ZEIT ONLINE: Herr Häußermann, in den USA fallen die Hauspreise im Umland einiger Großstädte wie Philadelphia, Atlanta oder San Francisco, weil viele die hohen Kosten für Heizung und Benzin nicht mehr tragen wollen. Wird es in Deutschland ähnlich kommen?

Hartmut Häußermann: Ich halte das für wahrscheinlich, ja. Seit drei, vier Jahren, erleben wir, dass weniger Menschen ins Umland ziehen. Einerseits, weil es demografisch bedingt weniger junge Familien gibt, die sich ein solches Leben wünschen, andererseits, weil viele Frauen keine Lust mehr haben, in den Vororten Hausfrau zu spielen. Der hohe Energiepreis wird diese Entwicklung beschleunigen.

ZEIT ONLINE: Welche Folgen hat das?

Häußermann: Es werden mehr Menschen in den Städten leben wollen. Das verändert die Lage auf dem Immobilienmarkt: Die Hauspreise im Umland fallen, die Preise in der Stadt steigen. Es werden auch mehr Wohnungen in den Innenstädten privatisiert werden, weil gerade jene in die Städte strömen, die eine eigene Wohnung besitzen wollen.

ZEIT ONLINE: Wer profitiert von einer solchen Entwicklung?

Häußermann: Die Gewinner sind Menschen mit hohen Einkommen. Sie zieht es zunehmend in die Innenstädte, weil sich das finanziell lohnt. Das aber verknappt das Angebot von billigem Wohnraum. Menschen, die auf billige Wohnungen angewiesen sind, werden dadurch langfristig an die Ränder der Stadt und die Vororte verdrängt.

ZEIT ONLINE: Das heißt, der Energiepreis trifft die Armen doppelt: Sie müssen mehr für Strom, Heizung, Benzin zahlen – und haben oft einen weiteren Weg zu ihrem Arbeitsplatz.

Häußermann: In der Tendenz ist das so, ja. Das ist aber ein altbekanntes Phänomen. Wenn Benzin teurer wird oder sie eine City-Maut einführen, wirkt das immer sozial selektiv. Während die Armen weniger Auto fahren, dürfen sich die Reichen über freie Straßen freuen.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet die Wanderung, die sie beschreiben, für das Zusammenleben?