Demenz Müllstopp fürs Gehirn

Alzheimer ist unheilbar. Doch ein neues Medikament kann dem Zerfall des Verstandes möglicherweise bald Einhalt gebieten

Ein bisschen ist es mit der Alzheimerkrankheit wie mit Italien: Wenn der Müll sich zu immer größeren Bergen türmt und niemand mehr weiß, wohin damit, gerät das Leben aus den Fugen. Die Straßen verstopfen, der Transport erlahmt, das Alltägliche erwächst zur Hürde. Und je mehr Unrat dazukommt, desto schlimmer wird es. In der Stadt tötet der Abfall das zivilisierte Miteinander. Im Gehirn von Alzheimerkranken erstickt er das Menschsein an sich.

Allein in Deutschland leben derzeit etwa 800 000 Menschen mit der Alzheimer'schen Krankheit, in deren Verlauf zwei Sorten unlöslicher Eiweißklumpen das Gehirn zumüllen und sukzessive vernichten. Ein Niedergang, der bislang unaufhaltsam erschien, denn sämtliche derzeit verfügbaren Medikamente rühren nicht an der Ursache, dem Eiweißmüll, selbst. Sie halten lediglich die intakten Areale des Gehirns ein bisschen auf Trab und verschaffen bestenfalls kurzzeitige Erleichterung.

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Den Kranken helfen aber könnte nur ein Wirkstoff, der die Mülllawine im Gehirn stoppt. Und genau so eine Substanz haben australische Wissenschaftler vom Mental Health Research Institute in Victoria nun offenbar gefunden.

Wie Ashley Bush und sein Team in der aktuellen Ausgabe von Neuron berichten, kann das neue Medikament mit dem unspektakulären Namen PBT2 die Alzheimer'sche Krankheit binnen kürzester Zeit zum Erliegen bringen. Die Substanz greift in den Kupferhaushalt des Gehirns ein und entzieht den Eiweißklumpen damit offenbar eine wichtige Existenzgrundlage. Gezeigt haben die Forscher das an genetisch veränderten Mäusen, in deren Hirn dieselben pappigen Eiweißablagerungen wie beim Menschen entstehen und die unbehandelt innerhalb eines Jahres das Vollbild Alzheimer entwickeln, samt entsprechender Verfallserscheinungen.

Als die Forscher den kranken Tieren PBT2 zu fressen gaben, nahm die Masse des tödlichen Abfalls im Nagerhirn schon nach wenigen Tagen um bis zu 80 Prozent ab. Je früher das Medikament zum Einsatz kam, desto durchschlagender war der Erfolg. Auch in den Verhaltenstest zeigten insbesondere die jüngeren der behandelten Mäuse deutliche Leistungssteigerungen - beim sogenannten Morris Water Maze werden die Tiere zum Beispiel in ein Wasserbecken gesetzt und müssen sich auf eine dicht unter der Wasseroberfläche verborgene Plattform retten, um nicht zu ertrinken. Kranke Mäuse sind dazu auch nach mehrmaligen Lernversuchen nicht in der Lage. Junge, mit PBT2 behandelte Tiere dagegen erlernten das rettende Verhalten wieder erstaunlich rasch.

Augenscheinlich kann der Verfallsprozess in einem sehr frühen Stadium der Krankheit von dem neuen Medikament nicht nur aufgehalten, sondern sogar umgekehrt werden. Das eigentlich Bestechende an PBT2 aber ist, dass die Forscher die Substanz bereits in klinischen Versuchen an Menschen getestet haben. Es handelt sich um eine Phase-2-Studie, also um Tests, die zunächst die Unbedenklichkeit eines Wirkstoffs an einer größeren Gruppe von Patienten bestätigen sollen. Die Daten werden demnächst in einem anerkannten Journal publiziert, in Neuron lassen die Autoren jedoch schon durchblicken, dass PBT2 in den Patienten ganz ähnliche Effekte wie in den Mäusen erreichte.

Und selbst wenn die neue Substanz im Menschen keine Umkehr der Krankheit, sondern lediglich das Wachstum der Eiweißablagerungen im Hirn verhindert: "Das wäre schon ein dramatischer Fortschritt", sagt der Alzheimerforscher Christian Haass von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. "Es wäre eine Möglichkeit, im akuten Fall zu behandeln und die Patienten zu stabilisieren." Das sei auch deshalb so vielversprechend, weil Alzheimererkrankungen mittlerweile schon recht früh erkannt würden.

"Ich glaube allerdings nicht, dass sich das PBT2 für eine Prophylaxe eignen würde", sagt Haass, da werde es mit Sicherheit Nebenwirkungen geben. Selbst wenn die neue Substanz also in einigen Jahren vielleicht die Klinik erreicht: Eine Alzheimererkrankung verhindern könnte sie nicht. Hoffnung aber macht sie allemal.

 
Leser-Kommentare
  1. 080710do2047Aber Hallo, liebe Mit-Leut,es fing damit an, wahrscheinlich schon früher, daß meine Frau mich fragte: "Was ist denn das für ein Vogel draußen auf dem Rasen?""Du kannst mir doch nicht erzählen, daß Du nicht weißt, was das für ein Vogel ist."gab ich nichts ahnend zur Antwort.Es häuften sich die Fälle, immer noch nichts ahnend, daß da "etwas nicht stimmt", die mich auf die Palme brachten.Dann, wir gingen zum Arzt. Der diagnostizierte eine "fronto-temporale Demenz".Ich bin ehrgeizig genug, das für mich als eine Herausforderung zu sehen.Und das ist eine Herausforderung, das kann ich Ihnen sagen.Und da ich so "programmiert" bin, die Dinge stets "postiv" zu wenden, also die Aufgabe lösen zu wollen, so kann ich der ganzen "Sache" inzwischen auch "positive" Seiten abgewinnen. Zumal ich mich immer mehr auf die für uns neue Situation einstelle, ohne...mich selber zu verlieren.Mit herzlichem Gruß und kühl-rauchendem KopfeIhr Mit-Leben und NachbarKlaus WagnerDat KlaKoWaErfahrungs-Genossinnen und Genossen - bitte melden!KlaKoWa@gmail.comwww.klausWagner-mg.de

  2. es fehlt der Hinweis, dass auch mit anderen Substanzen, sehr positive Erfahrungen vorliegen
    http://pdf.zeit.de/2008/35/M-Alzheimer.pdf

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