Rassismus
Sehnsucht nach Ordnung und Ruhe
Wie kann es sein, dass in Deutschland immer noch so viele Menschen ausländerfeindliche Ressentiments haben? Eine Untersuchung blickt hinter die Kulissen

© Jens Koehler/ddp
Neue Studie zu Rassismus: "Wir sind nur gut, wenn es uns gut geht"
"Führer", "Einheitspartei" und Diktatur, vor zwei Jahren ging ein Schock durchs Land, als eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung belegte: All das finden manche Bundesbürger gar nicht so schlecht. Und jeder vierte Deutsche zeigte sogar ausländerfeindliche Ressentiments. Damals waren 5000 Bürger zu ihrer Zustimmung oder Ablehnung von rechtsextremen Aussagen befragt worden.
Die Ergebnisse waren so erschütternd, dass die Autoren nun nach den Ursprüngen dieses Übels forschten. In der Folgestudie "Ein Blick in die Mitte" wurden 150 Bundesbürger im letzten Jahr zu kleinen Gruppendiskussionen eingeladen. "Wir wollten die politischen Aussagen mit den Lebensläufen in Verbindung bringen", sagte der Leipziger Psychologe Oliver Decker, der maßgeblich an beiden Untersuchungen für die Friedrich-Ebert-Stiftung beteiligt war.
Das Interessante an den Ergebnissen, die gestern Abend in Berlin mit anschließender Diskussion präsentiert wurden, ist weniger die schon bekannte Tatsache, dass den einen oder anderen an seiner trauten Region "die Russlanddeutschen" oder "die Türken" stören, sondern der Blick hinter die Kulissen. In die Psyche der Menschen.
Und da sieht es dunkel aus. Da ist Wohlstandsverlust gekoppelt an politische Resignation und an persönliche Isolation. Die Quintessenz der neuen Studie ist wohl: Wir sind dann gut, wenn es uns gut geht. "Immer dann, wenn der Wohlstand als Plombe bröckelt, steigen aus dem Hohlraum wieder antidemokratische Traditionen auf," erklärte Decker. Und dass diese antidemokratischen Traditionen dann eben auch Ausländerfeindlichkeit oder Antisemitismus mit einschließen, habe seiner Meinung nach damit zu tun, dass das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit weder für Nachdenklichkeit noch für Scham genügend Raum und Zeit gelassen habe.
Für rechtes Gedankengut anfällig seien aber auch Menschen, die sich aus der Gesellschaft ausgegrenzt fühlten, etwa Hartz-IV-Empfänger. Sie fühlten sich häufig zu "Verwaltungsobjekten" degradiert und sähen sich einem Staat gegenüber, der bis in die intimsten Details hinein regiere. Das sei ein Zeichen, wie es um die Freiheit im Lande bestellt sei, so Decker.
Die Schriftstellerin Tanja Dückers, die mit auf dem Podium saß, stellte eine kritische Frage an ihre eigene Generation: "Sind wir zu gemütlich geworden?" Die 39-Jährige bemängelte die Individualisierungstendenz der Menschen, die geringe politische Beteiligung und den Rückzug ins Private. Viele der jungen Leute, das zeigt die Studie, pflegen eine "Die da oben"-Attitüde gegenüber der Politik, sie hoffen angeblich auf "irgendeinen Führer", weil es so nicht mehr weitergehen könne.
Mit der Demokratie zeigte sich schon bei der letzten Studie die Mehrheit der Befragten unzufrieden. Die Älteren glorifizierten die klaren Strukturen und Regeln ihrer Jugend - im Westen mitunter sogar die Nazizeit. "Erschreckend war für uns, wie gern die Befragten auch die bescheidenste Demokratie gegen autoritäre Strukturen eintauschen würden, in denen vermeintlich Ordnung, Ruhe und Chancengleichheit herrscht," sagte Oliver Decker.
Die Leipziger Forscher haben überdies einen zentralen Punkt herausgearbeitet: den Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands. Es gebe die gefährliche Tendenz, Täter und Opfer umzukehren und vor allem die Vertreibung der Deutschen durch die Russen zu beklagen. "Das Verleugnen der deutschen Täterschaft führt zu antidemokratischen Einstellungen", sagte Decker. Eine Verweigerung der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit fördere rechtsextreme Einstellungen, während eine inhaltliche als auch emotionale Auseinandersetzung mit dem Thema rechtsextreme Einstellungen eher bremse.
Die Leipziger Wissenschaftler riefen Schulen und Arbeitsstellen dazu auf, Raum für politische Auseinandersetzung und politischen Disput zu schaffen, mehr Beteiligung am Gemeinwohl zu üben und zu leben. "Demokratie ist kein Sockel, der erreicht wird und als gesichert gelten kann," sagte Decker. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) forderte als Konsequenz aus der Studie, Besuche in KZ-Gedenkstätten für Schüler wieder zur Pflicht zu machen. Den "nationalistischen Schreiern" gehöre die historische Wahrheit "um die Ohren gehauen".
Ein wirklich überzeugendes Konzept für eine bessere Welt ist das nicht. Denn die Probleme liegen anderswo, tiefer. Es scheint, als haben viele Menschen Kontakt zur Gesellschaft und die Lust am politischen Diskutieren verloren und somit auch die Möglichkeit, sich in ihrer Toleranz zu trainieren.
- Datum 19.6.2008 - 04:50 Uhr
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Zitat aus dem Artikel:
"Und jeder vierte Deutsche zeigte sogar ausländerfeindliche Ressentiments."
Was versteht die Studie unter „ausländerfeindlichen Ressentiments“?
Zitat aus dem Artikel:
„Und da sieht es dunkel aus. Da ist Wohlstandsverlust gekoppelt an politische Resignation und an persönliche Isolation. Die Quintessenz der neuen Studie ist wohl: Wir sind dann gut, wenn es uns gut geht. "Immer dann, wenn der Wohlstand als Plombe bröckelt, steigen aus dem Hohlraum wieder antidemokratische Traditionen auf," erklärte Decker.“
Ist das ein rein deutsches Phänomen oder ein allgemein menschliches?
Zitat aus dem Artikel:
„"Immer dann, wenn der Wohlstand als Plombe bröckelt, steigen aus dem Hohlraum wieder antidemokratische Traditionen auf," erklärte Decker. Und dass diese antidemokratischen Traditionen dann eben auch Ausländerfeindlichkeit oder Antisemitismus mit einschließen, habe seiner Meinung nach damit zu tun, dass das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit weder für Nachdenklichkeit noch für Scham genügend Raum und Zeit gelassen habe.“
Soll das heißen, dass in Ländern ohne Wirtschaftswunder solche Probleme nicht existieren. Es müsste sich also die Problematik, da das Wirtschaftswunder ein deutsches Phänomen ist, auf Deutschland beschränken. Gibt es also in Frankreich oder in Südafrika oder in der Schweiz beispielsweise keine Ausländerfeindlichkeit?
Handelt es sich bei der Studie wieder mal um eine typisch deutsch-michelige Angelegenheit?
Ich denke nicht, daß eine große Zahl Bundesbürger heimlich dem "Führer" nachtrauern. Vielmehr ist es die sichtbar wachsende Menge ausländischer Menschen im Lande, die Gefühle von Fremdbestimmheit und damit Verunsicherung und Sorgen auslöst. Es ist halt wie in allen Dingen eine Frage der Menge: in geringer Dosis eine Medizin, in großer Dosis ein Gift.(Anmerkung: Anführungszeichen von der Redaktion gesetzt. Die Redaktion/jk)
Fast tagtäglich werden wir mit dem politischen Offenbahrungseid konfrontiert. Die Politik, so heisst es oft und gern, könne im Zeitalter der Globalisierung leider nichts mehr ausrichten. Ein Ausstieg oder nur irgendein Umsteuern könnte gravierende Folgen haben. Wahlweise sind es dann verärgerte Chinesische Geschäftspartner, arabische Scheichs, irgendein amerikanischer Präsident oder andere, die bei einer anderen Entscheidung Amok laufen würden. Und ganz unverhohlen kommen inzwischen fast tagtäglich immer neue Drohungen aus der Wirtschaft.In der Tagespolitik auf dem Markplatz der politischen Eitelkeiten wird schon lange keine Politik betrieben, sondern nur noch Kasperletheater aufgeführt.Seine Qualität nimmt dabei immer weiter ab. Ein besonders erwähnenswertes Schauspiel führte erst unlängst die CSU vor, als der 'Kommunistenfresser' Erwin Huber angesichts einer noch vor Jahren als unvorstellbar geltenden möglichen Wahlniederlage mit Konzepten der Linkspartei daherkam - Konzepten ,die man selbst noch wenige Wochen zuvor im Bundestag rundweg abgelehnt hat. Aber natürlich weiss Herr Huber - und weiss auch der Wähler, dass diese 'Versprechen' nach der Wahl gar nicht eingelöst werden. Dann will man nämlich nichts mehr davon wissen, was man vor der Wahl versprochen hat - war halt nur ein Versprecher... Und natürlich ist dann da auch kein Geld für da - weil irgendwelche hocharoganten Jung-Bänker aus irgendwelchen Landesbanken mal wieder irgendwo ganz cool auf 'High-Risk' gezockt haben und man danach angeblich wieder einmal Banken massiv stützen muss, weil sonst das ganze schöne Elite-System zu kollabieren droht.Und natürlich sollen das dann auch alles die Bürger bezahlen... Die sind ja, so denkt man in zahlreichen elitären Hirnen anscheinend - sowieso alle viel zu blöd. Und die Union hat ja schon einmal den RCDS-Bundesvorsitzenden vorpreschen lassen, um einmal zu zeigen, wie man seinen Machtanspruch zu erhalten gedenkt: durch die Einführung des Zensuswahlrechts - schon vergessen? Aber auch das wird nicht verhindern, dass das elitäre Lügengebäude in absehbarer Zeit von selbst zusammen fällt.
rhhaml.Ich denke schon der Begriff Ausländerfeindlich ist falsch.Viele Bürger haben eine latente Aversion gegen die sich in Deutschland ausbreitenden Zustände.Denken Sie 20 und mehr Jahre zurück.Betrachten sie in Erinnerung Großstädte damals und Heute.Wenige Bürger sind wirklich Ausländerfeindlich aber die okkupierten Stadtviertel von nicht Integrationwilligen Gästen--die Beschimpfungen absuluter Moslems gegenüber Deutschen machen den Bürgern zunehmend Sorgen.Dazu kommt noch die überpropotionale Kriminalität unserer Gäste--Ich bestimmt nicht Ausländerfeindlich aber wer hier Leben will muß sich irgendwann assimilieren oder in sein gelobtes Land gehen.
ich hoffe ja, dass das was ich schreibe nicht wegzensiert wird, könnte ich nämlich gut nachvollziehen, wenn es so wäre.ich hege seit geraumer zeit den verdacht, dass die NPD und ihre konsorten im diskurs als nützliche idioten instrumentalisiert werden, um alle 'vernünftigen' bei der stange zu halten und aus einem verantwortungsgefühl für unser system die legitimität und agenda der politischen mitte aufrechtzuerhalten. aus der gegenüberstellung mit leuten, die noch verabscheuungswürdiger sind als die derzeitigen eliten, kann sowas wie eine relative legitimierung des derzeitigen kurses abgeleitet werden. man möge mir diesen pessimismus verzeihen! aber ich sehe in der heutigen zeit durchaus parallelen zu den ereignissen vor 40 jahren, als bspw die linke 'stadtguerilla' für ihren antisemitischen bombenanschlag auf das jüdische gemeindehaus vom verfassungsschutz mit bomben ausgestattet wurde. und viele andere beispiele!die machtstrukturen, die sowas ermöglichen, sind noch dieselben. faschistisches gedankengut ist gefährlich, keine frage. aber ein blindes vertrauen in unsere regierenden, in berufsbetroffenheit, sorgfältig einstudierte empörung und einfache antworten ist ebenso gefährlich.
Schon wieder wurde gemessen, was gemessen werden sollte. Und natürlich nichts Neues: Menschen in Deutschland haben Existenzängste und sind politikverdrossen. Und je mehr Angst und Frust Menschen haben, desto eher neigen sie zu (politischen) Extremen. NA UND ?Das ist nicht nur nicht neu, sondern im Gegenteil sehr menschlich und gut so ! Ansonsten wären wir ja alle Schafe.Nicht gezeigt hat die Studie aber, ob es objektive Gründe für "fremdenfeindliche Ressentiments" unter den Befragten gibt. Wieviele von den Befragten wurden schonmal Opfer ausländischer Gewalt ? Wieviele verstehen in ihrem Wohnviertel nicht einen einzigen Nachbarn (Russen, Türken, Albaner, etc). Wieviele vermissen ihre deutschen Eckneipen, gewichen den Dönerläden und Wasserpfeifen-Cafés und Moscheen ? Oder den Tante Emma Laden, der jetzt von einer türkischen Familie geführt wird, aber leider hauptsächlich orientalische Gewürze vertreibt ?Diese Gründe sind nämlich nachvollziehbar. Und zeigen der Politik der letzten 30 Jahre in dieser Hinsicht die rote Karte - zurecht.(Anmerkung: Bitte seien Sie vorsichtig, nicht in Pauschalisierungen abzudriften. Die Redaktion/jk)
Das Hauptproblem ist, dass die Verfasser solcher Studien und eigentlich fast, die sich für Integration und Zuwanderung einsetzen, selbstredend für sich selber einen anderen Lebensstil in Anspruch nehmen. Sie schicken ihre Kinder nicht auf Schulen, die einen 50-prozentigen Migrantenanteil haben, sie wohnen in Stadtteilen, wo die "Ausländer" allenfalls als portugiesische Restaurants und japanische Sushi-Bars vorkommen, und sie stellen keine türkischen oder arabischen Praktikanten ein (und wenn, dann nur mal ein einziges gut ausgebildetes Mädchen und keine Jungs, die schon mal über die Stränge geschlagen haben).Ich hatte mal eine Kollegin, die in Kreuzberg lebte und für die taz und für Radio Multikulti arbeitete, aber sobald ihr Kind schulpflichtig wurde, besorgte sie sich eine falsche Meldeadresse in Wilmersdorf. Und das ist nicht untypisch.Und das merkt natürlich jeder, deswegen sind diese Leute so unglaubwürdig. Das gleiche gilt für Vergangenheitsbewältigung. Ich möchte wirklich mal von einem einzigen dieser Forscher lesen, was dessen eigene Großväter im Zweiten Weltkrieg getan haben, anstatt dieses pauschale Fingerzeigen auf andere.Es wäre also mal ganz gut, wenn Oliver Decker von der Uni Leipzig mal als erstes die Karten auf den Tisch liegen würde. Und das alles mit der Vertriebenendebatte zu vermischen, ist Ideologie pur. Die gleichen Leute haben vor 15 Jahren mit ähnlichen Argumenten gegen die Wiedervereinigung polemisiert; hätten die sich durchgesetzt, hätte Herr Decker heute keinen Job (oder aber einen, wo er das Loblied des Generalsekretärs der ZK der ... na, Sie wissen schon), singen würde.(Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Die Redaktion/jk)
Es ist eine wirkliche Schande von Deutschland.
Ich meine NICHT, dass die Deutschen ein braunes Volk seien, wie uns
eingeredet wird. Ich meine vielmehr, dass so was in diesem Land, in der
eigentlichen Heimat der Geistes-und Sozialwissenschaften, als
"Forschungsergebnisse" verkauft wird. Vollkommen klar, dass das
Ergebnis vom Auftraggeber bestellt wurde - wer Geld hat, bekommt immer
das Resultat, das er braucht. Die SPD braucht eine schnellstmögliche
Einbügerung deutscher Türken als
ihre einzige potentielle Wählerquelle. Daher muss man sagen, dass jeder
Deutsche, der am Multi-Kulti-Ideal nur den geringsten Zweifel hat, ein
Nazi sei.
Aber eine anständige wissenschaftliche Gesellschaft, etwa die Deutsche
Gesellschaft für Psychologie o.ä. sollte in solchen Fälle sofort
eingreifen und die Produzenten dieses wissenschaftlichen Schrotts aus
ihren Reihen ausschließen. Die Begriffe werden nicht definiert, die
Methoden vernebelt, die Interpretation wunschdenkenbasiert.
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