Bayreuth "Public Viewing macht die Festspiele nicht kaputt"

Katharina Wagner will Bayreuth in die Zukunft führen. Deshalb lässt sie nun die Opern per Internet in alle Welt übertragen. Im Interview erklärt sie ihr Konzept

Katharina Wagner, die Urenkelin Richard Wagners, hat sich um den Chefposten in Bayreuth beworben. Über ihre Chancen entscheidet der Stiftungsrat

Katharina Wagner, die Urenkelin Richard Wagners, hat sich um den Chefposten in Bayreuth beworben. Über ihre Chancen entscheidet der Stiftungsrat

ZEIT ONLINE: Noch vor einem Jahr sagten Sie, Live-Übertragungen aus Bayreuth seien kein Thema. Wie kommt es, dass Sie Ihre Meinung geändert haben?

Katharina Wagner: Aufwendige Live-Schaltungen aus dem Festspielhaus wären im vergangenen Jahr noch gar nicht möglich gewesen. Wir mussten unter anderem sicherstellen, dass durch die Kameraaufnahmen keine Plätze im Zuschauerraum wegfallen. Inzwischen sind aber alle nötigen technischen Voraussetzungen erfüllt.

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ZEIT ONLINE: Sie hatten damals aber auch gesagt, dass Oper live nur im Opernhaus erlebt werden könne. Alles andere wäre eine Illusion.

Wagner: Natürlich ist die Akustik im Festspielhaus durch nichts zu ersetzen. Andererseits können Übertragungen auf Großleinwände und im Internet Menschen neugierig machen, die nicht ohne Weiteres eine Opernkarte kaufen würde. In Bayreuth kommt noch hinzu, dass man erst nach mehreren Jahren Wartezeit an Karten kommt.

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass Sie mit den neuen Angeboten ein jüngeres Publikum für Bayreuth gewinnen können?

Wagner: Das hoffe ich zumindest. Wer sich am 27. Juli Die Meistersinger von Nürnberg auf der Leinwand oder zu Hause am Computer anschauen möchte, muss sich nicht unbedingt schick anziehen. Ein solches Erlebnis in einem zwanglosen Rahmen kann also Hemmschwellen abbauen. Mit Live-Streaming im Internet können wir überdies auch viele Menschen im Ausland erreichen.

ZEIT ONLINE: Wie groß ist das Interesse an Tickets für die Online-Übertragung?

Wagner: Bei uns sind bereits zahlreiche Buchungen aus aller Welt eingegangen, sogar aus dem Südseestaat Tuvalu. Selbst Bayreuther, die die Aufführung eigentlich auf der Großleinwand sehen könnten, haben sich für die Internet-Option entschieden. Ich freue mich, dass unser Konzept so gut angenommen wird.

ZEIT ONLINE: Was halten Sie von Live-Schaltungen in Kinos?

Wagner: Das Internet ist attraktiver, da es leichter zugänglich ist. Die Leute müssen dafür nicht an einen bestimmten Ort kommen.

ZEIT ONLINE: Mit den Meistersingern sind Sie 2007 erstmals als Regisseurin auf dem Grünen Hügel aufgetreten. Was macht diese Oper so geeignet für Bayreuths Online-Premiere?

Leser-Kommentare
  1. im Livestream die Meistersinger am Notebook verfolgen?
    O.K., Bayreuth ist abgehoben, aber wer  49 EUR für ein Online- Ticket bezahlt, dem muss was Besonderes geboten werden, auch im Internet. 
    Deutsche Oper Berlin, Premiere für Aida: es gibt Karten schon ab ca. 17 Euro, Festspielhaus Baden-Baden Tannhäuser ab 69.- EUR, die Meistersinger in der Semperoper Dresden kosten in der untersten Preiskategorie 26 Euro, selbst die mittlere Preiskategorie ist mit 61 Euro noch ein Schnäppchen gegen einen verwackelten Stream.
    Wer sich am 27. Juli die Meistersinger… zu Hause am Computer ansehen will, muss sich also nicht chic anziehen.“
    Ne, dat stimmt.
    Ein solches Erlebnis  in einem zwanglosen Rahmen kann also Hemmschwellen abbauen.“
    Aber sicher, DVD von“ Meistersinger“ bei Amazon schon ab 18 EUR.

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    >Aber sicher, DVD von“ Meistersinger“ bei Amazon schon ab 18 EUR.<Klar doch, und der Mitschnitt vom EM Finale für nix. Warum wollen dann alle in Echtzeit dabei sein? Weil's Kult ist. Die Wunschmaid macht das schon clever, wenn sie den Bayreuth-Kult im virtuellen Raum etabliert.Das könnte funktionieren, und olle Richie hätte wieder mal recht:"Du siehst, mein Freund, zum Raum wird hier die Zeit!" - Parsifal, 1.Akt

    >Aber sicher, DVD von“ Meistersinger“ bei Amazon schon ab 18 EUR.<Klar doch, und der Mitschnitt vom EM Finale für nix. Warum wollen dann alle in Echtzeit dabei sein? Weil's Kult ist. Die Wunschmaid macht das schon clever, wenn sie den Bayreuth-Kult im virtuellen Raum etabliert.Das könnte funktionieren, und olle Richie hätte wieder mal recht:"Du siehst, mein Freund, zum Raum wird hier die Zeit!" - Parsifal, 1.Akt

  2. >Aber sicher, DVD von“ Meistersinger“ bei Amazon schon ab 18 EUR.<Klar doch, und der Mitschnitt vom EM Finale für nix. Warum wollen dann alle in Echtzeit dabei sein? Weil's Kult ist. Die Wunschmaid macht das schon clever, wenn sie den Bayreuth-Kult im virtuellen Raum etabliert.Das könnte funktionieren, und olle Richie hätte wieder mal recht:"Du siehst, mein Freund, zum Raum wird hier die Zeit!" - Parsifal, 1.Akt

  3. Für den Wagnerianer in Tuvalu mag es attraktiv sein, sich den Wagner aus Bayreuth für € 49,- aus dem WWW zu ziehen. Ich würde allerdings immer das subventionierte Live-Erlebnis in der freundlichen Staatsoper nebenan vorziehen. Das ist schon deutlich günstiger zu haben und man ist schließlich mittendrin statt nur daneben (oder so ähnlich). 
    Ob dem Meister selbst die Verbreitung bewegter Bilder aus dem Festspielhaus recht gewesen wäre, sollte auch eine Überlegung wert sein, wird doch kolportiert, dass Wagner sich am Ende der ersten Bayreuther Ring-Inszenierung sogar dass unsichtbare Theater gewünscht habe.
    Als sichtbares Zeichen meiner Verbundenheit, würde ich mir während der Festspieltage dann aber doch gern den Wimpel der Wagnerianer ans Auto stecken (wenn es denn so einen gibt, sonst müsste das Merchandising noch ein wenig brainstormen).

  4. Die Demokratisierung des Opernspektakels mittels weltweiter Direktübertragung hätte der alte Wagner sicherlich befürwortet. Aber dafür € 49,-? Dafür ist der gute Mann '48 nicht auf die Barrikaden gegangen.

  5. Geld für Kultur ? Zu Wagners Zeiten war die doch fast umsonst, und in Zeiten der Klassik wurde man eben geladen, Napoleon oder sonstwer zahlte die Rechnung.Kultur als GeldMaschine: Wie schnöde ...Vor allem wenn aktuell keiner der Bayreuther in der Lage ist, selber anständige Opern zu verfassen. Aber die Tür aufschliessen und die Kasse aufhalten, während ein paar gefällige Journalisten das hochjubeln, das geht ...

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