Türkei Die Sommerschlacht von AnkaraSeite 2/2

Premier Erdogan, der nach Umfragen nach wie vor weit mehr Türken hinter sich versammeln kann als jeder andere Politiker, steht also in stärkster Bedrängnis. Doch macht er viele Fehler im Abwehrkampf. Der vielleicht größte war, im vergangenen Jahr nicht zielstrebig die im Kern autoritäre Verfassung zu ändern, sondern sich stattdessen aufs Taktieren im politischen Tagesgeschäft zu verlegen.

Einerseits forderte er die Kemalisten heraus mit einem Gesetz, welches das Kopftuch für Studentinnen an Universitäten erlaubte. Andererseits paktierte er mit den Nationalisten in der Kurdenfrage, er machte sich den Generalen anheischig, er erlahmte bei der Reformgesetzgebung. Doch die kemalistischen Gegner hat er damit nicht überzeugen können. Jetzt sagen viele von Erdogans Parteigängern, sein Kompromisskurs habe die AKP eher geschwächt als gegen den drohenden Richterputsch immunisiert.

Nun wird es darauf ankommen, wie rechtsstaatlich die Regierung sich gegen den nicht rechtsstaatlichen Angriff der kemalistischen Eliten und ihrer Untergrundnetzwerke wehrt. Einige der Ergenekon-Angehörigen sitzen schon fast ein Jahr in Haft, ohne je eine Anklageschrift gesehen zu haben. Die der Regierung nahestehenden Teile der Polizei verhaften sie munter im Dutzend. Ohne eine schnelle Anklage müssen diese Festgenommenen wieder freigelassen werden. Es geht um die Glaubwürdigkeit im Kampf gegen mutmaßliche politische Verbrecher.

Jenseits der Türkei geht es noch um mehr. Die Verschiebung der Gewichte im Osten Europas, die Erosion rechtsstaatlicher Strukturen, der politische Untergang von Verbündeten der EU, die drohende Rückkehr des Autoritarismus allerorten, der Verlust europäischen Einflusses - erst im Putinschen Russland, jetzt bald auch in der Türkei? Es ist höchste Zeit, dass die Europäische Union ihren institutionellen Kleinkrieg überwindet und sich um die wirklich wichtigen Fragen in ihrer Umgebung kümmert. Es gilt die alte Stadtbürgerweisheit: Wenn es beim Nachbarn brennt, ist das eigene Haus nicht mehr sicher.

 
Leser-Kommentare
  1. Herr Thumann hat sicher recht, dass Türkei und Iran nicht 1 : 1 gleichzusetzen ist. Im Iran ist eine Reizfigur eines Staatspräsidenten, der polarisiert, provoziert, polemisiert und ansonsten sehr aggressiv auftritt. Demgegenüber sind Gül (Idol der Provinz-Schnauzbärte) und Erdogan (Idol der Arabien hörigen  Schieber-, Spekulanten- und Wirtschaftskriminellen-szene und deren nach außen "cleanes" Umfeld) Samtpfoten-Islamisten. Der Versucher kommt in vielen Verkleidungen.
    Ich klage die Kemalisten zum Teil auch an:
    Sie hätten den Staat, die Institutionen fortentwickeln und modernisieren müssen.
    Sie hätten die Gesellschaft demokratisieren müssen.
    Sie hätten mehr für die "kleinen Leute", auch die Kurden, die Aleviten und die moderneren aufstiegsorientierten, leistungsbereiten Jugendlichen tun müssen!
    Der entscheidend Fehler war aber, in den Ministerien für Religion und Erziehung janusköpfige Führungspersonen zugelassen zu haben.
    Das A und O jeder kemalistischen Politik muss lauten: Jeder kann beten und Eßvorschriften einhalten wie er will. Aber in Sachen Politik haben Islam und Mullahs nichts, aber auch gar nichts zu melden! Politisierende Mullahs werden Schach matt gesetzt. Atatürk hatte die Macht, das Charisma und die Führungsstärke, dies seinen Leuten / Soldaten klarzumachen. So war es richtig. So wäre es richtig. Auch hier und heute.
    Nach meiner Einschätzung will die AKP eine Türkei ohne Kemal Atatürk! Dies ist ein schleichender Prozess. Mit Gül und Erdogan hat man es mit unehrlichen verschlagenen Leuten zu tun.Bei naiven EU-Politikern und -Journalisten reden sie "A", meinen aber das Gegenteil. Sie wollen uns "einlullen", auf deutsch "verscheissern".
    Eine solche Erdogan-Türkei gehört nicht in die EU. Wer die Scharia wählt, sollte dann wissen, was er tut. Und auch die Türken hierzulande sollte man fragen, was sie wollen. Wer "Scharia" wählt, sollte so ehrlich sein, und sich und uns sagen, dass er nicht zu uns passt. Man sollte sich dann in Freundschaft trennen! Wer seine Zukunft in einem modernen, aufgeklärten Europa sieht, sollte uns herzlich willkommen sein.
    Aber einerseits die Segnungen der Moderne und unseres Sozialstaates vereinnahmen und dann auf der anderen Seite "Mittelalter-Verhältnisse" wünschen, geht nicht zusammen! Entweder ißt man Fisch oder Fleisch!
      

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    • Anonym
    • 04.07.2008 um 23:47 Uhr

    Das Gebaren eines solchen Ministerpräsidenten, ein Mann mit vielen Gesichtern, dienen aber nur einem Ziel. Einem Ziel, dem die Kemalisten alles zutrauen und dementsprechend bekämpfen. Fragt sich nur, wie lange sie dies in Wirklichkeit aufhalten können. Der Wackelkurs, der gegenüber EUropa gefahren wird, nimmt bedenkliche Ausmaße an.Darum sei es nun wirklich an der Tagesordnung, weitere Kandidaten, auf ihre Integration in allen Rechten und Pflichten derart zu überprüfen, daß man zum gegebenen Wort steht. Zweifel daran sind nun wirklich angebracht. Schönrederei hilft hier herzlich wenig weder der gesamten EU, noch der Türkei . An der Umsetzung der Menschenrechte hakt es leider immer noch, das wird wohl der "Entrückteste" mit einem JA zu EUropa auch nicht übersehen wollen.EUropas Lobby im Sinkflug, die ZEIT der BÜRGERLOBBY beginnt!!!
    Isaac Ben Laurence Weismann

    • Anonym
    • 04.07.2008 um 23:47 Uhr

    Das Gebaren eines solchen Ministerpräsidenten, ein Mann mit vielen Gesichtern, dienen aber nur einem Ziel. Einem Ziel, dem die Kemalisten alles zutrauen und dementsprechend bekämpfen. Fragt sich nur, wie lange sie dies in Wirklichkeit aufhalten können. Der Wackelkurs, der gegenüber EUropa gefahren wird, nimmt bedenkliche Ausmaße an.Darum sei es nun wirklich an der Tagesordnung, weitere Kandidaten, auf ihre Integration in allen Rechten und Pflichten derart zu überprüfen, daß man zum gegebenen Wort steht. Zweifel daran sind nun wirklich angebracht. Schönrederei hilft hier herzlich wenig weder der gesamten EU, noch der Türkei . An der Umsetzung der Menschenrechte hakt es leider immer noch, das wird wohl der "Entrückteste" mit einem JA zu EUropa auch nicht übersehen wollen.EUropas Lobby im Sinkflug, die ZEIT der BÜRGERLOBBY beginnt!!!
    Isaac Ben Laurence Weismann

    • ak
    • 04.07.2008 um 17:18 Uhr

    Schon mal etwas von gewaltenteilung gehört. Bisher wurde in der Türkei immer seitens des Militärs geputscht. Das Militär hat sich aber nach den Erfolgen der AKP Regierung Richtung EU sehr demokratisch verhalten. Jetzt mögen der Meinung sein das das Militär bei den Wahlen vom Staatspräsidenten Abdullah Gül so etwas wie einen e-Putsch durchgezogen hätte. Mitnichten. Auch die Verfasser dieser E- Note wie diese später bezeichnet wurde sind wohl in den Reihen der Ergenekon zu suchen. In Europa sollte man sich der Herkunft dieser Geheimorganisation erst einmal bewusst werden. Diese Organisation ist ein Überbleibsel des Kalten Krieges, mit denen sich auch die Italiener rumschlagen mussten. Ergenekon ist nichts anderes als die Gladio, die zum Kampf mit dem Komunismus gegründet worden ist. Als der Kalte Krieg vorbei war haben sich diese "Agenten" eine neue Aufgabe gesucht. Sie definieren sich als Nationalisten die über zum Schutze des Staates und des Systems über alle Institutionen sehen. Sie haben sich gegen alles gestellt was von dem vorherschenden Statusquo mißfiel. Erst die Islamisten unter Erbakan, der in der Tat versucht hat das Land zu Islamisieren. Dann gegen die AKP die unter Erdogan erkannt hat das der türkische Islam sehr wohl mit Demokratie vereinbar ist. Und mit jedem Schritt der Demokratisierung und Richtung EU hat sich die AKP als Feind Nummer 1 herauskristalisiert. Man nimmt an das seit den 90er Jahren sehr viele Anschläge seitens dieser Organisation durchgeführt worden sind. Wie zum Beispiel der Anschlag auf ein Hotel in Sivas bei dem Linke Intelektuelle ums Leben kamen. Auch wurden 95 Kaffes von Aleviten beschossen, um die damalige Erbekan Regierung durch Unruhen zwischen Aleviten und Sunniten in Schwierigkeiten zu bringen. Seit geraumer zeit muss an aber feststellen das die CHP oder einige Sympatisanten sich der Dienste der Mitglieder dieser Organisation bedienen wollten. Da diese Partei der Eliten die bis dato das sagen hatten mittlerweile gemerkt hat das sie auf demokratischem Weg Ihre Macht nicht mehr sichern kann. Sie sehen all ihre Felle davon schwimmen. Ein Militär das sich mit der Demokratie und ihrer Rolle in diesem System bewusst geworden ist. Ein Staatspräsident, der die Errungenschaften von 85 Jahre eliterär Diktatur nicht mehr Schütz. Bleiben nur noch die Kuckukseier von ihrem Präsidenten Sezer der mit dem Staatsanwalt Yalcinkaya und 9 von 11 von ihm ernannten Verfassungsrichtern mit obskuren und den Haaren herbeigezogenen Argumenten die AKP schließen möchten. Das Erdogan die macht hat aus dieser Tatsache heraus einen Staatsanwalt dazuzu bringen Ex generäle verhaften zu lassen aus Rache ist lächerlich. Wenn er diese Macht hätte, würde seine Partei und er nicht auf der Klagebank sitzen. Auch die Militärführung hat die Gefahr die von der Ergenekon ausgeht richtig erkannt. Denn die festgenommenen Ex-Generäle sind in Ihren Villen auf Militärgebiet mit der Zustimmung der Militärführung festgenommen worden. Was die Anklageschrift angeht, soll diese mittlerweile 2500 Seiten sein. Die Angeklagten werden wegen Gründung einer teroristschen Organisation vor den Richter gezogen. Egal wie dieser Machtkampf ausgeht. Am ende steht eine Wahlurne und das Volk wird diesesmal Erdogan mit einer noch grösseren Stimme und einer zivilen Verfassung ausstatten, wobei sich danach die EU meineserachtens  Warm anziehen kann.

    • borisk
    • 04.07.2008 um 17:30 Uhr

    Wer nur ein bisschen die neuere türkische Geschichte kennt, dem muss
    glasklar sein: Wenn das Militär tatsächlich einen Putsch machen wollte,
    hätte es schon längst gemacht. Erdogans Putschanschuldigungen weisen
    darauf hin, dass ihn seine Maske des "Demokraten" langweilt und das er
    langsam aber sicher das wird, was er immer werden wollte: Ein
    islamistischer Diktator.
    Deutcshland muss seine Politik gegenüber der Türkei dringend und
    radikal revidieren. Im 20. Jh. war die Beziehugn zwischen diesen 2
    Ländern immer gut, und das war gut so. Während der Nazi-Zeit  ist
    es den Türken gelungen, bei einer insgesamt positiven Einstellung zu D
    zu bleiben, ohne sich auch im mindesten durch Teilnahme an der
    deutschen Seite zu verunreinigen. Wir müssen das schätzen. Aber jene
    gute Freundschaft zwischen D und TR - sie hat Deutschland mit der
    kemalistischen Türkei verbunden. Diese Türkei gibt es nicht mehr.

    • Nefas
    • 04.07.2008 um 17:44 Uhr

    ...bestand immer darin den kriminellen Machenschaften ein Ende zu bereiten. Es ist kein Geheimnis, dass Erdogan schon ganz am Anfang seiner Machtübernahme die kriminellen Organisationen zu zerschmettern. In der Türkei herrscht immer noch "der Pasa und der Aga", die einen sehr hohen Einfluss in der türksichen Politik haben. Grad wegen dieser Vereinigungen kann sich der Staat nicht weiterentwickeln, da jeder an die eigene Tasche denkt und nicht dessen was für Interessen der Staat hat. 

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    ist das herr erdogan alles gibt , um in eine eu zu kommen die sich jetzt schon mit den eu vertrag abgeschossen hat.
    die eu ist geschichte das alte europa istv wirtschaftlich absolut abhängig von rohstoffen die sie nicht haben.
    deswegen ist es sinnlos sich an eine hochnäsige fundamentalistisch christliche eu anzunähren.
    die einzigste annäherung sollte richtung china/russland/indien und den turkstaaten wie kasachestan /turkmenestan und azerbajan sein.
     

    ist das herr erdogan alles gibt , um in eine eu zu kommen die sich jetzt schon mit den eu vertrag abgeschossen hat.
    die eu ist geschichte das alte europa istv wirtschaftlich absolut abhängig von rohstoffen die sie nicht haben.
    deswegen ist es sinnlos sich an eine hochnäsige fundamentalistisch christliche eu anzunähren.
    die einzigste annäherung sollte richtung china/russland/indien und den turkstaaten wie kasachestan /turkmenestan und azerbajan sein.
     

  2. Destabilisiert durch die EU<?xml:namespace prefix =" o" ns =" "urn:schemas-microsoft-com:office:office"" />
     
    Die EU wollte die Türkei nicht aufnehmen, konnte aber nicht nein sagen, ohne die eigene Propaganda als verlogen offen zu legen. Also haben sie den Islamisten Mut gemacht, Ihre Tagesordnung umzusetzen, wohl wissend, dass der Staatsapparat kein Risiko mit einem Iran II eingehen würde, damit sie am Ende konstatieren können, der Putsch habe die Türkei als Kandidat für die EU ausgeschaltet.
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr habt Erfolg gehabt. Ab jetzt gibt es entweder einen autoritären Staat des Staatsapparates oder das Reich des Angstes der AKP, die ohne jeden Skrupel ihre Gegner einlocht.

  3. ...wohl die Tatsache, dass dieser innere Konflikt den EU-Beitritt der Türkei in weite Ferne gerückt haben dürfte. Also, nur weiter so.  

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    ich als türke möchte gar nichts mit der EU zu tun haben ,die EU wird es in 10-15 jahren nicht mehr geben.
    Ausserdem warum soll ich reichtümer meines landes mit der EU teilen??
    Die türkei braucht die EU nicht...wenn erdogan mit den gesindel hier abgerechnet hat wird es uns wirtschaftlich besser gehen.
    noch etwas...praesident der handelskammer ankara sagte bei seiner verhaftung er werde verhaftet weil er die türkei und atatürk liebe.
    Kurz davor wurde in seinem büro 3 millionen euro  gefunden über deren herkunft er keine auskunft geben konnte.jemand der atatürk und die türkei liebt haeuft keine euro scheine in seinem büro.

    ich als türke möchte gar nichts mit der EU zu tun haben ,die EU wird es in 10-15 jahren nicht mehr geben.
    Ausserdem warum soll ich reichtümer meines landes mit der EU teilen??
    Die türkei braucht die EU nicht...wenn erdogan mit den gesindel hier abgerechnet hat wird es uns wirtschaftlich besser gehen.
    noch etwas...praesident der handelskammer ankara sagte bei seiner verhaftung er werde verhaftet weil er die türkei und atatürk liebe.
    Kurz davor wurde in seinem büro 3 millionen euro  gefunden über deren herkunft er keine auskunft geben konnte.jemand der atatürk und die türkei liebt haeuft keine euro scheine in seinem büro.

    • PeKara
    • 04.07.2008 um 19:00 Uhr

    Zunächst muss das Volk der Türken eine moderne Ausbildung bekommen, dann lernen,  Demokratie zu buchstabieren,  dann die Verfassung liberalisieren, dann die Korruption dähmen, dann die Soziale Gerechtigkeit garantieren, dann religiöses Liberalismus akzeptieren, dann...Wie soll so ein Land in die EU aufgenommen werden? Sie befinden sich doch noch im Mittelalter...

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    analyse mann sind sie gut drauf.    :-))

    Das einzige, was an der Türkei europäisch ist, ist ein von den Türken vor einigen Jahrhunderte besetzter kleiner Landzipfel, der geographisch zum europäischen Festland gehört - auch Byzanz genannt.

    sie waren nie aus ihrem dorf  gell....die stammtisch-parolen ziehen hier nicht.[Anmerkung: Bitte diskutieren Sie sachlich und vermeiden Sie Provokationen./ Die Redaktion; ew]

    was bedeutet "dähmen" ? 

    analyse mann sind sie gut drauf.    :-))

    Das einzige, was an der Türkei europäisch ist, ist ein von den Türken vor einigen Jahrhunderte besetzter kleiner Landzipfel, der geographisch zum europäischen Festland gehört - auch Byzanz genannt.

    sie waren nie aus ihrem dorf  gell....die stammtisch-parolen ziehen hier nicht.[Anmerkung: Bitte diskutieren Sie sachlich und vermeiden Sie Provokationen./ Die Redaktion; ew]

    was bedeutet "dähmen" ? 

  4. Schon mal was von einer Lobbyisten-Demokratur gehört?Die ganze amtliche Fälschung der Arbeitslosenstatistik stinkt zum Himmel.

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