Continental-Übernahme Ein (fast) perfekter Coup

Die fränkische Schaeffler-Gruppe hat ein offizielles Angebot für den Autozulieferer Continental vorgelegt. Doch die geplante feindliche Übernahme ist juristisch umstritten – nun prüft die Aufsichtsbehörde Bafin den Fall

Greift nach dem Reifenhersteller Continental: Die fränkische Fabrikantin Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg.

Greift nach dem Reifenhersteller Continental: Die fränkische Fabrikantin Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg.

Werner Bischoff fühlt sich dieser Tage manchmal machtlos. Seit dem Wochenende weiß der Aufsichtsrat von Continental und Vorstand der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, dass der Wälzlagerhersteller Schaeffler einen Großeinstieg beim ungleich größeren Rivalen Continental plant.  Doch was das bedeutet, darüber durfte der Gewerkschafter lange rätseln: Droht nun eine Zerschlagung des Unternehmens? Was wird dann aus den Conti-Standorten? Wird die Reifensparte abgestoßen? Müssen Mitarbeiter gehen? „Es ist so wie oft bei Übernahmen. Es werden im Dunkeln die Anteile eingesammelt. Wir kriegen es erst mit, wenn es passiert ist", schimpft Bischoff.

Nun lichtet sich der Nebel, wenn auch nur ein wenig. Wie die fränkische Schaeffler-Gruppe am Dienstag mitteilte, strebt sie eine Beteilung von mehr als 30 Prozent bei Conti an, aber nicht "notwendigerweise" eine Mehrheit. Derzeit verfüge man über rund drei Prozent der Aktien, halte Optionen auf weitere fünf und habe sogenannte Cash-Swaps abgeschlossen, die zum Kauf von weiteren 28 Prozent berechtigen. Käme es zu dem Geschäft, hielte Schaeffler insgesamt 36 Prozent an dem Dax-Konzern. Zugleich versicherte Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger, es werde keine Zerschlagung von Conti und keinen Verlust von Arbeitsplätzen geben. Das Unternehmen solle auch künftig an der Börse notiert sein.

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Das soll beruhigend klingen. In Wahrheit aber ist die Strategie von Schaeffler weiterhin äußerst unklar. Zwar ließ das Unternehmen am Nachmittag via Wirtschaftswoche durchsickern, man strebe lediglich eine Minderheitsbeteiligung bei Continental an. Das aber halten die meisten Experten für ausgeschlossen. Georg Stürzer, Analyst bei der HypoVereinsbank, sagt: „Das macht strategisch keinen Sinn.“ Beide Unternehmen könnten im Fall einer Minderheitsbeteiligung kaum Synergien nutzen. Christian Müller von der Global Insight vermutet gar, die Nachricht habe nur dazu gedient, den "Aktienkurs von Conti wieder zu drücken". Dieser war zuletzt nach den Übernahme-Gerüchten deutlich gestiegen. Derzeit will Schaeffler 69,37 Euro pro Aktie bieten.

Offiziell ist nun, dass Schaeffler mit einem Trick versucht, die Macht bei Conti zu übernehmen. Still und heimlich haben der Chef der Unternehmensgruppe, Jürgen Geißinger, und die Patronin und Haupteignerin Maria-Elisabeth Schaeffler den Einstieg bei Conti vorbereitet. Wie mehrere Medien berichteten, hat sich das Familienunternehmen über mehrere Banken – darunter die Royal Bank of Scotland und die Deutsche Bank - die Anteile gesichert. Erst am vergangenen Freitag habe Schaeffler dann das Gespräch mit der Contintental-Spitze gesucht. Durch die „Hintertür“ hätten sich die Franken eingeschlichen, zitiert das Handelsblatt einen Insider.

Ob es sich hierbei wirklich um eine Übernahme „nach allen Regeln der Kunst“ handelt, wie an diesem Dienstag einige Blätter schreiben, ist jedoch noch nicht ausgemacht. Denn nach Ansicht von Juristen könnte Schaeffler mit seiner Strategie die Grenzen des Rechts übertreten haben. Das Wertpapierhandelsgesetz schreibt vor, dass Aktionäre mitteilen müssen, wenn ihr Anteil an einem Unternehmen die Schwellen von drei, fünf, zehn oder 25 Prozent des Aktienkapitals überschreitet. Zudem muss ein Aktionär ein Übernahmeangebot abgeben, sobald er mehr als 30 Prozent der Anteile hält. So will es das Wertpapierübernahmegesetz.

Leser-Kommentare
    • gquell
    • 15.07.2008 um 19:49 Uhr

    Bei Schaeffler handelt es sich um richtige Unternehmer, der Conti-Chef ist nur ein Angestellter - kein Unternehmer !Ich finde es absolut in Ordnung, wenn Familienunternehmen DAX-Konzerne aufmischen. Und dieses Gejammere nach BaFin ist eigentlich nur lächerlich.Außerdem ist es mir wirklich lieber, Conti bleibt in deutschen Händen als daß irgendein amerikanischer Firmenplünderer Conti ausschlachtet.

  1. 2. jo

    bei conti kann man bestimmt mal gut durchlüften, hihi.
    zitate aus wikip"ä"dia:
    >Maria-Elisabeth Schaeffler (geb. Kurssa) (* 17. August 1941 in Prag) ist eine deutsche Unternehmerin und Gesellschafterin des Weltkonzerns Schaeffler KG.
    Biografie [Bearbeiten]
    Aufgewachsen in Wien, begann sie nach der Matura 1960 ein Medizinstudium an der Medizinischen Universität Wien, das sie im 6. Semester abbrach. Danach begann sie für kurze Zeit ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Nürnberg-Erlangen. 1963 heiratete sie den 24 Jahre älteren Georg Schaeffler, der zusammen mit seinem Bruder Wilhelm 1946 das Herzogenauracher Unternehmen gegründet hatte.
    Zusammen mit ihrem Sohn Georg F. W. Schaeffler, der sich jedoch aus dem Tagesgeschäft fernhält und als Wirtschaftsanwalt in Dallas/USA tätig ist, ist Schaeffler seit dem Tod ihres Mannes im August 1996 Gesellschafterin der Schaeffler KG, mit mehr als 66.000 Mitarbeitern weltweit und einem Umsatz von etwa neun Milliarden Euro eines der 50 größten Unternehmen Deutschlands.
    In der Liste der reichsten Deutschen 2007 des Manager-Magazin steht sie an Stelle 7. Das Netto-Privatvermögen von Maria-Elisabeth und Georg F. W. Schaeffler wird dort auf zusammen etwa 5,5 Milliarden taxiert.
    Sie ist seit 2007 Mitglied des Hochschulrats der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
    Schaeffler wurden 2001 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland, 2003 der Bayerische Verdienstorden und 2007 das Verdienstkreuz I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Sie ist Trägerin zahlreicher weiterer Auszeichnungen, darunter der Ehrenbürgerwürde der Städte Höchstadt an der Aisch (2002) und Herzogenaurach (2006), der koreanischen Provinz Jeollabuk (2005) und der chinesischen Stadt Taicang (2007). <
    womit bewiesen wäre, wenn man blond genug ist und de bubben gut taxieren kann, brauch ma ned fertig studiere :)
    > Konzerngeschichte [Bearbeiten]
    Georg Schaeffler entwickelte 1949 den Nadelkäfig für Nadellager, deren Durchbruch in der industriellen Anwendung die Erfolgsgeschichte des Unternehmens begründete. Heute werden bei der Schaeffler KG Wälzlager, Linearprodukte und Direktantriebe hergestellt. Seit Anfang der 1970er Jahre stellt Schaeffler auch Teile für Motoren her (u. a. Ventilspiel-Ausgleichselemente, Kettentriebe und Riementriebe,
    ( hrhr, voll die triebe...)
    Schlepphebel, Kipphebel und Nockenwellenversteller).
    Zur Kerntechnologie des Unternehmens zählt das Kaltumformen (Tiefziehen).
    Der Konzern ist in der Öffentlichkeit trotz seiner Größe relativ unbekannt. Einer der Gründe dafür ist, dass die Schaeffler KG als Familienunternehmen mit persönlich haftenden Gesellschaftern weniger strengen Publizitätspflichten unterliegt. Medieninteresse zog der Konzern 2001 auf sich, als man den Schweinfurter Konkurrenten FAG Kugelfischer durch eine sog. feindliche Übernahme aufkaufte und das Unternehmen von der Börse nahm.<
    oah, wie gemein....

    • LJA
    • 16.07.2008 um 9:48 Uhr

    Es ist durchaus befremdlich, wie lustig offenbar einige Teilnehmer das Spiel mit tausenden von Arbeitsplätzen finden.
    Dabei wird Continental sicherlich nicht in 'Deutscher Hand' bleiben. Schäffler wird den Konzern bis zur letzten Patentschrift ausschlachten. Die gewagte Finanzkonstruktion der Transaktion lässt gar keine andere Möglichkeit zu. Damit wird auch wichtiges Know How heimischer Automobilhersteller zum Discountpreis ins Ausland verschachert.

  2. Conti-Chef Wennemer stemmt sich noch gegen die Übernahme von Conti durch die fränkische Schaefflergruppe, die  bei Continental eine Kontrollmehrheit von 30 % anpeilt. Durch Aufkäufe und Optionsgeschäfte haben sich die Schaefflers in dieSituation gebracht, sogar 36 % der Stimmrechte zu sichern.Das Familienunternehmen will sich die Conti-Übernahme elf Milliarden kosten lassen.Wennemer kann sich höchstens eine Beteiligung von 20 % vorstellen. Der Konzernchef wird jedoch kurzfristig einsehen müssen, dass ein "weißer Ritter" eine Fata Morgana sein wird. Er wird den Schaeffler-Coup grollend akzeptieren müssen. Conti-Aufsichtsratschef H. von Grünberg hingegen findet die Übernahme durchaus überlegenswert und plädiert für Verhandlungen mit den Schaefflers. Mal abwarten, welche Direktiven vom Conti-Aufsichtsrat in Kürze ausgehen.Interessant ist z.B.auch die Meinung von VW-Chef Winterkorn, der Sympathie für die Lösung äußerte.
    Die Mitteilung des Familienunternehmens, dass nach Übernahme Conti nicht "aufgespaltet" werde, sondern eigenständig und börsenorientiert bleibe, sollte Conti fürs Erste doch beruhigen. Das letzte Schaeffler-Angebot an Conti, 70,12 € je Aktie zu zahlen, entspricht angeblich dem Börsenwert.
    Fazit: Die Schaefflergruppe wird im Conti-Übernahmefall von künftigen Entwicklungen in der Automobilbranche ihren Profit erzielen.
    Bei alledem kann von einem "Schlag gegen die Firmenkultur" keine Rede sein.  
    .

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