Jugendhilfe Wer kein Handy hat, wird ausgegrenzt
Jeder vierte Jugendliche in Deutschland ist arm. Sozialforscher Christoph Butterwegge warnt davor, das Problem als Jammern auf hohem Niveau abzutun. Ein Interview

© Michael Gottschalk/ddp
Armut ist relativ: Ein Jugendlicher bezieht sein Bett in einer Notunterkunft
ZEIT online : Herr Butterwegge, nach Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendhilfe leben in Deutschland 2,4 Millionen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren in Armut. Welche Armut ist gemeint?
Christoph Butterwegge : In aller Regel ist damit relative Armut gemeint. Anders als absolute Armut entspricht diese nicht dem, was wir uns im Allgemeinen unter Armut vorstellen, nämlich Verelendung und Hunger, was in der Dritten Welt dominiert. Das mag viele beruhigen. Dabei vergessen sie jedoch, dass sich ein Jugendlicher in einer deutschen Hochhaussiedlung nicht unbedingt in einer besseren Situation befindet als ein Jugendlicher in der Dritten Welt, der in einer Hütte aufwächst. Denn relative Armut bei uns wirkt in aller Regel ausgrenzend. Ein Jugendlicher, der nicht das bunteste Handy und neueste Markenkleidung hat, wird häufig ausgelacht und ausgegrenzt. Das kann schlimmer sein, als mit leerem Magen schlafen zu gehen. Wenn wir über Armut unter Jugendlichen in Deutschland reden, ist das also kein Jammern auf hohem Niveau.
ZEIT online : Welche langfristigen Folgen hat es für eine Gesellschaft, wenn ein nicht geringer Teil der jungen Menschen als arm gelten muss?
Butterwegge
: Armut unter Jugendlichen führt dazu, dass sie zu anderen Mitteln greifen, um sich zu behaupten. Drogenkonsum, Kriminalität sowie Gewalt und Aggressionen steigen mit wachsender Armut bei gleichzeitig zunehmendem Reichtum an. Wenn Jugendlichen die soziale und berufliche Perspektive fehlt, ist Gewalttätigkeit keine Überraschung. Langfristig führt das zu einer Spaltung der Gesellschaft. Parallelgesellschaften entstehen, die man in Bezug auf Migranten häufig beklagt. Die Reichen leben hinter hohen Mauern, bewacht von privaten Sicherheitsdiensten, die Armen beziehen ihre Kleidung von den Kleiderkammern der Wohlfahrtsverbände und essen in der Suppenküche. Wenn die einen nichts mehr von den anderen wissen und auch nichts mehr wissen wollen, ist der soziale Friede gefährdet.
ZEIT online
: In vielen Ausbildungsberufen ist das tarifliche Gehalt mit manchmal weniger als 300 Euro so gering, dass Jugendliche damit kein eigenständiges Leben führen können.
Butterwegge : Das ist für mich ein gesellschaftlicher Skandal. Es war erklärtes Ziel der sozialen Marktwirtschaft, den Wohlstand möglichst allen zugänglich zu machen. Heute fällt man fast in die Zeit zurück, in der ein Auszubildender noch Lehrgeld zahlen musste. Viele Familien können sich das nicht leisten. Und in einer wohlhabenden Gesellschaft ist das ein sozialer Rückschritt. Auszubildende sollten einen Anspruch darauf haben, dass sie von der Vergütung ihrer Arbeit leben können. Heute fällt ihre Vergütung in den Ausbildungsberufen sehr unterschiedlich aus. Denkbar wäre, die Ausbildungsvergütung über entsprechende Mindestsätze festzulegen, ähnlich wie bei einem gesetzlichen Mindestlohn.
ZEIT online : Auch von Jugendlichen wird eine immer größere Mobilität gefordert. Mit 266 Euro Lohn kann aber nur von zu Hause ausziehen und eine Ausbildung in einer anderen Stadt beginnen, wer von den Eltern finanziell unterstützt wird.
Butterwegge : Wir leben in einer Gesellschaft, die sich unter dem Stichwort "Individualisierung" immer stärker dahin entwickelt, dass Jugendliche früh von zu Hause ausziehen. Die ökonomische Abhängigkeit zwingt sie aber in ihre Herkunftsfamilie zurück. In Zeiten von Globalisierung, geografischer Mobilität und beruflicher Flexibilität können Jugendliche so nicht erfüllen, was von ihnen gefordert wird.
ZEIT online : Was müsste die Politik tun?
Butterwegge : Sie müsste in erster Linie die Lehrstellensituation wesentlich verbessern. Einen Ausbildungsbonus halte ich allerdings nicht für das geeignete Mittel. Mit dieser staatlichen Subvention entlässt man die Unternehmen aus der Pflicht, Nachwuchs heranzubilden und ausreichend Lehrstellen zu schaffen. Das bessere Mittel wäre eine Ausbildungsplatzabgabe, aus der der Staat die Mittel nimmt, um die Jugendlichen in entsprechenden Lehrwerkstätten auszubilden. Die Unternehmen müssen in die Verantwortung genommen werden.
ZEIT online : Kinderarmut ist schon fast ein Modethema, die Armut von Jugendlichen hingegen wird kaum thematisiert. Woran liegt das?
Butterwegge
: Das Kind ist der Prototyp des "würdigen Armen". So wird in der Sozialgeschichte der Armut seit jeher der genannt, der an seinem Schicksal keine Schuld trägt. Der unwürdige Arme hingegen ist selbst schuld, oder man kann ihm zumindest die Schuld in die Schuhe schieben. Wenn der Arme jugendlich oder erwachsen ist, wird ihm schnell unterstellt, er wolle gar keine Lehrstelle oder keinen Arbeitsplatz, sondern liege lieber faul in der Hängematte. Weil das Kind der Prototyp des würdigen Armen ist, beschäftigt sich unsere Gesellschaft lieber mit ihm, obwohl auch Jugendliche und Ältere betroffen sind oder sein werden.
Die Fragen stellte
Meike Fries
- Datum 18.06.2008 - 07:59 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 51
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Mit anderen Staaten einen festen Block (ja, die EU!) noch stärker ausbilden, damit wir uns gemeinsam als grosse soziale Marktwirtschaft in einer globalisierten Welt besser positionieren und behaupten können gegen die Turbokapitalisten in China, Vietnam und Lateinamerika. Ausserdem müssen wir Guido Westerwelle und Köhler mit ihren Plänen einer "Agenda 2020" stoppen, die beide anscheinend den Sozialstaat noch mehr zerstören wollen.
"Ein Jugendlicher, der nicht das bunteste Handy und neueste Markenkleidung hat, wird häufig ausgelacht und ausgegrenzt."
Ah ja, und deswegen besteht Armutsbekämpfung darin, dafür zu sorgen dass sich wieder alle Jugendlichen immer die buntesten Handies und die neueste Markenkleidung kaufen können, natürlich in Größe XXXXXL wegen dem neuesten Fastfood-Fettfraß?
Besser wäre da glaube ich eine Psychotherapie+Geldentzug für den Markenpöbel jeden Alters, damit der wieder lernt wie unwichtig irgendwelche Etiketten sind, und ein Selbstbewusstseins-Training für den Rest.
Wenn mich jemand "ausgrenzen" will, weil ich auch als Besserverdiener kein Auto besitze und mich weder mit Designerklamotten noch mit Rolexen behänge, dann geht mir dAs sehR weit an einem beStimmten KörperteilCHen vorbei!
ist heutzutagewohl das Allheilmittel, mit dem man alles lösen kann - ob es nun um den teuren Zahnersatz geht, den die Kasse nicht zahlt und Betroffene dazu zwingt mit drei Zahnlücken im Mund herumzulaufen oder irgendeine andere Krankheit, derer sich die Ärzte nicht annehmen wollen, weil sie es nicht bezahlt bekommen - die Psychotherapie, die ein vielfaches von dem kostet, als Probleme wirklich zu lösen, und dann auch nur VIELLEICHT was bringt, soll's richten.Und dabei zahlen die Behandelnden Psychiater, die sich an den Problemen der Gesellschaft dumm und dämlich verdienen, nicht einmal Beiträge in die Krankenkasse._________________________________________________________________
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
ist heutzutagewohl das Allheilmittel, mit dem man alles lösen kann - ob es nun um den teuren Zahnersatz geht, den die Kasse nicht zahlt und Betroffene dazu zwingt mit drei Zahnlücken im Mund herumzulaufen oder irgendeine andere Krankheit, derer sich die Ärzte nicht annehmen wollen, weil sie es nicht bezahlt bekommen - die Psychotherapie, die ein vielfaches von dem kostet, als Probleme wirklich zu lösen, und dann auch nur VIELLEICHT was bringt, soll's richten.Und dabei zahlen die Behandelnden Psychiater, die sich an den Problemen der Gesellschaft dumm und dämlich verdienen, nicht einmal Beiträge in die Krankenkasse._________________________________________________________________
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Die Beschreibung der Qualität von Armut in Deutschland finde ich treffend. Allein die Folgerungen, mehr und wie Staat, stören mich ein wenig. Das Ausbildungsgehalt wurde wahrscheinlich 1:1 umgerechnet, viele Kosten ja auch, und die sind dann auch noch gestiegen. Also eine kleine Antwort, in Teilen polemisch.
Zum Auszug: Warum soll ein Jugendlicher ausziehen, wenn er während seiner Ausbildung zu Hause wohnen kann. Er könnte, wie früher, seinen Eltern was abgeben und hätte dann in der Familie einen selbständigen Status. Die Verherrlichung der Selbständigkeit in einer Situation, wo man eigentlich gar nicht selbständig ist, als Student oder als Lehrling, entstand in den reichen 1970igern, wo der Staat und die Eltern genug Geld hatten, über diesen Widerspruch hinwegzusehen.
So gerät die Analyse der Situation durcheinander und verhindert das Aufzeigen von Realitäten. Klar, wie meistens sind die erst mal die Unternehmer schuld. Sie verlangen Flexibilität. Dies aber auch gezwungener Maßen, da sie in der Standortwahl eines Betriebes oder einer Filiale bedeutund mehr Kosten aufwenden müssen, als früher. Ausserdem müssen sie einen finden. Da seien die Bürgerinitiativen vor. Müssen aber wegen dieser Probleme mehr Leute ihren Wohnort verlassen, ist der Ruf nach dem Staat gerechtfertigt. Aber aus Gründen des Zurückgebens, nicht des Versorgens.
Und das ist Tenor in nahezu allen Beiträgen über Armut, Perspektivlosigkeit, Gewalt usw. usw. Der Staat als momentan der Hauptverursacher von Kostensteigerungen, wird in die Rolle des armen Versorgers gedrängt und damit geschont und der böse Unternehmer, der die Kosten zu tragen hat, aber auch erwirtschaftet, gescholten. Wenn der Staat durch Abgaben die Kosten treibt, hat er seine Einnahmen zum Teil zurückzugeben. daran ändert auch die Strategie der Auslagerung in kommunale GmbHs nichts. Im übrigen ist er mit 1 Euro Jobs ebenfalls schnell bei der Hand. Aber er macht das ja aus Armutsgründen, der Unternehmer aus Profitgier.
In diesem Klima hat der "prekäre" Jugendliche nur ein Ziel: Eine Lehrstelle, egal was und egal wie. Und wenn es nicht klappt, in Armut glücklich werden oder kriminell. Aber Arbeiten, vielleicht einfach mal zeigen, was er kann und dann eingestellt werden, ist für ihn undenkbar. Da sei die Schule vor, die ihm einbläut, ohne gute Zensuren bist du nichts und schon gar nichts ohne anständige Kopfnoten, die jüngst eingeführt wurden. Und mit nur Hauptschule bist du schon mal gar nichts, da wird dich keiner von den "Profitgeiern" einstellen auf Empfängen allerdings Unternehmer genannt. Die machen das dann auch nicht, sind ja nicht päpstlicher als der Papst.
Ach ja, er muss gebildet sein. Nur nicht gleich das Humboltsche Bildungsideal. Solchermaßen geistig flexible Menschen,die vielleicht ein paar der heutigen unumstößlichen Erkenntnisse hinterfragen, wollen wir ja höchsten fürs Prestige in Spitzenfirmen. Und bei einem 1 Euro Job wäre es erst recht hinderlich für das Weiterkommen.
Und was soll er nun machen, wenn er einfach nur arbeiten, vielleicht eine Familie gründen und sein Auskommen haben will. Die die es angeht werden es ihm nicht sagen. Sie sind gerade mit der dritten Frau oder dem vierten Posten beschäftigt, finden das sowieso alles spießig und sagen, es wird schon werden und überhaupt, er soll froh sein , dass er, Hartz IV sei Dank, was zu essen hat und - überhaupt ein Handy, die Kinder in Afrika.... Dabei geniesst er sein verdientes Getränk und seine Perspektive für die Zukunft.
.
in der Mehrheitsgesellschaft wird von der sozio-ökonomischen Verelendung von immer größeren Gruppen unserer Mitbürger begleitet.Das Musterbeispiel für die Förderer dieser Gesellschaftstransformation in einen spekulativen Finanzfeudalismus sind Personen wie die Herren Sarrazin, Clement, Schröder, Merz, Pofalla, Glos und andere aus dieser Kaste. Armut ist nicht nur eine materielle Frage. Der heute noch recht formlos wabernde Neofaschismus wird durch jene gesellschaftlichen Funktionäre in Deutschland forciert gefördert, welche denen unter uns die Würde verletzen, die Bildung entziehen und die Möglichkeit zur wirtschaftlichen Selbsterhaltung beschneiden. Diese moderne Form sozio-ökonomischer Erniedrung und Entwertung wird eine solche blindwütige Gewalttätigkeit bewirken, dass wir uns auf eine Brutalität in der Konfrontation zwischen unserem Besitzbürgertum, das von Habgier, Egozentrik, Verantwortungslosigkeit und Selbstverliebheit gepräft ist, und unseren Mitbürgern, die wir in den sozio-ökonomischen Abgrund gestoßen haben, gefasst machen können.Die Existenzfrage ist gestellt. Die Antwort darauf lautet wie seit Menschengedenken: Leben unter Leben, dass leben will - um jeden Preis. Und diesen Preis werden nun einmal jene bezahlen, denen die Habgier wichtiger ist als das Erbarmen mit denen unter uns, die als Leben um das Leben ringen.
Die zutreffende Definition von Armut auf die siebziger und später übertragen (bin kein Forscher) hätte vielleicht bedeutet, sich keine Fussballschuhe, kein Moped oder kein gebrauchtes Auto leisten zu können. Aber alles war billiger und selbst zu reparieren. Ebenso das Bonanza Fahrrad, der Ghetto Blaster, der Walk Man, die Entwicklung war langsamer. Und nicht zu vergessen, dass selbst harter Drogenkonsum, für dessen Folgen die Krankenkassen selbstverständlich gezahlt haben, als Zeichen von Freiheit und Selbstfindung galt.
Ohne schnellen PC können sie nicht ins Internet, da sind die Kinder und Jugendlichen überhaupt nicht dran schuld. Aber die Kultur der Jugend hat sich auch geändert. Jedes neue Handy hat wirkliche Verbesserungen, man kann den MP3 Player einsparen. Und viel mehr spielt sich auf der Straße ab, was füher vielleicht herumlungern genannt wurde, ist heute normal. Und dennoch, die Dinge, die in sind, sind m. E. im Verhältnis teurer als früher und Neuentwicklungen gehen schneller. Aber sie bringen auch ordentlich Umsatzsteuer, die ist nicht ans Alter gebunden ist, also staatlicherseits nicht zu viel Krokodilstränen. Und manchmal habe ich den Eindruck, das Niedermachen der heutigen Jugendkultur mit "selbst schuld", hat bei den Jungen mit Kinderlosigkeit und bei den Älteren mit Desinteresse, sie haben ja die Aufzucht der Kinder hinter sich, und mit einer gewissen Selbstzufriedenheit zu tun, die sich zumindest die politisch Verantwortlichen nicht leisten können. Und manche Aufregung z. B. über die Kosten des Komatrinkens, diese Welle wird sicher abnehmen wie andere auch (UBahn surfen, Heroinkonsum), ist einfach die Folge knapper Kassen.
scheint mit die zentrale Thema dieses Beitrags zu sein. Ausgrenzung in Schule, Ausgrenzung durch fehlende (weil teure) Flexibilität, Ausgrenzung durch (damit verbundene) Einschränkung in der Berufs(Lehrstellen-)wahl.
Zunächst einmal sei festgestellt, dass es Ausgrenzung aufgrund 'falscher' Kleidung/ Accessoires schon immer gegeben hat. Wie stark sich das möglicherweise verändert hat bzw. wieviel schlimmer es geworden ist, kann ich selbstverständlich nicht beurteilen. Die Frage nach Konsequenzen stellt sich gleichwohl, wird oft mit Mobilfunktelefon-Verbot und Schuluniformen geantwortet. Der richtige Umgang mit Unterschieden gleichwohl wird in der Hektik immer wieder gerne ausgespart.
Die Frage der Lehrstellen (ihrer Kosten/ Entschädigung) wird immer wieder gerne diskutiert. Die Idee einer Lehrstellen-Umlage findet sich in der Agenda von verschiedenen Gerwerkschaftsorganisationen auch schon seit mehreren Jahren. Für einen einzelnen Betrieb ist eine Lehrstelle aus verschiedenen Gründen zunächst einmal ein Verlustgeschäft. Und selbst wenn man die Lehrzeit einigermaßen kostenneutral gestalten kann, was bringt einem der Lehrling denn wirklich? Gerade in Mangelberufen - wo man sich auch als Betrieb über gut ausgebildete Mitarbeiter freut - wird eine ausgelernte Arbeitskraft immer öfter mit höherem Gehalt oder anderen Zusatzleistungen abgeworben.
Den Abwerber freuts, er hat die Ausbildungskosten nicht, besonders entfällt aber das Ausbildungsrisiko - denn viele Auszubildende brechen aus verschiedensten Günden ihre Lehrzeit vorzeitig ab. Gerade aus diesen Gründen muss eine erhöhte Lehrentschädigung sehr vorsichtig in Angriff genommen werden, denn auch wenn es für den einzelnen Lehrling bitter ist, so eine billige Arbeitskraft zu sein, so kann ein Einzelbetrieb doch nur für sich rechnen. Möglicher Arbeitskräftemangel ist kein Argument (s.o.).
Deshalb müssen solche Erhöhungen immer flankiert werden durch andere Maßnahmen. Ich meine, die ARGE zahlt eine Mobilitätszulage an Lehrlinge inzwischen (kann mich aber irren).
Mitnehmen aus dem Artikel werde ich dennoch, dass es besonders darauf ankommt, dass alle - auch arme Jugendliche - sichtbar eine Chance brauchen, an der Gesellschaft teilzunehmen, eben nicht immer nur 'ausgegrenzt' zu werden. Das heisst aber im Klartext, wir müssen unsere Bildungsangebote erweitern, besonders auch ärmere positiv ansprechen, im Idealfall Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Die Kosten sind sicher hoch, ich weiss nicht, ab die dauerhafte Alimentierung von unseren 'Globalisierungsverlieren' nicht teurer kommt.
Findet niemand außer mir den vergleich zwischen Armut in der dritten Welt und in D menschenverachtend?
Ich bin selber als Tochter eines arbeitslosen Fließenlegers und einer Verkäuferin nicht gerade in Luxus aufgewachsen, aber ich muss, im Gegensatz zu vielen Frauen bzw. Mädchen, teilweise sogar KINDERN, nicht als Prostituierte arbeiten, um mein Überleben zu finanzieren.
Was die Handys und MP3 angeht: schon mal was von anderen Beschäftigungen gehört? Lesen zum Beispiel? Büchereien verleihen umsonst Bücher an Kinder aus finanziellschwachen Familien. Es gibt darüber hinaus viele Jugendverbände und auch Sportvereine, die armen Kindern díe Gebüren erlassen. Und es gibt ja immer noch ab dem 14. Lebensjahr die Möglichkeit zu jobben, mit der man gutes Geld verdienen kann.
Ich Stimme Ihnen voellig zu Amelia! Bei allem Verstaendnis fuer die Noete der betroffenen Kinder und Jugendlichen - in der Schule ausgelacht zu werden ist nicht dasselbe, wie mit Hunger und Angst ums Ueberleben am Abend einschlafen zu muessen, von den Eltern als Prostituierte oder Haushaltssklaven verkauft zu werden oder an einer simplen Grippe sterben zu koennen. Diese Bemerkung war wirklich skandaloes.
Abgesehen davon: Auch mit einem Lehrlingsgehalt, das in etwa dem Bafoegsatz entspraeche, koennte sich ein 16jaehriger immer noch nicht das neueste Handy und Markenklamotten leisten, wuerde also immer noch ausgelacht. Die Schulen muessen starkes Mobbing und Ausgrenzung eben staerker adressieren, wenn nichts anderes hilft, dann durch Schulverweis der Haupttaeter. Es muss einfach klar sein, dass dies kein gesellschaftlich akzeptiertes Verhalten ist.
Andererseits muessen Menschen auch lernen, mit ein paar Sticheleien zu leben.Relativer Reichtum ist ja auch kein Schutz davor, manche Kinder werden gehaenselt, weil sie arm sind, andere weil sie dick sind oder einen Sprachfehler haben. Ein Kind dass sich selbst fuer wertlos und das Leben nicht fuer lebenswert haelt, weil es wegen eines fehlenden Handies nicht zu einer Geburtstagsparty eingeladen wird, hat ein groesseres Problem als das fehlende Handy. Es ist nicht nur mit einem Mangel an Geld sondern vor allem mit einem Mangel an Liebe und seelischer Unterstuetzung durch die Eltern aufgewachsen. Viel eher als ein Handy braucht es eine erwachsene Bezugsperson, der es vertrauen kann und die ihm wirklich zugewandt ist. Dafuer institutionell zu sorgen (neben einem kostenlosen und halbwegs gesunden Schulessen), sei es an den Schulen oder in den Kommunen, ist viel sinnvoller, als einfach ein wenig mehr Geld auszuzahlen.
Ich Stimme Ihnen voellig zu Amelia! Bei allem Verstaendnis fuer die Noete der betroffenen Kinder und Jugendlichen - in der Schule ausgelacht zu werden ist nicht dasselbe, wie mit Hunger und Angst ums Ueberleben am Abend einschlafen zu muessen, von den Eltern als Prostituierte oder Haushaltssklaven verkauft zu werden oder an einer simplen Grippe sterben zu koennen. Diese Bemerkung war wirklich skandaloes.
Abgesehen davon: Auch mit einem Lehrlingsgehalt, das in etwa dem Bafoegsatz entspraeche, koennte sich ein 16jaehriger immer noch nicht das neueste Handy und Markenklamotten leisten, wuerde also immer noch ausgelacht. Die Schulen muessen starkes Mobbing und Ausgrenzung eben staerker adressieren, wenn nichts anderes hilft, dann durch Schulverweis der Haupttaeter. Es muss einfach klar sein, dass dies kein gesellschaftlich akzeptiertes Verhalten ist.
Andererseits muessen Menschen auch lernen, mit ein paar Sticheleien zu leben.Relativer Reichtum ist ja auch kein Schutz davor, manche Kinder werden gehaenselt, weil sie arm sind, andere weil sie dick sind oder einen Sprachfehler haben. Ein Kind dass sich selbst fuer wertlos und das Leben nicht fuer lebenswert haelt, weil es wegen eines fehlenden Handies nicht zu einer Geburtstagsparty eingeladen wird, hat ein groesseres Problem als das fehlende Handy. Es ist nicht nur mit einem Mangel an Geld sondern vor allem mit einem Mangel an Liebe und seelischer Unterstuetzung durch die Eltern aufgewachsen. Viel eher als ein Handy braucht es eine erwachsene Bezugsperson, der es vertrauen kann und die ihm wirklich zugewandt ist. Dafuer institutionell zu sorgen (neben einem kostenlosen und halbwegs gesunden Schulessen), sei es an den Schulen oder in den Kommunen, ist viel sinnvoller, als einfach ein wenig mehr Geld auszuzahlen.
Nicht das neueste Handy und nicht die schicksten Markenklamotten zu besitzen ist also schlimmer als mit hungrigem Magen schlafen zu gehen. Lieber Herr Butterwegge, wenn Sie es schaffen, diesen Satz einem Menschen um die Ohren zu hauen welcher tatsächlich hungrig schlafen gehen muß sollten Sie vor Scham im Boden versinken. Meine Frau und ich sind beide hart arbeitende Menschen, unser Verdienst ist eher mäßig und unsere beiden Töchter haben auch eher nicht die neueste Markenware am Leibe. Trotzdem fühlen wir uns weder arm noch ausgegrenzt und unsere Kinder ebenfalls nicht. Das liegt möglicherweise daran, daß wir mit unserer Erziehung unseren Kinder zu vermitteln versuchen, daß es bei weitem Wichtigeres im Leben gibt, z.B. ehrlich und anständig zu sein, in der Familie Zeit füreinander zu haben usw. . Ferner besitzen unsere Töchter zwar wie bereits erwähnt nicht das übliche Repertoire an Unterhaltungselektronik und unser Fernsehkonsum liegt bei wenn es hoch kommt 60 Minuten am Tag bzw. Abend. Dafür haben unsere Töchter (übrigens 6 und 10 Jahre alt) jede Menge Bücher bzw. bekommen dieselben von uns vorgelesen. Unsere gemeinsamen Freizeitaktivitäten sind in der Regel kostenneutral (es ist nach wie vor umsonst in die Natur zu gehen, Wanderungen oder Radtouren zu unternehmen). Hierbei begegnen wir allerdings in den seltensten Fällen Familien aus der angeblichen Unterschicht. Die trifft man eher bei den diversen Volksfesten, in Spaßbädern, Vergnügungsparks und artverwandten Einrichtungen. Und um es klar zu sagen, wir haben es satt, mit unseren Steuern und Sozialabgaben Leute zu finanzieren die entweder zu dumm meist aber nur zu träge sind um ihr Leben selbstverantwortlich in den Griff zu bekommen.
Zitat:Und um es klar zu sagen, wir haben es satt, mit unseren Steuern und
Sozialabgaben Leute zu finanzieren die entweder zu dumm meist aber nur
zu träge sind um ihr Leben selbstverantwortlich in den Griff zu
bekommen. Diese Denkweisen zeigen auf, wohin sich D bewegt: auf dem direkten Weg in den Klassenkampf und anschließend in den Bürgerkrieg. Das Problem liegt nämlich - der Autor hat es angesprochen - darin, dass von den Jugendlichen etwas gefordert wird, was sie gar nicht einlösen können. Der Umstand, dass sie oft als Minderjährige von zu Hause ausziehen müssen, das Geld aus der Lehrlingsvergütung aber nicht für den Lebensunterhalt, geschweige denn für die Miete reicht, dürfte hier zu denken geben. Da muss dann der Staat einspringen - aber ich vergaß: man ist ja nicht einmal mehr bereit dazu, von 'seinem Geld', von 'seinen Steuern' auch denjenigen auf die Beine zu helfen, die willens sind, ihr Leben in die Hand zu nehmen.Ich meine, mit solchen Einstellungen gehen wir sehr unruhigen Zeiten entgegen, denn irgendwann schlägt dann die Stunde ganz anderer Leute - dann kann auch ganz schnell die Stunde der Freibeuter wieder schlagen, wie weiland im Spätmittelalter zu Klaas Störtebekers Zeiten. In der Straße von Molukka und vor dem Horn von Afrika ist man schon so weit.
Zitat:Und um es klar zu sagen, wir haben es satt, mit unseren Steuern und
Sozialabgaben Leute zu finanzieren die entweder zu dumm meist aber nur
zu träge sind um ihr Leben selbstverantwortlich in den Griff zu
bekommen. Diese Denkweisen zeigen auf, wohin sich D bewegt: auf dem direkten Weg in den Klassenkampf und anschließend in den Bürgerkrieg. Das Problem liegt nämlich - der Autor hat es angesprochen - darin, dass von den Jugendlichen etwas gefordert wird, was sie gar nicht einlösen können. Der Umstand, dass sie oft als Minderjährige von zu Hause ausziehen müssen, das Geld aus der Lehrlingsvergütung aber nicht für den Lebensunterhalt, geschweige denn für die Miete reicht, dürfte hier zu denken geben. Da muss dann der Staat einspringen - aber ich vergaß: man ist ja nicht einmal mehr bereit dazu, von 'seinem Geld', von 'seinen Steuern' auch denjenigen auf die Beine zu helfen, die willens sind, ihr Leben in die Hand zu nehmen.Ich meine, mit solchen Einstellungen gehen wir sehr unruhigen Zeiten entgegen, denn irgendwann schlägt dann die Stunde ganz anderer Leute - dann kann auch ganz schnell die Stunde der Freibeuter wieder schlagen, wie weiland im Spätmittelalter zu Klaas Störtebekers Zeiten. In der Straße von Molukka und vor dem Horn von Afrika ist man schon so weit.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren