Kernige Pfarrer, ängstliche Hausmädchen

Was die Leserinnen und Leser wollen, muss ein Heftroman-Autor ganz genau wissen. Weil Lothar Gräner es nicht wusste, begann seine Karriere mit einem Fehlstart. „Ich hatte ein uneheliches Kind eingebaut, das war unpassend“, erzählt Gräner. „Neun von zehn Autoren schreiben gleich den ganzen Roman, statt erstmal nur ein Exposé“, erzählt er. So hatte er es auch gemacht, 1992, als er keine Lust mehr hatte, als Koch zu arbeiten. Prompt bekam er seinen Liebesroman zurück. Aber seinen Stil fand der Lektor gut. Also schrieb Gräner weiter.

Lothar Gräner

Lothar Gräner

Die Linie des Kelter-Verlags, für den der heute 65-Jährige schreibt, ist eindeutig. Die Romanhefte sollen laut Verlags-Webseite „völlig unabhängig von rasch wechselnden Moden“ etwas beitragen „zur Wahrung eines zeitlosen Wertekanons, den man als konservativ im besten Sinne bezeichnen kann.“

Lothar Gräner beherzigte die Vorgabe und hatte Erfolg. Die Reihe „Der Bergpfarrer“, die er allein schreibt, wurde bereits verfilmt. Der gutherzige, aber kernige Pfarrer Trenker stiftet Ehen und schafft die Liebesprobleme seiner Schäfchen aus der Welt. Nur er selbst lebt natürlich im Zölibat. „Ich kann schon ansprechen, dass jemand zum Beispiel obdachlos ist“, sagt Lothar Gräner, „aber das tue ich nur in Maßen. Wenn jemand acht Stunden am Fließband steht, will er abends nichts über Probleme lesen. Was ich produziere, ist Fluchtliteratur.“

Die Romane:

Patricia Vandenberg (Elke Schiede): "Das Leben nach dem Happy End" aus der Reihe "Dr. Norden", Martin Kelter Verlag (noch nicht erschienen).
Jerry Cotton (Horst Friedrichs): "Winterland, Mörderland" aus der Reihe "Jerry Cotton", Bastei Verlag (noch nicht erschienen).
Barbara Mellin (Johanna Buresch): "Das Vermächtnis der Lady Hamilton", Bastei Verlag.
Toni Waidacher (Lothar Gräner): "Du bist mein ganzes Glück" aus der Reihe "Der Bergpfarrer", Martin Kelter Verlag.

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Leser-Kommentare

  1. „Ich kann schon ansprechen, dass jemand zum Beispiel obdachlos ist“,
    sagt Lothar Gräner, „aber das tue ich nur in Maßen. Wenn jemand acht
    Stunden am Fließband steht, will er abends nichts über Probleme lesen.
    Was ich produziere, ist Fluchtliteratur.“
    Klasse^^ ...aber bei dem Gehalt (sic!) kann er wohl nicht mal stolz drauf sein.

  2. Interessanter Artikel. Das Image der Groschenromane ist meiner Meinung nach schlechter, als sie wirklich sind. Schon allein deren Existenz ist bemerkenswert und spricht von einer immer noch weit verbreiteten "Lesekultur", die sämtliche Verwerfungen überstanden hat. Fliessbandarbeiter die lesen, Hausfrauen, die über ihren Romanheftchen einschlafen, das ist nicht selbstverständlich. In den meissten Ländern wird nämlich überhaupt nicht gelesen, wodurch die Bereitschaft sinkt, sich kritisch mit Dingen auseinander zu setzen, und seien es nur Fürstenhochzeiten. Besser als Reality-TV ist das allemal!

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  • Von Doris Anselm
  • Datum 25.6.2008 - 13:11 Uhr
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