Atommüll Dauerleck in der Asse

Im niedersächsischen Atomendlager Asse II tritt offenbar schon seit Jahren radioaktive Lauge aus. Wie soll es nun weitergehen?

Am Dienstag dem Zwischenfall mit radioaktiv verseuchter Lauge im Endlager Asse II nahe Wolfenbüttel trafen sich die Umweltminister von Bund und Niedersachsen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) um über notwendige Maßnahmen zu beraten.

Zuvor war bekannt geworden, dass anscheinend schon seit Jahren belastete Lauge aus dem Salzstock austritt, die von den Betreibern bislang in größere Tiefen des ehemaligen Bergwerks gepumpt wurde. Das niedersächsische Umweltministerium verhängte einen unverzüglichen Stopp der Umpumparbeiten.

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Ministerin Schavan wies Vorwürfe zurück, sie habe ihre Aufsichtspflicht verletzt. Der Osnabrücker Zeitung sagte sie, es seien keine Pannen vertuscht worden. Ihr Ministerium fördere den Betreiber des Lagers, das Helmholtz-Zentrum München, sei aber nicht aufsichtsführende Behörde in dem Forschungsbergwerk.

Dies sieht der Fraktionsvorsitzende der niedersächsischen Landtags-Grünen Stefan Wenzel anders. "Das gesamte Ausmaß der Unwahrheiten, Vertuschungsversuchen und offenbar sogar rechtswidrigen Verhaltensweisen ist immer noch nicht überschaubar", so Wenzel. "Erst wurde der Grenzwert für Radioaktivität um das Achtfache überschritten, dann um das Neunfache, mittlerweile sind wir beim Elffachen". Er fordert die Einberufung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Klärung des Zwischenfalls.

In den Stollen des ehemaligen Bergwerks wurden zwischen 1967 und 1978 rund 125.000 Behälter mit radioaktiven Abfällen eingelagert. Seit 1988  fließt nun offenbar Salzlösung in die Grube, die die Sicherheit des Stollens gefährdet. Eine Schließung der Anlage ist nun für das Jahr 2017 beschlossen.

Bis dahin sollen die radioaktiven Abfälle sicher gelagert werden, ohne in die Umwelt zu gelangen. Als Schutz gegen die einlaufende Salzlauge wollen die Betreiber das Lager teilweise mit einer Magnesium-Chlorid-Lösung füllen. Diese Flüssigkeit soll die agressive Lauge verdünnen und so verhindern, dass sie Abfallfässer und den Boden des Bergwerks angreift.

Außerdem soll ein Spezialbeton das Werk stabilisieren. Mit diesen Maßnahmen soll verhindert werden, dass weitere Fässer beschädigt werden und radioaktives Material austritt.

Wenzel sieht diese Maßnahmen eher skeptisch: "Man kann nicht gewährleisten, dass das Bergwerk wirklich sicher verschlossen werden kann". Er befürchtet eine Verseuchung des Grundwassers.

Der Grünen-Politiker fordert außerdem strengere gesetzliche Vorgaben. Als das Bergwerk Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zum Endlager umfunktioniert wurde, griff noch das so genannte Bergrecht. Neuere Endlager dürfen aber nur noch nach dem sehr viel strengeren Atomrecht eingerichtet werden. Laut den Paragraphen dieser Gesetze müsste aber die Öffentlichkeit an Entscheidungen beteiligt werden, die ein Endlager betreffen. Zudem wäre es möglich, gegen solche Entscheidungen zu klagen.

 
Leser-Kommentare
  1. Strom aus Atomkraft ist doch nur deshalb so preisgünstig weil unsere Nachkommen in 10.000 Jahren noch für die Entsorgung des heute verbrauchten zahlen.

    • melzni
    • 24.06.2008 um 13:28 Uhr

    .. und Salzstöcke sind sicher, alles kein Problem, auch nicht nach 10 000 Jahren..Was sagen denn die ganzen Märchenerzähler nun zum Fall Asse? Ich höre niemanden - nur jegliche Verantwortung zurückweisen, das können sie.Und genau so wird es auch bei allen anderen Störfällen und Unfällen sein. Deshalb: Atomkraft nein danke.

  2. hätte besser entschieden. Wie kann man glauben oder gar beweisen, daß ein Salzstock ein sicherer Lagerplatz ist? Das kann nur durch Gefälligkeitsgutachten und Schmiergelder gedeichselt worden sein.

  3. ...Endlagerung, trüge wohl der Produzent der strahlenden Masse die Verantwortung und die Kosten für die Beseitigung des Schadens (soweit das überhaupt möglich wäre)...dann, ja dann wäre wohl einer der Kraftwerksbetreiber dafür in die Pflicht zu nehmen. Und....vorbei wäre die Mär vom sauberen und billigen Atomstrom.

  4. So funktioniert doch "blinder Kapitalismus" - im Gegensatz zur Marktwirtschaft: Risiken werden in die Zukunft verlagert, die oft weder die Verursacher, noch deren Rechtsnachfolger mit erleben. Was bleibt ist, dass die späteren Generationen auf den Sanierungskosten - soweit es überhaupt um reparable Schäden geht - zu tragen hat. Dieses Beispiel des "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unkaputtbaren Salzstocks" ist ein schönes Beispiel dafür: Denn wer von denen, die damals die Errichtung dieses "Endlagers" durchgedrückt haben ist heute noch belangbar. Über eine Millionen Jahre lässt sich leicht fabulieren, wenn die Missetaten und Fehlentscheidungen nach spätestens 10 Jahren verjährt, man nach 30 Jahren aus dem Berufsleben und nochmal 20 Jahre später "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus dem Leben geschieden sein wird".Das Problem wird doch immer offensichtlicher: Eine korrumpierte, in Quartalszahlen denkende selbst ernannte Wirtschaftselite drückt unter dem Diktat des sog. internationalen Finanzmarktes (aka Finanzinvestoren) und unter Anwendung hanebüchender Tatsachenverdrehungen (neuester Witz von Pofalla: "Kernenergie sei ökologisch") Entscheidungen durch, die ihnen einen kurzfristigen Gewinn (und damit verbundene "Erfolgsprämien") sichert. In 5, 10, 20 oder 50 Jahren aber fallen uns, unseren Kindern, Enkeln und deren 1000 Nachfolgegenerationen diese Egoismen auf die Füße. Aber Hauptsache, heute stürzt der Aktienkurs nicht ab - und im nächsten Wahlkampf spenden diejenigen, die Monopolgewinne einfahren genug an die Partei, die ihnen dann genehme Gesetze durch drückt.Das Problem ist also, dass es derzeit keine Politik in der westlichen Welt gibt, die aus dem nakten und letztlich selbst-vernichten Kapitalismus in eine Marktwirtschaft lenkt, die zukünftige Belastungen realistisch einkalkuliert. Unter dem Eindruck des Neoliberalismus hat man sich angewöhnt den Weichspülern und Schönrednern aus den PR-Abteilungen der Unternehmen viel zu viel Raum zu geben - mit der Folge, dass nicht mehr unmittelbar greifbare Risiken nur zu oft an den Rand gedrängt oder gar ganz getilgt wurden - wie anders lässt sich die Ignoranz gerade der C-Politiker gegenüber den Risiken der Atomenergie und die jetzt schon absehbare globale Verknappung der Kernbrennstoffe erklären?Es bleibt nichts anderes, als dass die Grünen und die Linken die Marktwirtschaft vor der blinden Selbstzerstörungspolitik von neoliberal verbohrten FDP- und der C-PolitikerInnen retten - auch wenn es schwer fällt, die SPD in diesem Kontext zu nennen ..F. Mayer

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    • keox
    • 05.07.2008 um 13:12 Uhr

    Dann brauchen wir ja nur noch eine präzise Unterscheidung von "blindem Kapitalismus" und Marktwirtschaft, dann haben wir die Chose im Sack.

    • keox
    • 05.07.2008 um 13:12 Uhr

    Dann brauchen wir ja nur noch eine präzise Unterscheidung von "blindem Kapitalismus" und Marktwirtschaft, dann haben wir die Chose im Sack.

  5. [Gelöscht. Bitte halten Sie sich an die hier geltenden Regeln. Polemik dieser Art ist hier nicht erwünscht. Danke. /Die Redaktion pt.]

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    ich verstehe die löschung dieses kommentars,aber bestehe auf eine löschung wegen "zynismus"

    ich verstehe die löschung dieses kommentars,aber bestehe auf eine löschung wegen "zynismus"

  6. Die Betreiber wollen eben auch ihren Job behalten, und daher soll alles scheinbar gut laufen ...I

  7. Wenn man sich vorstellt, wieviele Tonnen Chemiemüll täglich eingelagert werden, wieviele Tanklaster mit hochgiftigem Zeug täglich auf öffentlichen Strassen unterwegs sind (und manchmal umkippen), das sog. hormonwirksame Substanzen und Arzneimittel-Grundstoffe mittlerweile in jeglichem Oberflächenwasser nachweisbar sind, das die Gen-Bastler an allen Nutz-und Nährpflanzen herumbasteln, .... nur wenn es um "Atome" geht wird die Zipfelmütze hellhörig.
    Ich glaube, das in 50 bis 100 Jahren, rückblickend, das bisschen Atommüll und die 1 bis 2 grad Erwärmung der Durchschnittstemperatur als das kleinste der Probleme angesehen werden wird.
     

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