Die US-Börsen haben ihre deutlichen Kursgewinne zur Eröffnung am Montag nicht halten können und damit auch das Plus am deutschen Aktienmarkt zum Schmelzen gebracht. Zunächst herrschte an den Aktienmärkten noch Erleichterung. In den USA waren die Aktienkurse deutlich im Plus gestartet, nachdem Notenbank und Regierung am Wochenende versprachen, den in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac mit einem millionenschweren Hilfspaket beizuspringen. Doch später rutschten die Indizes in die Verlustzone. Das brachte auch die deutschen Aktionäre um ihre Gelassenheit. Der Dax schloss nur noch 0,76 Prozent höher bei 6200 Zählern. Kurz zuvor war er noch bis auf ein Tageshoch bei 6254 Punkten gestiegen.

Zuletzt waren an den Märkten skeptische Stimmen zum jüngsten Maßnahmenpaket der US-Regierung in der Finanzkrise laut geworden. "Die erste Euphorie über die Rettungsaktion von Fannie Mae und Freddie Mac hat sich gelegt", sagte ein Händler. Das Rettungspaket der US-Regierung und der US-Notenbank komme fast einer Verstaatlichung der beiden Institute gleich, "das kann nicht gut sein", sagte ein anderer Börsianer. Zudem seien die Umsätze nach wie vor sehr niedrig, sodass schon einzelne Handelsaufträge den Markt bewegen könnten, ohne dass dahinter eine wirkliche Nachricht stecke.

In New York waren Fannie-Mae-Aktien kurz nach Handelsstart um 22 Prozent in die Höhe geschossen. Freddie-Mac-Papiere verteuerten sich um 15 Prozent. Auch andere Finanzwerte legten zu, so etwa die Aktien von Lehman Brothers, die fast fünf Prozent an Wert gewannen. Auch Lehman ist durch die Kreditkrise stark angeschlagen und sucht nach Wegen aus der Krise.

Regierung und Notenbank hatten den halbstaatlichen Konzernen Fannie Mae und Freddie Mac am Wochenende umfangreiche Hilfe angeboten. Die beiden Unternehmen stehen hinter mehr als der Hälfte aller US-Hypotheken. Ihr Zusammenbruch hätte für die gesamte Bankenbranche und die Märkte Experten zufolge unabsehbare Folgen. Nun sollen die Institute schnell auf dreifache Weise Hilfe bekommen: Die staatliche Kreditlinie für die Finanzierer soll "vorübergehend" deutlich erhöht werden, kündigte US-Finanzminister Henry Paulson am Sonntagabend (Ortszeit) in Washington an. Der Staat werde soweit erforderlich auch Aktien der zwei an der Börse massiv abgestürzten Gesellschaften kaufen. Die Notenbank gab überdies grünes Licht, beiden Instituten notfalls ihr Diskont-Kreditprogramm zu öffnen.

Paulson unterstrich in seiner Erklärung die Bedeutung von Fannie Mae und Freddie Mac für die Finanzwelt. Ihre Anleihen "werden von Finanzinstitutionen auf der ganzen Welt gehalten", sagte er. "Ihre Stärke zu gewährleisten, ist wichtig, um Vertrauen und Stabilität in unserem Finanzsystem und unseren Finanzmärkten aufrecht zu erhalten." Die Rettungsaktion verhinderte wohl die Pleite der beiden Hypothekenfinanzierer. Doch "das bedeutet nicht, dass wir keine Probleme mehr haben", sagte Arthur Hogan, Aktienexperte der Investmentbank Jefferies & Co. Als wichtiger Vertrauenstest am Markt galt die Versteigerung kurzfristiger Anleihen im Volumen von drei Milliarden Dollar, mit der Freddie Mac am Montag begann.

Unterdessen könnten in den Vereinigten Staaten weitere Banken insolvent werden. US-Medien zitieren Analysten, denen zufolge rund 150 der landesweit etwa 7500 Banken binnen der nächsten eineinhalb Jahre in Gefahr sein könnten. Die Bankenaufsicht hatte im Frühjahr laut New York Times 90 bedrohte Institute gezählt. Die jetzt zusammengebrochene Indymac habe dabei nicht auf der Liste gestanden.