ZEIT ONLINE: Die Klimaverhandlungen im Rahmen des G-8-Gipfels sind vor allem am Widerstand Indiens und Chinas gescheitert. Was war da los?

Timo Goeschl: Ich weiß nicht, ob der Gipfel wirklich gescheitert ist. Immerhin sind wir schon weiter als vor zwei, drei Jahren, als die Bush-Administration noch fundamentale Zweifel hatte, ob es überhaupt ein Klima-Problem gibt.  Das ist jetzt anders, und so gesehen ein Schritt nach vorn.

ZEIT ONLINE: Dennoch bleibt doch unter dem Strich nicht viel: Eine vage Zusage, dass die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 weltweit halbiert werden sollen, allerdings ohne dass klar ist, auf welches Basisjahr sich das bezieht.

Goeschl: Ja. Im Grunde ist das Gebäude, dass China und Indien nun zum Einsturz gebracht haben, gar nicht so gewaltig gewesen. Die von den G-8-Staaten beschlossene Vereinbarung sieht Einsparungen bis zum Jahr 2050 vor. Das ist zu lange hin. Was wir brauchen, sind konkrete Ziele, die früher greifen. Aber die sind eben ungeheuer schwer zu verhandeln.

ZEIT ONLINE: Was macht die Verhandlungen so schwierig?

Goeschl: Klimaverhandlungen sind ein einziges Dilemma: Jeder Staat hat Anreize, die anderen machen zu lassen und sich selbst zurückzuziehen. Selbst wenn sich die Staaten einigen, heißt das noch nicht, dass später einzelne Länder nicht doch ausscheren.  Denn für solche Trittbrettfahrer bringt es Vorteile, wenn andere Staaten beim Klimaschutz voranschreiten. Genau das haben wir nach dem Abkommen von Rio gesehen. Hinzu kommt, dass einzelne Länder wie China vor besonderen Problemen stehen.

ZEIT ONLINE: Welche sind das?

Goeschl: Es gibt gleich mehrere Schwierigkeiten. Einerseits ist China was das Wachstum angeht ein Spätzünder. Die Menschen dort hätten gerne das gleiche Wohlfahrtsniveau wie der Westen, nun verlangt man von ihnen, dass sie bei ihrer Aufholjagd auf die Bremse treten. Das ist für sie schmerzhafter, als für die Bevölkerung in den entwickelten Ländern, die durch ihr Wachstum das Klimaproblem mit geschaffen haben.