Wie das nordrhein-westfälische Integrationsministerium und Sen selbst am Dienstag in Düsseldorf nach tagelangem Tauziehen mitteilten, werde sein Vertrag zum Jahresende gelöst. Bis dahin werde der Türkeiforscher freigestellt, um in Izmir beim Aufbau der dort geplanten deutsch-türkischen Universität zu helfen.

Nach der Einigung zeigte Sen sich zufrieden. Seine Verdienste seien gewürdigt worden, er bleibe Berater des Landes für die Integration. Die jetzt gefundene Lösung ermögliche einen Generationenwechsel im Zentrum für Türkeistudien, hieß es in der gemeinsamen Pressemitteilung. Der Aufbau einer gemeinsamen deutsch-türkischen Hochschule ist ein von ihm seit Jahren verfolgtes Projekt.  

Der Streit um den Wissenschaftler war entbrannt, nachdem dieser in einem Zeitungsbeitrag die Diskriminierung der Türken in Europa mit der der Juden zur Nazi-Zeit verglichen hatte. In der türkischen Zeitung Referans hatte Sen die Türken als "die neuen Juden Europas" bezeichnet. Sie würden, "wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß und unterschiedlichen Erscheinungsformen wie die Juden diskriminiert und ausgeschlossen".

Nach scharfer Kritik hatte Sen sofort um Entschuldigung gebeten und Rückendeckung sowohl von der Türkischen als auch von der Jüdischen Gemeinde in Deutschland bekommen. Dennoch sprach der Stiftungsvorstand Ende Juni eine fristlose Kündigung aus und hielt daran fest. Ohne Kompromiss hätte es einen langwierigen Arbeitsgerichtsprozess gegeben.

Das Zentrum für Türkeistudien ist eine Stiftung des Landes. Der 60 Jahre alte Betriebswirt Sen hatte es mitgegründet und seit 1985 geleitet. Wie vor Kurzem mitgeteilt wurde, sieht die nordrhein-westfälische Führung die Aufgaben des Hauses künftig eher in der rein wissenschaftlichen Begleitung als in aktuellen tagespolitischen Stellungnahmen.