Drogen Auf dem Trip
LSD gehört zum Bild der 68er-Generation. Im Interview spricht der Soziologe Günter Amendt über den Mythos der Droge, deren Legalisierung und seine eigene Rauscherfahrung.
Günter Amendt war Aktivist der Studentenbewegung, einer der Chefideologen des SDS. Er hat bei Theodor W. Adorno studiert und mit seinem Klassiker „Sexfront“ (1970) erfolgreich gezeigt, wie emanzipatorisch Sexualaufklärung sein kann, wenn man sie nicht verkniffen-humorlosen Puritanern überlässt. Amendt war Bob Dylans Tourbegleiter, hat sich in zahlreichen Büchern mit dessen Werk auseinandergesetzt und untersucht seit mehr als 30 Jahren die soziologischen, politischen und ökonomischen Begleitumstände von Rauschmitteln. Ein Gespräch über sein neues Buch „Die Legende vom LSD“ (Zweitausendeins).
ZEIT ONLINE: Herr Amendt, als Motto Ihres Buchs Die Legende vom LSD zitieren Sie den Schriftsteller Tom Robbins: Über die sechziger Jahre ohne über LSD zu sprechen, sei ein höchst unredlicher Geschichtsrevisionismus. Man hat eher den Eindruck, dass sie mit Ihrem Buch dagegen anschreiben und die Droge entzaubern wollen.
Günther Amendt: Mir ist erst während der Arbeit bewusst geworden, dass ich ohne Absicht an einem Beitrag zu dem von den Medien losgetretenen 68er-Revival sitze. Schon früh war absehbar, dass dabei die Rolle von Drogen im Allgemeinen und die von LSD im Besonderen ignoriert werden würde. Viele der Protagonisten von damals, die ihren Weg nach oben gemacht haben, werden an diesen Aspekt der sechziger Jahre nicht so gerne erinnert. Er trübt den Glamour dieser Zeit. Ihnen wollte ich das Robbins-Zitat vorhalten, aber auch denen, die die Rolle von Drogen maßlos übertreiben.
ZEIT ONLINE: „Legende“ stimmt ja auch, da LSD auf dem aktuellen Drogenmarkt keine große Rolle mehr spielt.
Amendt: Das ist unbestreitbar, auch wenn in der Party-Szene weiterhin LSD vertrieben wird. Doch die meisten dieser angebotenen Trips sind ein Fake. Die rückgängige Nachfrage führe ich unter anderem auf einen Wandel des Zeitgeistes zurück und auf die Erwartungen, die heute mit dem Konsum von Drogen verbunden werden. Der Geist der Zeit verlangt nach Wachsamkeit und Realitätstüchtigkeit. Spirituelle Reisen ins „innere All“ sind ein Luxus.
ZEIT ONLINE: Sie halten sich bei der Beschreibung des Rauschs ziemlich zurück. Warum eigentlich?
Amendt: Das überrascht mich. Ich finde, dass ich sehr weit gegangen bin. Lange Zeit habe ich darauf verzichtet, öffentlich von diesen Erfahrungen zu sprechen. Es erschien mir unfair. Ich bin Experten begegnet, die wussten, worum es ging, ohne selbst jemals mit Drogen in Berührung gekommen zu sein. Das armselige Niveau, auf dem die drogenpolitische Debatte heute geführt wird, und die Dummheit, mit der eine neue Generation von Politikern und Auftragsforschern die längst gescheiterte Drogenpolitik noch immer rechtfertigt, verlangt geradezu danach, Erfahrungswissen ins Spiel zu bringen.
ZEIT ONLINE: Aber man merkt dem Buch schon eine gewisse Vorsicht an – Sie wollen kein Apologet sein und auch keine Begehrlichkeiten wecken.
Amendt: So wie ich mich immer gegen die Dämonisierung von Drogen gewandt habe, wende ich mich auch gegen deren Mystifizierung. Ich verstehe mich als Aufklärer, und das heißt: keine Propaganda für und gegen Drogen. Niemals würde ich so weit gehen, eine als Medikament konzipierte chemische Substanz in den Rang eines Sakraments zu erheben.
- Datum 10.07.2008 - 07:51 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Was hier fehlt ist, dass LSD _kostenlos_ verteilt wurde, von HerstellerFirmen, gesponsert von den RockeFeller- BeeinFlusserKreisen; Effekt: ==> die Massen wurden unkritisch, konzentrierten sich auf die Orgien usw., ==> Drogen wurden dann kriminalisiert, und schon war Flower-Power, Peace, Aktivismus usw. weitgehend kriminell==> weil die Leute, die weitgehend identisch waren mit dem "linken-" oder "VietnamGegnerPack" einfach von der Polizei eigefangen werden konnten, unter dem DrogenVorwand.Das Modell/Verfahren kannte man schon aus der OpiumKriegsZeit der Englischen Krone in China, wo ganz China wehrlos und dem Rausch verfallen war und so keinen WiderStand gegen die koloniale Ausbeutung leisten konnte.So hat man eine ganze Generation entschärft (die was verändern/ verbessern wollte), und es konnte in den _vorgesehenen_ Bahnen gesellschaftlich weitergehen ohne grosse weitere Störungen.
Das mit dem LSD-Verteilen/junge Leute als Testpersonen ist im Umfeld von der Berkley-Uni (oder wie das nun geschrieben wird) passiert, es gab auch die Diskussion was man mit den ganzen jungen Leuten macht und ob die wegen der gesteigerten Produktivität und einem hohen Bevölkerungswachstum ("Babyboomer") die Leute ruhig gehalten werden müssen, damit sie vor lauter Langeweile nicht auf dumme Gedanken kommen (ums mal salopp auszudrücken). Der Staatsapperat hatte da auch seine Finger drin. Ansonsten ist es jedem seine Sache, mit welchen Mittelchen er seine Welt rosa anmalt *g*; eine sinnvolle und sachliche Aufklärung halte ich für den sinnvollen Weg und bin ja damit sogar einer Meinung mit dem Interviewten. Das Kranke heutzutage ist ja eher, daß sich Kids schon mit 11-13 Jahren Drogen in nicht geringen Mengen aussetzen, das bringt halt auch nicht die Punkte.
Das mit dem LSD-Verteilen/junge Leute als Testpersonen ist im Umfeld von der Berkley-Uni (oder wie das nun geschrieben wird) passiert, es gab auch die Diskussion was man mit den ganzen jungen Leuten macht und ob die wegen der gesteigerten Produktivität und einem hohen Bevölkerungswachstum ("Babyboomer") die Leute ruhig gehalten werden müssen, damit sie vor lauter Langeweile nicht auf dumme Gedanken kommen (ums mal salopp auszudrücken). Der Staatsapperat hatte da auch seine Finger drin. Ansonsten ist es jedem seine Sache, mit welchen Mittelchen er seine Welt rosa anmalt *g*; eine sinnvolle und sachliche Aufklärung halte ich für den sinnvollen Weg und bin ja damit sogar einer Meinung mit dem Interviewten. Das Kranke heutzutage ist ja eher, daß sich Kids schon mit 11-13 Jahren Drogen in nicht geringen Mengen aussetzen, das bringt halt auch nicht die Punkte.
Das mit dem LSD-Verteilen/junge Leute als Testpersonen ist im Umfeld von der Berkley-Uni (oder wie das nun geschrieben wird) passiert, es gab auch die Diskussion was man mit den ganzen jungen Leuten macht und ob die wegen der gesteigerten Produktivität und einem hohen Bevölkerungswachstum ("Babyboomer") die Leute ruhig gehalten werden müssen, damit sie vor lauter Langeweile nicht auf dumme Gedanken kommen (ums mal salopp auszudrücken). Der Staatsapperat hatte da auch seine Finger drin. Ansonsten ist es jedem seine Sache, mit welchen Mittelchen er seine Welt rosa anmalt *g*; eine sinnvolle und sachliche Aufklärung halte ich für den sinnvollen Weg und bin ja damit sogar einer Meinung mit dem Interviewten. Das Kranke heutzutage ist ja eher, daß sich Kids schon mit 11-13 Jahren Drogen in nicht geringen Mengen aussetzen, das bringt halt auch nicht die Punkte.
...im ersten Absatz nicht beendet *kopfkratz*.Jedenfalls wollt ich drauf hinaus, daß es durchaus politische Aktivitäten gab und die Leute sich nicht ALLE zugeballert haben. Man muß ja nur an die Black-Power-Geschichten denken.Und radikale Bewegungen haben dummerweise die Angewohnheit sich selber zu zerfleischen.
Soviel ich weiss funktioniert LSD nach dem Schlüssel-Schloss Prinzip, das heisst der Botenstoff besetzt Rezeptoren in Gehirn die tagsüber im täglichen Leben eher wenig aktiviert werden. Durch das Aufschliessen entstehen die nirvanösen Einsichten und sonstigen Wahrnehmungen. Die Rezeptoren (Schloss) gehen bei diesem Vorgang allerdings kaputt. Und dann soll LSD heute wieder in irgend einer Therapie verwendet werden? A.Natol
...und der gesellschaftliche Druck groß ist, ja, dann lassen sich plötzlich hoch wirksame aber auch sehr gefährliche Drogen als medizinische Therapien massenhaft verkaufen.Ein erschreckendes Beispiel liefert das Ritalin und seine Verwandten, eingesetzt zur Behandlung der Hyperaktivität. Einst war das Syndrom der Hyperaktivität und des Aufmerksamkeitsdefizits ein eher randständiges Thema. Nur wenige gut belegte Fälle wurden medikamentös mit Amphetaminen therapiert und Kinder- wie Jugendpsychiater verhielten sich restriktiv in der Verordnung. Sie trauten sich noch, für alle möglichen Verhaltensauffälligkeiten und Konzentrationsstörungen längerfristig angesetzte und intensive psychotherapeutische Methoden anzubieten, meist ganz ohne Medikamente. Heute lässt der gesellschaftliche Druck (vorgeblich schnelle und kostengünstige Hilfe) die Diagnosezahlen für das Aufmerksamkeitsdefizit- und/oder Hyperaktivitätssyndrom in die Höhe schnellen und der Griff zum Amphetamin wird zur Regel. - In der familiären oder schulischen Realität hat aber der Einsatz der Droge nicht viel geändert. Nein, die Klagen über noch mehr auffällige Kinder wachsen weiter. - Hier soll nicht geleugnet werden, dass es einen Kern von Fällen gibt, bei denen Amphetamine tatsächlich "fast" ein Wunder bewirken. - Aber die Explosion der Fallzahlen, spricht eindeutig für eine derzeit schludrige Verordnungspraxis.Viele Ritalin-Verordnungen, -die heute sogar schon von Hausärzten, Neurologen und anderen Nicht- Psychiatern ausgeschrieben werden - , verdanken sich mangelhafter Diagnostik und dienen als Ersatz um bei fehlenden ökonomischer Ressourcen für eine intensive menschliche Betreuung aufälliger Kinder - und Jugerndlicher, trotzdem "etwas" anzubieten. - Die Drogenhersteller freuen sich, ein ältliches Präparat so gewinnträchtig verkaufen zu können.Ich will nicht unerwähnt lassen, dass längerer, selbst unregelmäßiger Gebrauch von Amphetaminen,- z. B. an jedem Disco-Wochenende-, irreversibleNervenzellschäden verursacht. Das ist Basiswissen der Neurowissenschaften.Nicht unerwähnt sollte auch bleiben, dass die Amphetamin-Präparate zu Spottpreisenhergestellt werden können und ihr Handel hohe Gewinnmargen abwirft.Herr Amendt ist daher bei LSD ebenso auf der richtigen Fährte, wie Mitkommentator A.Natol, bezüglich der schädigenden Wirkung.GrüßeChristoph Leusch
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren