen 1956 und 1970 naheu allen in den Knochen saß und im Kampf der Systeme die Gefahr deutlich machte, der Westen und ganz besonders Westdeutschland würden bildungspolitisch ins Hintertreffen geraten. Als erstes schuf man nach dem Sputnik-Flug das Schulgeld ab, das noch in den 50er Jahren für den Besuch weiterführender Schulen verlangt wurde. Es ist sicherlich heute vielfach in Vergessenheit geraten, dass noch bis Mitte der 50er Jahre der Besuch öffentlicher Realschulen und Gymnasien vielerorts Geld kostete, weil man der Meinung war, dass Kinder aus Arbeiterhaushalten nichts auf diesen Schulen zu suchen hätten.

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