ZEIT ONLINE: Ist die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs eine Wende für die Menschenrechte?

Lotte LEICHT: Ja. Was heute in Den Haag passiert ist, ist von großer Bedeutung. Der Antrag von Chefankläger Luis Moreno-Ocampo gegen Sudans Präsident al-Baschir zeigt, dass niemand über dem Gesetz steht.

ZEIT ONLINE: Was sind die Gründe, weshalb der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) einen Haftbefehl gegen Baschir beantragt hat?

Lotte LEICHT: Der Chefankläger hat einen Haftbefehl in zehn Fällen wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beantragt. Es geht um Mord, Vertreibung und Vergewaltigung gegen die Bevölkerung in Darfur, aus Gründen der Stammeszugehörigkeit. Diese Taten wurden vom sudanesischen Staatsapparat organisiert, mit dem Ziel, die Menschen in Darfur zum Teil oder vollständig umzubringen oder zu vertreiben.

ZEIT ONLINE: Wie geht das Verfahren nun weiter?

Lotte LEICHT: Der Haftbefehl wird von einer Vorkammer mit drei unabhängigen Richtern geprüft. Diese Phase wird mehrere Wochen dauern. Die Richter werden danach beschließen, ob die Dokumente vom Chefankläger Ocampo reichen, um einen internationalen Haftbefehl auszustellen.