Obama-Rede Ausweitung der Wahlkampfzone?Seite 2/2
Doch nicht nur diese Instrumentalisierung ist eine mögliche Lesart, auch die selbstbewusste Umkehrung ist erlaubt: Unter welchen Druck setzt sich Obama mit einer solchen „transatlantischen Grundsatzrede“, wenn er sie in Berlin hält, vor einem von ihm wohl als Monument von Freiheit und Selbstbestimmung skizzierten Symbol?
„Yes we can“ trifft „Wir sind das Volk“. Es könnte schlimmer sein.
Dr. Christoph Bieber ist Politikwissenschaftler an der Justus-Liebig-Universität Gießen. In seinem Blog „ Internet und Politik “ befasst er sich u.a. mit dem Medienwahlkampf um das Weiße Haus.
- Datum 22.01.2009 - 15:31 Uhr
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Wenn man am Auftritt des Dalai Lama am Brandenburger Tor keinen Anstoß nimmt, kann man Obama eine Rede an diesem Platz kaum verwehren.
Worüber will Obama denn sprechen? Über sein Eintreten für die Verschärfung der Todesstrafe? Darüber, dass das Tragen von Schusswaffen ein Menschenrecht ist? Dass Sozialleistungen die Sache von privaten religiösen wohltätigen Organisationen sind? Dass Geheimdienste mehr Möglichkeiten zum Abhören haben müssen? Oder ähnliche seiner jetzigen politischen Stellungnahmen?Seine Haltungen liegen - gemessen mit deutschen Maßstäben - weit rechts außerhalb des poiltischen Spektrums. Und an diesen Maßstäben muss er sich messen lassen, wenn er als privater Wahlkämpfer in Berlin auftreten will - also nicht als Staatsoberhaupt der USA, das man alleine wegen dieser Stellung respektieren muss, sondern als politischer Redner wie jeder andere. Angesichts des Medienrummels um die US-Präsidentenwahl ist das auch in Deutschland vorhandene Medieninteresse verständlich. Politisch jedoch ist - und das zeigen gerade die jüngsten Äußerungen von Obama - der Unterschied zwischen den Kandidaten minimal und wird nach der Wahl, wenn die "Realpolitik" wieder auf der Tagesordnung steht, noch geringer sein.Berlin ist doch keine Theaterkulisse für politische Schauspieler. Oder kommen demnächst auch russische, chinesische oder arabische Präsidentschaftskandidaten nach Berlin, um hier aufzutreten?Sich von der kommerziellen Präsidentschaftskampagne Obamas kaufen zu lassen, wäre verwerflich. Ihr die Kulisse gratis anzubieten, wäre obendrein noch dumm.
Ich denke, daß jene, die so intensiv über die Obama Rede am Brandenburger Tor diskutieren, total mit deutscher Sichtweise argumentieren. Das ist selbstverständlich deren gutes Recht, aber sie überziehen damit total die Bedeutung. Wie viele amerikanische Wähler messen dem Brandenburger Tor so große Bedeutung bei, daß sie deswegen einen Kandidaten bevorzugen würden? Auf die Amerikaner würde es viel mehr Eindruck machen, wenn Obama auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking oder in Hiroshima oder Nagasaki eine Rede halten würde, vieleicht auch in Bagdad. Aber Deutschland hat für die Amerikaner nicht mehr die Bedeutung wie direkt nach dem 2. Weltkrieg, nicht zuletzt weil sich die amerikanische Bevölkerung stark verändert hat, viele sind Südamerikanischer, Chinesischer, vielleicht auch Indischer Abstammung.
Obama will vielleicht einfach mal Berlin sehen und sich an die Leute dort wenden. Heissen wir ihn willkommen, egal ob er Präsident ist oder nicht.
muß auch nicht hingehen! schon vergessen? und wer glaubt, daß damit irgendetwas substanzielles über deutschland verbunden wäre, der irrt.
Obama hat ein ganz anderes Problem. Das Brandenburger Tor ist für Amerikaner das symbolische Tor zwischen dem "Evil Empire" der Sowjetunion und dem freien Westen, vor dem damals Ronald Reagan seine berühmte Rede gehalten hat ("Mr. Gorbachev, open this gate! Mr. Gorbachev, tear down this wall!")Das ist ein in Amerika nachgerade ikonoraphisches Foto. Nun versucht Obama mit diesem Auftritt, sich bei konservativen Wählern in Amerika wenn nicht gerade als Reagans Erbe, dann doch zumindest als starker Kämpfer gegen das "Böse" zu positionieren. Ein geschickter Schachzug gegen die McCain-Kampagne, weil McCain ja nicht als richtiger Konservativer gilt.Dazu muss er aber der Gast Deutschlands sein (immerhin gilt Angela Merkel in Amerika als Widerstandskämpferin gegen die DDR, sort of), und nicht der Gast eines linken, schwulen Party-Bürgermeisters, der einer Koalition als Sozialdemokraten und Postkommunisten vorsteht. Wenn amerikanische Medien seinen Auftritt dahingehend kommentieren, schießt er sich selber ins Bein, denn sein Problem ist ja, dass ihn Faux News als Ultraliberalen darstellt. Daher die Zurückhaltung.
sollen die berliner jetzt mal eben ihren regiernden bürgermeister austauschen, damit der in wessen auch immer wahlkampfstrategie paßt? - das geht denn noch ein bißchen zu weit! immerhin wählen wir unser abgeordnetenhaus, aus dessen mitte heraus der regierende bürgermeister gewählt wird, noch selber und lassen es nicht in usa wählen. wenn die kanzlerin ein problem damit hat, dass es leute gibt, die ihn als "linken, schwulen pParty-Bürgermeister" bezeichnen - dann muß sie sich vielleicht eine andere hauptstadt suchen. oder halt mit ihrem gast nach mecklenburg-vorpommern ausweichen. dort ist es auch sehr schön und malerische kulissen finden sich dort auch zuhauf, in Rostock-Langenhagen beispielsweise.
Obama versucht offensichtlich wieder anzuknüpfen, wo Schröder uns abkoppelte. Dass dies nicht im Interesse gewisser Leute liegen kann, ist durchaus verständlich. Gerade weil John McCain bei seiner kürzlichen Europareise absichtlich Deutschland vermied, liegt ihm zweifellos daran, den Unterschied aufzuzeigen. Im übrigen ist er Chairman des Foreign Relations-Ausschusses im US-Senat, hat also auch dienstliche Gründe.
Ich schliesse mich der Meinung von dunnhaupt an. Auf der einen Seite reagiert er darauf, dass McCain Deutschland links (bzw rechts) liegen liess. Vielleicht der republikanische "payback" fuer das Nein zum Irak? Auf der anderen Seite agiert er aber auch im Lichte seines Senatspostens.
Ausserdem: Der Wahlkampf globalisiert sich eben auch. Merkel schipperte vor der Bundestagswahl auch ueber den Teich, um in Washington vorzusprechen. Und Obama sowie McCain sprachen ja auch vor dem israelischen Knesset. Gerade in diesem Lichte sollte es die Deutschen eigentlich ehren, dass Berlin im Gespräch ist. Denn es ist schon ein gewisser Wink mit dem Zaunpfahl, dass er die Beziehung mit Deutschland als sehr wichtigen Eckpfeiler seiner (zukuenftigen) Politik ansieht. Das ist nicht nur für Deutschland wichtig, sondern für Europa im Generellen. Und was das für Implikationen auf die Anglo-Amerikanische "Special Relationship" wirft, wird sich dann auch zeigen. Vielleicht gibt dann auch England ihre Europhobie ein wenig auf. Wer weiss.
Das Zeichen ist schon jetzt gesetzt, aber was der train of thought dahinter ist, weiss nur Obama. Was ich denke ist, dass Deutschland in jedem Fall nur profitieren kann.
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