Verbraucherschützer haben schon abgewunken. Der von der Union verlangte Ausstieg aus dem Atomausstieg brächte den Konsumenten fast nichts: Eine Ersparnis bei der Stromrechnung von gerade einmal 50 Cent pro Monat. Das sei weniger, als sich mit dem Austausch einer einzigen 60-Watt-Glühbirne durch eine Energiesparlampe erreichen lassen, ließ Holger Krawinkel, Energiefachmann der Verbraucherzentrale Bundesverband, Anfang der Woche wissen.

Nun legt das Öko-Institut mit einer detaillierten Analyse nach. Die Expertise, die der ZEIT exklusiv vorliegt, kommt zu dem Ergebnis, dass im Zeitraum bis 2010 mit Entlastungseffekten "nur im absolut marginalen Bereich" zu rechnen ist. Auch danach sei mit "signifikanten Effekten für die Stromverbraucher" nur zu rechnen, "wenn der Kreis der Begünstigten sehr eng begrenzt wird", so Felix Matthes, Autor der Studie.

Milliarden-Gewinne für Stromkonzerne

Dabei sind die Extragewinne, die eine Laufzeitverlängerung um acht Jahre den Betreibern der Kernkraftwerke bescheren würde, über den gesamten Zeitraum durchaus beachtlich. E.on könnte laut Matthes mit 27,5 Milliarden Euro rechnen, RWE mit 17, EnBW mit 14 und Vattenfall Europe mit knapp 4,5 Milliarden Euro.

Die möglichen Effekte einer Laufzeitverlängerung auf den Strompreis werden aber offenbar massiv überschätzt. Laut Analyse des Öko-Instituts geht es eher um Cent- als um Euro-Beträge. Matthes zufolge ist laut Fahrplan des Atomausstiegs bis einschließlich 2010 lediglich mit der Abschaltung der Meiler Biblis A und Neckarwestheim 1 zu rechnen. Der Verzicht auf das Abschalten der beiden Kernkraftwerke würde den Betreibern einen jährlichen Zusatzgewinn von 439 Millionen Euro verschaffen. Die Hälfte der Summe auf den gesamten Stromverbrauch umgelegt bedeutete eine Preissenkung von 0,04 cent pro Kilowattstunde, so das Öko-Institut.

Bei einem mittleren jährlichen Stromverbrauch eines Drei-Personen-Musterhaushalts von 3500 Kilowattstunden ergibt sich daraus eine jährliche Ersparnis von 1,4 Euro, rund 12 Cent pro Monat.

Nach 2010 entstehen laut Öko-Institut durch den Verzicht auf den Atomausstieg zwar deutlich größere Gewinne. Jede Kilowattstunde Strom könnte aber auch dann nur um 0,3 Cent billiger werden – vorausgesetzt, es würde wiederum die Hälfte des Extragewinns genutzt, um den Strompreis zu senken.

Der Berechnung von Matthes liegen Erzeugungskosten von 1,7 Cent pro Kilowattstunde Nuklearstrom und ein Preis von 7 Cent pro kWh an der Strombörse zu Grunde. Bis 2010 bilde das Umverteilungsmodell "eher einen Ansatz symbolischer Politik" heißt es in der Expertise. Mit einiger Sicherheit könne vermutet werden, dass das Subventionsmodell "im Wesentlichen zu Mitnahmeeffekten auf der Erzeugerseite führt".

Mehr zur neuen Debatte über den Atomausstieg in der neuen Ausgabe der ZEIT. Ab Donnerstag am Kiosk.