EM-Halbfinale Fankrawalle trüben friedliche Siegesfeier

In vielen Städten feierten Türken und Deutsche gestern friedlich miteinander. In Dresden hingegen griffen Jugendliche drei Dönerbuden an, in Hannover skandierten Rechtsradikale ihre Parolen.

Randale und ausländerfeindliche Ausschreitungen haben am Mittwochabend vor allem in Sachsen die fröhlichen Feiern nach dem 3:2-EM-Erfolg der deutschen Fußball-Elf gegen die Türkei überschattet. So griffen in Dresden rund 20 bis 30 Randalierer drei Dönerbuden an und verletzten dabei zwei Türken. In zwei Imbissen hätten die Jugendlichen erst eine Scheibe eingeschlagen und die Einrichtung beschädigt, sagte ein Sprecher der Dresdner Polizei. In einem dritten Döner-Laden seien dann auch die Betreiber angegriffen worden. Dabei seien auch türkische Fahnen abgebrannt worden. Mehrere Schaulustige und Mitläufer hätten die Randale verfolgt, offenbar ohne einzugreifen.

In Chemnitz gingen gewaltbereite Fußballfans nach dem Abpfiff auf die Polizei los. Dabei wurden sechs Beamte verletzt, mehrere Polizeiautos wurden beschädigt. Nach Angaben der Polizei war die Stimmung nach dem Spiel in der Chemnitzer Innenstadt sehr aufgeheizt. Als die Einsatzkräfte weitere Ausschreitungen verhindern wollten, habe sich die Gewalt plötzlich gegen die Beamten gerichtet.

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In Hannover nahm die Polizei 20 Rechtsradikale in Gewahrsam, die beim Fan-Fest wiederholt rassistische Parolen skandierten. Gegen sie werde nun wegen Volksverhetzung ermittelt. In Köln nahm die Polizei eine Gruppe Hooligans fest. Die Männer seien als äußert gewaltbereit bekannt und hätten immer wieder Schlägereien angezettelt, teilte die Polizei mit.

In Wien kam es zwischenzeitlich wegen schwerer Unwetter zu chaotischen Verhältnissen auf der Fanmeile. Bei der panikartigen Flucht zehntausender Fans vor einem heftigen Gewitter wurden nach Angaben der Polizei zwei Fans niedergetrampelt und dabei schwer verletzt. Ein Fan erlitt einen Beckenbruch, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA.

Das Gewitter mit orkanartigen Böen führte zu einem längeren Sendeausfall der Übertragung des Spiels Deutschland gegen die Türkei in Basel. Gegen 22.15 Uhr musste die Fanmeile wegen des heftigen Regens und Windgeschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometern geräumt werden.

 
Leser-Kommentare
    • hadé
    • 26.06.2008 um 9:22 Uhr

    Als gebürtiger Sachse, seit 2 Jahren glücklicher "Berliner", treibt es mir die Zornesröte ins Gesicht bei solchen Meldungen. In Berlin feiern Türken und Deutsche zusammen, alles bleibt friedlich. Die Bilanz der letzten Nacht: ca. 80 Festnahmen, 8 Verletzte. Demgegenüber in Sachsen: in Chemnitz randalieren Jugendliche,
    greifen die Polizei an. Noch schlimmer in Dresden, der sächsischen
    Landeshauptstadt mit NPD im Parlament: es werden drei Dönerbuden
    angegriffen. 20-30 Randalierer werden von einer Menge begleitet, die
    sie in Ruhe gewähren lässt.Ich schäme mich in den Momenten, ein Sachse zu sein. Wo bleibt die
    Zivilcourage? Wo das aufgeklärte Weltbild was Dresden, eine Stadt im
    3-Länder Eck die sich ihrer Hochkultur rühmt, eigentlich auszeichnen
    sollte? Mehr als nur ein Armutszeugnis für diese Stadt.PS: Respekt an die Türkei! Starke Mannschaft, starkes Spiel, starke Fans! Jetzt geht's gemeinsam an's Finale!

  1. Als in Dresden wohnender Student, der gestern in der
    Dresdener Neustadt war und diese schrecklichen Szenen mit ansehen musste,
    möchte ich mich stark gegen den Vorwurf des Nicht-Einschreitens aussprechen.Nach einer ausgelassenen Feierstimmung – bei der alles
    friedlich blieb, und viele deutsche Fans vergnügt in den „Dönerbuden“ saßen
    oder auf der Straße feierten, kamen diese 20…30 Randalieren durch die Straßen
    gefegt, wie das Gewitter ein paar Stunden zuvor. Wenngleich es sich nicht um
    Randalierer handelte, sondern auf Gewalt getrimmte Rechte, à la Schwarzem
    Block.  Die Menschen standen keineswegs
    als Schaulustige daneben. In der Alaunstraße sind alle, die es rechtzeitig
    bemerkt haben, in Panik davon gelaufen. Eine Person (kein Türke) war nicht
    schnell genug und wurde einfach niedergeschlagen – im Vorbeirennen. Er war für
    mehrere Minuten bewusstlos und nicht mehr ansprechbar. Jeder der hier schreibt,
    dass er sich dem entgegengesetzt hätte, oder eine fehlende Zivilcourage
    bemängelt kann diese Szenen gestern Abend nicht miterlebt haben. Menschen die
    auf der Straße vor andere in Angst fliehen, kannte ich bisher nicht aus dem
    Leben, sondern nur aus dem Fernsehen- aus anderen Ländern. Mir sitzt der Schock
    über das Erlebte, immer noch in den Gliedern. Das war keine Randale, es war –
    und ich denke es ist nicht zu hoch gegriffen – rechter Terror. Auch wenn diese „Menschen“,
    so denke ich, eher von Hass und purer Lust nach Gewalt getrieben werden Die
    Polizei traf dies völlig unvorbereitet, sie war erst über 10 Minuten später mit
    ca. 30 Leuten vor Ort.Es ist entsetzlich, dass so etwas in diesem Land immer noch /
    wieder möglich ist.Mein ausdrückliches Beileid geht an die Opfer dieses Abends.

  2. Gestern Abend musste ich nach diesem tollen und spannenden Spiel durch die Dresdner Neustadt, um nach Hause zu gelangen. Dort bin ich Zeuge dieser absolut furchtbaren Angriffe gegen die drei Dönerläden geworden und habe auch den "schwarzen Mob" gesehen, welcher die Angriffe ausführte (etwa 30 Leute). Ich vermute (Beweise gibt es nicht), dass es sich bei ihm um sogennante "Ultras" handelte, eine gewaltbereite "Fan"-Gruppierung von Dynamo Dresden. Jeder, der sich ihnen in den Weg stellte, wurde umgerannt und verletzt (ich habe 2 Leute am Boden liegen sehen), des weiteren wurden Rauchbomben gezündet und Flaschen geworfen. Auf der Alaunstraße, auf  der sonst an Wochenenden miteinander gefeiert wird, brach Angst und Panik unter den friedlichen Fußballfans aus. Mehrere Leute hatten bereits nach Krankenwagen und Polizei telefoniert. Ich habe jedoch während der knapp 30 Minuten, die ich benötigte, um zu meiner Wohnung zu gelangen, nicht einen Polizisten gesehen! Es ist daher nicht an der Zeit, die "interessierten Schaulustigen" zu verurteilen(ich frage hier mal ganz provokant jeden und speziell den bestimmt sehr sorgfältig recherchierenden Zeitredakteur dieses Artikels, welcher mutige Bürger sich einer Gruppe von 30 vermummten, äußerst gewaltbereiten  Mitgliedern in den Weg stellen würde? Bitte kommt nach Dresden. Wir trauen uns nämlich nicht!). Vielmehr gilt es zu fragen, warum es gerade nach so einem emotionalen Spiel die Polizei nicht stärker und schneller präsent war!

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    • hadé
    • 26.06.2008 um 10:51 Uhr

    Ich bin's nochmal: Danke euch Beiden für diese Klarstellung! Ich wollte mit meinem polemisch formulierten Einstieg zur Diskussion anregen, ohne persönlich Gefühle zu verletzen.Auch wenn ich es nicht verstehen kann, wie ein ganzes, als tolerant und "links" bekanntes, Stadtviertel (die Neustadt) 30 Hools nichts entgegenstellen kann - aber so wie Student es oben geschildert hat, lässt sich da hinterm PC wohl einfacher darüber reden, als es in der Realität dann offenbar ist... Es ist schließlich keine Neuigkeit, dass organisierte Kleingruppen träge und nicht vernetzte Massen durcheinander wirbeln können. Offenbar hat keiner damit gerechnet und in der entstehenden Panik war dann selber auf sich selbst gestellt. Ich ziehe evtl. bald nach Dresden (zurück). Was hätte ich gemacht, wenn ich mit meiner schwangeren Freundin dabei gewesen wäre? Ich weiß es nicht...

    • hadé
    • 26.06.2008 um 10:51 Uhr

    Ich bin's nochmal: Danke euch Beiden für diese Klarstellung! Ich wollte mit meinem polemisch formulierten Einstieg zur Diskussion anregen, ohne persönlich Gefühle zu verletzen.Auch wenn ich es nicht verstehen kann, wie ein ganzes, als tolerant und "links" bekanntes, Stadtviertel (die Neustadt) 30 Hools nichts entgegenstellen kann - aber so wie Student es oben geschildert hat, lässt sich da hinterm PC wohl einfacher darüber reden, als es in der Realität dann offenbar ist... Es ist schließlich keine Neuigkeit, dass organisierte Kleingruppen träge und nicht vernetzte Massen durcheinander wirbeln können. Offenbar hat keiner damit gerechnet und in der entstehenden Panik war dann selber auf sich selbst gestellt. Ich ziehe evtl. bald nach Dresden (zurück). Was hätte ich gemacht, wenn ich mit meiner schwangeren Freundin dabei gewesen wäre? Ich weiß es nicht...

    • hadé
    • 26.06.2008 um 10:51 Uhr

    Ich bin's nochmal: Danke euch Beiden für diese Klarstellung! Ich wollte mit meinem polemisch formulierten Einstieg zur Diskussion anregen, ohne persönlich Gefühle zu verletzen.Auch wenn ich es nicht verstehen kann, wie ein ganzes, als tolerant und "links" bekanntes, Stadtviertel (die Neustadt) 30 Hools nichts entgegenstellen kann - aber so wie Student es oben geschildert hat, lässt sich da hinterm PC wohl einfacher darüber reden, als es in der Realität dann offenbar ist... Es ist schließlich keine Neuigkeit, dass organisierte Kleingruppen träge und nicht vernetzte Massen durcheinander wirbeln können. Offenbar hat keiner damit gerechnet und in der entstehenden Panik war dann selber auf sich selbst gestellt. Ich ziehe evtl. bald nach Dresden (zurück). Was hätte ich gemacht, wenn ich mit meiner schwangeren Freundin dabei gewesen wäre? Ich weiß es nicht...

    Antwort auf "Krawalle in Dresden"
  3. Nach Ende des Spiels machte ich mich mit Fahrrad auf den Weg von Kreuzberg nach Friedrichshain. Am Ende der Warschauer Brücke begegnete mir eine Gruppe von 20 bis 30 Neonazis umkleidet mit Fanutensilien. Sie grölten aggressiv, machten Passanten an, die entgeistert guckten, liefen drohend Autos mit türkischen Fahnen hinterher und zündeten immer wieder laute Böller. Auch mich bedrohten sie, weil ich von ihnen Fotos machte. Ich fuhr deshalb zurück auf die Brücke, um zwei BGS-Beamte, die in ihrem Auto saßen, zu informieren. In dem Moment zogen die Nazifans an dem BGS-Auto vorbei. Den Beamten war die Furcht ins Gesicht geschrieben. Unternommen haben sie nichts. Ich weiß nicht, ob sich die Neonazis bis nach Kreuzberg getraut haben. Mir war auf jeden Fall der Fußballabend verdorben 

  4. @hadé und speedfunk: Gerade wenn man sich in der Materie nicht auskennt (Hools, Ultras, etc.), sollte man mit den Vokabelen sparsam umgehen und schon gar nicht irgendwelche Vermutungen anstellen, die hier dann einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Vielleicht waren es auch die UltraKommunistenNaziSkins ...Ansonsten vielen Dank für die Berichte der Augenzeugen!

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  • Serie -
  • Quelle ZEIT online, dpa
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