Hohe Steuern, zu niedrige Gehälter und schlechte Karrierechancen treiben einer Umfrage zufolge zahlreiche Fachkräfte ins Ausland. Unter den rund 160.000 Auswanderern im vergangenen Jahr seien viele Fach- und Führungskräfte gewesen, die zur «Crème de la Crème unserer Elite gehören», sagte Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba am Dienstag in Berlin. Überwiegend kehrten junge, aufstrebende Akademiker ohne Kinder Deutschland den Rücken.

Wie hoch der Anteil der «Elite» an den jährlichen Auswanderern tatsächlich ist, ging aus der Umfrage indes nicht hervor. Das Prognos-Institut hatte im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums rund 1400 Fachkräfte befragt, die dauerhaft im Ausland leben. Von ihnen hätten gut 83 Prozent einen akademischen Abschluss, sagte Otremba. Ihr Männeranteil liege bei 63 Prozent.

Beliebteste Auswanderungsziele für die Elite seien die USA, Großbritannien und die Schweiz. Rund 68 Prozent der Befragten zog es in fremde Länder, weil sie dort deutlich mehr verdienen können. «Wegen einem Euro Gehaltsunterschied geht sicher niemand ins Ausland», sagte Otremba. Als weitere Gründe wurden bessere Aufstiegschancen und höhere Lebensqualität im Ausland genannt.

Rund 53 Prozent der Fachkräfte bezeichneten die deutsche Einkommens- und Beschäftigungssituation als unbefriedigend. 38 Prozent kritisierten eine zu hohe Steuer- und Abgabenlast, 31 Prozent zu viel Bürokratie und 25 Prozent fehlende Gestaltungsfreiheit in Wirtschaft und Wissenschaft. Aber: 46 Prozent der Fachkräfte können sich eine Rückkehr in die Heimat vorstellen.

Nach Einschätzung des Ministeriums können Einwanderer den Aderlass nicht ausgleichen. Zuwanderer seien meist schlechter qualifiziert. Bis zum Jahr 2013 fehlen nach Angaben der Bundesregierung in Deutschland 330.000 Akademiker, darunter 70.000 Naturwissenschaftler und 85.000 Ingenieure.