Europäische Union Unser Meer? Euer Meer!

Frankreichs Präsident Sarkozy hebt die "Union für das Mittelmeer" aus der Taufe. Großprojekte wie die Migration oder die Energieversorgung gäbe es dafür genug

Vorbild für die Energiekooperation der EU mit den Ländern der Sahara: Ein solarthermisches Kraftwerk in Sanlucar La Mayor, Süd-Spanien

Vorbild für die Energiekooperation der EU mit den Ländern der Sahara: Ein solarthermisches Kraftwerk in Sanlucar La Mayor, Süd-Spanien

Am Vorabend des Nationalfeiertags erfreuen in Frankreich gemeinhin die Feuerwehrleute das Volk, mit Brillantfeuerwerk und Täterä. In Paris sorgt an diesem 13. Juli der Staatspräsident persönlich für das Spektakel. Nicolas Sarkozy feiert mit den Partnern aus der EU und den Anrainern des Mittelmeers von Marokko bis zum Balkan die Geburtsstunde der "Union für das Mittelmeer".

Vergessen sein wird dann die anfängliche und umstrittene Absicht des Franzosen, eine solche Mittelmeerunion neben der Europäischen Union aus der Taufe zu heben, an der zwar Spanien, Frankreich oder Italien, nicht aber Deutschland, Großbritannien oder Schweden beteiligt sein sollten. Sarkozy bekommt nun, was er wollte, aber er bekommt es nicht so, wie er es wünschte.

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Am Südrand des Meeres wird seine Initiative oft mit Argwohn beobachtet. Libyens Staatschef Muammar Gadhafi wird der Zeremonie seines "lieben Freundes" Sarkozy fernbleiben. Er donnerte von Tripolis aus, "wir sind weder ausgehungert noch Hunde, dass sie uns Knochen hinwerfen müssen". In Europa machte das Schlagzeilen – und weniger die durchaus berechtigte Warnung Gadhafis, da werde doch nur neu aufgelegt, was im Zuge des sogenannten Barcelona-Prozesses längst gescheitert sei.

Tatsächlich hatte sich die EU bereits Mitte der neunziger Jahre eine Mittelmeerpolitik verordnet, die unter eben dem bürokratischen Kürzel "Barcelona-Prozess" lief. Diese Politik soll erklärtermaßen nun durch die neu gegründete Union auch neuen Schwung erhalten. Womit die EU einräumt, dass in der Vergangenheit dem Barcelona-Prozess nicht der gewünschte Erfolg zuteilwurde. Das lag vor allem, aber nicht nur, am Unfrieden zwischen Israel und Palästina.

Für Sarkozy ist das Mittelmeer noch immer ein einigendes Band, das "Mare nostrum", unser Meer der Römer. Bei arabischen Anrainern wird das anders empfunden, und die Geschichte der vergangenen 1400 Jahre gibt ihnen Recht. Die Welt des Islam war eher Gegner und Konkurrent denn Partner der Europäer. Das muss – und da gewönne Sarkozys Initiative an Bedeutung – natürlich nicht immer so bleiben. Schließlich gibt es heute schon ein Netz von Verbindungen zwischen Nord und Süd.

Aber das Verbindende gerät leicht auch zum Trennenden: Wo der Süden in der Migration seiner Menschen ein Zeichen der Hoffnung sieht, reagiert Europa mit Angst und Abwehr. Wo der Süden die Früchte seiner Arbeit gern frei nach Norden exportieren würde, hält sich die Europäische Union mit einem dichten Regelwerk bedeckt.

Leser-Kommentare
  1. EU neppt die Welt
    Nie - seit dem antiken Rom - hat eine Weltmacht es so gut verstanden,die Völker für sich zu vereinnahmen und dabei auch noch Glück zu kreationieren.
    Europa nutzt wirklich gekonntalle wissenschaftlich und geschichtlich verfügbaren Mittel aus.
    Großkapitalismus im Fell eines Schafes.Und der Papst mitten darin, gefeiert und auch schon ein wenig angehimmelt, angebetet.

  2. Mussolinis europäische Träume vom Mare Nostrum sind für Millionen von Toten und Verwundeten in den Anrainerstaaten des Mittelmeeres verantwortlich.Es ist äuserst bedenklich, dass der Expansionismus der EU mittlerweile soweit geht, an einer Wiederherstellung des römischen Reiches zu arbeiten. Der letzte, der dies gemacht hat, war Mussolini.In Nordafrika breitet sich ein radikaler Islam aus, der im Gegenzug davon träumt, alle ehemals islamisch kontrollierten Gebiete in Europa zu erobern und möglichst auch den Rest des Kontinentes. Entsprechende Literatur findet man bei arabischen Ständen auf der Frankfurter Buchmesse.Für die EU wird sich das ganze als unkontrollierbarer Sprengsatz erweisen.Sie wird noch heterogener und unregierbarer - es sei denn, eine starke Brüsseler Zentrale schränkt die Mitsprache der Völker radikal ein -. Doch bereits jetzt erscheint Brüssel zunehmend als bürgerferne Zentralmacht. Die Polemik gegen das irische Volke wegen eines von den EU-Granden unerwünschten Abstimmungsergebnisses spricht Bände.Das Engagement der Franzosen erscheint besonders verrückt, wenn man an die Unruhen denkt, für die jugendliche Algerier wesentlich verantwortlich sind.

  3. ... im vergangenen Jahr hat Monsieur Sarkozys Bestreben, mit Algerien die Achse einer eigenständigen Mittelmeer-Union zu schmieden, ja nicht gerade für Amusement Ihrerseits gesorgt - aber was soll's?!
     
    Zu einer soliden Gemeinschaft gehört zwar etwas MEHR als nur ein MEER, aber wie wäre es - unterhalten Sie sich mit den beiden anderen Anrainer-Staaten Schweiz und Österreich doch mal über das Schwäbische Meer. Bodensee-Union... hört sich doch gar nicht so schlecht an.
     
    Mein erster Vorschlag diesbezüglich: Gemeinsame Benzinpreise - und zwar bitte die der Österreicher!!

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    Da hatten wir Deutschen doch erst die Präsidentschaft. Und nun der Franzose. Er ruft zackig und ohne viel Theater ein so großes Projekt auf den Plan ohne vorher abzuwarten bis der deutsche Michel ausgeschlafen hat. Man hätte über diesen Plan schließlich erst einige Jahre beraten und diskutieren müssen. Wenn bis dahin alles zerredet aber nichts geschehen sondern mehr Unheil angerichtet worden wäre, dann läge das bestimmt nicht am deutschen Michel - guten Morgen Frau Merkel -aufstehen !!

    Da hatten wir Deutschen doch erst die Präsidentschaft. Und nun der Franzose. Er ruft zackig und ohne viel Theater ein so großes Projekt auf den Plan ohne vorher abzuwarten bis der deutsche Michel ausgeschlafen hat. Man hätte über diesen Plan schließlich erst einige Jahre beraten und diskutieren müssen. Wenn bis dahin alles zerredet aber nichts geschehen sondern mehr Unheil angerichtet worden wäre, dann läge das bestimmt nicht am deutschen Michel - guten Morgen Frau Merkel -aufstehen !!

    • Anonym
    • 12.07.2008 um 16:57 Uhr

    Die Internationale Bodensee-Konferenz mit den Ländern Liechtenstein, Österreich, Deutschland und der Schweiz besteht schon seit dem vorigen Jahrtausend, da mußte nun Sarkozy wirklich kein Steigbügelhalter sein und den Bodensee als EUregio Bodensee ist dies in der Bevölkerung ein feststehender Begriff, zumindest sei 1997.Vielen Menschen in Europa werden schlichtweg die EUregionen unterschlagen. Sie sind die heimlichen Empfänger von "Fördergeldern" der EU in grenzübergreifenden Strukturmaßnahmen.Innerhalb EUropas existieren fast 50 EUregionen an der Zahl. In der Regel sind sie bi-, vermehrt trilateral ausgerichtet. Der Weg der kleinen Schritte, aus der Verbesserung für Grenzgänger entstanden, eine Notwendigkeit geworden. Sie gibt es in einer Vielerzahl in Deutschland mit ihren Anrainerstaaten, aber auch in massiver Form in allen anderen EU-Staaten mit mehreren Regionen untereinander. Die erste und größte ihrer Art bildete die Kernregion Saar-Lor-Lux-Wallonie und DG Belgiens, Rheinland-Pfalz kam erst in den letzten beiden Jahren hinzu. Eine Notwendigkeit die erkannt wurde, aber wenig in den Köpfen der Bevölkerung ankommt, weil hier der Bürger nur zu einigen Festlichkeiten, so Worscht, Wegg unn Wei.Mehr erfahren Sie hier:  http://www.cor.europa.eu/...Klicken Sie sich bitte durch. Eine Menge an Infos erwartet Sie.debrasseur

  4. Da hatten wir Deutschen doch erst die Präsidentschaft. Und nun der Franzose. Er ruft zackig und ohne viel Theater ein so großes Projekt auf den Plan ohne vorher abzuwarten bis der deutsche Michel ausgeschlafen hat. Man hätte über diesen Plan schließlich erst einige Jahre beraten und diskutieren müssen. Wenn bis dahin alles zerredet aber nichts geschehen sondern mehr Unheil angerichtet worden wäre, dann läge das bestimmt nicht am deutschen Michel - guten Morgen Frau Merkel -aufstehen !!

    Antwort auf "Na, Frau Merkel..."
    • Rahab
    • 12.07.2008 um 20:05 Uhr

    siehe dazu: Georges Corm, die armen nachbarn von gegenüber  in: le monde diplomatique, juli 2008.  - hat nichts mit 'verschlafenem michel' zu tun, sondern fällt unter langfristige eu-politik.

  5. EU Krieg gegen Afrika
    Europa regt doch nur der Flüchtlingsstrom auf,der aus Afrika kommt und den man illegal nennt,weil er sich nicht an EU-Gesetze hält.
    Tut die EU mit ihrer Mauerpolitik gegenüber Afrikas Wirtschafts-Chancenübrigens auch nicht.
    Also können die Flüchtlinge Afrikas gar nicht illegal sein,sondern nur Europas Gesetze und seine Bürger die diese Kriegszustände mit Leben füllen.

  6. Bibel von EU erfüllt ?
    Die Prophetie der Bibel über Entwicklungen der Zeit,benötigen Voraussetzungen, welche die EU derzeit schafft.
     
    zu 2.)

     
    So scheint die EU die Bibel zu erfüllen,welche sie als "von gestern" ablehnt und umdichtetzu einem rein moralischem Buch (zur eigenen EU-Moral versteht sich).
    Das nennt man dann kritische Auseinandersetzung mit Religionen.

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