Bildung Die beste Schule für mein KindSeite 2/2

Noch mehr allerdings beunruhigt Demmer, dass in den Fragebögen die Durchschnittsnote der Schüler, andere Leistungsvergleiche und der Migrantenanteil abgefragt werden. „Wir müssen davon ausgehen, dass das Ergebnis eine noch stärkere soziale Entmischung sein wird.“

Bildungsnahe Eltern schickten ihre Kinder nicht auf Schulen, die in diesen Kategorien schlechter abschneiden. Die Folge: Migrantenkinder bleiben unter sich. "Mir ist international kein Modell der Offenlegung von Schuldaten bekannt, das zum Beispiel in Sachen Chancengleichheit etwas verbessert hätte. Die Probleme der sozialen Entmischung und Benachteiligung werden im Gegenteil noch verschärft", sagt Demmer.

Auch Ernst Rösner vom Institut für Schulentwicklungsforschung ist skeptisch, obwohl er wünscht, dass Schulen offenlegen, was sie tun. „Als Vater würde ich es mir angucken und vermutlich wieder beiseite legen: zu unergiebig für meine Schulwahl.“ Er vermutet, dass die Kriterien der Focus- Datenbank zu oberflächlich bleiben müssen. Denn die Zusammenhänge sind schwer darzustellen.

Es gibt Schulen, deren objektive Lernergebnisse aus dem Durchschnitt nicht herausragen – aber die Rahmenbedingungen sind wunderbar. Eine andere Schule liefert zwar überragende Abiturleistungen, doch in der Datenbank steht nicht, wie viele Schüler vorher die Schule verlassen mussten, damit diese Eliteleistungen erbracht werden konnten.

Wie viele Kinder sind an dieser Realschule sitzen geblieben? Das kann interessant sein - aber vor allem im Zusammenhang mit der Frage: Wie viele haben die Schule Richtung Hauptschule verlassen müssen? Denn möglicherweise ist mir eine höhere Sitzenbleiberquote lieber, als dass die Kinder schnell nach unten aussortiert werden.

Übrig bleiben – das räumt auch Marianne Demmer ein – objektivierbare Informationen wie Chinesisch als Fremdsprache oder die Anzahl der beschäftigten Schulpsychologen. Nicht allzu viel.

Rösner würde deshalb weiter gehen, als die Datenbank es tut, und Analysen veröffentlichen. Man solle einen ordentlichen Bildungsbericht ruhig bis auf Schulträgerebene oder eine Region hinunter untersuchen. Wie steht die Einzelschule da? Das wollten die Eltern doch wissen. „Aber nur dann, wenn man die Rahmenbedingungen gleichsetzt, kann man den Output vergleichen. Das Ganze ist immer nur die Summe seiner Teile.“

Am Ende hilft wohl nur, dass Eltern und Kinder hingehen, sich informieren - und schließlich aus dem Bauch heraus entscheiden.

 
Leser-Kommentare
  1. Derartige, vollständige Schulinformationen für Eltern gibt es in einigen Städten bereits, wenn auch als Einzelinitative eines Professors und gegen den Wiederstand vieler beteiligter.Nach einigen Ausgaben kann man mittlweile schon von einem kleinen Erfolg sprechen, denn immerhin haben die Eltern jetzt die Möglichkeit sich in Oldenbug zu entscheiden.

    • ErichH
    • 17.06.2008 um 11:26 Uhr

    Eines Tages verkündete mein Klassenlehrer, der gleichzeitig Schulleiter war, eine sehr begrüßenswerte Neuerung: den Notenspiegel.
    Unter jede Schularbeiter wurde, mit einem Stempel, die Tabelle für den Notenspiegel gedruckt. Wenn diese Schularbeiten an die Schüler verteilt waren, schrieb der Lehrer an die Tafel,  wie viele Einsen, Zweien, Dreien usw. es gegeben hatte.
    Das war vor mehr als vierzig Jahren, und der Schulleiter war eher rückwartsgewandt.
    Also, Leute: Was machen wir die ganze Zeit?????
     

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...das deutsche Bildungssystem ist rückwärtsgewandt - das hat aber v.a. damit zu tun, dass es immer noch ein Großkampfplatz der Ideologien aus der Zeit des Kalten Krieges ist. Da gibt's keinen Pragmatismus, da zählen

    Das Problem liegt darin, dass das deutsche Bildungswesen immer noch einer der Großkampfplätze aus der Zeit des Kalten Krieges ist. Zur Zeit ist reaktionär sein chic - demnächst ist es vielleicht wieder unchic, weil sich der politische Wind gedreht hat und reaktionär keine Mehrheit hat.Pragmatismus spielte in der Bildungspolitik in D noch nie eine große Rolle - da regierte immer schon die pure politische Ideologie und v.a. während des Kalten Krieges prallten dort Welten aufeinander, die so unterschiedlich waren und so unverrückbar waren, dass selbst der kleinste Kompromiss, das kleinste Aufeinander-Zubewegen als katastrophale Niederlage angesehen wurden.

    ...das deutsche Bildungssystem ist rückwärtsgewandt - das hat aber v.a. damit zu tun, dass es immer noch ein Großkampfplatz der Ideologien aus der Zeit des Kalten Krieges ist. Da gibt's keinen Pragmatismus, da zählen

    Das Problem liegt darin, dass das deutsche Bildungswesen immer noch einer der Großkampfplätze aus der Zeit des Kalten Krieges ist. Zur Zeit ist reaktionär sein chic - demnächst ist es vielleicht wieder unchic, weil sich der politische Wind gedreht hat und reaktionär keine Mehrheit hat.Pragmatismus spielte in der Bildungspolitik in D noch nie eine große Rolle - da regierte immer schon die pure politische Ideologie und v.a. während des Kalten Krieges prallten dort Welten aufeinander, die so unterschiedlich waren und so unverrückbar waren, dass selbst der kleinste Kompromiss, das kleinste Aufeinander-Zubewegen als katastrophale Niederlage angesehen wurden.

  2. Das zur Verfügung stellen von Informationen nützt jedoch nur den Eltern, die auch aktiv, neugierig und  besorgt um ihr Kind, nach diesen Informationen suchen!
    Und das sind eben genau die "Bildungsbewußten Eltern".
    Die haben sich aber vorher sowieso schon über alle Schulmöglichkeiten genau informiert und schicken ihr Kind halt auf die Schule, die ihrem Urteil als mündige, erwachsene, gebildete Bürger entspricht.
    Und scheinbar machen diese Eltern das auch ganz gut - die haben kein Problem bei der Schulwahl.
    Und die "bildungsfernen Familien" lesen sich ganz bestimmt keine Studien oder Vergleichsstatistiken im Internet durch... ???
    Also vergrößert dieses Internet-Informationsangebot im Zweifel sogar noch die berühmte "Bildungsschere" - Wer schon hat, dem wird noch mehr gegeben!
    Wie erreicht man aber bitte die Eltern, die eben nicht ins Internet schauen, keine Bücher lesen, nicht im ZEIT Forum diskutieren und denen es herzlich egal ist, was der Bengel in der Schule macht, Hauptsache er zieht irgendwann aus und geht arbeiten - oder die Tochter heiratet halt früh, hm ???
    __________________________________________________________ Education is the ability to listen to almost anything without losing your temper or your self-confidence. - Robert Frost

  3. In Bayern haben nur die Eltern die Wahlmöglichkeit, die bereit sind, für die Schule zu zahlen. Über das Schicksal der Mittellosen bestimmt die Lehrkraft der 4. Klasse.

  4. ...das deutsche Bildungssystem ist rückwärtsgewandt - das hat aber v.a. damit zu tun, dass es immer noch ein Großkampfplatz der Ideologien aus der Zeit des Kalten Krieges ist. Da gibt's keinen Pragmatismus, da zählen

  5. Das Problem liegt darin, dass das deutsche Bildungswesen immer noch einer der Großkampfplätze aus der Zeit des Kalten Krieges ist. Zur Zeit ist reaktionär sein chic - demnächst ist es vielleicht wieder unchic, weil sich der politische Wind gedreht hat und reaktionär keine Mehrheit hat.Pragmatismus spielte in der Bildungspolitik in D noch nie eine große Rolle - da regierte immer schon die pure politische Ideologie und v.a. während des Kalten Krieges prallten dort Welten aufeinander, die so unterschiedlich waren und so unverrückbar waren, dass selbst der kleinste Kompromiss, das kleinste Aufeinander-Zubewegen als katastrophale Niederlage angesehen wurden.

  6. Kommentar 5 wurde unbeabsichtigt und unredigiert verschickt... Also nicht wundern, warum er einfach abreißt...

    • ErichH
    • 18.06.2008 um 8:09 Uhr

    Selbst ein Reaktionär hatte mit unter mehr Einsichtsfähigkeit gezeigt als wir heute.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das hatte aber auch etwas mit dem Sputnik-Schock zu tun, der zwischen 1956 und 1970 naheu allen in den Knochen saß und im Kampf der Systeme die Gefahr deutlich machte, der Westen und ganz besonders Westdeutschland würden bildungspolitisch ins Hintertreffen geraten. Als erstes schuf man nach dem Sputnik-Flug das Schulgeld ab, das noch in den 50er Jahren für den Besuch weiterführender Schulen verlangt wurde. Es ist sicherlich heute vielfach in Vergessenheit geraten, dass noch bis Mitte der 50er Jahre der Besuch öffentlicher Realschulen und Gymnasien vielerorts Geld kostete, weil man der Meinung war, dass Kinder aus Arbeiterhaushalten nichts auf diesen Schulen zu suchen hätten.

    Das hatte aber auch etwas mit dem Sputnik-Schock zu tun, der zwischen 1956 und 1970 naheu allen in den Knochen saß und im Kampf der Systeme die Gefahr deutlich machte, der Westen und ganz besonders Westdeutschland würden bildungspolitisch ins Hintertreffen geraten. Als erstes schuf man nach dem Sputnik-Flug das Schulgeld ab, das noch in den 50er Jahren für den Besuch weiterführender Schulen verlangt wurde. Es ist sicherlich heute vielfach in Vergessenheit geraten, dass noch bis Mitte der 50er Jahre der Besuch öffentlicher Realschulen und Gymnasien vielerorts Geld kostete, weil man der Meinung war, dass Kinder aus Arbeiterhaushalten nichts auf diesen Schulen zu suchen hätten.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service