Weltbank-Studie Biotreibstoffe für teure Nahrung verantwortlich

Die Produktion von Biosprit verteuert die Lebensmittel einer Studie der Weltbank zufolge weit mehr als bislang angenommen. Das Papier birgt politischen Sprengstoff

Ein Arbeiter überprüft die Ernte seines Zuckerrohrfeldes vor Sao Paulo in Brasilien.

Ein Arbeiter überprüft die Ernte seines Zuckerrohrfeldes vor Sao Paulo in Brasilien.

Was treibt die Nahrungsmittelpreise? Ökonomen haben bislang eine Reihe von Faktoren ausgemacht: der Anstieg des Ölpreises, der die Produktion teurer macht; die veränderten Essgewohnheiten in den Schwellenländern, in denen die reicher werdende Mittelschicht mehr Fleisch und Milch konsumiert; Spekulanten, die mit ihren Wetten die Preise befeuern. Umweltschützer vermuten hingegen schon länger, dass vor allem der Boom des Biosprits die Preise treibt. Auch Jean Ziegler, UN-Sonderbotschafter für das Recht auf Nahrung, hatte vor einigen Wochen die Biosprit-Politik der EU, der USA und Japans harsch angegriffen. Nun bekommen die Kritiker prominente Unterstützung.

Die britische Zeitung Guardian zitiert aus einem Papier der Weltbank, die untersucht hat, wie schwer die einzelnen Gründe des Preisanstiegs wiegen. Das Ergebnis: Die Herstellung von Treibstoff aus Pflanzen hat Nahrungsmittel weltweit um 75 Prozent verteuert. Die Studie, die auf Analysen des Weltbank-Ökonomen Don Mitchell basiert, enthält politischen Sprengstoff, weil sie der bisherigen Lesart der US-Regierung widerspricht. Diese schätzt den Einfluss der Biosprit-Produktion auf die Nahrungsmittelpreise bisher auf weniger als drei Prozent.

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Für die Vereinigten Staaten ist die Herstellung von Biosprit zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden, ebenso für Brasilien. Die beiden Länder sind die größten Produzenten von Biotreibstoff, Brasilien ist auch Exportweltmeister. Deshalb wehren sie sich bislang vehement gegen jede Kritik.

Die neuen Zahlen der Weltbank übertreffen sogar Schätzungen von Umweltschützern. Die Umweltorganisation Oxfam geht bislang davon aus, dass die Steigerung der Lebensmittelpreise nur etwa zu 30 Prozent durch die gestiegene Produktion von Biokraftstoffen ausgelöst worden ist. Nach Angaben der Umweltgruppe hat allein die gestiegene Nachfrage nach Biosprit rund 30 Millionen Menschen in die Armut getrieben. Weltweit litten derzeit rund 100 Millionen Menschen Hunger.

Die Weltbank-Studie kommt zu einem heiklen Zeitpunkt an die Öffentlichkeit. Die Länder der G8 treffen sich nächste Woche im japanischen Hokkaido, um über die Nahrungsmittelkrise zu beraten. Der Report dürfte auch den Druck auf die Regierungen in den USA und Europa erhöhen, die zunehmend auf Biokraftstoffe setzen, um sich unabhängiger von Ölimporten zu machen.

Großbritannien will am Montag kommender Woche den sogenannten Gallagher Report vorstellen, in dem ebenfalls der Einfluss der Biosprit-Produktion auf den Anstieg der Nahrungsmittelpreise untersucht werden soll. Experten gehen davon aus, dass die Kernaussage des Berichts sein wird, dass die negativen Folgen der Biosprit-Förderung die positiven überwiegen.

Zudem tagt am Montag der Umweltausschuss in Brüssel, in dem die EU-Strategie zur Förderung von Erneuerbaren Energien verhandelt werden wird. Die EU will den Anteil von Biokraftstoffen bis 2020 auf zehn Prozent erhöhen. Umweltschützer kritisieren das Vorhaben. Sie hoffen, das der jüngste Bericht Brüssel dazu bewegen wird, sich von dem geplanten Ziel zu verabschieden.

Der Klimaexperte von Oxfam, Jan Kowalcik, sagte ZEIT ONLINE: "Wenn die Botschaft bei der EU noch rechtzeitig verstanden wird, könnte das ein Umschwenken bewirken." Würde man in Brüssel hingegen an dem Ziel festhalten, müsse man dies vor "den Hungernden der Welt verteidigen. Das wäre skandalös", sagte der Oxfam-Experte.

Hochrangige Entwicklungspolitiker gehen dem Guardian zufolge davon aus, dass die Analyse der Weltbank, die vom April datiert, bislang mit Rücksicht auf die US-Regierung noch nicht veröffentlicht worden sei. Diese hätte die Weltbank in die politische Schusslinie des Weißen Hauses gebracht, zitiert das Blatt einen Entwicklungspolitiker. Präsident George Bush hatte zuletzt die wachsende Nachfrage aus den Schwellenländern für die Preisexplosion bei den Nahrungsmitteln verantwortlich gemacht. Dies scheint die Studie nun zu widerlegen.

 
Leser-Kommentare
  1. das sollte doch jetzt wirklich ein Grund für den Qualtätsjournalismus ein Grund sein, den sachlich unbegründeten Anschleimungsartikeln an die grüne Deutungshoheit über die einzig correcte Entwicklung unserer Welt mal sachlich versiert  gegenzusteuern

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    Lieber Kettenruettler, Ursache für die Notwendigkeit, Biosprit zu produzieren, ist allein der völlig unverantwortliche Konsum immenser Mengen Energie, der uns den Klimawandel eingebrockt hat. Die Umweltschützer sind bestimmt nicht verantwortlich dafür, dass entgegen aller Vernunft und des Wissens, dass der dafür nötige Treibstoff endlich ist, die altmodische Technologie "Verbrennungsmotor" nicht längst durch erneuerbare Technologien ersetzt wurde. Bitte doch nicht immer gleich die erstbeste Anschuldigung erheben.

    Lieber Kettenruettler, Ursache für die Notwendigkeit, Biosprit zu produzieren, ist allein der völlig unverantwortliche Konsum immenser Mengen Energie, der uns den Klimawandel eingebrockt hat. Die Umweltschützer sind bestimmt nicht verantwortlich dafür, dass entgegen aller Vernunft und des Wissens, dass der dafür nötige Treibstoff endlich ist, die altmodische Technologie "Verbrennungsmotor" nicht längst durch erneuerbare Technologien ersetzt wurde. Bitte doch nicht immer gleich die erstbeste Anschuldigung erheben.

    • Gafra
    • 04.07.2008 um 14:10 Uhr

    waren die Befürworter von Biosprit?Ist mir ja ganz neu, aber jedem seine eigenen Vorurteile!Eigentlich konnte sich das jeder halbwegs logisch überlegende Mensch denken.Aber zu groß ist der Wunsch, den eigenen Lebensstil beizubehalten, auch wenn unsere heilige Kuh Auto das Brot der Anderen frisst.

    • keox
    • 04.07.2008 um 14:23 Uhr

    Das hätte ich ja nie gedacht, bin völlig aus der Hütte. Wieso wird denn das Futter teurer, wenn es im Tank statt auf dem Teller landet?Dann wird doch zumindest die Fahrt zum Aldi wenn nicht billiger aber doch klimaschonender, dann kann man doch wieder einige CO2-zertifikate nach Brasilien verkaufen, damit die brasilianischen Rindviecher nicht soviel pupsen.Bringt auch Gewinn, wenn man kostenlos erhaltene Zertifikate verkaufen kann.Das ist übrigens ein ganz interessantes Modell. Ein - neutral formuliert - Übeltäter wird gemeinhin so oft und lange bestraft, bis er sein übles Handwerk unterläßt.Das ist natürlich nur die offizielle Version, ein zwar sehr verwandtes, dennoch aber anderes Thema.Es gibt auch Übeltäter, die läßt man gewähren - bevor sie böse werden - denen werden Leckerli zuteil, wenn sie sich bereiterklären, sich wenigstens ein bißchen zusammenzureißen.Das ganze erinnert mich an einen Hund. An einen ganz untypisch aggressiven Eurasier. Diese elende Töle hing mir ständig an den Hacken und knurrte und drohte.Auf  Anraten der Besitzerin streichelte ich dieses Mistvieh. Fromm wie ein Lamm - aber wehe, ich hörte auf, ihn zu streicheln.

  2. Zitat:---------------------Die Herstellung von Treibstoff aus Pflanzen hat Nahrungsmittel weltweit um 75 Prozent verteuert.------------------Was soll das aber heissen ?==> 75 % des PreisAnstieges liegen an der TreibStoffherstellung ???==> oder: der Preis ist 75 % angestiegen ??Halbe Aussage, so beleuchtet, dass was ganz anderes damit suggeriert wird ??

  3. Die Grüne Bewegung versucht jetzt mehr oder weniger verzweifelt, ihre einst propagierten Vorstellungen über Bio-Sprit und Voraussetzungen dazu als nicht geschehen darzustellen.
    Die Wirklichkeit lässt sich jedoch nicht ungeschehen zu machen.
    Hier Auszüge von Franz Alt aus seinem Buch : Zukunft Erde

     
     
    http://www.sonnenseite.co...
     
     
     
    :: ZUKUNFT ERDE - Teil 6: Landwirte – Die Ölscheichs von morgen?
    Bauern als Energie- und Rohstoffproduzenten der Zukunft, können in ihrem Beruf wieder eine Berufung für eine bessere Zukunft sehen. Die Biomasse vom Acker und vom Wald ist gespeicherte Sonnenenergie und fast auf der ganzen Welt in Fülle vorhanden.
    Als ich vor 14 Jahren das Buch "Schilfgras statt Atom - neue Energie für eine friedliche Welt" schrieb und in Fernsehsendungen Biosprit-Autos vorgestellt hatte, haben viele von "Öko-Spleen" gesprochen - heute wird die Vision Realität. Landwirte werden Energiewirte oder deutlicher: Landwirte werden die Ölscheichs des 21. Jahrhunderts.

    In Brasilien fliegen die ersten Flugzeuge mit Ethanol aus Zuckerrohr.
    In Deutschland investieren BMW und VW Millionen Euro in die Forschung von Biosprit.
    In Österreich werden bereits 16 Prozent der gesamten Energieverbräuche aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen.
    In der Steiermark gibt es viele Dörfer, die schon in wenigen Jahren ihre gesamte Energie vom Acker und vom Wald beziehen - Strom, Wärme, Kühlung und Fahrzeugsprit.
    Holzpellets als Brennstoff ist in der EU bereits um die Hälfte billiger als das alte Heizöl - und die Ölpreise werden noch steigen.

  4. Die WeltBank hilft vielleicht auch nur den anderen Banken, deren Krise nun in Vergessenheit geraten soll, mit Argumenten aus und versucht, die Aufmerksamkeit von den Spekulanten weg (die Spekulanten sind ja. u.a. die Kriesen-Verlierer-Banken, nicht nur in USA, die sich nun mittels der PreisAnstiege sanieren wollen) auf ein Gebiet zu lenken, das ihnen nützen könnte:2 Fliegen mit 1 Klappe:==> 1. Der NahrungsPreisAnstieg hat rein gar nichts (wirklich überhaupt nichts) mit den Spekulanten zu tun ....==> 2. Der hohe ÖlPreis hat auch rein gar nichts mit den Spekulanten zu tun ....Und wers glaubt, wird selig ...

  5. ...dieser Studie darf angezweifelt werden.
    Wenn man Agrarökonomen vor 3 Jahren gefragt hat, wie sich die Preise entwickeln würden, dann behaupteten sie: Nach unten, die Überproduktion steigt.
    In der EU werden nur auf den Flächen nachwachsende rohstoffe angebaut, die vorher Stilllegungsflächen waren (stillgelegt, um keine noch größere Überproduktion  zuzulassen - d.h. diese Flächen sind der Nahrungsmittelproduktion durch Anbau nachwachsener Rohstoffe nicht entzogen worden).
    Wieviel des südamerikanischen Biosprits wird in Europa oder Nordamerika als Energie verfeuert?
    Was man noch wissen sollte: An der Chicagoer Getreidebörse wird 12mal mehr Mais pro Jahr gehandelt, als die Welternte beträgt!
    Und das die Nahrungsmittelpreise in der Welt bisher so niedrig waren, liegt in erster Linie daran, dass sowohl die EU, als auch die USA ihre Agrarprodukte durch Subventionen verbilligt hatten (haben).
    Wir, in der EU und in den USA haben durch unsere Steuern bisher die Nahrungsmittelpreise in der Welt niedrig gehalten (und damit massenweise bäuerliche Existenzen in der 3. Welt und in Schwellenländern vernichtet! - Jüngstes Beispiel: Die Bauernproteste in Südkorea gegen die Einfuhr US-amerikanischne Rindfleisches)

  6. ... und wieder ist eine Bush-Lüge aufgeflogen. Wieder einmal hat Amerikas und Europas Ignoranz und Gier Menschenleben gekostet und wieder einmal haben die Konzerne am Elend anderer verdient.Ebenfalls - wiedereinmal - treten die üblichen Leugner aus, denen zufolge nicht sein kann, was nicht sein darf.

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