Zunächst die gute Nachricht: Die Welt wird immer glücklicher. Das glauben zumindest die Wissenschaftler um den Politologen Ronald Inglehart von der University of Michigan. Seit Jahren befragen sie weltweit Hunderttausende von Menschen für den "World Values Survey" und erstellen ein internationales Ranking des Glücks. In ihrer aktuellen Umfrage nahm fast überall die Zufriedenheit deutlich zu. Den ersten Platz belegt dabei Dänemark, gefolgt von der Schweiz, Island, den Niederlanden und Kanada. Auch Norwegen und Schweden liegen weit vorn.

Und nun die schlechte Botschaft: Deutschland gehört zu den wenigen Ländern, in denen das Wohlbefinden deutlich abgenommen hat.

Nun bedarf es nicht viel Fantasie, um mögliche Gründe dafür zu finden. Sind die Deutschen nicht einfach notorisch schlecht gelaunte Dauer-Pessimisten, Angsthasen und Langstreckenmuffel? Nicht zufällig gehört neben "Weltschmerz" und "Blitzkrieg" die "German Angst" zum bekanntesten sprachlichen Exportgut.

Und das, obwohl es den Deutschen eigentlich blendend gehen müsste: Sie genießen eine sehr lange Friedensperiode und ein hohes Wohlstandsniveau - so gut wie heute ging es ihnen noch nie. Dennoch liegt Westdeutschland auf der Weltrangliste von 97 Staaten gerade mal auf Platz 35 – zwischen Malaysia und Vietnam. Ostdeutschland belegt die 49. Stelle. Tendenz: weiter fallend.

Für das Empfinden von Zufriedenheit spielt die ökonomische Sicherheit – wenig überraschend – eine entscheidende Rolle. Wer arm ist und hungert, braucht keinen Glücksforscher, um in Erfahrung zu bringen, was ihm fehlt. Die Bewohner reicher Länder sind insgesamt glücklicher. Auf der "Weltkarte des Glücks", 2006 erstellt, bilden Kongo, Burundi und Simbabwe die Schlusslichter.

Schwieriger sind die Gründe für mangelndes und rückläufiges Glücksempfinden in Ländern zu beurteilen, die über ein hohes Maß an Wohlstand verfügen – wie eben Deutschland.

"Die Menschen sind in jenen Gesellschaften am glücklichsten, in denen sie am meisten Freiheiten für die eigene Lebensgestaltung haben", stellt Inglehart fest. Demgemäß macht der amerikanische Wissenschaftler Demokratie und einen hohen Grad an sozialer Toleranz in einer Gesellschaft als zufriedenheitssteigernde Faktoren aus.