Börse Düstere Aussichten
Wie wird das zweite Halbjahr 2008 am Aktienmarkt? Das Börs-o-Meter wirft einen Blick in die Geschichtsbücher. Und schließt daraus: Es wird unerquicklich
Die Fußball-EM ist vorbei, Spanien ist Europameister. Das Börsenjahr nähert sich seiner Halbzeitpause: Zeit für eine Zwischenbilanz. Sie fällt nicht sehr erfreulich aus. Orientieren wir uns am Stand des Dow Jones vom vergangenen Freitag. Aus seiner Sicht war der Monat Juni, der sich gerade seinem Ende nähert, der drittschlechteste Juni seit 113 Jahren. Das erste Halbjahr 2008 kommt etwas besser weg, war aber im gleichen Zeitraum immer noch das elftschlechteste.
Für das zweite Halbjahr kann das alles Mögliche bedeuten. Die Geschichte kennt tolle Aktienmarktrallyes, die auf miserable sechs Monate folgten, ebenso wie deutlich weiter sinkende Kurse. Ein Blick auf das jeweilige Umfeld der historischen Kursbewegungen hilft, sie zu deuten. Er zeigt eine klare, wenn auch kaum überraschende Tendenz. In der Vergangenheit stiegen die Kurse nach schlechten Zeiten, falls sich das fundamentale Börsenumfeld verbesserte. Doch wehe, die volkswirtschaftliche oder politische Krise schwelte weiter. Dann kamen die Aktien auch im zweiten Halbjahr nicht aus ihrem Tal heraus, sondern fielen - im Durchschnitt zumindest - noch weiter.
Die Statistik der vergangenen 113 Jahre zeigt: Der Dow Jones fiel in seinen 13 schlimmsten ersten Halbjahren seit 1896 durchschnittlich um über 18 Prozent. Seinen übelsten Niedergang erlebte er im Depressionsjahr 1932. Damals verlor er 45 Prozent seines Wertes.
Im laufenden Jahr büßte er bis zum vergangenen Freitag 14,5 Prozent ein. In allen betrachteten Jahren durchlitt die Welt entweder eine Rezession, befand sich in einem Weltkrieg oder schwebte in akuter Gefahr, der Kalte Krieg könne kippen und in einen erneuten Waffengang der Großmächte münden.
Wie unterscheidet sich nun die Entwicklung der Börsen in den jeweiligen zweiten Halbjahren? Wir beginnen mit den guten Perioden der steigenden Kurse - und nehmen gleich eine Ausnahme vorweg. Es ist das Jahr 1939, in dem der Zweite Weltkrieg begann. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres fielen die Kurse um mehr als 15 Prozent. Sie erholten sich im zweiten Halbjahr jedoch nahezu komplett, obwohl der Krieg erst am 1. September 1939 durch den Angriff Deutschlands auf Polen ausgelöst wurde. Offenbar folgten die Anleger damals dem beliebten Börsianer-Rat, in der Hoffnung auf ein schnelles Ende der Krise "zu kaufen, wenn die Kanonen donnern". Doch schon im folgenden Jahr merkten sie, dass dieser Krieg länger anhalten würde. Die Kurse fielen im ersten Halbjahr 1940 um mehr als 18 Prozent und erholten sich später kaum von diesem Einbruch. Bis über sein Ende hinaus war 1940 ein Krisenjahr.
Anders das Jahr der Kubakrise 1962. Seine erste Hälfte stand unter dem Eindruck des Kalten Krieges, der Dow Jones sackte um mehr als 23 Prozent ab. Im Oktober schien die Gefahr eines Dritten Weltkrieges gebannt. Die Erleichterung darüber war auch an den Börsen zu spüren. Insgesamt gewannen die Aktienkurse im zweiten Halbjahr um mehr als 16 Prozent.
Alle weiteren Jahre, in denen der Dow sich in den Monaten von Juli bis Dezember deutlich erholte, standen im Zeichen einer Rezession, die jedoch spätestens zu Beginn des Folgejahres beendet war. Hier zeigt sich die Frühindikatorfunktion der Aktienmärkte. Sie zeigen das Ende eines Abschwungs schon wenige Monate früher an. Im Durchschnitt aller guten zweiten Halbjahre stiegen die Kurse um 24,5 Prozent.
Vollkommen anders sieht es jenen Jahren aus, in denen sich die Lage auch im zweiten Halbjahr oder zu Beginn des Folgejahres nicht aufhellte. In ihnen fielen die Kurse auch zwischen Juli und Dezember weiter, durchschnittlich um 4,4 Prozent. Manchmal verschlimmerte sich die Krise in diesem Zeitraum sogar, dann brachen auch die Kurse stärker ein als im ersten Halbjahr. Die Jahre 1920 und 1907 sind dafür Beispiele. Im Jahr 1920 folgte auf ein Minus von 15,4 Prozent im ersten Halbjahr eines von 20,7 Prozent im zweiten. Im Rezessionsjahr 1907, in dem die USA auch eine der größten Bankenkrisen ihrer Geschichte durchmachte, verlor der Dow Jones zunächst 14,8 Prozent, dann noch einmal 26,9 Prozent!
Sie ahnen, was das für das zweite Halbjahr 2008 bedeutet: Da noch keine Anzeichen für ein Ende der Krise sichtbar sind, sondern die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession und eine Verschärfung der Bankenkrise sogar heruntergespielt wird, sind die Aussichten eher düster. Zwar kann es auch in einem Bärenmarkt vorübergehende Rallyes geben. Doch die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Aufschwung sind noch nicht gegeben. Dieser Sommer wird noch turbulent werden. Die ersten Anzeichen dafür sind schon da.
Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
- Datum 04.05.2009 - 11:04 Uhr
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Die Börsen-Niedergangs-Propaganda hier und anderswo passt bestens zum Bild der ÖlPreistreiberei, mittels derer sich die zahlreichen fast-bankrotten Banken von der WeltfinanzKrise vor 2-3 Monaten entschulden wollen: http://www.financialsense.com/editorials/engdahl/2008/0521.htmlDenn der ÖlPreis und andere RohstoffPreise (alle was real ist: Gold, Silber, NahrungsMittel usw.) steigen, solange die Aktien usw. nichts Wert sind ... und genau das soll auch passieren, damit diejenigen, die auf den ÖlPreisAnstieg gesetzt haben, möglichst gut gewinnen ...Wer mit seinem PrivatGeld nicht die Banken sanieren helfen will, der kann sich immer noch mit EdelMetallen absichern (aber ob Gewinne drin sind ?), oder einfach in Bar umschichten; HauptSache raus aus der Börse, bis die Lage besser ist --- Das Geld ist nicht weg, es haben jetzt andere ... ---
... und machen Sie Gewinne mit fallenden Kursen, gehen Sie "short".
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