Presseschau "Klischee, Plattitüde und Chaos"Seite 2/2
"8-Uhr-Abendblatt":
"Lang ist unzweifelhaft der Regisseur der Massen, des Gigantischen und Übersteigert-Phantastischen (…)."
H.G. Wells (1866-1946), englischer Science-Fiction-Pionier und Autor der Romane Der Krieg der Welten und Die Zeitmaschine:
"Ich habe letztens den albernsten Film überhaupt gesehen. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, einen noch alberneren zu machen (...). Er heißt 'Metropolis', stammt aus den großartigen Ufa-Studios in Deutschland, und man muss erwähnen, dass er enorme Produktionskosten verschlungen hat. Er präsentiert eine turbulente Konzentration aus fast jeder denkbaren Blödsinnigkeit, Klischee, Plattitüde und Chaos über den mechanischen Fortschritt und den Fortschritt im Allgemeinen, serviert mit einer Sauce von Sentimentalität (...)."
(Aus: New York Times, 16. April 1927)
"Die Rote Fahne", Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands über die Uraufführung im Berliner Ufa-Palast:
"Die kapitalistische Verkrustung und Rationalisierung wächst in maßlos-phantastische Dimensionen. Ihr Symbol ist 'Metropolis', die himmelhohe Wolkenkratzerstadt, die von einem Kapitalherrn beherrscht und gelenkt wird. Die Klassenscheidung der menschlichen Gesellschaft ist vollendet. Die Arbeiterklasse ist nur noch ein Bestandteil der Maschine, ein gleichförmiges unbeseeltes Heer von Menschenmaschinen. Sie wird in die Unterwelt verbannt, in der die Ichthosaurusapparate, von gewaltigen Elementen (etwa Ultraelektrizität) gespeist, den Reichtum für die Oberwelt erzeugen. (...)
Dort maßloser Luxus, rationalisiertes Luxusleben. Paradiesische Gärten für die 'Söhne', lufttrainierte Venusweiber – und über dem Ganzen thront noch nicht 'der gehirnlose Affenmensch, der mit einem Druck auf den Knopf die Welt lenkt', aber der allmächtige Trustmagnat von Metropolis. (...)
Dem Regisseur schwebte scheinbar ein utopischer Film vor, der Tendenzen der Wirklichkeit enthalten sollte. Für jeden etwas: Der Bourgeoisie die 'Metropolis', für die Arbeiter den Sturm auf die Maschinen, für die Sozialdemokraten die Arbeitsgemeinschaft, für die Christlichen das 'Goldene Herz' und den Heilandsspuk. Fritz Lang hat weder eine große Utopie geschaffen, noch Träume realisiert: Doch dafür kann man wahrscheinlich nicht ihn allein verantwortlich machen, denn den Inhalt der Ufafilme bestimmt die Direktion nach den Gesetzen der Neuhorfer Börse.
Abgesehen von dem kitschigen Inhalt ist die filmtechnische Leistung zweifelsohne hervorragend und in ihrer Art bisher unerreicht. Die Illusion der Wolkenkratzerstadt, die Darstellung der Maschinenunterwelt, die 'Geburt' der Menschenmaschine, die Ueberschwemmung, sowie einige der Massenszenen sind ausgezeichnet. (...)
2 1⁄2 Stunden dauert die Aufführung. Genau um eine Stunde zu lang. Auch dann wird es der Ufa-Direktion gelingen, nicht nur 1000 Arbeitslose für den "Babylonischen Turm", sondern (bei den Eintrittspreisen von 2-8 Mark) noch weitere Tausende kahl zu scheren."
(Aus: Die Rote Fahne, Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands (Berlin) vol. 10, no. 9, 12 Jan 1927)
(Alle Tageszeitungs-Zitate veröffentlicht im Kinematograph vom 16. Januar 1927)
- Datum 02.07.2008 - 15:30 Uhr
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