Belletristik

Bücher müssen nerven!

Können Schriftsteller nur noch brav erzählen? Oder will keiner mehr schwierige Texte lesen? Weniger Harmonie täte der Literatur gut

„Trends, Trends, das ist der Trend jetzt, das ist jetzt üblich. (...) Die Äpfel werden wieder birnenförmiger“, sang Max Goldt auf der ersten LP von Foyer Des Arts. Das war 1982. Lässt sich nach dem diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis auch ein Trend in der Literatur beobachten?

Vielleicht der, dass die Siegertexte vor fünf bis zwanzig Jahren nicht unbedingt einen Preis gewonnen hätten, geschweige denn im Wettbewerb gelandet wären? Die Frage ist böse und rein spekulativ, ob die Jury publikumsnähere Entscheidungen treffen müsse, will die ORF den Sendeplatz für Literatur retten. „Trends kann und will ich nicht ausmachen“, sagte der neue Jury-Sprecher Burkhard Spinnen in der Sendung Kulturzeit. “Trends sind etwas für die Haute Couture“.

Wie steht es also um die Entwicklung der Literatur? Lässt sich das nach einem solchen Wettbewerb sagen? Und das jährlich aufs Neue? „Es gibt in der Literatur auch Rückschritte. Eine Reduktion von Komplexität ist feststellbar“, sagte der Schriftsteller und Wettbewerbsbeobachter Ilija Trojanow.
 
Hat etwas anderes als das narrative Element auf dem Markt heute überhaupt eine Chance? Experimentelle Prosa wird oft als kühl empfunden. Dieses entspricht auch gesellschaftlichen Zuständen, möchte man meinen. Als Kritiker sollte man seine Abwehr gegenüber einem Text hinterfragen – sonst unterscheidet man sich nicht vom normalen Leser.

Burkhard Spinnen bekannte während der Diskussion: „Kafka hat mich auch genervt. Ingeborg Bachmann hat mich immer genervt. Ganz ungenervt möchte ich keinen Text lesen. Herausforderung und Irritation sind zunächst etwas Positives.“ Ohne Schmerzen kein Wachstum.

Wie viel ist es wert, wenn eine Geschichte das Herz öffnet? Das mag zwar kein Kriterium für gute Literatur sein. Diesen Vorgang aber in der Preisvergabe im Falle von Subadeh Mohafez unberücksichtigt zu lassen, ist denkwürdig. Clemens J. Setz’ Novelle Die Waage begeisterte die Jury beispielsweise wegen der Dialoge, der verrückten Figuren, des Motivs der Körperlichkeit, der gut beschriebenen Tücken der Objekte – und all das, ohne dass der Autor zu sehr psychologisiere. Wäre das das Schlimmste?

Der Juror Ijoma Mangold lobte etwa die Hamburger Schriftstellerin Dagrun Hintze, dass ihr etwas zu essayistischer Text die „transzendentale Obdachlosigkeit“ zum Thema habe. Alain Claude Sulzer, der neue Juror im Halbrund, sagte, die Autorin hielte den Raum unentwegt offen. Das ist doch etwas.

„Den Blick öffnen auf das, was offen bleibt“ forderte einst der Schriftsteller Helmut Heißenbüttel. Aber anstatt dieser Programmatik zu folgen, hieß es in Klagenfurt: „Den Blick öffnen auf das, was rund ist.“ Die geglückte, unangestrengte, elegante und kleine Form – der Vollkommenheit eines Balles nicht unähnlich – war es, die gewann.

Burkhard Spinnen zitierte in seiner Abschlussrede Francis Picabias alten Satz vom runden Kopf, in dem das Denken die Richtung wechseln könne. Dass dem Fußball-Fan Spinnen am Ende der Übertragung auch noch ein Original-EM-Matchball geschenkt wurde, war etwas zu viel der Metapher.
Gute Literatur sollte durch Sprache fühl- und erfahrbar machen, wovon sie erzählt. Und ihre Themen nicht einfach nur mit simplen Worten der Alltagssprache anklicken. Die alte Rezensenten-Bibel „Kitsch, Konvention und Kunst“, geschrieben vom Kirchenkritiker Karlheinz Deschner, ist im Deutschunterricht inzwischen vielleicht wichtiger als die Standard-Top-Acts deutscher Literaturgeschichte.

Dem Narrativen ist die Sprache ausgegangen. Auch der Wunsch nach konsequenter Wirklichkeitsnähe der Literatur ist hinterfragbar. Realitätsabbildung – die Forderung danach mutet seltsam an. Als könnte man sich nur so verhalten, aussehen, fühlen und sprechen, wie der potenzielle Leser und Kritiker es schon von sich kennt.

Sollten Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus, die Versuche von unrunden Lebens- und Literaturformen der späten sechziger und frühen siebziger Jahre nur fürs Museum und die Katz gewesen sein? Sind diese Epochen und deren Sprachentwicklungen an der jungen Gegenwartsliteratur spurlos vorbeigegangen? Wird wieder erzählt wie im 19. Jahrhundert? Nur flotter?

 Die Gebrochenheiten und Identitäts-Odysseen von heute sind eben keine runde Sache, die man im Stil einer harmonischen Form abgehandelt wissen möchte. Sind wir wieder in den fünfziger Jahren angekommen? Im Film, in der deutschen Komödie, ist dies schon lange der Fall.

Der Blick in die Kataloge zum Herbst lässt, bis auf wenige Ausnahmen, kaum auf eine größere Risikobereitschaft der Verlage schließen. Experimente wagt kaum jemand. 40 Jahre nach 1968 sollte man als Schriftsteller sprachlich nicht radikaler werden, als das Gros der Kunden es erlaubt. Die Form ist heute brisanter als jeder Inhalt. Sprache, die sich selbst belauscht, wird heute nicht gern gehört.
 

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Leser-Kommentare

    • 02.07.2008 um 18:40 Uhr
    • TyRell

    Wo früher Literatur gesellschaftsbestimmend war, ist nun die Gesellschaft literaturbestimmend. Ein Wandel, den ich zutiefst bedauere. Wer heute auf die sogennanten "Bestseller" einen Blick wirft, kann den Inhalt dieses Artikels leicht nachvollziehen.Jeder hat seine eigenen Vorstellungen von guter Literatur und erlauben Sie mir den Titel zu kritisieren. Bücher müssen nicht "nerven", sondern herausfordernd sein und unseren Blick für das öffnen, was wir nicht sehen. Daher ist der Ausdruck "nerven" eine falsche Sichtweise, aber ich glaube Sie meinen damit das, was ich mit "fordernd" beschreiben würde.

  1. 2. Axt

    "Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns."Kafka, dessen 125. Geburtstag ich morgen mit einer lustigen Grillparty feiern werde, war, wie meistens, auch hier im Recht. Es gab einmal eine Zeit, da waren Bücher noch in der Lage ein Weltbild zu erschüttern. Heute will aber niemand mehr, dass sein Weltbild erschüttert wird und weit und breit ist kein Autor, der das wirklich könnte. Stattdessen herrscht die ewige Systembestätigung des Immergleichen, was auf lange Sicht in den sicheren Tod führt. Neue Gedanken? Fehlanzeige. Alle Provokationen sind aufgebraucht. Nachdem Frauen Bücher über ihren Intimbereich schreiben und auch die Wohlgesinnten keinen Aufruhr mehr verursachen können, gehen die Themen aus. Fehlt noch ein pornographisches Eva Braun Tagebuch aus den letzten Stunden im Führerbunker und dann ist es vorbei. Menschen wie Kafka, die für und nicht von der Literatur leben, gibt es keine mehr. Aber dasselbe könnte man auch über unsere gesamte Gesellschaft sagen, von der die Literatur trotzdem immer noch in gewisser Weise ein Spiegelbild ist. Wie oft will man noch die immer gleichen Themen wiederbeleben? Wie oft will man noch über die Renaissance der Religionen diskutieren? Wie oft will man das Geschlechterverhältnis noch einmal neu überdenken? Das interessiert doch auch niemanden mehr. Unsere Kultur droht in der postmodernen Sackgasse der Beliebigkeit unterzugehen. Das Streben nach Harmonie hat in allen Diskursen das Streben nach Wahrhaftigkeit abgelöst. Ich glaube nicht, dass diese Entwicklung noch aufzuhalten ist. Kein Buch, dass das frostige Meer in uns zum schmelzen brächte. Kafkas Ratschlag "Ich glaube, man sollte überhaupt nur noch solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen." erscheint vor diesem Hintergrund wie ein Anachronismus. ---------------------------------------------------- 'Mirrors are more fun than television.'

  2. Ein DINOSAURIER, so der Jury-Vorsitzende Burkhard SPINNEN, sei der BACHMANN-Lese-Wettbewerb, aus dem man ein schnelleres wendigeres Tier zu machen versuche. Der BACHMANN-Dinosaurier könnte aussterben, wenn das Niveau zukünftig im ORF-Theater à la „Deutschland-sucht-den-Superautor" (FR, TAZ) oder „Germanys next Topdichter“ (DIE WELT) nicht anzuheben sein wird. Müssen Bücher nerven? Täte der Literatur weniger Harmonie gut? „Ohne Schmerzen kein Wachstum“: „Sollten Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus, die Versuche von unrunden Lebens- und Literaturformen der späten sechziger und frühen siebziger Jahre nur fürs Museum und die Katz gewesen sein?“ (Carsten KLOOK) - 2008 RATLOSIGKEIT allerorten: „Es fehlten die Kanten. Autoren, Texte, Meinungen rauschten hintereinander durch und fielen nicht weiter auf. Wer und warum schließlich auf dem Preiskarussell (…) zu sitzen kam - das erschien so zufällig wie beliebig. Ästhetische Kategorien, an denen die Jury sich orientierte, waren nur in Ansätzen auszumachen.“ (So die FR.) DIE ZEIT ( KLOOK ZEIT ONLINE in einem anderen Artikel) meinte, der Lesewettbewerb sei „kein Gradmesser für den Zustand und die Qualität der Literatur, sondern ein Teil des Literaturmarkts, ein Außenlager für die Öffentlichkeit, in der diesmal die Regularien des Marktes deutlicher wurden als zuvor“. Diagnostiziert wird „Ödnis, Langeweile (…). Diagnostiziert werden „Ödnis, Langeweile (…). „DIE PRESSE“ zum Wettbewerb: „Es interessiert die Veranstalter offenbar überhaupt nicht mehr, dass in der Literatur geistige Dinge verhandelt werden (…). „Öl im Getriebe“ sieht die TAZ. Transparente Juryentscheidungen zur „Sieger“-Bestimmung bei Preisen sind gefragt: „Objektive KRITERIEN“ zur Auswahl von BACHMANN-Gewinnern zugrunde zu legen, muss Schule machen. Anderwärts versucht man - nach Kritik an Auswahlverfahren – KULTUR-Preise, bei denen das Preis-Geld von der öffentlichen Hand kommt (Bund, Land, Stadt), nur durch unabhängige (!) Juroren zu vergeben. Bei Ausjurierungen spielt oft die unselige Verquickung von Branche/Markt (Kunst, Film etc.) und Subvention eine nachhaltige Rolle; also nicht-unabhängige (unseriöse) Branchen-Insider ausselektieren. Die Voraussetzungen für die QUALITÄT der Juroren-Urteile sind zu evaluieren. Für Kunst&Kultur-Förderung sind zur QUALITÄTSSICHERUNG KRITERIEN anzuwenden. Voraussetzung: nachgewiesene Juroren-Fachkompetenz. So sind „Leitbild“-KRITERIEN („Indikatoren“) für die LEISTUNG von subventionierten KULTUR-Institutionen anzuwenden: "Quantitative Kriterien“ und „Qualitative Kriterien“ (wie Resonanz, Relevanz, Innovationsbereitschaft, Engagement, Professionalität); vgl. Vorschläge in www.kulturblog.ch . Der „Fall documenta“ und „Fall Kiefer“ (Friedenspreis 2008) lehren, dass vieles falsch läuft. Zum „Modell für eine objektivere Kunstbeurteilung“ siehe www.art-and-science.de .

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    Bist du ein Computer der Zitate frisst und in passender Reihenfolge wieder ausspuckt?

  3. Bist du ein Computer der Zitate frisst und in passender Reihenfolge wieder ausspuckt?

  4. 5. lol

    Ich bin aber kein Masochist und les darum nix nerviges.Nennt mich seicht und hedonistisch, ach wie schrecklich.

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    und warum lesen sie dann die Zeit und nicht Bild, wenn sie nur Leichtbekömliches verdauen können?Dass die meisten "Leser" unkritisch sind, und sich mit ihren Urteilen den Rezensionen diverser Frauenzeitschriften gerne anschließen, ist kein neues Phänomen. Den Grund hierfür sehe ich in der Mangelnden Reflexionsgabe der meisten Menschen, die garnicht in der Lage sind Komplexität aufzunehmen und wirken zu lassen, ebensowenig wie echte Tiefe von Seichtigkeit zu unterscheiden ("Das Publikum verwechselt leicht den, welcher im Trüben fischt, mit dem, welcher aus der Tiefe schöpft." Nietzsche), das hat zum einen mit der Banalität ihrer eigenen Charakterstruktur zu tun (eben weil die Reflexionsgabe fehlt), zum anderen aber auh viel mit Sozialisation. Bei den Andauernden Stereotypen die man Vorgesetzt bekommt - und damit meine ich nicht nur personelle sondern auch situative (Romantik ist: Kerzenlicht, Sonnenuntergang...) - und dem fehlenden Heranführen an tiefere Texte, bzw. der Ekelhaften Bearbeitung in der Schule, die einem ja regelrecht Angst vor Literatur macht, muss es so sein, dass der Großteil der Menschen wie Blind durch die Bücherregale streif und selbstverständlich passen sich Kritiker und Autoren dem an, schon aus rein existenziellen Gründen.

  5. 6. Zitat:

    "Ohne Schmerzen kein Wachstum."
    Vielleicht. Aber nicht jeder Schmerz ist Wachstumsschmerz. Auch Dummheit kann ganz schön wehtun...

    • 03.07.2008 um 10:30 Uhr
    • Puka

    und warum lesen sie dann die Zeit und nicht Bild, wenn sie nur Leichtbekömliches verdauen können?Dass die meisten "Leser" unkritisch sind, und sich mit ihren Urteilen den Rezensionen diverser Frauenzeitschriften gerne anschließen, ist kein neues Phänomen. Den Grund hierfür sehe ich in der Mangelnden Reflexionsgabe der meisten Menschen, die garnicht in der Lage sind Komplexität aufzunehmen und wirken zu lassen, ebensowenig wie echte Tiefe von Seichtigkeit zu unterscheiden ("Das Publikum verwechselt leicht den, welcher im Trüben fischt, mit dem, welcher aus der Tiefe schöpft." Nietzsche), das hat zum einen mit der Banalität ihrer eigenen Charakterstruktur zu tun (eben weil die Reflexionsgabe fehlt), zum anderen aber auh viel mit Sozialisation. Bei den Andauernden Stereotypen die man Vorgesetzt bekommt - und damit meine ich nicht nur personelle sondern auch situative (Romantik ist: Kerzenlicht, Sonnenuntergang...) - und dem fehlenden Heranführen an tiefere Texte, bzw. der Ekelhaften Bearbeitung in der Schule, die einem ja regelrecht Angst vor Literatur macht, muss es so sein, dass der Großteil der Menschen wie Blind durch die Bücherregale streif und selbstverständlich passen sich Kritiker und Autoren dem an, schon aus rein existenziellen Gründen.

    Antwort auf "lol"
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    Nene   ElCamino

    Sie verwechseln da Fähigkeit und Willen. Nur weil jemand nicht den Anspruch ("Wille") hat sich mit teils doch sehr "gewollt" daherkommender Literatur (oder gar Lyrik..) zu befassen heißt dass noch lange nicht, er oder sie könne dieses nicht. Ich bin beileibe kein Freund einer romantischen Verklärung der "Weißheit des einfachen Mannes", unterhält man sich aber mit einem alten "einfachen" Mann der sein ganzes Leben gearbeitet hat, Kinder großzog und einfach versucht hat ein einfaches rechtschaffendes Leben zu führen und man hört dem alten Herrn oder der alten Dame dann einfach nur zu dann kann man darauf weit mehr an Erkenntnissen und Denkanstößen gewinnen als aus jedem Buch was ich bisher in Händen hatte. Bücher sind überdies auch nichts anderes als schriftgewordener Gedanke eines Menschen. Warum also nicht gleich an die Quelle?Entgegen dem Zeitgeist a lá alles weder "immer" schlechter wird derzeit so viel gelesen wie noch nie zuvor, die Verlage feiern Vekraufsrekorde. Die Zahl der "anspruchsvollen Bücher" stieg auch linear zur Zahl von blasiert sprechenden Globetrottern die von den Seychellen schwärmen, keine weißen Socken besitzen und natürlich auch Facelotions für den Mann benutzen. Die Konformität wird durch dieses angeblich unkonventionelle Treiben allerdings ins unermeßliche getrieben. Die heutigen "Bildungsbürger" sind dermaßen kleinbürgerlich und spießig dass es kracht. Aber empfinden sich selbst natürlich nach wie vor als Teil einer Avantgarde. Leider wird dies eben dadurch schön kaschiert indem man sich unter anderem mit Literatur und Lifestyle umgibt der noch vor kurzem einem "Lebenskünstler" überlassen geblieben wäre. In diesem Sinne ... nur weil man ein hübsches Bücherl auf der Konsole liegen hat sagt dass noch lange nichts über den Lesenden aus, respektive wenns eine BILD wäre. Solche einfachen Denkmuster und Schubladen sind es doch im übrigen, die meist eher jenem BILD-Leser zugesprochen werden...?

  6. 8. Nene

    Sie verwechseln da Fähigkeit und Willen. Nur weil jemand nicht den Anspruch ("Wille") hat sich mit teils doch sehr "gewollt" daherkommender Literatur (oder gar Lyrik..) zu befassen heißt dass noch lange nicht, er oder sie könne dieses nicht. Ich bin beileibe kein Freund einer romantischen Verklärung der "Weißheit des einfachen Mannes", unterhält man sich aber mit einem alten "einfachen" Mann der sein ganzes Leben gearbeitet hat, Kinder großzog und einfach versucht hat ein einfaches rechtschaffendes Leben zu führen und man hört dem alten Herrn oder der alten Dame dann einfach nur zu dann kann man darauf weit mehr an Erkenntnissen und Denkanstößen gewinnen als aus jedem Buch was ich bisher in Händen hatte. Bücher sind überdies auch nichts anderes als schriftgewordener Gedanke eines Menschen. Warum also nicht gleich an die Quelle?Entgegen dem Zeitgeist a lá alles weder "immer" schlechter wird derzeit so viel gelesen wie noch nie zuvor, die Verlage feiern Vekraufsrekorde. Die Zahl der "anspruchsvollen Bücher" stieg auch linear zur Zahl von blasiert sprechenden Globetrottern die von den Seychellen schwärmen, keine weißen Socken besitzen und natürlich auch Facelotions für den Mann benutzen. Die Konformität wird durch dieses angeblich unkonventionelle Treiben allerdings ins unermeßliche getrieben. Die heutigen "Bildungsbürger" sind dermaßen kleinbürgerlich und spießig dass es kracht. Aber empfinden sich selbst natürlich nach wie vor als Teil einer Avantgarde. Leider wird dies eben dadurch schön kaschiert indem man sich unter anderem mit Literatur und Lifestyle umgibt der noch vor kurzem einem "Lebenskünstler" überlassen geblieben wäre. In diesem Sinne ... nur weil man ein hübsches Bücherl auf der Konsole liegen hat sagt dass noch lange nichts über den Lesenden aus, respektive wenns eine BILD wäre. Solche einfachen Denkmuster und Schubladen sind es doch im übrigen, die meist eher jenem BILD-Leser zugesprochen werden...?

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  • Von Carsten Klook
  • Datum 2.7.2008 - 16:41 Uhr
  • Quelle ZEIT online
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