Atomenergie
Gespaltene Gesellschaft
Die CDU will im Wahlkampf für einen Ausstieg aus dem Atomausstieg werben. Tatsächlich ist der Zeitpunkt für eine Wende in der öffentlichen Meinung günstig

© Timm Schamberger/ddp
Atomenergie ist auf absehbare Zeit unverzichtbar, sagt die CDU.
Der Basistest erfolgte in dem sachsen-anhaltinischen Städtchen Naumburg. „Ich weiß, dass für viele Menschen die hohen Energiepreise ein großes Problem sind“, sagte die Kanzlerin dort in dieser Woche auf einem Straßenfest. Deswegen brauche man eine vernünftige Energiepolitik. „Wir werden in naher Zukunft nicht auf Atomenergie verzichten können“, setzte sie hinzu. Da hoben viele Menschen die Hände und klatschen, dabei war die Zahl der CDU-Anhänger in der Menge eher gering. Doch dass Energie zu teuer ist, da sind sie sich alle einig. Die Angst vor den Risiken der Atomenergie schwindet vor diesem Hintergrund jeden Tag ein wenig mehr.
Über den „Ausstieg aus dem Ausstieg“ hatte Angela Merkel bisher eher vor „hochkopfertem Publikum“ geredet. Nun hat sich gezeigt: Die Kampagne funktioniert auch auf dem Marktplatz.
Die CDU hat einen Nerv getroffen. Einer Allensbach-Umfrage zufolge gibt es seit Längerem kein Thema, das die Deutschen ähnlich stark beunruhigt. Mehr als 50 Prozent zeigten sich im Dezember 2007 über die steigenden Energiepreise sehr besorgt, die Sorge um den Klimawandel, die Sicherheit der Renten oder wachsende Kriminalität landeten dagegen weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Im letzten halben Jahr dürfte sich dieser Trend angesichts der Preisentwicklung noch verstärkt haben.
Kein Wunder also, dass die CDU ihre Kampagne für Atomenergie gerade jetzt startet. In der vergangenen Woche wurde ein Grundsatzpapier vorgestellt, in dem die Partei sich offen zum Festhalten an der Kernenergie bekennt. Ein entsprechender Antrag soll auf dem Parteitag im Dezember beschlossen werden. Bis September soll eine Energiekommission den Abschied vom Ausstieg konkretisieren.
Immerhin: Für den Bau neuer Atommeiler plädiert die Union vorläufig nicht. Stattdessen sollen die Laufzeiten für die bestehenden Kraftwerke verlängert werden. Und zwar so lange, bis „neue klimafreundliche und wirtschaftliche Energieträger in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen“, wie es in dem Grundsatzpapier heißt. Das könnte noch ziemlich lange dauern. Jedenfalls über das Jahr 2020 hinaus, in dem nach bisheriger Planung die letzten Meiler vom Netz genommen werden sollen.
Die SPD ist für den Vorstoß der CDU nicht undankbar. Sie erhofft sich durch eine Polarisierung auf diesem Gebiet vor allem eine Mobilisierung ihrer eigenen Wähler. Denn bei den Genossen, das geht aus internen Umfragen hervor, steht der Atomausstieg gleich nach der sozialen Gerechtigkeit auf Platz zwei der wichtigsten Inhalte.
Zugleich ist man allerdings auch alarmiert. Die Überzeugungskraft des Preisarguments ist den Sozialdemokraten durchaus bewusst. Zumal die Atomkraftbefürworter mit Versprechungen nicht zimperlich sind. Auf rund zehn Prozent beziffert etwa der FDP-Politiker Rainer Brüderle die möglichen Einsparungen bei den Stromkosten.
- Datum 3.7.2008 - 10:25 Uhr
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Die schlimmsten Folgen von Tschernobyl waren die -zig tausenden Abtreibungen die unsere Ökos und Linken erfolgreich propagiert haben.
...derjenigen, die für uns geopfert wurden, um die Kernschmelze zu verhindern (sie sind mittlerweile alle tot) sowie derer, die heute noch zahlreicher als vor dem Unfall in Kiew wegen Schilddrüsenkrebs behandelt werden.
Die ewige Diskussion um den "Ausstieg aus dem Ausstieg" wird vor allem von Politikern forciert, die mittel- oder unmittelbar auf den Gehaltszetteln der Energiekonzerne stehen. Deren Unbefangenheit in dieser Angelegenheit dürfte sich in überschaubaren Grenzen halten.Alle deutschen Atommeiler sind längst abgeschrieben und spülen täglich Unsummen in die Kassen der vier Energieriesen, deren Vorstände, Aufsichtsräte und Aktionäre nicht im entferntesten daran denken, ihre Gewinne mit wem auch immer zu teilen!Abgesehen davon, dass diese Form der Energiegewinnung mit sowieso schon mit unzumutbaren Risiken verbunden ist, würde sie sich durch den nächsten GAU in Europa (mit dem täglich zu rechnen ist!) auf ewig selbst diskreditieren - es ist also angezeigt, statt dessen vorzeitig auf andere Formen der Energiegewinnung auszuweichen. Denn nicht zuletzt: da gibt es einen unermesslich großen globalen Markt zu erobern!
man sollte die Konzerne ein wenig nervös machen, indem man vorschlägt: "Ausstieg aus dem Ausstieg - nur mit ALLERNEUESTEN Kraftwerken, die alten müssen vom Netz!" Mal sehen, wie weit die Liebe dann noch geht...
Sie (und der Autor des Artikels) erkennen offensichtlich nicht die faktische Irrelevanz von Abschreibungen für das Prosperieren eines Unternehmens.Selbst wenn es stimmt, dass die AKWs mehrheitlich komplett abgeschrieben sind, erhöht dies im besten Fall den Bilanzgewinn, nicht aber die wirtschaftlich relevanteren Einzahlungen und Auszahlungen (Cashflow). Die Abschreibungen sind schließlich keine Auszahlungen, sondern nur die Verteilung der zu Beginn anfallenden Anschaffungskosten auf die (vorsichtig zu bemessende) voraussichtliche Nutzungsdauer.Richtig ist hingegen, dass die Unternehmen vorhandene Anschaffungen so lang wie möglich nutzen möchten. Das hat aber nichts, aber auch rein gar nichts, mit dem Konstrukt der Abschreibung zu tun.
schließ den Neubau von Kraftwerken, gleich welcher Art keineswegs aus. Alte, betagte und nicht mehr benötigte Kraftwerke sollten den Neubauten weichen dürfen. Mal sehen, ob "shareholder-value" und die Verantwortung für die Lieferung von Energie noch kompatibel wären.EUropas Lobby fehlt die ZEIT, BÜRGER erfinde Deine LOBBY, NEU!!!
Isaac Ben Laurence Weismann
Wow, Atomaustieg als zweitwichtigstes Anliegen, gleich nach der weit interpretierbaren sozialen Gerechtigkeit.Wenn die SPD in einer Welt bedroht von Energiekrisen, Hungerkrisen, Stagflation und Umweltzerstörung keine wichtigeren Themen hat als den Atomaustieg, dann brauch sie sich nicht wundern, dass sie kaum noch über 20% Stimmenanteil rausholen kann.
ist da nicht von der CDU die Rede?---------------------------
"...wenn ich den armen zu Essen geben werde ich zum Heiligen. Wenn ich frage warum sie nicht's zu Essen haben schimpfen sie mich Kommunist...".
Jedes Jahr Ersparnis beim Verbrauch aber immer höhere Rechnungen. Das wird sich mit oder ohne Atomenergie nicht ändern. Die parteipolitischen Erwägungen der Autorin sind interessant. Sie zeigen aber auch, dass es bei der Diskussion um eines nicht geht: Die Versorgung der Bürgers mit angenehm bezahlbarer Energie. Insofern ist die Beschäftigung mit der Atomkraft unter dem Gesichtspunkt der Energieversorgung so aussichts- und perspektivlos wie das Schauen durch ein Fernglas im Londoner Nebel.
Und die Gegner der Atomkraft tun mir auch leid. Würden sie doch im Falle der wirklichen Wiederaufnahme in Angst und Schrecken versetzt und vielleicht in eine inhaltliche Leere fallen. Das sollte man doch keinem Mitbürger zumuten. Zumal deren Einkommenslagen, in aller Regel die Bezahlung der jetzigen Preise sicher stellen. Da wollen und brauchen sie auch keine Entlastung.
Sollte die Atomkraft für SPD Anhänger mobilisierungswirksam sein, freut es mich, dass diese keine anderen Probleme haben.
So ist es mit der Atomkraft wie mit einer Diva. Ist sie da, verursacht sie Ärger, ist sie nicht da, langweilen sich alle oder beschwören den Ärger, wenn sie da wäre. Sie selbst würde sagen: Any Press ist good Press.
man sollte die Konzerne ein wenig nervös machen, indem man vorschlägt: "Ausstieg aus dem Ausstieg - nur mit ALLERNEUESTEN Kraftwerken, die alten müssen vom Netz!" Mal sehen, wie weit die Liebe dann noch geht...
Konsumgüterkauf, Energieverbrauch, alles reduzieren so weit es geht. Das ist gesund und macht Spass. Und dann reicht es auch ohne AKWs.
als Außenseiter. Bei der Rolle fühle ich mich sogar sehr wohl. Was man in einigen Jahrzehnten angesammelt hat, das läßt der Kopf nicht los. Es wäre schade, wenn dieser verdreht werden würde, aber so sicher kann man sich der Dinge nicht mehr ganz fühlen.EUropas Lobby hatte seine ZEIT, BÜRGER seid willkommen!!!
Isaac Ben Laurence Weismann
Habe mit meinem eigenen Beitrag resolut begonnen:
Sprit für Pkw: minus 80 %, seit 2008 (1/08)
Heizöl: minus 60 % ( wie vor)
Strom: minus 55 % ( wie vor )
Dennoch fürchte ich, dass man die sichersten A-Werke länger laufen lassen sollte - würde 5-7 Jahre dazugeben. Die "alten" / unsichereren schneller wegnehmen.
Hinzu kommen müssten aber noch andere Dinge:
Alle Stromnetze in eine öffentlich kontrollierte Gesellschaft, mehr regenerative Energieerzeugung, mehr Energieeffizienz auf breiter Front, wie ich mehr Sparen und Vermeiden und evtl. Gründung eines eigenen nationalen Stromkonzerns, um den Vier die Hosen ggf stramm zu ziehen.
Übrigens gibt es auch Alternativen für Öl und Gas:
1) Man kann untertägig Kohle in Gas verwandeln.
2) Man kann durch das weit verbesserte / verfeinerte Fischer-Tropsch-Verfahren coal to liquid (CtL) machen.
Dann können uns, ehrlich gesagt, Gazprom und die Öl-Multis am A.......streicheln.
Müssen wir auf diese Wirtschafts-Banditen so viel Rücksicht nehmen??
Und wenn sich die Union zu Bütteln dieser Volksaussauger machen will, dann bitte. Ich wüßte dann ein probates Mittel, den Wähler (innen) die Augen vollends zu öffnen. Man muss nur wollen und den Mumm haben!
Am besten sollen alle Menschen gleich sterben. Das reduziert
drastisch den Konsum, spart eine Menge Energie und schönt die Umwelt.
Leider gibt es dann niemand, der die Schönheit dieser Umwelt geniessen
könnte, aber das ist egal, der Wert der Umwelt ist von unserem
Geniessen unabhängig.
Unglaublich, wie schnell geht die Grüne Farbe in die Braune über!
..Kernkraftwerke sind die effizientesten und sichersten der Welt. Hier. Ausserdem ist das novellierte deutsche Atomgesetz, das strengste der Welt. Hier.Reine Panikmache von Leuten, die nicht die geringste technische Ahnung haben, Physik nach der 8.Klasse abgewaehlt haben. Typische deutsche Krankheit. Hier. Oder um es mit Norbi Bluem mal zu sagen: "Verwirrt mich doch nicht mit Faktenwissen!". Hannes
Zeitungsleser sind die größten Besserwisser der Welt: Kommentar #6.
heißt eben leider noch lange nicht, dass sie 100%ig sicher sind. Denn 100%ige Sicherheit gibt es nicht. Schon mal überlegt, warum AKWs nicht versichert sind?
Selbst wenn die deutschen Kernkraftwerke die sichersten der Welt sein sollten -sie werden von Menschen bedient. Und wie man keine Armee ständig in höchster Alarmbereitschaft halten kann, muss man bei sicherheitsrelevanten Betriebsabläufen auch realistisch bleiben: schwedische Techniker führten Wartungsarbeiten am laufenden Reaktor durch, deutsche Ingenieure störten sich nicht daran, dass einige Monate nicht genügend Borat in der Notkühlanlage war. Aber das schlimmste ist nicht der Betrieb, sondern der Müll: Plutonium hat eine Halbwertzeit von 100 000 Jahren, man könnte vielleicht sogar Brustimplantate damit machen, ohne Krebs zu bekommen, so langsam zerfällt es -nur ist es leider hoch giftig. Die amerikanische Regierung wollte eine Symbolsprache entwickeln, die noch in 10 000 Jahren vor den Gefahren des Atommülls warnt. Leider haben die Iraker sie offensichtlich nicht verwendet -während des Krieges kam es zu Plünderungen, bei denen Atommüllfässer gestohlen wurden, um sie für Trinkwasser zu verwenden.Die deutschen Fässer halten aber gar nicht so lange, bis sie aus der Asse gestohlen würden -die Salzbrühe zersetzt sie schon jetzt. Jedes Fass radioaktiver Abfall ist eine Hypothek auf die Zukunft -zugunsten von Konsum in der Gegenwart.
Wer mit was wieviel Geld verdient dürfte in Deutschland demnächst ohnehin egal sein. Mit den Methoden, die im Augenblick angedacht sind, lässt sich eine sichere Stromversorgung jedenfalls nicht aufrechthalten. Es sind einfach Märchen zu behaupten, man könnte 22 GW Grundlast, die in etwa aus den KKW kommen, so einfach ersetzen und das in der zugrunde gelegten Zeit. Vor allem, wenn man parallel dazu die Ersatzkohlekraftwerke -die ohnehin, was das Klima angeht eher kontraproduktiv sind- blockiert und gleichzeitig den Leitungsbau, der vor allem für den Abtransport des erzeugten Windstroms notwendig ist, verhindert. Auch die Einlassung, man könnte notfalls importieren -was obendrein sehr teuer ist- trägt nicht, da auch hier signifikante Leitungsengpässe bestehen. Außerdem sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass diese Atommeiler -die man übrigens nicht wirklich mögen muss- entstanden sind, um die Folgen einer Ölkrise zu bewätigen. Was glaubt man eigentlich, was demnächst vor der Tür steht? Aber solche pragmatischen Überlegungen kommen ja in einer ideologiegetriebenen Diskussion nicht vor - zum Schluß noch ein Wort zum Sicherheitsgewinn bei Stillegung der deutschen KKW: Der ist angesichts der französischen und osteuropäischen Meiler geradezu "gigantisch"!!
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