Zuwanderung
Tür auf für Akademiker
Die Bundesregierung will mehr studierte Fachkräfte nach Deutschland holen. Weniger qualifizierte Neu-EU-Bürger sollen dagegen weiter draußen bleiben

© freelanza/photocase.de
Akademiker sind in Deutschland willkommen, nicht aber gering qualifizierte Arbeitskräfte aus Osteuropa
Lange Zeit wurden Ausländer, die in Deutschland leben wollten, weil sie sich hier einen besseren Verdienst und einen höheren Lebensstandard versprachen, als Wirtschaftsflüchtlinge gebrandmarkt. Ihr Motiv galt als anrüchig. Seit dem Ende des Anwerbestopps 1976 erlaubte Deutschland höchstens noch eine Zuwanderung aus humanitären Gründen.
In gewisser Weise soll sich das nun ändern. Denn mit dem "Aktionsprogramm Arbeitsmigration", das das Kabinett am Mittwoch beschloss, wirbt die Bundesregierung vor allem um solche Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen wollen und sollen. Allerdings: Die neue Offenheit hat ihre Grenzen. Erwünscht sind nämlich nur Akademiker.
Seit Langem klagt die deutsche Wirtschaft über einen bevorstehenden bzw. bereits spürbaren Fachkräftemangel. Die Rede ist von 400.000 Fachkräften, die bereits heute fehlten. Eine Lücke, die das Land 20 Milliarden Euro im Jahr koste.
Diesem Alarmismus wollte sich Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) allerdings nicht anschließen, als er gemeinsam mit Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) die neue Regelung vorstellte. Es gebe keine zuverlässigen Zahlen darüber, wie viele hoch qualifizierte Arbeitskräfte tatsächlich fehlten, sagte Scholz. Das neue Monitoring-Verfahren, das ebenfalls Teil des Aktionsplanes ist, werde diese Wissenslücke schließen.
In der Tat gebe es aber heute schon einen internationalen Wettbewerb um besonders gut ausgebildete Arbeitnehmer, betonte Scholz. In diesem müsse Deutschland mithalten können, sonst könne dies langfristig das Wirtschaftswachstum mindern.
Um Akademiker und Hochqualifizierte anzulocken, hat die Bundesregierung nun beschlossen, dass alle Akademiker aus den neuen EU-Ländern sich künftig in Deutschland ohne Beschränkung eine Arbeit suchen können. Bisher musste stets geprüft werden, ob es für die Stelle nicht auch einen deutschen Bewerber gibt. Diese Prüfung entfällt nun.
Besonders Hochqualifizierte aus allen Staaten erhielten dagegen schon bisher in Deutschland eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis, wenn sie mindestens 86.400 Euro verdienten. Diese Grenze wird nun auf 63.000 Euro gesenkt, um einen größeren Personenkreis zu erreichen.
- Datum 13.5.2009 - 09:04 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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