US-Wahl Wahlkampf ohne Grenzen

Barack Obama verzichtet auf öffentliche Wahlkampfmittel, weil er Rekordspenden hat. Das befreit ihn von allen finanziellen Beschränkungen – zum Ärger seines Rivalen McCain

Obama beim Bad in der Menge seiner Anhänger. Mit ihren Millionen-Kleinspenden verschaffen sie ihm einen großen Vorteil gegenüber McCain

Obama beim Bad in der Menge seiner Anhänger. Mit ihren Millionen-Kleinspenden verschaffen sie ihm einen großen Vorteil gegenüber McCain

Jetzt ist es offiziell: Dieser amerikanische Präsidentschaftswahlkampf wird der teuerste der Geschichte. Nachdem sich Barack Obama und Hillary Clinton bereits monatelang gegenseitig mit Spenden und Werbung zu übertrumpfen versuchten, ist nun auch das Duell zwischen Obama und dem republikanischen Kandidaten John McCain – einseitig – von gesetzlichen Grenzen befreit: Obama verkündete am Donnerstag in einer Videobotschaft , dass er auf 84,1 Millionen Dollar staatliche Wahlkampffinanzierung verzichten will.

Hätte er die öffentliche Hilfe, die durch eine freiwillige Spende von drei Dollar pro Steuerzahler finanziert wird, akzeptiert, so wäre sein Budget zwischen dem Nominierungsparteitag und dem Wahltag im November auf genau diese 84 Millionen begrenzt. Angesichts seiner bisherigen Spendenrekorde halten Beobachter es jedoch durchaus für möglich, dass er auch so nochmals mehr als 300 Millionen Dollar mobilisiert.

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Damit ist Obama der erste Präsidentschaftskandidat seit 1976, seit der Verabschiedung eines auf den Watergate-Skandal zurückgehenden Gesetzes, der die auflagengebundene, staatliche Finanzierung ausschlägt. McCain hingegen verweist Spendenwillige bereits auf alternative politische Organisationen, um sich dafür zu qualifizieren.

Obama argumentiert, dass das System sowieso fehlerhaft sei. Denn auch wenn sich die Kandidaten selbst auf die zugewiesenen Mittel beschränken, können so gut wie unregulierte sogenannte "527-Gruppen" grenzenlos Geld für Werbung ausgeben. Da diese Organisationen keine offizielle Verbindung zu den Kandidaten haben, leisten sie sich erfahrungsgemäß häufiger Attacken unter der Gürtellinie. Das Resultat: "Ein negativer, dreckiger Wahlkampf", so die New York Times.

"Wir haben es mit Opponenten zu tun, die dieses angeschlagene System meisterhaft beherrschen", erläutert Obama. Nach Angaben seines Pressesprechers Robert Gibbs liegen 90 Prozent seiner bisherigen Spenden unter 100 Dollar. Beweis genug, dass er nicht auf "Millionen aus der Hand von Washingtons Lobbyisten" angewiesen sei.

Doch Obamas Entscheidung schraubt letztendlich auch die Wahlkampfkosten weiter in die Höhe. Und das bringt viele Kritiker auf den Plan – nicht nur aus republikanischen Reihen. "Senator Obama verwandelt sich zunehmend in einen typischen Politiker, der seine Versprechen zugunsten kurzfristiger Vorteile bricht", kommentiert McCains Berater Frank Donatelli mit Blick auf Obamas frühere Andeutungen, dass er sich in das staatliche System einfügen wolle. Der demokratische Senator Russ Feingold, der vergangenes Jahr gemeinsam mit Obama an einem Gesetzesvorschlag zur Lobby-Reform gearbeitet hatte, hält die Entscheidung schlichtweg für einen "Fehler", da sie sich schwer mit dem Ruf nach Veränderung vereinbaren lasse.

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