Nationalmannschaft
Angst vor Österreich?
Die deutsche Elf steckt in der ersten Krise unter Löw. Die Boulevardpresse beschäftigt sich schon mit der Nachfolge des Bundestrainers. Die Spieler geben sich trotzig
Oliver Bierhoff sieht so aus, als wäre die entscheidende Schlacht schon geschlagen. Ein kleiner Kratzer zieht sich durch das Gesicht des Managers der deutschen Nationalelf, direkt unter dem rechten Auge. Der smarte Bierhoff, der als Spieler Werbung für Haarshampoo und Danone gemacht hat, ist so etwas wie das Gesicht der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Deren glänzende Fassade hat mit der Niederlage gegen Kroatien eine Schramme bekommen.
Das Überraschende ist, dass Bierhoffs Äußeres dadurch etwas Kriegerisches bekommt. Das passt zur Situation der Mannschaft, die plötzlich ganz anders ist. „Die Mannschaft braucht jetzt Druck“, sagt Bierhoff. „Viele Sachen entstehen unter Druck: Öl, Diamanten, solche Sachen.“ Wenn die Mannschaft diese Situation übersteht, kann sie noch richtig schön und wertvoll werden.
Im durchgestylten Wellnesslager der deutschen Equipe
hat sich der Ton vor dem entscheidenden Spiel gegen Österreich verschärft
. Ein Unentschieden benötigen die Deutschen gegen den Turniergastgeber, um das Viertelfinale zu erreichen.
Vor ein paar Tagen hätte diese Aussicht die Nation noch amüsiert, doch jetzt ist tatsächlich vom Ausscheiden die Rede und vom möglichen Ende der dann kurzen Ära Löw. Die Boulevardpresse beschäftigt sich schon mit der Nachfolge des Bundestrainers. Die Springer-Blätter favorisieren ihren langjährigen Kolumnisten Matthias Sammer, den derzeitigen Sportdirektor des DFB.
Vor dem letzten Vorrundenspiel der Gruppe B haben sich die Relationen verschoben. Aus dem Zwerg Österreich, der Nummer 92 der Fifa-Weltrangliste, ist nach zwei Turnierauftritten ohne Sieg und nur einem (Elfmeter-)Tor ein gefühlter Riese geworden; die Deutschen hingegen haben sich durch die Niederlage gegen Kroatien zurück zu Zwergen geschrumpft. „Wir haben eine Mannschaft, die 2004 nach der EM am Boden lag, an die Spitze Europas gebracht“, sagt Bierhoff. Aber wenn die Deutschen am Montag in Wien verlieren, liegen sie wieder am Boden.
Das wird nicht passieren, lautet die Botschaft, die von nun an in die Welt hinausgeschickt wird. „Die Mannschaft wird den Druck aushalten“, sagt Oliver Bierhoff. „Diese schweren Momente haben wir immer überstanden.“
- Datum 16.6.2008 - 02:45 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online, tso 15.6.2008
- Kommentare 9
- Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







"Die Springer-Blätter favorisieren ihren langjährigen Kolumnisten Matthias Sammer, den derzeitigen Sportdirektor des DFB."
Sammer? Soll das ein Witz sein? Was hat der denn jemals zustande gebracht, als Zuschauer und Mannschaft gegen sich aufzubringen und schlechte Laune zu verbreiten? Die letzten 2 Jahre der deutschen Mannschaft waren die erfolgreichsten seit langem, und jetzt soll eine einzige knappe Niederlage gegen einen starken Gegner plötzlich alles ändern?
Man! Das deutsche Mittelmaß, ja, davor sollten sie (die deutsche Elf samt dem Rest) Angst haben. Das Spiel Holland gegen Frankreich;. Großartig - eine Augenweide die spielerischen Aktionen auf beiden Seiten!!! Das Beste derzeit in Europa. So meine ich jedenfalls![Titel gekürzt, bitte achten Sie auf Ihre Asdrucksweise. Vielen Dank. /Die Redaktion pt.]
Ja, Oliver Bierhoff sieht gut aus. Dafür kann er nichts. Ja, Oliver Bierhoff hat mal Reklame für Haarmittelchen und Joghurt gemacht. Gehört das hierher? Macht er seinen Job deswegen schlechter? Die deutsche Nationalmannschaft hat seit den Siebzigern nicht mehr so schön gespielt wie seit Klinsmanns Antritt als Trainer (Nein, auch 1990 nicht, als sie Weltmeister wurde. Damals hatte sie zwar die besseren Spieler aber der Fussball war nicht so attraktiv). Die Deutschen haben 2007 besser gespielt als 2006 und zu dem Zeitpunkt war Löw schon Chef-Trainer. Jetzt haben sie ein Spiel verloren und sie haben zugegebnermassen sehr schlecht gespielt. Na und? Ich habe bisher EINE Mannschaft bei diesem Turnier gesehen die alles überragt, die Niederländer. Italien spielt schwach, Frankreich spielt schwach, die Portugiesen haben heute 0:2 verloren, wenn auch mit ihrer B-Elf, die Spanier mit viel Mühe gegen Schweden gewonnen (30. der Fifaweltrangliste, übrigens)
Ich finde die Kritik an Löw und der Mannschaft masslos überzogen. Und Sammer als Trainer? Da kann ich ja nur lachen. Stuttgart hat ihn rausgeschmissen wegen des grauenhaften Fussballs den er da hat spielen lassen. Klinsmann ist unter anderem deswegen zurückgetreten, weil Sammer Sportdirektor wurde.
Ich darf noch mal kurz an die EM 96 erinnern, wo die Deutschen den Titel geholt haben. Auch da gab es ein Spiel gegen Kroatien. Die Deutschen haben äusserst bescheiden gespielt damals, Klinsmann hätte wegen Nachtretens vom Platz fliegen müssen. Aber sie haben halt ziemlich glücklich gewonnen.
Morgen hat die Mannschaft die Chance alles wieder grade zu rücken. Ich gehe ehrlich gesagt davon aus, dass die Mannschaft die Österreicher mit 4:0 vom Platz schiesst. Was schlimmeres als diese peinliche Niederlage der Deutschen hätte den Österreichern gar nicht passieren können. Die Deutschen werden morgen rennen und kämpfen um zu zeigen, dass der Auftritt gegen Kroatien ein Ausrutscher war.
Sollten sie das nicht hinkriegen und verlieren haben sie es allerdings auch nicht verdient weiterzukommen. Deswegen die gute Arbeit von Löw in den letzten 2 Jahren komplett in Frage zu stellen halte ich für ziemlich unsinnig. Am Ende wird noch Paul Breitner Bundestrainer....oder Christoph Daum. Will das wer?
Jeder, der diese Mannschaft über einen längeren Zeitraum verfolgt hat, weiß, dass die Spielweise in den letzten 10 Jahren nie so gut war wie in den letzten 2 Jahren unter Löw. Daher ist Deutschland jetzt nach längerer Zeit wieder als einer der Favoriten in ein Turnier gestartet. Das wird übrigens nicht nur in Deutschland so gesehen, auch ausländische Medien bestätigten diese Meinung und waren auch voll des Lobes nach dem geglückten Auftakt gegen Polen. Es macht daher überhaupt keinen Sinn, jetzt nach einem - zugegebenermaßen sehr schlechten - verlorenen Spiel den Kopf in den Sand zu stecken. Ich erwarte morgen genauso wie mein Vorkommentator eine Trotzreaktion der Mannschaft und rechne mit einem 2:0-Sieg über Österreich. In der K.O.-Runde kann dann alles passieren und es macht auch keinen Unterschied, ob man im Viertel- oder erst im Halbfinale auf Portugal trifft.
Mit Boulevardpresse ist wohl nahezu ausschließlich die Bildzeitung gemeint. Wer diesen journalistischen Schrott-Gogerern auf dem Leim geht, hat sich wohl ins Hirn erleichtert. Wer für sein Selbstwertgefühl das unablässige Siegen unserer Fußballnationalmannschaft braucht, dessen kaputte Psyche tropft ihm (die weibliche Form verbietet sich hier von selbst) aus allen Poren. Wer unsere Nationalmannschaft niedermacht, weil sie ein Spiel verloren hat, lässt sich nur mit einem Darmausgang vergleichen. Selbst wenn wir morgen gegen die Nusserer verlieren, bleibe ich ein treuer Fan unserer Elf. Vergesst nicht, die Nusserer spielen auch ziemlich gut.
Jeder, der diese Mannschaft über einen längeren Zeitraum verfolgt hat, weiß, dass die Spielweise in den letzten 10 Jahren nie so gut war wie in den letzten 2 Jahren unter Löw. Daher ist Deutschland jetzt nach längerer Zeit wieder als einer der Favoriten in ein Turnier gestartet. Das wird übrigens nicht nur in Deutschland so gesehen, auch ausländische Medien bestätigten diese Meinung und waren auch voll des Lobes nach dem geglückten Auftakt gegen Polen. Es macht daher überhaupt keinen Sinn, jetzt nach einem - zugegebenermaßen sehr schlechten - verlorenen Spiel den Kopf in den Sand zu stecken. Ich erwarte morgen genauso wie mein Vorkommentator eine Trotzreaktion der Mannschaft und rechne mit einem 2:0-Sieg über Österreich. In der K.O.-Runde kann dann alles passieren und es macht auch keinen Unterschied, ob man im Viertel- oder erst im Halbfinale auf Portugal trifft.
Fußball ist eben kein Schach. Sicher sind Analysen, Erklärungen und Taktik - also präzise Rationalität ein wichtiger Bestandteil heutigen Fußballs. Allerdings meine ich, daß Vorsicht vor "Verkopftheit" geboten ist. Trainiert und "geübt" haben alle Spieler bis es in Fleisch und Blut übergegangen ist. Darum sind sie in der Lage auf dem Spielfeld intuitiv schnelle, richtige Entscheidungen zu treffen. Mein Schlachtruf: Männer, laßt euch nicht verrückt machen, Schluß mit Schwätzen, sondern tut das was ihr am besten könnt - nämlich Fußball spielen mit Verstand und Herz.
So ist nun mal die Boulevard-Presse. Läufts gut, kriecht man den Leuten irgendwo rein. Beim ersten Anzeichen, dass es mal nicht so gut läuft, kriecht man schnell wieder raus und tritt zu. Man könnte sich natürlich auch solidarisch zeigen. Aber das bringt wohl nicht genug Auflage. Sicher ist Österreich kein fußballerischer Überflieger, aber die deutsche Mannschaft muss sich heute Abend schon zusammenreißen. Alles andere als ein Sieg wäre eine Überraschung.
Es ist schon schwer bei den heutigen Gepflogenheiten der Presse, die Nationalmannschaft über Gebühr Hochzuschreiben und dann nach einem Ausrutscher gleich wieder runterzuschreiben, die gesunde Mittellage zu halten.
Deutschland hat eine Mannschaft, die sehr jung ist (im Vergleich zu Frankreich oder Italien) und damit die Zukunft noch vor sich hat. Wir haben eine Mannschaft, die weniger als andere Nationen mit überragenden Weltklassespielern gesegnet ist, weshalb die Mannschaft über Geschlossenheit und Kampfgeist zum Sieg kommen muss. Wir haben einen Bundestrainer, der kapiert hat wo es deutschen Mannschaften am meisten fehlte, nämlich am schnellen und überraschenden Spiel nach vorne aus einer sicheren Abwehr heraus. Dazu gehört eben auch totale Fitness, für die er gesorgt hat.
Der dritte Platz in der WM hat allerdings vielen - auch Presseleuten - das Gehirn vernebelt. So gut wie wir da weggekommen sind, sind wir nur, wenn ALLES stimmt auf dem Platz und das kann gegen Weltklassemannschaften eben nicht der Fall sein, weil die ja entsprechend dagegenhalten. Dann ist das System LÖW / KLINSMANN immer noch gefährdet. Stimmt der Einsatz nicht und die taktische Ausrichtung / Aufstellung oder Tagesform gibts schon gegen mittelklassige Gegner wie Kroatien grosse Probleme. Kommt Angst hinzu muss man sogar unterklassige Gegner wie Österreich fürchten.
Hinzu kommt als aktuelle Bedrohung die angeborene Sturheit des Schwarzwälders (ich darf das sagen, weil ich selbst einer bin) an "seinen Leuten" und seiner sog. "Philosophie" bis zum bitteren Ende festzuhalten.
Das zeigt die heutige Aufstellung deutlich: Gomez ist so formschwach, dass er das Tor aus 5m Entfernung nicht trifft. Aber er darf spielen. Statt Podolski eine Chance im Strum zu geben. Brächte er statt Gomez Kuranyi (was er m.E. sicher tut) in der zweiten Halbzeit würde er den zweiten Stürmer mit Versagensangst auf den Platz stellen.
Eine mutige Variante wäre gewesen von Anfang an mit Podolski / Klose zu spielen und mit Hitzelsperger. Aber das wäre in den Augen des Trainers wohl ein Verrat an seinen Leuten und seiner Philosophie gewesen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren