Carla Bruni hat ein neues Album aufgenommen, seit Freitag ist es zu kaufen. Die Veröffentlichung von Comme Si De Rien N'Etait scheint in Deutschland als ebenso großes Ereignis wahrgenommen zu werden wie in Frankreich. Die Feuilletons überschlagen sich seit Mittwochmittag, denn seitdem ist das Album auf Madames Internetseite hörbar. Die meisten Berichterstatter sind allerdings von der Musik wenig begeistert. "Die Lieder unterscheiden (sich) so wenig voneinander wie von jedem der zwei ersten Carla-Bruni-Alben", mäkelt Michael Pilz in der Welt. Reinhard Krause urteilt in der taz: "Wer das Chanson als bürgerliche Auslotung diffuser Gefühlslagen schätzt, dem wird die Wertarbeit dieses Albums gefallen. Außerhalb der Francophonie jedoch dürften viele maulen: Da hatten wir uns mehr erhofft." Alex Rühle schreibt in der Süddeutschen Zeitung: "Comme Si De Rien N'Etait ist musikalisch nicht sehr interessant. Bruni singt mit dieser ihr eigenen sommerseidigen Stimme, einer Art akustischem Negligee, durchsichtig, gehaucht, verweht, eine Stimme, die oftmals von der eigenen Sensibilität erschöpft zu sein scheint."

Nils Minkmar beschäftigt sich in der FAZ mit der CD – er lässt sich von den glamourösen Umständen nicht blenden und spart sich Ausführungen zum Thema Sarkozy. "Ihre Stimme hat Mühe, in die Höhe zu kommen, richtig klar und gesund klingt sie nicht", befindet er. Die Texte seien zumeist recht originell, "die Musik enttäuscht hingegen; zu viele Lieder klingen wie Melodievorlagen einer Songwritersoftware". Einfallslos, kitschig und flach klinge das Album, und dennoch: "Wenn sie erstmal in Freiheit sind, diese Lieder, werden sie sich ausbreiten wie akustisches Kuzu, der ganze Sommer wird nach Carla klingen, soviel ist jetzt schon klar."

Allein die Spiegel-online-Autorin Jenny Hoch kniet sich neben Monsieur Sarkozy auf den Mamorboden zu Brunis Füßen. Sie, Bruni, hielte die Öffentlichkeit in Atem wie kaum eine andere Frau. Wen interessiere schon Ingrid Betancourt angesichts neuer Aufnahmen des "Sexsymbols mit Tiefgang"? Die Rezensentin jedenfalls nicht. Sie schreibt sich besinnungslos: "Der Titel des neuen Kronjuwels der französischen Regierung lautet provozierend unschuldig Comme si de rien n'était (›Als wenn nichts passiert wäre‹), auf dem Cover spaziert die grazile Carla entspannt durch eine idyllische Picknick-Landschaft. Zart bricht sich das Sonnenlicht in den Blättern der Laubbäume, dahinter ruht still ein See." Unschuldig, grazil, entspannt, idyllisch, zart, still – und das alles in zwei Sätzen. Das Problem des Albums sei, schreibt Frau Hoch, "dass sich wohl niemand für die Musik oder gar die künstlerische Leistung von Madame Bruni-Sarkozy interessiert." Was zu beweisen war: 7.000 Zeichen später weiß man über die Platte kaum mehr, als dass sie "ein genialer Coup" sei, "marktstrategisch genial austariert" – und "tatsächlich einige äußerst gelungene Musikstücke enthält". Tatsächlich?