Glücksforschung Deutsches Muffeln

Obwohl es ihnen im internationalen Vergleich eigentlich gut geht, sind viele Deutsche unzufrieden. Sie vermissen die frühere Sicherheit in ihrem Leben. Eine Kolumne

Gehetzt, gestresst, verunsichert: Die Deutschen streben nach Glück, aber finden es immer seltener

Gehetzt, gestresst, verunsichert: Die Deutschen streben nach Glück, aber finden es immer seltener

Zunächst die gute Nachricht: Die Welt wird immer glücklicher. Das glauben zumindest die Wissenschaftler um den Politologen Ronald Inglehart von der University of Michigan. Seit Jahren befragen sie weltweit Hunderttausende von Menschen für den „World Values Survey“ und erstellen ein internationales Ranking des Glücks. In ihrer aktuellen Umfrage nahm fast überall die Zufriedenheit deutlich zu. Den ersten Platz belegt dabei Dänemark, gefolgt von der Schweiz, Island, den Niederlanden und Kanada. Auch Norwegen und Schweden liegen weit vorn.

Und nun die schlechte Botschaft: Deutschland gehört zu den wenigen Ländern, in denen das Wohlbefinden deutlich abgenommen hat.

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Nun bedarf es nicht viel Fantasie, um mögliche Gründe dafür zu finden. Sind die Deutschen nicht einfach notorisch schlecht gelaunte Dauer-Pessimisten, Angsthasen und Langstreckenmuffel? Nicht zufällig gehört neben „Weltschmerz“ und „Blitzkrieg“ die „German Angst“ zum bekanntesten sprachlichen Exportgut.

Und das, obwohl es den Deutschen eigentlich blendend gehen müsste: Sie genießen eine sehr lange Friedensperiode und ein hohes Wohlstandsniveau - so gut wie heute ging es ihnen noch nie. Dennoch liegt Westdeutschland auf der Weltrangliste von 97 Staaten gerade mal auf Platz 35 – zwischen Malaysia und Vietnam. Ostdeutschland belegt die 49. Stelle. Tendenz: weiter fallend.

Für das Empfinden von Zufriedenheit spielt die ökonomische Sicherheit – wenig überraschend – eine entscheidende Rolle. Wer arm ist und hungert, braucht keinen Glücksforscher, um in Erfahrung zu bringen, was ihm fehlt. Die Bewohner reicher Länder sind insgesamt glücklicher. Auf der „Weltkarte des Glücks“, 2006 erstellt, bilden Kongo, Burundi und Simbabwe die Schlusslichter.

Schwieriger sind die Gründe für mangelndes und rückläufiges Glücksempfinden in Ländern zu beurteilen, die über ein hohes Maß an Wohlstand verfügen – wie eben Deutschland.

"Die Menschen sind in jenen Gesellschaften am glücklichsten, in denen sie am meisten Freiheiten für die eigene Lebensgestaltung haben", stellt Inglehart fest. Demgemäß macht der amerikanische Wissenschaftler Demokratie und einen hohen Grad an sozialer Toleranz in einer Gesellschaft als zufriedenheitssteigernde Faktoren aus.

Leser-Kommentare
  1. Je nun, wir haben uns doch abgekoppelt! 

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    • Anonym
    • 16.07.2008 um 8:18 Uhr

    der einzelne Mensch tagtäglich nicht mehr erkennen kann, hat ihre eigene Sicherheit in die Hände der Verwaltung gegeben. Ob sie dort besser aufgehoben, sei dahingestellt.Viele nehmen sich gerne ein Beispiel an den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort jeder das Recht auf das Tragen einer Waffe zur Selbstverteidigung. Ich möchte diese Zustände hier in keiner Weise durch die Hintertür eingeführt wissen, dann gilt so ungefähr das Faustrecht, wo dies hinführen kann, da sollten wir uns in der eigenen Geschichte ruhig umsehen dürfen, so lange noch ZEIT vorhanden ist. Wir haben dies nicht notwendig, wir lassen unsere Sicherheit verwalten. In diesem Falle benötigen wir keine Anlehnung an irgendwelche Ordnungen von Staaten, die gerade dies tagtäglich verletzen, ich meine eben diese Sicherheit.debrasseur

    • Anonym
    • 16.07.2008 um 8:18 Uhr

    der einzelne Mensch tagtäglich nicht mehr erkennen kann, hat ihre eigene Sicherheit in die Hände der Verwaltung gegeben. Ob sie dort besser aufgehoben, sei dahingestellt.Viele nehmen sich gerne ein Beispiel an den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort jeder das Recht auf das Tragen einer Waffe zur Selbstverteidigung. Ich möchte diese Zustände hier in keiner Weise durch die Hintertür eingeführt wissen, dann gilt so ungefähr das Faustrecht, wo dies hinführen kann, da sollten wir uns in der eigenen Geschichte ruhig umsehen dürfen, so lange noch ZEIT vorhanden ist. Wir haben dies nicht notwendig, wir lassen unsere Sicherheit verwalten. In diesem Falle benötigen wir keine Anlehnung an irgendwelche Ordnungen von Staaten, die gerade dies tagtäglich verletzen, ich meine eben diese Sicherheit.debrasseur

  2. Der ewig meckernde Deutsche...
    Meiner Meinung nach liegt es daran, daß "der Deutsche" über alle "drei Reiche" hinweg und wohl noch länger - ein recht obrigkeitshöriger und obrigkeitsabhängiger Mensch war - und immer noch ist.
    "Die da oben" machen eh was sie wollen - so bleibt "dem kleinen Mann" "hier unten" nur das meckern...
    Zum Glück bin ich im Geiste der Selbstverantwortlichkeit erzogen worden - und genoß zudem das Privileg, ein gutes Gymnasium besuchen zu dürfen, sodaß mir die Grundlagen der Quantenphysik bereits in den 80ern in der Oberschule vermittelt wurden:
    Die Welt ist eine Welt voller Möglichkeiten - Wahrscheinlichkeiten. Sicherheit gibt es nicht!
    Das Treben nach Sicherheit habe ich somit Zeit meines Lebens als illusionär und als emotionalen Ausdruck von Angst gesehen. Es ist nicht nur realitätsfern, sondern auch unbefriedigend, weil man nach etwas strebt, das nicht existiert.
    Wirkliche Sicherheit kann man nur in seinem subjektiven Inneren finden -  momentan allerdings leider noch ohne wissenschaftliche "objektive" Forschungserkenntnisse dazu...
    Und wenn man weiß, daß man es sich nur wieder einmal höchstselbst verbockt hat, sei es durch eigene Faulheit, durch eigene Dummheit oder durch was auch immer - dann bleibt nur noch man selbst übrig, über den man meckern könnte.
    Und über sich selbst zu meckern, das macht auf Dauer keinen Spaß...
    Also was soll das Gemeckere?
    Es ist nur Ausdruck einer unerfüllten Erwartungshaltung - typisch Deutsch!
    Ich (hier unten) will, daß "die da oben" mir etwas geben. Tun Die das nicht, geht das Gemeckere los...
    Wenn ein Staat seine Bürger zu abhängigen Kindern erzieht, dann muß er sich nicht wundern, wenn die Kindermenschen meckern, wenn Papa Staat wiedermal keine Süßigkeiten nach Hause bringt...

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    ... häufig allzu laut. Der ewige Bürger ist nur allzu schnell bereit, anderen "Anspruchsdenken" vorzuhalten. Manches erlebe ich exemplarisch bei einer ehemaligen Kommilitonin (die wirklich existiert und also von mir nicht nur "dialektisch" eingeführt wird). Sie kokettierte bis vor einiger Zeit recht gern mit deutlich linken politischen Positionen, bishin zur Sympathie für die *** (eine Organisation, die vor einigen Jahren ihre Selbstauflösung erklärte und deren Namen mir entfallen ist...). Neuerdings heißt es bei ihr (sinngemäß): "Es ist MEIN Geld" - ohne hier Vulgärmarxismus verbreiten zu wollen, aber es ist immer auch das Geld, das anderen fehlt. Und: seit einem Indien-Aufenthalt ist dieselbe Person zur CDU-Erkenntnis gekommen, dass "Armut relativ" sei, sich die hiesigen ALG-Empfänger und Obdachlosen also noch relativ gut dran seien und sich nicht nicht so haben sollten. Konsequent nach dieser Logik bräuchte man auch mit hungernden Indern wenig Mitgefühl zu haben, da es anderen (Schwarzafrika, etliche Teile Asiens) noch schlechter geht...ich will (vorläufig) nichts unterstellen, aber erkennt sich jemand wieder?

    ... häufig allzu laut. Der ewige Bürger ist nur allzu schnell bereit, anderen "Anspruchsdenken" vorzuhalten. Manches erlebe ich exemplarisch bei einer ehemaligen Kommilitonin (die wirklich existiert und also von mir nicht nur "dialektisch" eingeführt wird). Sie kokettierte bis vor einiger Zeit recht gern mit deutlich linken politischen Positionen, bishin zur Sympathie für die *** (eine Organisation, die vor einigen Jahren ihre Selbstauflösung erklärte und deren Namen mir entfallen ist...). Neuerdings heißt es bei ihr (sinngemäß): "Es ist MEIN Geld" - ohne hier Vulgärmarxismus verbreiten zu wollen, aber es ist immer auch das Geld, das anderen fehlt. Und: seit einem Indien-Aufenthalt ist dieselbe Person zur CDU-Erkenntnis gekommen, dass "Armut relativ" sei, sich die hiesigen ALG-Empfänger und Obdachlosen also noch relativ gut dran seien und sich nicht nicht so haben sollten. Konsequent nach dieser Logik bräuchte man auch mit hungernden Indern wenig Mitgefühl zu haben, da es anderen (Schwarzafrika, etliche Teile Asiens) noch schlechter geht...ich will (vorläufig) nichts unterstellen, aber erkennt sich jemand wieder?

  3. Ach, die ewigen Sicherheitsleugner. Es gibt die Dinge die sind zu 100 Prozent sicher und festgelegt in unserem Leben und auch Sartre hat nicht daran gezweifelt, dass dies der Fall ist. Im Gegenteil, er meinte es sei Bad Faith würde man das Gegenteil behaupten. Sicher ist beispielsweise, dass ich nie ein rosa Schweinchen sein werde, das mit weißen Flügelchen durch die Gegend fliegt.

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    Diese "sicheren" Dinge sind aber allesamt nicht "erlangbar", man kann sie weder machen, noch erreichen - sie passieren einfach - so oder so.
    Also gehört diese Art "Sicherheit" ebenfalls nicht in den Bereich dessen, worüber wir uns sorgen müßten!?

    Diese "sicheren" Dinge sind aber allesamt nicht "erlangbar", man kann sie weder machen, noch erreichen - sie passieren einfach - so oder so.
    Also gehört diese Art "Sicherheit" ebenfalls nicht in den Bereich dessen, worüber wir uns sorgen müßten!?

    • Anonym
    • 15.07.2008 um 17:48 Uhr

    Zuvörderst eine kleine Worterklärung:Muffeln,verb. regul. neutr.
    welches nur im gemeinen Leben üblich ist, und den Ton
    ausdrückt, welchen manche, besonders zahnlose Personen im
    Käuen durch die Nase von sich hören lassen; auf solche Art
    käuen, und in weiterer gewöhnlich scherzhafter und
    verächtlicher Bedeutung, käuen und essen überhaupt; im
    Nieders. mummeln, im Oberd. mampfen, mumpfen mümpfen, Engl. mumble, muffle, maffle, Holländ. mommelen, welche insgesammt Nachahmungen des damit verbundenen Schalles sind. Quelle: Oeconomische Encyclopädie J.G. Krünitz Das Glottonym „deutsch“ Das Wort „deutsch“ bildete sich aus dem germanischen Wort thioda („Volk“, Adjektiv thiodisk, diutschiu)
    heraus. Es bedeutet soviel wie „zum Volk gehörig“ und entwickelte sich
    zu einer Bezeichnung für die Sprache der germanischen Stämme
    Mitteleuropas, die im Gegensatz zur Sprache der angrenzenden romanischen Bevölkerung und zum Latein stand.Das Gebiet, in dem diese sprachlichen Varietäten, die ein zusammenhängendes Dialektkontinuum bildeten und als „deutsch“ bezeichnet wurden, gesprochen wurden, wurde zunächst im Plural als diutschiu lant und seit dem 15. Jahrhundert als Deutschland bezeichnet. Heute würde man dafür den Ausdruck „deutscher Sprachraum“ verwenden.Man findet das Wort „deutsch“ in seiner lateinischen Form
    „theodisce“ erstmals im Jahre 786 n.Chr. im Synodenbericht des
    päpstlichen Nuntius Gregor von Ostia. Dieser Bericht über zwei Synoden,
    die in England stattfanden, wurde sowohl auf Lateinisch als auch in der
    Sprache des Volkes (Volkssprache) verlesen. Unklar ist allerdings bis
    heute, ob damals damit tatsächlich die „Sprache des Volkes“ in
    Deutschland (im deutschen Sprachraum) gemeint war. Ein wenig deutlicher
    wird die Verbindung zum „Land der Deutschen“ erst zwei Jahre später bei
    einer Anklage gegen den baierischen Herzog Tassilo auf dem Reichstag zu
    Ingelheim
    wegen Fahnenflucht: „… quod theodisca lingua harisliz dicitur …“; ein
    eindeutiger Beleg fehlt aber dafür, dass zu diesem Zeitpunkt bereits
    eine Wandlung von „Sprache des Volkes“ hin zu „deutsche Sprache“
    vollzogen war. Die „theodisca lingua“ war hingegen seit Karl dem Großen die amtliche Bezeichnung für die altfränkische Volkssprache.Das lateinische theodiscus (zum Volk gehörig) ist ein Wort der Gelehrtensprache; ihm liegt das westfränkische theudisk zugrunde, aber es wird auch mit gotisch „thiuda“, althochdeutsch „diot“ (Volk), Isländisch „þjóð“ (Volk) in Verbindung gebracht.Die ältere Bezeichnung „fränkisch“ für die eigene Sprache traf etwa
    seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr eindeutig zu, nachdem einerseits die
    westfränkische Oberschicht im späteren Frankreich den romanischen Dialekt der einheimischen Bevölkerung übernommen hatte und andererseits das Ostfrankenreich auch nicht-fränkische Stämme wie die Alemannen, die Baiern, die Thüringer und die Sachsen umfasste.Die althochdeutsche Form „diutisc“ begann seit dieser Zeit das
    mittellateinische „theodiscus“ zu verdrängen; es setzte sich jedoch nur
    zögernd durch. Erst um 1090 (im Annolied aus dem Kloster Siegburg) wird „diutisc“ auf Sprache, Volk und Land angewendet:„Diutschin sprechin, Diutschin liute in Diutischemi lande.“(„Deutsch sprechen, Deutsche Leute in Deutschem Lande.“)Das Althochdeutsche ist die älteste schriftlich überlieferte Sprachform der Völker, die sich als deutsch
    bezeichnen. Es war nicht einheitlich, sondern bestand aus vielen
    Mundarten. Erst um die Mitte des 12. Jahrhunderts entwickelte sich im
    mittelrheinischen Gebiet eine mittelhochdeutsche Dichter- und
    Literatursprache, die uns in der klassisch höfischen Ritterliteratur
    begegnet, in der auch keltisches Sagengut bearbeitet wurde. Begründet
    und getragen wurde diese Dichtung vor allem vom aufstrebenden Adel, der
    sich damit vom Volk abheben wollte.„In den Geschichtsquellen seit dem Ende des 8. Jahrhunderts
    taucht immer häufiger der Begriff der deutschen Sprache, der ‚lingua
    theodisca‘ auf. Die Sprachgemeinschaft der Deutschen hat den Volksnamen
    von der Sprache erhalten“ (aus: Hans K. Schulze, Vom Reich der Franken zum Land der Deutschen. Merowinger und Karolinger, 1998, S. 12)Die „lingua theodisca“ war die deutsche Sprache, die die Gemeinsamkeit der Menschen ausdrückte! Karl der Große hat diese Sprache als seine eigene und offizielle Sprache bezeichnet! „Das
    Bleibendste aber wohl, was Karl für die deutsche Sprache getan hat, ist
    die Durchsetzung eben dieses Namens ‚deutsch‘ und die Ermöglichung
    seiner Prägung. Karl brauchte einen Namen für die germanischen Sprachen
    seines Reiches, so wie es für die romanischen Sprachen die Bezeichnung
    lingua Romana (rustica) gab.“ (S. 305). „Karls Blick auf das
    Germanische im Sprachlichen ließ den neuen Terminus entstehen und er
    wurde zum Namen einer von Karl bestimmten neuen Sonderung des
    Germanischen …, eben des Deutschen“. (S. 306). (aus: Werner Betz: Karl der Grosse und die Lingua Theodisca, S. 300–306 im sog. Karlswerk, hrsg. von Wolfgang Braunfels: Karl der Grosse. Lebenswerk und Nachleben. Band II, Das Geistige Leben. Düsseldorf 1965.) Quelle:Wikipedia

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    Sehr schön!
    habe gerade die Quelle nicht zur Hand, jedoch schon mehrfach gehört, daß das Wort "Volk" im "Altdeutschen?" - Seit Wann? -  ursprünglich die Bedeutung "wilder, bewaffneter Haufen" habe! Können Sie das bestätigen?
    Dann wäre ein "Deutscher" - ein "zum Volke gehöriger" also ursprünglich ein "zu einem wilden, bewaffneten Haufen gehöriger" Mensch...
    Da haben wir's!
    So ein Haufen hat immer einen Anführer, der sagt, wo es lang geht!
    Und meckern konnte der wilde, bewaffnete Haufen sicher auch schon ganz ordentlich?! ;-)

    Sehr schön!
    habe gerade die Quelle nicht zur Hand, jedoch schon mehrfach gehört, daß das Wort "Volk" im "Altdeutschen?" - Seit Wann? -  ursprünglich die Bedeutung "wilder, bewaffneter Haufen" habe! Können Sie das bestätigen?
    Dann wäre ein "Deutscher" - ein "zum Volke gehöriger" also ursprünglich ein "zu einem wilden, bewaffneten Haufen gehöriger" Mensch...
    Da haben wir's!
    So ein Haufen hat immer einen Anführer, der sagt, wo es lang geht!
    Und meckern konnte der wilde, bewaffnete Haufen sicher auch schon ganz ordentlich?! ;-)

  4. Diese "sicheren" Dinge sind aber allesamt nicht "erlangbar", man kann sie weder machen, noch erreichen - sie passieren einfach - so oder so.
    Also gehört diese Art "Sicherheit" ebenfalls nicht in den Bereich dessen, worüber wir uns sorgen müßten!?

    Antwort auf "Ach, die ewigen"
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    Unsere Sterblichkeit ist ein so sicher wie das Amen in der Kirche. Wir können den Tod selber herbeiführen oder auf ihn warten.

    Unsere Sterblichkeit ist ein so sicher wie das Amen in der Kirche. Wir können den Tod selber herbeiführen oder auf ihn warten.

  5. Sehr schön!
    habe gerade die Quelle nicht zur Hand, jedoch schon mehrfach gehört, daß das Wort "Volk" im "Altdeutschen?" - Seit Wann? -  ursprünglich die Bedeutung "wilder, bewaffneter Haufen" habe! Können Sie das bestätigen?
    Dann wäre ein "Deutscher" - ein "zum Volke gehöriger" also ursprünglich ein "zu einem wilden, bewaffneten Haufen gehöriger" Mensch...
    Da haben wir's!
    So ein Haufen hat immer einen Anführer, der sagt, wo es lang geht!
    Und meckern konnte der wilde, bewaffnete Haufen sicher auch schon ganz ordentlich?! ;-)

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    • Anonym
    • 15.07.2008 um 19:16 Uhr

    hochwerter RudraChakrin. es war nicht meine absicht, einen schlammregen auf das wörtchen "deutsch"  herabzuschütten. jacob grimm bzw. seine nachfolger bemerken im nämlichen wörterbuch zu "deutsch" folgendes:  adj. und adv. germanus, teutonicus, ahd. diutisc, mhd. diutisch, tiusch, das in anlehnung an das gothische thiodisko heidnisch und synonyma wie gentilis, popularis, vulgaris und ethnikos belegt ist. ich vermute, dass die teils negative konnotation im zusammenhang mit römischen quellen dann später in den deutschen wortschaftz eingeflossen sind. üble nachrede in eigener sache, ist den deutschen durchaus nicht fremd. es verwundert mich also ganz und gar nicht die bezeichnung "wilder, bewaffneter haufen" für "deutsch".

    • Anonym
    • 15.07.2008 um 19:16 Uhr

    hochwerter RudraChakrin. es war nicht meine absicht, einen schlammregen auf das wörtchen "deutsch"  herabzuschütten. jacob grimm bzw. seine nachfolger bemerken im nämlichen wörterbuch zu "deutsch" folgendes:  adj. und adv. germanus, teutonicus, ahd. diutisc, mhd. diutisch, tiusch, das in anlehnung an das gothische thiodisko heidnisch und synonyma wie gentilis, popularis, vulgaris und ethnikos belegt ist. ich vermute, dass die teils negative konnotation im zusammenhang mit römischen quellen dann später in den deutschen wortschaftz eingeflossen sind. üble nachrede in eigener sache, ist den deutschen durchaus nicht fremd. es verwundert mich also ganz und gar nicht die bezeichnung "wilder, bewaffneter haufen" für "deutsch".

  6. Rudar Shakrin: es würde mich nicht wundern wenn sie aus einer bildungsnahen Famile stammten und abgesehen von einem Studium so gut wie keine Aspirationen hatten.Es ist nämlich nicht so einfach, wie sie das darstellen. Wir leben in in einer geschichteten Gesellschaft und Intelligenz, Wille und Ehregeiz  reichen eben oft nicht aus um dort anzukommen, wo man als "Unterschichtler" mit hohen Aspirationen hin möchte. Bildung ist eine der größten gesellschaftlichen Lügen überhaupt, denn der zukünftige Arbeitsplatz hängt tendenziell von den eigenen Eltern ab.Außerdem sind die da oben nicht nur Mandatsträger sondern auch viele andere aus bildungsnahen, anerkannten, ökonomisch abgesicherten  Elternhäusern.Nicht der Staat macht uns zu den hesseschen Kindermenschen, denn die Mehrzahl der Leute ist von sich aus nicht dafür geeicht oder nicht dazu geneigt sich mit hohgradig komplexer Politik auseinander zu setzten. Aber an dem Punkt schleißt sich der Kreis. Viele Politiker werden aus politisch interessierten und aktiven Familen rekrutiert und haben meist ein Studium absolviert. So weit kommt nämlich die Mehrzahl der Arbeiterkinder aus rein  finanziellen Gründen nicht. Und wenn doch, dann werden sie eher nicht zu Politikern.  

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    Bin bei meiner Mutter und bei meiner Oma aufgewachsen - Oma war Flüchtling vom Lande aus Bessarabien und Mutter als gelernte Textilverkäuferin später Angestellte im öffentlichen Dienst.
    Opa stammte aus einer deutschen Familie in Bessarabien mit einer Pension, in der oft die Dorflehrer wohnten - irgendwie hatte er wohl einen Sprach- und Bildungs"tick".
    Er gab meiner Oma damals mit auf den Weg, daß - egal was komme - sie dafür sorgen müsse, daß die Kinder auf jeden Fall eine gute Schule besuchen.
    So besuchte meine Mutter damals immerhin die Realschule - das war für Flüchtlings-Mädchen nach dem Krieg auch nicht unbedingt normal.
    Und - sozusagen als Krönung von Opa's "Bildungskampagne" war meiner Mutter natürlich schon vor meiner Geburt klar, daß nur die "beste Schule" gut genug ist - somit verdanke ich das Erbe mancher geistiger Güter meinem Großvater, der sich in den letzten Kriegstagen in Tschechien "für seine Kameraden"  hat erschießen lassen...
    Ob das "bildungsnah" ist oder nicht? Weiß nicht.
    Warum sollte ich keine hohen Aspirationen haben? Das wüßte ich aber... ;-)
    Warum sollte man sich übrigens mit "großer Politik" beschäftigen?
    Das ist nicht jedermanns Sache, stimmt - muß es auch gar nicht.
    Aber man sollte sich - salopp gesagt - zumindest "um seinen eigenen Arsch" kümmern können. Und dazu sehe ich jeden gesunden Menschen grundsätzlich in der Lage!?
    Jeder kann von Zeit zu Zeit auf Hilfe angewiesen sein - aber das sollte nicht der Normalzustand sein. Eigentlich sollte man als Erwachsener ohne Krücken laufen können?!
    Nur, wenn man einem Kind bis zu einem 17.Lebensjahr sagt "Du bist noch ein Kind, du darfst dies nicht und kannst das noch nicht..." - und am nächsten Tag wacht es auf, ist 18 und man sagt ihm: "So. Heute bist du erwachsen - viel Spaß! Sieh' zu... - Wie? Du kannst das nicht? Du kannst dies nicht? Warum? Du bist doch erwachsen?" - das kann nicht gut gehen.
    Das viele Leute da meckern, kann ich verstehen. Es nützt nur nichts. In Zukunft gilt knallhart, ob einem das lieb ist oder nicht: Wer sich nicht um sich selbst kümmern kann, dem bleibt nur das meckern...
    Zum Einfluß der Eltern habe ich vor kurzem einen kleinen Artikel verfaßt: Elternbegleitende Fördermaßnahmen - falls Sie das interessiert?
    und "Parallele Bildungswelten" - wenn Sie mir schon die Gelegenheit geben, auf meine Sicht der Bildung hinzuweisen...
    Ich sehe da keine "Lüge", eher ein Problem der Einmischung in die Privatsphäre. Bildung und Erziehung ist Elternsache, Privatsache in diesem Land. Ich finde, das ist auch gut so - nur muß man dann mit dem Recht auf Dummheit leben! Will man dieses Recht abschaffen? Das halte ich für unmöglich.

    Auch aus Ihrem Kommentar kommt wieder mal die Ansicht zum Vorschein, daß im Zweifel immer die anderen schuld sind. Intelligenz, Wille UND Ehrgeiz - wer diese drei Dinge (plus Gesundheit) besitzt, der hat in unserer Gesellschaft, dem allgemeinen Gejammer zum Trotz, alle Chancen. Auch, wenn er aus einem "Arbeiterhaushalt" stammt! Er kommt damit zwar statistisch nicht so weit, wie er (bei gleichen Eigenschaften) kommen könnte, wenn seine Eltern der oberen Mittelschicht angehören. Aber er wird die Unterschicht verlassen und es mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst in die obere Mittelschicht schaffen. Ein Aufstieg von "ganz unten" nach "ganz oben" braucht dagegen fast immer mindestens zwei Generationen, wie seit jeher in der Geschichte; aber er war und ist möglich, heute leichter denn je. Die Bedingungen für einen solchen Aufstieg haben sich in Wahrheit seit Anfang der 70er eher verbessert. Damals, mit Beginn der Bildungsexpansion, gab es eine Menge Bildungsaufsteiger - Exkanzler Schröder mag als Beispiel dienen. Was soll sich den seither geändert haben? Ihre eigenen Argumentation sollte Ihnen zu denken eben: oben, schreiben Sie, seien eben "viele andere aus bildungsnahen, anerkannten, ökonomisch abgesicherten  Elternhäusern" (die, so Ihre Botschaft, die Underdogs kleinhalten wollen). Aber merken Sie denn nicht, daß die Zahl der Aufsteiger unter den Etablierten heute viel größer ist als noch in den 70ern?  Die Zahl der Lehrer, der Chefs, der Abteilungsleiter, die selbst aus kleinen Verhältnissen stammen, ist als Frucht der 70er und 80er Jahre gegenüber damals geradezu explidiert! Die Abschottungsmentalität, der Standesdünkel sollte also eher abgenommen, die Durchlässigkeit der Gesellschaft zugenommen haben. Und genauso ist es auch. Es gibt keinen, wirklich keinen Anhaltspunkt dafür, daß es Arbeiterkindern heute objektiv schwerer gemacht wird als 1980! Wenn es dennoch immer weniger Aufsteiger gibt, dann muß man den Grund relativ offensichtlich anderso suchen. Nämlich in der demographischen Struktur.  Die "Arbeiterschaft" von heute unterscheidet sich fundamental von der früherer Jahrzehnte. Ehrgeizige Familien haben den Aufstieg geschafft. Heutige bildungsarme Eltern sind nicht bildungsarm, weil ihnen (wie in den 70ern) keine Gelegenheit geboten wurde. Sie sind bildungsarm, weil sie diese Gelegenheit nicht nutzen konnten. Die vielbeklagte Korrelation zwischen Herkunft und Bildungserfolg bzw. beruflichem Erfolg ist real, sagt aber nichts über die Ursachen. Der Hauptpunkt ist und bleibt, daß die Wahrscheinlichkeit, intelligent, willensstark und ehrgeizig zu sein, bei einem Abkömmling der heutigen Unterschicht um ein vielfaches geringer ist als bei einem der Mittelschicht.  Und das liegt nicht am Geld: die Wahrscheinlichkeit, daß das Kind einer Hartz-IV-Empfängerin mit Abitur seinerseits Abitur macht, ist immer noch dreimal so hoch wie die Wahrscheinlichkeit, daß das Kind einer sehr wohlhabenden Hauptschulabsolventin dasselbe schafft!  Jede, aber auch jede objektive Überlegung führt zu dem zwangsläufigen Schluß, daß  statistisch (nicht im Einzelfall!) die Fähigkeiten eines jungen Menschen vor allem vom Elternhaus abhängen. Kein Forscher bezweifelt heute mehr, daß mindestens 50% (einige vermuten 80%) der Intelligenz auf angeborene Faktoren zurückgeht. Zusätzlich aber aber ist die Umwelt, welche die anderen 20-50% bestimmt, ihrerseits vor allem vom Elternhaus geprägt : wieviel wird mit dem Kind geredet? Welche Menschen lernt es kennen, wie ist die Nachbarschaft? Welches Vorbild wird ihm vorgelebt.... stellt man sich all diese Einflüsse als Tortendiagramm vor, dann wird klar: der Einfluß staatlicher Bildungssysteme ist weit, weit geringer, als die meisten Leute wahrhaben wollen. Wir leben noch immer in einer der sozialsten und freiheitlichsten Gesellschaften der Welt. Das permanente Gejammer, wie ungerecht es doch  zugehe, droht zusehends die Fundamente dieser Gesellschaft auszuhöhlen.

    Zitat:"So weit kommt nämlich die Mehrzahl der Arbeiterkinder aus rein
     finanziellen Gründen nicht. Und wenn doch, dann werden sie eher nicht
    zu Politikern."
    Arbeiterkindern fehlen die sogenannten Soft skills, also das in das, was man früher 'erlesene Manieren' nannte. Es gibt ein sehr interessantes Werk des französischen Soziologen Pierre Bourdieu, der in seinem Buch 'Die kleinen Unterschiede" eine erweiterte Klassentheorie begründete. Um es kurz auszudrücken: über den Geschmack eines Menschen erkennt man seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse. Arbeiterkinder, so glaubt man heute immer noch in vielen Kreisen, könnten gar nicht sozial aufsteigen, weil ihnen die dazu nötigen Soft skills - die interessanter Weise heute mit den Methoden der standardisierten Betriebswirtschaft gemessen werden - fehlen.M.E. nach muss offen bleiben, ob es sich bei diesem Phänomen um eines für alternde Gesellschaften typisches handelt oder ob wir zur Zeit lediglich im Rahmen der Generalabrechnung mit den 68ern einen neokonservativen, vielleicht sogar neofeudalistischen Rollback erleben. Tatsache ist: der soziale Aufstieg wird in D im Rahmen der Angloamerikanisierung der Gesellschaft schwieriger und wird - bis auf sogenannte Vorzeigeproleten als Alibiaufsteiger - fast unmöglich. Auch der American Dream erweist sich bei genauerer Hinschau als unwahr, ja als Lüge, denn es war niemals die Regel, dass Fleiß, Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Ehrgeiz aus den Ghettos der amerikanischen Großstädte herausführten - und Louis Armstrong, der heute noch als Inbegriff des American Dreams gehört war und ist ein Einzelfall.

    Das Studium des Alltags spz. der Menschen hat mich 50 Jahre gelehrt, daß ein großer Teil der Menschen mit Studium im Alltag versagen. Dadurch, daß sie die Rückseite der Medallie nie kennengelernt haben, ist das Wesentliche, was zu diesem großen Thema zu sagen ist, gar nicht in ihrem Wesen zu finden.
    Zu dem Problem Bildungsarmut äußern sich viele, aber wenige die durch Kompetenz real und objektiv dazu in der Lage sind. Es ist nicht abfällig gemeint. In solchen Fällen aber klingt es mehr nach Polemik

    Bin bei meiner Mutter und bei meiner Oma aufgewachsen - Oma war Flüchtling vom Lande aus Bessarabien und Mutter als gelernte Textilverkäuferin später Angestellte im öffentlichen Dienst.
    Opa stammte aus einer deutschen Familie in Bessarabien mit einer Pension, in der oft die Dorflehrer wohnten - irgendwie hatte er wohl einen Sprach- und Bildungs"tick".
    Er gab meiner Oma damals mit auf den Weg, daß - egal was komme - sie dafür sorgen müsse, daß die Kinder auf jeden Fall eine gute Schule besuchen.
    So besuchte meine Mutter damals immerhin die Realschule - das war für Flüchtlings-Mädchen nach dem Krieg auch nicht unbedingt normal.
    Und - sozusagen als Krönung von Opa's "Bildungskampagne" war meiner Mutter natürlich schon vor meiner Geburt klar, daß nur die "beste Schule" gut genug ist - somit verdanke ich das Erbe mancher geistiger Güter meinem Großvater, der sich in den letzten Kriegstagen in Tschechien "für seine Kameraden"  hat erschießen lassen...
    Ob das "bildungsnah" ist oder nicht? Weiß nicht.
    Warum sollte ich keine hohen Aspirationen haben? Das wüßte ich aber... ;-)
    Warum sollte man sich übrigens mit "großer Politik" beschäftigen?
    Das ist nicht jedermanns Sache, stimmt - muß es auch gar nicht.
    Aber man sollte sich - salopp gesagt - zumindest "um seinen eigenen Arsch" kümmern können. Und dazu sehe ich jeden gesunden Menschen grundsätzlich in der Lage!?
    Jeder kann von Zeit zu Zeit auf Hilfe angewiesen sein - aber das sollte nicht der Normalzustand sein. Eigentlich sollte man als Erwachsener ohne Krücken laufen können?!
    Nur, wenn man einem Kind bis zu einem 17.Lebensjahr sagt "Du bist noch ein Kind, du darfst dies nicht und kannst das noch nicht..." - und am nächsten Tag wacht es auf, ist 18 und man sagt ihm: "So. Heute bist du erwachsen - viel Spaß! Sieh' zu... - Wie? Du kannst das nicht? Du kannst dies nicht? Warum? Du bist doch erwachsen?" - das kann nicht gut gehen.
    Das viele Leute da meckern, kann ich verstehen. Es nützt nur nichts. In Zukunft gilt knallhart, ob einem das lieb ist oder nicht: Wer sich nicht um sich selbst kümmern kann, dem bleibt nur das meckern...
    Zum Einfluß der Eltern habe ich vor kurzem einen kleinen Artikel verfaßt: Elternbegleitende Fördermaßnahmen - falls Sie das interessiert?
    und "Parallele Bildungswelten" - wenn Sie mir schon die Gelegenheit geben, auf meine Sicht der Bildung hinzuweisen...
    Ich sehe da keine "Lüge", eher ein Problem der Einmischung in die Privatsphäre. Bildung und Erziehung ist Elternsache, Privatsache in diesem Land. Ich finde, das ist auch gut so - nur muß man dann mit dem Recht auf Dummheit leben! Will man dieses Recht abschaffen? Das halte ich für unmöglich.

    Auch aus Ihrem Kommentar kommt wieder mal die Ansicht zum Vorschein, daß im Zweifel immer die anderen schuld sind. Intelligenz, Wille UND Ehrgeiz - wer diese drei Dinge (plus Gesundheit) besitzt, der hat in unserer Gesellschaft, dem allgemeinen Gejammer zum Trotz, alle Chancen. Auch, wenn er aus einem "Arbeiterhaushalt" stammt! Er kommt damit zwar statistisch nicht so weit, wie er (bei gleichen Eigenschaften) kommen könnte, wenn seine Eltern der oberen Mittelschicht angehören. Aber er wird die Unterschicht verlassen und es mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst in die obere Mittelschicht schaffen. Ein Aufstieg von "ganz unten" nach "ganz oben" braucht dagegen fast immer mindestens zwei Generationen, wie seit jeher in der Geschichte; aber er war und ist möglich, heute leichter denn je. Die Bedingungen für einen solchen Aufstieg haben sich in Wahrheit seit Anfang der 70er eher verbessert. Damals, mit Beginn der Bildungsexpansion, gab es eine Menge Bildungsaufsteiger - Exkanzler Schröder mag als Beispiel dienen. Was soll sich den seither geändert haben? Ihre eigenen Argumentation sollte Ihnen zu denken eben: oben, schreiben Sie, seien eben "viele andere aus bildungsnahen, anerkannten, ökonomisch abgesicherten  Elternhäusern" (die, so Ihre Botschaft, die Underdogs kleinhalten wollen). Aber merken Sie denn nicht, daß die Zahl der Aufsteiger unter den Etablierten heute viel größer ist als noch in den 70ern?  Die Zahl der Lehrer, der Chefs, der Abteilungsleiter, die selbst aus kleinen Verhältnissen stammen, ist als Frucht der 70er und 80er Jahre gegenüber damals geradezu explidiert! Die Abschottungsmentalität, der Standesdünkel sollte also eher abgenommen, die Durchlässigkeit der Gesellschaft zugenommen haben. Und genauso ist es auch. Es gibt keinen, wirklich keinen Anhaltspunkt dafür, daß es Arbeiterkindern heute objektiv schwerer gemacht wird als 1980! Wenn es dennoch immer weniger Aufsteiger gibt, dann muß man den Grund relativ offensichtlich anderso suchen. Nämlich in der demographischen Struktur.  Die "Arbeiterschaft" von heute unterscheidet sich fundamental von der früherer Jahrzehnte. Ehrgeizige Familien haben den Aufstieg geschafft. Heutige bildungsarme Eltern sind nicht bildungsarm, weil ihnen (wie in den 70ern) keine Gelegenheit geboten wurde. Sie sind bildungsarm, weil sie diese Gelegenheit nicht nutzen konnten. Die vielbeklagte Korrelation zwischen Herkunft und Bildungserfolg bzw. beruflichem Erfolg ist real, sagt aber nichts über die Ursachen. Der Hauptpunkt ist und bleibt, daß die Wahrscheinlichkeit, intelligent, willensstark und ehrgeizig zu sein, bei einem Abkömmling der heutigen Unterschicht um ein vielfaches geringer ist als bei einem der Mittelschicht.  Und das liegt nicht am Geld: die Wahrscheinlichkeit, daß das Kind einer Hartz-IV-Empfängerin mit Abitur seinerseits Abitur macht, ist immer noch dreimal so hoch wie die Wahrscheinlichkeit, daß das Kind einer sehr wohlhabenden Hauptschulabsolventin dasselbe schafft!  Jede, aber auch jede objektive Überlegung führt zu dem zwangsläufigen Schluß, daß  statistisch (nicht im Einzelfall!) die Fähigkeiten eines jungen Menschen vor allem vom Elternhaus abhängen. Kein Forscher bezweifelt heute mehr, daß mindestens 50% (einige vermuten 80%) der Intelligenz auf angeborene Faktoren zurückgeht. Zusätzlich aber aber ist die Umwelt, welche die anderen 20-50% bestimmt, ihrerseits vor allem vom Elternhaus geprägt : wieviel wird mit dem Kind geredet? Welche Menschen lernt es kennen, wie ist die Nachbarschaft? Welches Vorbild wird ihm vorgelebt.... stellt man sich all diese Einflüsse als Tortendiagramm vor, dann wird klar: der Einfluß staatlicher Bildungssysteme ist weit, weit geringer, als die meisten Leute wahrhaben wollen. Wir leben noch immer in einer der sozialsten und freiheitlichsten Gesellschaften der Welt. Das permanente Gejammer, wie ungerecht es doch  zugehe, droht zusehends die Fundamente dieser Gesellschaft auszuhöhlen.

    Zitat:"So weit kommt nämlich die Mehrzahl der Arbeiterkinder aus rein
     finanziellen Gründen nicht. Und wenn doch, dann werden sie eher nicht
    zu Politikern."
    Arbeiterkindern fehlen die sogenannten Soft skills, also das in das, was man früher 'erlesene Manieren' nannte. Es gibt ein sehr interessantes Werk des französischen Soziologen Pierre Bourdieu, der in seinem Buch 'Die kleinen Unterschiede" eine erweiterte Klassentheorie begründete. Um es kurz auszudrücken: über den Geschmack eines Menschen erkennt man seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse. Arbeiterkinder, so glaubt man heute immer noch in vielen Kreisen, könnten gar nicht sozial aufsteigen, weil ihnen die dazu nötigen Soft skills - die interessanter Weise heute mit den Methoden der standardisierten Betriebswirtschaft gemessen werden - fehlen.M.E. nach muss offen bleiben, ob es sich bei diesem Phänomen um eines für alternde Gesellschaften typisches handelt oder ob wir zur Zeit lediglich im Rahmen der Generalabrechnung mit den 68ern einen neokonservativen, vielleicht sogar neofeudalistischen Rollback erleben. Tatsache ist: der soziale Aufstieg wird in D im Rahmen der Angloamerikanisierung der Gesellschaft schwieriger und wird - bis auf sogenannte Vorzeigeproleten als Alibiaufsteiger - fast unmöglich. Auch der American Dream erweist sich bei genauerer Hinschau als unwahr, ja als Lüge, denn es war niemals die Regel, dass Fleiß, Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Ehrgeiz aus den Ghettos der amerikanischen Großstädte herausführten - und Louis Armstrong, der heute noch als Inbegriff des American Dreams gehört war und ist ein Einzelfall.

    Das Studium des Alltags spz. der Menschen hat mich 50 Jahre gelehrt, daß ein großer Teil der Menschen mit Studium im Alltag versagen. Dadurch, daß sie die Rückseite der Medallie nie kennengelernt haben, ist das Wesentliche, was zu diesem großen Thema zu sagen ist, gar nicht in ihrem Wesen zu finden.
    Zu dem Problem Bildungsarmut äußern sich viele, aber wenige die durch Kompetenz real und objektiv dazu in der Lage sind. Es ist nicht abfällig gemeint. In solchen Fällen aber klingt es mehr nach Polemik

  7. Unsere Sterblichkeit ist ein so sicher wie das Amen in der Kirche. Wir können den Tod selber herbeiführen oder auf ihn warten.

    Antwort auf "Stimmt..."
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    Nur
    1) sollte man das nicht tun.
    Die Religionen geben verschiedene Begründungen und Szenarien an - zumindest gehört das auch nicht zu den erstrebenswerten Gütern, sich selbst den Garaus zu machen, oder ?
    2) was, wenn der Tod nur eine Illusion ist.
    Angenommen, Sie kämen wieder zu sich wie in einem Wachtraum und stellten beim Anblick ihres Körpers überrascht fest, daß Sie gar nicht tot sind?  Oops... Oder bleibt es todsicher dunkel?

    wie der Tod und Steuern,alles andere ergibt sich irgendwie.

    Nur
    1) sollte man das nicht tun.
    Die Religionen geben verschiedene Begründungen und Szenarien an - zumindest gehört das auch nicht zu den erstrebenswerten Gütern, sich selbst den Garaus zu machen, oder ?
    2) was, wenn der Tod nur eine Illusion ist.
    Angenommen, Sie kämen wieder zu sich wie in einem Wachtraum und stellten beim Anblick ihres Körpers überrascht fest, daß Sie gar nicht tot sind?  Oops... Oder bleibt es todsicher dunkel?

    wie der Tod und Steuern,alles andere ergibt sich irgendwie.

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