Am 30. April 1993, die Älteren unter uns werden sich erinnern, kam es zu einem großen Weltverhängnis. Das World Wide Web wurde zur Benutzung freigegeben. Bereits Millisekunden nach dem Big Bang begann es sich explosionsartig auszudehnen, und es bläht bis heute. So ist in nur fünfzehn Jahren jenes ungeheure Universum aus Netzdiensten entstanden, das wir gemeinhin „das Internet“ nennen.

Man kann dieses Ereignis als den eigentlichen Beginn des Informationszeitalters betrachten. Als Grundsteinlegung des Global Village . Als Beginn einer neuen, digitalen Zivilisation. Doch einiges spricht dafür, dass es sich um einen gigantischen und folgenschweren Irrtum handelt, der wieder abgeschaltet gehört.

Das aber fordert niemand. Das Internet ist von den großen Erfindungen der Menschheit die erste, die alle gut finden. Wirklich jeder. Es gibt keinen radikalen Protest. Keine Fundamentalopposition. Es gibt keine Anti-Internet-Bewegung. Warum eigentlich nicht?

Jede Technologie ab einer gewissen Größenordnung hatte ihre Maschinenstürmer. Es gab Revolten gegen Webstühle und Dampfmaschinen, Fließbänder und Fertigungsroboter, Kernkraftwerke und Wiederaufbereitungsanlagen. Das Internet dagegen hat, grob geschätzt, zwei Gegner: den Astronomen Clifford Stoll –  er schrieb das Buch „Die Wüste Internet“. Und Elton John. Der schlug mal vor, für fünf Jahre den Netzstecker zu ziehen. Es ging dabei irgendwie um Kunstqualität.

Ansonsten aber: Funkstille. Das Netz, so scheint es, ist unantastbar. Nicht mal die Hamas ist dagegen. Womöglich hat sie zwischen Spamlöschen, Podcasten, Mobloggen, Downloaden, Flickrn und generellem Hipsein einfach nicht die Zeit gefunden. Trotzdem wird es nach nunmehr fünfzehn Jahren besinnungslosem Gesurfe erlaubt sein, einmal zu fragen, woher das Internet eigentlich seinen konkurrenzlos guten Ruf hat. Und ob es ihn verdient.