"Der Geist von Ascona" Schöne Grüße an Holland und Italien

Die Deutschen im Finale. Wer hätte das nach den Rumpelnummern gegen Kroatien, Österreich und gegen die Türken gedacht? Unser Kolumnist versucht, trotz dessen nicht zu meckern.

Nach dem Spiel fuhren wir wieder los, mit dem Auto, von Basel, dem Ort des Halbfinals, zurück nach Ascona, und alles war doch anders. Nach dem Viertelfinale gegen Portugal fuhr unser Auto diese Strecke wie von allein, wir selbst waren voller Siegesadrenalin, angetrieben von einem rauschhaften Sieg der deutschen Mannschaft. Diesmal war die Rückfahrt mühsam. Es begann damit, dass wir zunächst den Wagen nicht fanden, den wir etwas weiter weg vom Stadion parken mussten. Der Weg zur Autobahn schien unendlich, immer wieder regnete und stürmte es in Böen, auch schienen die Kurven hinauf zum Gotthardpass deutlich enger als beim letzten Mal, vor uns trödelten Lastwagen. Was das mit dem Halbfinale zu tun hat?

Diese Rückfahrt war irgendwie so, wie das Spiel der Deutschen gegen die Türken. Zu langer Anlauf, ein paar Umwege gefahren, ab und zu geärgert, gestört worden, aber letztlich: Ziel erreicht. Doch: Stopp. Es gilt, das haben sich die meisten Vertreter der zweiten, der Journalistenwelt, selbst verordnet, der Grundsatz: Nach gewonnenen Halbfinals herrscht Meckerverbot, absolutes Meckerverbot, zumindest am Tag danach.

Anzeige

Weiter ist weiter, schöne Grüße an Holland, Italien, Frankreich, Portugal und alle die anderen. Deutschland ist im Finale. Wer hätte das nach den Rumpelnummern von Kroatien und Österreich gedacht?

Gut, es war kein Spiel, an dem man sich berauschen konnte, im Gegenteil, der offene Schlagabtausch besonders in der ersten Hälfte war eher das Ergebnis von Verunsicherung (Deutschland) und Übermotivation (Türkei). Ein Auf und Ab, wie über den Gotthardpass. Besonders Philipp Lahm durchlebte vermutlich das wechselhafteste Spiel seiner Karriere: In der Defensive ungewohnt oft düpiert, bereitete er das 2:1 durch Klose vor, verschuldete das 2:2 und erzielte, nach einem geradezu übermenschlichen Schluss-Spurt in der Nachspielzeit das 3:2. Insgesamt konnte Deutschland allerdings nie an die Leistung gegen Portugal an... Halt! Stop! Finale ist Finale, ganz im Ernst.

Während der Partie waren übrigens zahlreiche Pressemenschen ziemlich abgelenkt, weil sie per sms und direkt per Telefon den Verlauf der Dinge in die Heimat funken mussten – war doch, wem erzählen wir das?, in Deutschland über lange Zeit das Fernsehbild ausgefallen.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Neu auf ZEIT ONLINE
      1. Grüne Gentechnik Transgener Mais erstmals anfällig für Schädlinge
      2. Naturkatastrophe Weiteres Beben nach Erdstößen in Norditalien
      3. Gartengestaltung Der neue Geist im Grünen
      4. Bürgerkrieg EU-Staaten weisen syrische Botschafter aus
      5. Finanzmärkte Schwarz-Gelb will Blitzgeschäfte an der Börse regulieren
    • Neu im Ressort
      1. Anzeige
      2. Anzeige
      3. Zeit online sport auf twitter
      4. Anzeige
      Service