Deutschland / Türkei
Steine und Böller auf Dönerbuden
Sie hatten sich gründlich auf das Halbfinale gegen die Türkei vorbereitet. In ostdeutschen Großstädten sorgten Neonazis für Randale und Verwüstungen. Die Polizei griff erst spät ein

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Ein beschädigter Döner-Laden in der Dresdner Neustadt. Der Mitarbeiter liest in der türkischen Zeitung Hürriyet. Sie trägt die Schlagzeile "Siegen soll die Freundschaft"
Seit Tagen schon hatten Neonazis und Hooligan-Gruppen in einschlägigen Internet-Foren dazu aufgerufen, zum Halbfinale auf Fanmeilen gewalttätige Auseinandersetzungen mit türkischen Fans zu provozieren. "Mich kotzt das alles an, Türken mit BRD-Fähnchen, liebes Multikulti-Toleranz-Herumgeheule", hieß es zum Beispiel auf einer Szene-Seite.
Der von den Rechtsextremen erhoffte "Bürgerkrieg mit Massenschlägereien und Türken-Klatsche" fand gestern Abend freilich nicht statt. Zu einzelnen Übergriffen kam es dennoch - obwohl die deutsche Nationalelf gewonnen hat. Während in den meisten deutschen Städten türkische und deutsche Fans gemeinsam feierten, gab es in Dresden, Leipzig und Chemnitz rassistische Ausschreitungen - in Sachsen also, dem Stammland der NPD.
In der Dresdner Neustadt verwüstete eine Gruppe von rund 30 vermummten Randalierern einen türkischen Imbiss und zerstörte bei zwei weiteren Döner-Läden die Fensterscheiben. Die beiden türkischen Betreiber eines Geschäfts erlitten Verletzungen und mussten medizinisch versorgt werden. Wie die Polizei berichtete, warf die Menge mit Flaschen, Steinen und Böllern auf die Imbissbuden und verbrannte eine türkische Fahne. Szene-Kenner vermuten, dass es sich bei den Angreifern um Hooligans aus dem Umfeld des FC Dynamo Dresden handeln könnte. Der Verein ist für seine rechtsextremen Problemfans bekannt.
"Wir hatten mit Gewalt gerechnet", sagt Kati Lang von Opferberatungsstelle RAA-Dresden, "dass es aber zu gut geplanten Angriffen durch organisierte Neonazis kommen würde, hätten wir nicht gedacht." Lang musste mit ansehen, wie die als Rechtsextremisten erkennbaren Täter sich sammelten, auf Kommando vermummten und dann auf den ersten Döner-Laden losstürmten.
Kati Lang war es auch, die per Handy die Polizei rief. "Es waren chaotische Szenen, ein deutscher Fan, der sich den Neonazis in den Weg stellte, wurde einfach niedergeschlagen", sagt Lang. Am meisten hat sie verwundert, dass die ersten Polizisten erst rund 30 Minuten nach ihrem Notruf aufgetaucht sind. Bis dahin sei kein einziger Beamter zu sehen gewesen. "Ich kann einfach nicht verstehen, dass die Polizei überhaupt nicht auf die Situation vorbereitet war, die kennen doch die örtliche Nazi-Szene."
- Datum 26.6.2008 - 06:57 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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