Mobilität Das Ende des Billigfliegens
Urlaub, Arbeit, Liebe: Billig fliegen zu können hat das Leben vieler Menschen geprägt. Jetzt wird Mobilität wieder zum Luxus
Zu einer Hochzeit in die Normandie zu fliegen geht heute nicht mehr als extravagant durch. Paare brechen morgens nach Irland zu einer Radtour auf, um tags drauf wieder heimzukommen. Pensionierte Kollegen leben auf Mallorca und schauen zum Geburtstag in Blankenese vorbei. Auf dem Weg dorthin sitzen sie in einem Flugzeug namens Hamburg Shopper von Germanwings - neben Einkaufsbummlern, die auf den Balearen wohnen und noch am gleichen Tag, mit Tüten beladen, heimkehren.
Ein Tag am Flughafen, schon wirkt das Bleiben wie ein Ausnahmezustand.
Im Mai hat Ryanair, die größte europäische Billigflug-Gesellschaft, mehr als fünf Millionen Menschen transportiert. Jeder vierte Flug in Deutschland ist heute ein Billigflug. Und die Zahl der Starts und Landungen ist in Europa auf kaum vorstellbare zehn Millionen gewachsen.
Fliegen ist alltäglich geworden, so schädlich es auch für die Umwelt ist.
Dennoch setzt sich schleichend die Erkenntnis durch: Die Zeit der massenweisen Billigfliegerei geht zu Ende. Der Preis für Flugbenzin steigt täglich. Die Fluggesellschaft TUIfly muss heute für die Tankfüllung einer Boeing 737, die von Köln nach Palermo fliegt, 12.000 Euro zahlen. Vor drei Jahren waren es noch 5000 Euro.
Es ist ein epochaler Wandel. Ein seit mehr als hundert Jahren währender Trend wird gebrochen: Seit Erfindung der Eisenbahn hat jede Generation mehr Mobilität zu geringeren Kosten erfahren als die davor.
"Das wird für unsere Industrie schlimmer als die Folgen des 11. September", warnt TUIfly-Geschäftsführer Roland Keppler. Alexander Mankowsky, Soziologe und Zukunftsforscher bei Daimler, urteilt: "Wir stecken in einem Umbruch, einer Transformationszeit."
Dies offen einzugestehen fällt den Chefs von Fluggesellschaften noch schwer, weshalb sie es entweder wie John Kohlsaat von easyJet leugnen ("Wir wären schön blöd, jetzt den Preis zu erhöhen") oder alles tun, um den drastischen Preisanstieg zu verschleiern.
Dabei ist es nicht nur der Ölpreis, der die Kosten des Fliegens in die Höhe treibt. Die Gewerkschaft ver.di zum Beispiel verlangt von der Lufthansa gerade 9,8 Prozent mehr Lohn fürs Bodenpersonal, ihre Konkurrentin namens Cockpit deutliche Zuschläge für Piloten.
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- Datum 09.07.2008 - 18:52 Uhr
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