Kinderschutz Alltag im Jugendamt

Es beginnen die Prozesse gegen die Mutter aus Darry und die Eltern der verhungerten Lea-Sophie. Wer kann helfen? Karsten Paulmann erzählt von seiner Arbeit im Jugendamt

Wenn ich morgens ins Büro gehe, dann hoffe ich, dass über Nacht nichts Schlimmes passiert ist.

Kevin. Lea-Sophie. Fünf Kinder in Darry. Sie sind ständige Begleiter in meiner Arbeit als Sozialarbeiter in einem Jugendamt. Auf meinem Schreibtisch erwartet mich die Liste der unerledigten Arbeiten. Dazu erreichen mich täglich etwa 20 bis 30 neue Telefonate, E-Mails, Briefe. Informationen über hilfebedürftige Kinder - von Familienmitgliedern, Nachbarn, Erziehern, Betreuern, Familienhelfern, Ärzten, Lehrern, Polizisten, Richtern. Dazu kommen Hausbesuche, Hilfekonferenzen, Teamsitzungen, Fallbesprechungen. Jede Information muss notiert, bewertet und nach Dringlichkeit sortiert werden. Selten kann ich meinen Plan für den Tag einhalten. Ein neuer Anruf genügt, um den ganzen Tagesablauf über den Haufen zu werfen. Denn jede Nachricht kann über das Schicksal eines Kindes entscheiden. Kevin. Lea-Sophie. Fünf Kinder in Darry.

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Im Einzugsgebiet meines Teams leben 7300 Menschen zwischen 0 und 21 Jahren, die Zielgruppe des Jugendamts. Das sind im Durchschnitt 860 pro Sozialarbeiter. Kinder und Jugendliche jeglicher Herkunft und Nationalität, überwiegend mit niedrigem sozialen Status. In manchen Kitas und Schulen sind über 90 Prozent der Kindern nicht deutscher Herkunft. Die Zahl der Schulversager nimmt ungekannte Ausmaße an. Wer es sich leisten kann, zieht weg. Dafür kommen noch mehr Menschen, die es sich nicht leisten können, woanders zu leben.

In meinem Team betreut jeder etwa 80 Familien gleichzeitig und über einen längeren Zeitraum. Viele davon sind unvollständige Familien, meist fehlt der Vater. 80 Familien, das sind 120 bis 130 Kinder. 80 Familien, das sind im Schnitt 24 Minuten in der Woche pro Familie, einschließlich Dokumentation und Aktenführung. Zeit für Gespräche? Zeit für Prävention?

Die Zahl der Meldungen über gefährdete Kinder steigt seit Kevins Tod beständig. Sie werden eingestuft als dringend, sehr dringend oder absolut dringend. Wir gehen jeder Meldung nach. Sofort. Zu zweit (nach Möglichkeit). Wir müssen Entscheidungen treffen. Sofort. Kann das Kind in seiner Umgebung bleiben oder müssen wir es in Obhut nehmen? Wir machen Krisensitzungen und arbeiten Gefährdungs-Checklisten ab wie der Pilot eines Flugzeugs vor dem Start. Sie helfen nicht wirklich. Menschen sind keine berechenbaren Maschinen. Es gibt zu viele Variablen. Und manchmal stürzt ein Flugzeug ab – trotz Checkliste.

Haben wir etwas übersehen? Haben wir eine Meldung oder eine Gefährdungssituation falsch eingeschätzt? Welches der Kinder, für die wir verantwortlich sind, könnte Kevin sein? Oder Lea-Sophie? Und andersherum: Mit der Angst steigt zugleich die Gefahr der Überreaktion. Die Zahl der Inobhutnahmen und Sorgerechtsentzüge ist in Deutschland signifikant gestiegen, seit Kevin gestorben ist. Das Grundgesetz schützt ausdrücklich die Familie, nicht das Kind. Was ist richtig, was ist eine angemessene Intervention?

Morgens vor der Arbeit höre ich in den Nachrichten, in einer betreuten Mutter-Kind-Einrichtung hat ein Vater während eines Besuchs sein Kind derart auf den Boden geschleudert, dass es daran gestorben ist. In einer betreuten Mutter-Kind-Einrichtung! Wer käme je auf die Idee, ein Vater könnte seine Tochter in einer Einrichtung der Jugendhilfe zu Tode bringen? Zwei Tage vorher habe ich zwei Kinder aus einer anderen Mutter-Kind-Einrichtung in Obhut genommen, wegen der unkontrollierbaren Aggressivität des Vaters. Glück gehabt! Glück gehabt?

Der Vormund und der Sozialarbeiter von Kevin sind angeklagt. Nicht die Vorgesetzten, nicht die Politiker, die einen strikten Sparkurs verordnet hatten. Gegen das Jugendamt Schwerin wurden Dutzende von Anzeigen erstattet, denn in Schwerin verhungerte die fünfjährige Lea-Sophie. Der Bürgermeister geht in den einstweiligen Ruhestand, die Sozialarbeiter werden sich vor Gericht verantworten müssen.

Leser-Kommentare
  1. Ich nehme dem Kollegen seine Probleme durchaus ab und habe keinen Zweifel an seinem Engagement.Eigentlich würde mich aber sehr viel mehr interessieren, wieviele von seinen Kollegen er bereits abgschrieben hat, weil sie nur noch als verlängerter Arm des Kämmerers funktionieren.Kevin ist weit, der Kämmerer, vertreten durch den Abteilungsleiter, ist nah.Lassen Sie mich eine kleine -wahre- Geschichte erzählen.Ein junger Mann, 18 Jahre, aus Leipzig, besucht die höhere Handelsschule.Mit gutem Erfolg übrigens. Zur Finanzierung seines Lebensunterhalts ist er auf die Hilfe des Jugendamtes angewiesen.Das Jugendamt lehnt ab, mit der Bemerkung:" Wir haben kein Geld, Leipzig will ja schließlich Olympiastadt werden."Der Junge Mann möge  seine Schulausbildung abbrechen und sich arbeitssuchend melden.Der Junge versucht zu klagen. Die meisten Rechtsanwälte wissen nicht einmal ob sich eine solche Klage an das Verwaltungsgericht oder das Sozialgericht wendet.Darüber hinaus sind die zu erwartenden Honorare zu gering um auch nur minimales Interesse bei einem Anwalt zu wecken.Kurz und gut, er hat jemanden gefunden, der an ihn geglaubt hat und ihn monatlich mit 200,-€ unterstützte. Er hat seine höhere Handelsschule, 8 Monate später mit einem Zensurenschnitt von 1,9 abgeschlossen. Jetzt macht er eine Ausbildung bei einem großen Steuerberatungsbüro.Vorgestern war er bei mir, mit seinem Zeugniss, Zensurenschnitt 1,78.Leipzig ist dann allerdings nicht Olympiastadt geworden, und der junge Mann nicht Harz IV Empfänger, was nicht am Jugendamt der Stadt Leipzig gelegen hat.Natürlich ein bedauerlicher Einzelfall. Aber warum kenne allein ich so viele davon ?

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Ich kann die Erfahrungen aus dem Artikel und dem ersten Kommentar nur bestätigen. Über die Gewährung von Jugendhilemaßnahmen wird nicht mehr nach dem Gesetz und (pädagogischer) Notwendigkeit entschieden, sondern nach Kosten und der Gefahr negativ in die Medien zu kommen. Insbesondere ältere Jugendliche und junge Erwachsene fallen so schnell durch das Raster. 16 bis 21jährige findet man halt nicht mehr im Blumenkasten oder der Gefriertruhe. Diese landen "nur" bei der Arge oder unter der Brücke, und das ist ja Alltag, gibt keine negativen Schlagzeilen. Bei nicht wenigen führt der Weg dann auch in die Psychiatrie oder in den Knas, sozusagen auch staatliche stationäre Maßnahmen, leider meist noch wesentlich teurer, aber zum Glück ein anderer Kostenträger, ein anderer Etat.Auch in der stationären Jugendhilfeeinrichtung eines freien Trägers, in der ich arbeite, unterstützen wir laufend einen Teil unsere Betreuten darin, ihre Rechte gerichtlich durchzusetzen und tragen dabei das finanzielle Risiko. Aufgrund dieses Risikos können wir diesen Weg nicht so oft beschreiten, wie es eigentlich nötig wäre. Und bei uns sind nur Menschen, die das Glück hatten es in unsere Einrichtung zu schaffen. Dieses Glück besteht heutzutage sehr häufig daraus, dass im Rahmen eines Strafverfahrens ein Gericht die Maßnahme für den Betreuten als notwedig ansieht oder ein psychiatrisches Gutachten dies aussagt. "Normale" Jugendliche und junge Erwachsene haben ohne derartige professionelle Unterstützung eigentlich keine Chance mehr, an die ihnen rechtlich zustehende Hilfe zu kommen.

  3. Warum nur glaubt es niemand? Der Staat ist völlig überfordert damit, kaputte Familienverhältnisse zu reparieren. Das kann kein Jugendamt.  Die Zahl der "Hilfsbedürftigen" nimmt ständig zu, obwohl die Geburtenzahlen sinken. Warum nimmt sie zu? Weil die Geburtenraten seit 30 Jahren umgekehrt proportional zum Bildungsgrad und sozialen Status der Eltern sind und 1990 die erste Elterngeneration das fortpflanzungsfähige Alter erreicht hat, die selbst Zugang zur Bildung gehabt hätte. Seither ist niedrige Bildung und geringer sozialer Status viel stärker als früher ein Anzeichen dafür, daß der Betreffende (anders als früher) nicht einfach nur keine Chance erhalten hat, sondern daß er außerstande war, seine Chancen zu nutzen. Sprich: die Wahrscheinlichkeit, daß ein Elternhaus mit niedrigem sozioökonomischen Status zugleich ein SCHLECHTES Elternhaus ist, ist drastisch gestiegen. Der Rückgang der Geburtenraten in den Mittelschichten bremst immer mehr das Produktivitätswachstum (Fachkräfte) wie auch den Konsum  (wer kauft noch Waschmaschinen und Familienkutschen? Wer baut Einfamilienhäuser?). Zugleich wachsen dem Staat die Ausgaben für Transferempfänger über den Kopf, weil diese zangengleich auf zwei Seiten mehr werden: immer mehr Alte und immer mehr Junge in prekärer Lage. Und weil Alte die wichtigeren Wählergruppen sind, muß gerade bei den Jungen gespart werden. Notwendiges Resultat: völlig überlastete Jugendämter, Brennpunktschulen und -Kindergärten. Selbst wenn, was ich bestreite, der Staat theortisch imstande wäre, die Defizite schlechter Elternhäuser halbwegs auszugleichen -- vom Aufwand her ist es in jedem Falle ein Ding der Unmöglichkeit.    Kurzfristig gibt es nur ein Rezept, sozial schwache Elternhäuser aufzupeppen: sie in Arbeit  zu bringen statt in Arbeitslosigkeit zu alimentieren. Ihnen durch intelligente Kombilöhne wieder eine Aufgabe geben. Doch das wird nicht reichen.   Echte Abhilfe ist nur langfristig möglich, nämlich durch das Setzen von Rahmenbedingungen, die Elternschaft für die Mittelschichten attraktiv machen. Sprich: massive Umverteilung hin von den heute massiv privilegierten Kinderarmen der Mittelschichten hin  zu Eltern - wichtig - wiederum der Mittelschichten. Denn dort gilt heute der berühmte Satz: von Kindern profitiert, wer keine hat. Warum nur sind die Widerstände gegen diese simple Erkenntnis so enorm? Weil die meisten Politiker, und besonders Politikerinnen, kinderarm sind? 

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    Ich möchte hier nur kurz anmerken, daß für viele Menschen in diesem Land die Zugehörigkeit zur Mittelschicht oder der Verbleib in ihr sehr stark davon abhängt, daß man seinen (fast immer vorhandenen !!!) Kinderwunsch entweder unter bestimmten Bedingungen versagt oder aber zumindest eine Zeit lang aufschiebt. Zur Mittelschicht gehört man nämlich, wenn man 1. eine Berufsausbildung hat, 2. diesen Beruf (oder meinetwegen einen anderen, aber irgendeine mehr oder weniger qualifizierte Tätigkeit) auch ausübt und 3. kein Inhaber eines großen Vermögens ist, das es einem erlauben würde, gänzlich auf Erwerbsarbeit zu verzichten. Trifft der 3. Punkt nicht zu, gehört man schon zur Oberschicht und hat beste Voraussetzungen, um so viel Kinder zu bekommen, wie es einem oder einer beliebt. Setze ich als Vermögenslose(r) ohne Ausbildung und ohne Arbeit Kinder in die Welt (als Frau vielleicht noch ohne festen Partner), gehöre ich ganz schnell zur Unterschicht. Das ist der Grund, warum die Geburtenrate in der Mittelschicht so niedrig ist. Ich höre bei Statements wie bei Ihrem immer sehr leicht Verachtung für Menschen heraus, die keine Kinder haben. Ich weiß nicht, ob Sie es so meinen. Meiner Meinung nach sind die Armut an Kindern der einen und die Kinderarmut der anderen nur zwei Seiten der gleichen Medaille, durch bestimmte soziale Rahmenbedingungen  bedingt.

    in diesem Lande ist doch wohl eher die Oberschicht. Diese verdient sich eine goldene Nase an kaum besteuertem Kapitaleinnahmen. Gutgehende Unternehmen rechnen sich so lange arm, bis kein Pfennig mehr für den Fiskus übrigbleibt, und der Staat kaum noch seiner Aufgabe der Herstellung von Chancengleichheit und Bereitstellung von Bildung nachkommen kann. Mit dem angehäuften Kapital wird der Konsum nicht angekurbelt (die werten Damen und Herren haben ja schon alles), sondern durch Spekulationen die Finanzmärkte destabilisiert. Häufig entwickeln die Angehörigen der Oberschicht dazu noch einen gehörigen Schuss krimineller Energie und schaffen den Rest des Vermögens, das möglicherweise noch zu besteuern wäre, dann auch noch ins Ausland.Für die Kinder derjeniger, die unverschuldet arbeitslos geworden sind, bleibt bei solchen Steuerausfällen, dann nicht einmal genug Geld übrig, um sie durch den Monat zu bringen, ohne dass sie Hunger haben.Was gute und was schlechte Elternhäuser sind haben Sie nicht zu beurteilen. Von den Nachkommen von solchen wie oben beschriebenen Kriminellen ist auch nicht viel zu erwarten, was wollen die Eltern bei solch sittlicher Verwahrlosung und Verantwortungslosigkeit gegenüber der Gesellschaft wohl an ihre Nachkommen weitergeben?___________________________________________________________________

    Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

    Ich möchte hier nur kurz anmerken, daß für viele Menschen in diesem Land die Zugehörigkeit zur Mittelschicht oder der Verbleib in ihr sehr stark davon abhängt, daß man seinen (fast immer vorhandenen !!!) Kinderwunsch entweder unter bestimmten Bedingungen versagt oder aber zumindest eine Zeit lang aufschiebt. Zur Mittelschicht gehört man nämlich, wenn man 1. eine Berufsausbildung hat, 2. diesen Beruf (oder meinetwegen einen anderen, aber irgendeine mehr oder weniger qualifizierte Tätigkeit) auch ausübt und 3. kein Inhaber eines großen Vermögens ist, das es einem erlauben würde, gänzlich auf Erwerbsarbeit zu verzichten. Trifft der 3. Punkt nicht zu, gehört man schon zur Oberschicht und hat beste Voraussetzungen, um so viel Kinder zu bekommen, wie es einem oder einer beliebt. Setze ich als Vermögenslose(r) ohne Ausbildung und ohne Arbeit Kinder in die Welt (als Frau vielleicht noch ohne festen Partner), gehöre ich ganz schnell zur Unterschicht. Das ist der Grund, warum die Geburtenrate in der Mittelschicht so niedrig ist. Ich höre bei Statements wie bei Ihrem immer sehr leicht Verachtung für Menschen heraus, die keine Kinder haben. Ich weiß nicht, ob Sie es so meinen. Meiner Meinung nach sind die Armut an Kindern der einen und die Kinderarmut der anderen nur zwei Seiten der gleichen Medaille, durch bestimmte soziale Rahmenbedingungen  bedingt.

    in diesem Lande ist doch wohl eher die Oberschicht. Diese verdient sich eine goldene Nase an kaum besteuertem Kapitaleinnahmen. Gutgehende Unternehmen rechnen sich so lange arm, bis kein Pfennig mehr für den Fiskus übrigbleibt, und der Staat kaum noch seiner Aufgabe der Herstellung von Chancengleichheit und Bereitstellung von Bildung nachkommen kann. Mit dem angehäuften Kapital wird der Konsum nicht angekurbelt (die werten Damen und Herren haben ja schon alles), sondern durch Spekulationen die Finanzmärkte destabilisiert. Häufig entwickeln die Angehörigen der Oberschicht dazu noch einen gehörigen Schuss krimineller Energie und schaffen den Rest des Vermögens, das möglicherweise noch zu besteuern wäre, dann auch noch ins Ausland.Für die Kinder derjeniger, die unverschuldet arbeitslos geworden sind, bleibt bei solchen Steuerausfällen, dann nicht einmal genug Geld übrig, um sie durch den Monat zu bringen, ohne dass sie Hunger haben.Was gute und was schlechte Elternhäuser sind haben Sie nicht zu beurteilen. Von den Nachkommen von solchen wie oben beschriebenen Kriminellen ist auch nicht viel zu erwarten, was wollen die Eltern bei solch sittlicher Verwahrlosung und Verantwortungslosigkeit gegenüber der Gesellschaft wohl an ihre Nachkommen weitergeben?___________________________________________________________________

    Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

    • hamkon
    • 27.06.2008 um 9:34 Uhr

    Literatur, die eben genau darauf hinweist, wo die Quellen all der mörderischen Empfindungsunfähigkeiten liegen, welche zu den Kindermorden führt, die heute zu so soviel Klage, Leid und Empörung Anlass  geben.Die sozio-fiskalische Verrohung unserer sogen. Eliten, die an einer manischen Kapitalverliebtheit im pathologischen Sinne erkrankt sind, führt zur Dominanz der materiellen Prioritäten, denen heute eine so dogmatische Vorherrschaft zugebilligt wird, wie das in totalitären Regimen bei deren Dogmen eben so ist.Es ist die Tatsache, dass unser Land heute faktische eine Kapitaldiktatur ist, in der der gesellschaftliche Diskurs ebenso behindert ist, wie das einst bei den Monarchisten, den Faschisten und den Kommunisten  der Fall war, deren "staatstragende" Funktionärscliquen mit der gleichen Impertinenz ihre Agitpropparolen über die Massenmedien und in den Bildungseinrichtungen unter das gelehrige Volk brachten, wie das heute von den Apologeten der neoliberalen Marktwirtschaftstheorie betrieben wird.Ob es nun heisst "Für Kaiserreich und Vaterland", oder "Für Führer und Volksgemeinschaft" oder "Für die Arbeiter- und Bauernklasse" - all das sind schlicht nur Synonyme für die heute grassierende Parole vom "Fordern und Fördern", denen der reale Inhalt ebenso fehlt, wie den o.g. Parolen der Vergangenheit.In allen Fällen wird das Primat des Menschen verneint, jeder auf sich selbst konzentriert und die Fähigkeit der Menschen, sich ihres Selbstwertes bewusst zu werden derart zerstört, dass nur noch ein Meer von Tränen, Schweiß, Eiter, Blut und Kot als gesamtgesellschaftlicher Teich übrig bleibt, auf dem die "Edlen" und die "Herrschaften" genüßlich in ihren kleinen Booten herum schiffen, sich die Nase zu halten und sich dabei äußerst wohl fühlen, weil es ihnen ja so gut geht.Es ist eben eine wahrhaft adlige und sehr fürstliche Gesellschaftselite, der wir heute all die geschlachtetenund erbarmungslos missbrauchten Kinder zu danken haben, derer wir scheinbar so nicht mehr Herr werden. Es wird wohl nur noch die Lösung bleiben, die unter dem Titel "Friede den Hütten, Krieg den Palästen" schon immer in solchen Situationen die existenten Spannungen und Widersprüche zwischen Bevölkerung und verkommenen Herrschaftseliten zu lösen fähig war.

  4. Der Artikel ist für mich insofern hoch interessant, da hier sehr treffend die Diskrepanz von Theorie und Praxis zwischen aktiven Behördenvertretern auf mittlerer Entscheidungsebene auf der einen und theorielastigen Verlautbarungen politischer Entscheidungsträger  auf der anderen Seite ersichtlich wird.Denn während auf kommunaler Ebene, die zunehmenden familiären und damit gesellschaftlichen Probleme erkannt werden, bleibt man auf entscheidenden Ebenen blind. Allenfalls geneigt mit populistisch genutzten Pflästerchen an schlimmen Symptomen herumzudoktern, statt endlich mal Nägel mit Köpchen zu machen:Ich bin selber Geschädigter eines völlig unzureichenden Bildungs- und Erziehungsverständnisses geworden und versuche aufgrund meiner und anderer verheerender Erfahrungen und zerstörter Biografien derart geschädigter Menschen, nicht nur das Leid dieser Menschen öffentlich zu machen, sondern biete darüber hinaus absolut logische Lösungsmöglichkeiten an, um unsere familien- bzw. sozialpolitischen Misstände in effizienter Weise an den Ursachen zu behandeln.Dieses Bemühen wird auf meiner Webseite: www.ex-heimkinder.de unter den Rubriken Ziele, wie auch Aktionen dokumentiert.Die bisherigen Reaktionen, sofern es denn welche gab, fielen außerordentlich beschämend aus. Gearadeso alls fehle besonders von verantwortlichen Leistungsträgern jeder gute Wille zum Wohle unserer Gesellschaft mitzuwirken.
    Da ich mir diese Thematik sehr am Herzen liegt, würde ich gern den einen oder anderen Kommentar von hier, die die Problematik exzellent erfasst haben gern auch auf meiner Webseite verwenden:Ich hoffe darauf, hierzu ein stilles Einverständnis zu bekommen.Alternativ kann mir natürlich jeder eine PN zusenden, oder auch auf meiner Webseite ein Feedback hinterlassen.Ich bedanke mich für das Verständnis.Klaus K.

    • Taalib
    • 27.06.2008 um 11:35 Uhr

    Es ist immer einfach alles auf eine "diktatorische" Elite zu schieben und bei jemandem, der das Vertrauen in die Demokratie verloren hat auch ein logisch nahe liegender Schluss. Aber eben zu monokausal.Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass es in unserer immer noch demokratische Gesellschaft insgesamt einen Trend zum Verdrängen sozialer Realität gibt? Dass die Menschen heute lieber zwei Minuten geschockt vor dem Fernseher den jüngsten Todesfall eines Kindes aus irgend einem fernen "sozialen Brennpunkt" beklagen, als sich entweder selbst sozial zu engagieren oder politisch für mehr Ausgaben für soziale Dienste stark zu machen?Liegt das Problem nicht statt bei den Eliten viel eher uns selbst? Kann man den allen ernstes bei jeder Wahl von der Politik weniger Steuern bei höhere Renten fordern und sich dann über Missstände bei pathologisch unterbudgetierten Sozial-/Jugendämtern beschweren?Wenn man mit dem Finger auf die "Bonzen", "Bosse", "Eliten" etc. zeigt, zeigen meistens auch drei Finger zurück!

    • Taalib
    • 27.06.2008 um 13:21 Uhr

    Warum bleibt eigentlich ein so großer Teil der Bevölkerung demokratisch unrepräsentiert?Wenn die Erziehungsberechtigten für ihre Kinder mitwählen dürten wäre Politik nachhaltiger. Nachhaltigkeit ist ja kein naturgegebenes gesellschaftliches Ziel, sondern ist eine Wertentscheidung die in einer Gesellschaft mit hauptsächlich Alten und Kinderlosen zu kurz kommt. Politische Entscheidungen von heute reichen meist weit in die Zukunft hinein, betreffen also in großem Maße Menschen die heute noch nicht wählen dürfen

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    • KaJu
    • 27.06.2008 um 14:50 Uhr

    Warum wird eine Politik nachhaltiger, wenn Eltern für ihre Kinder wählen dürfen?Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass alle bzw. zumindest die meisten Eltern zum Wohle des Kindes bzw. Nachhaltigkeitsgedankens wählen gehen würden. Da ist wohl eher der eigene Wunsch der Vater dieses Gedanken.Wenn Eltern so liebevoll wären, würde es diesen Artikel, in dem es um die Folgen der Kindeswohlgefährdung geht, nicht geben.Jedem Sozialarbeiter, der sich unter den beschriebenen Bedingungen noch traut, täglich seiner Arbeit nachzugehen, gebührt der größte Respekt. Diesen Menschen geht es tatsächlich um den Nächsten, trotz der vielpropagierten Gefahrt, täglich mindestens mit einem Bein im Gefängnis zu stehen. Weil: es passiert so viel Schlimmes und haftbar wird der zuständige Sozialarbeiter gemacht, aber nicht diejenigen, die es zu verantworten haben, dass es für gute Jugendamtsarbeit genügend finanzielle und damit auch personelle Ressourcen gibt. Ein Trauerspiel, bei dem es im Extremfall um Leben und Tod, aber zumindestens immer um persönliche Dramen geht.

    • KaJu
    • 27.06.2008 um 14:50 Uhr

    Warum wird eine Politik nachhaltiger, wenn Eltern für ihre Kinder wählen dürfen?Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass alle bzw. zumindest die meisten Eltern zum Wohle des Kindes bzw. Nachhaltigkeitsgedankens wählen gehen würden. Da ist wohl eher der eigene Wunsch der Vater dieses Gedanken.Wenn Eltern so liebevoll wären, würde es diesen Artikel, in dem es um die Folgen der Kindeswohlgefährdung geht, nicht geben.Jedem Sozialarbeiter, der sich unter den beschriebenen Bedingungen noch traut, täglich seiner Arbeit nachzugehen, gebührt der größte Respekt. Diesen Menschen geht es tatsächlich um den Nächsten, trotz der vielpropagierten Gefahrt, täglich mindestens mit einem Bein im Gefängnis zu stehen. Weil: es passiert so viel Schlimmes und haftbar wird der zuständige Sozialarbeiter gemacht, aber nicht diejenigen, die es zu verantworten haben, dass es für gute Jugendamtsarbeit genügend finanzielle und damit auch personelle Ressourcen gibt. Ein Trauerspiel, bei dem es im Extremfall um Leben und Tod, aber zumindestens immer um persönliche Dramen geht.

  5. und darueber wird vergessen dass besonders der Staat die Aufgabe hat die Gesellschaft  und Kinder gehoeren dazu, zu schuetzen,manchmal auch vor den eignen Eltern .Wenn unsere Volksvertreter mal einen Moment ihre eignen Interessen ignorieren wuerden um sich ums Wohl der Waehler zu bemuehen haetten wir weniger Kinderarmut und Problemfaelle.Leider sind sich die Abgeordneten nur dann einig wenn es um ihre eignen Bezuege geht fuer deren Erhoehung wunderbarer Weise immer Geld da ist dass aber nicht gefunden werden kann wenn es um das Gemeinwohl geht.Kinder und Beduerftige 'rechnen' sich nicht.

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