Auf internationalem Parkett lässt CDU-Chefin Angela Merkel sich gerne als Heldin des Klimaschutzes feiern. Vor allem der G8-Gipfel in Heiligendamm im vergangenen Jahr hat ihr den Ruf eingebracht, die wichtigsten Industriestaaten der Welt einschließlich der USA mehr oder minder einmütig hinter diesem Ziel versammelt zu haben. Künftig soll das Thema in der CDU aber nicht mehr allein Chefinnensache bleiben.

Generalsekretär Ronald Pofalla und Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust haben dazu ein 25 Seiten starkes Grundsatzpapier erarbeitet, das der Parteivorstand am Montag verabschiedete. In ihm geht es um Klima-, Umwelt- und Verbraucherschutz. „Bewahrung der Schöpfung“ heißt das auf gut christdemokratisch.

In der Präambel wird die Klimakatastrophe als Realität anerkannt und ihre Bekämpfung zum Kernanliegen der Partei erklärt. Auch an hochgesteckten Konkretisierungen fehlt es nicht. Bis 2020 wird für Deutschland beispielsweise der „effizienteste Kraftwerkpark der Welt“ versprochen. Bis 2050 solle der Anteil der regenerativen Energien auf 50 Prozent steigen. An der Atomenergie allerdings will die Partei auch in Zukunft festhalten.

Auch wenn die Parteispitze es vehement bestreitet: Das Papier darf wohl in erster Linie als eine Art Bewerbungsschreiben an die Grünen sowie deren bürgerliche Wähler verstanden werden. Dafür spricht schon die Tatsache, dass der Text unter Leitung von Beusts entstanden ist, der derzeit als erster Landeschef Erfahrungen mit einer schwarz-grünen Koalition sammelt.

14 Monate vor der nächsten Bundestagswahl erscheint es der Parteispitze offenbar angebracht, die Fühler in Richtung der Grünen auszustrecken. Für den Fall, dass sich am Wahlabend eine Jamaika- oder eine schwarz-grüne Koalition als einzige Alternative zur Fortsetzung der ungeliebten Großen Koalition erweisen sollte, will man diesmal besser vorbereitet sein als 2005.

Seit in Hamburg schwarz-grün regiert wird, sind die Chancen für solche Bündnisse ohnehin deutlich gestiegen. Das jetzt vorgelegte Umweltpapier ergänzt diese Strategie.