Übernimmt die Schaeffler-Gruppe den Autozulieferer Continental, werden wahrscheinlich Arbeitsplätze abgebaut, prognostiziert Professor Wolfgang Meinig von der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW). "In Produktion und Vertrieb wird es Synergieeffekte geben", sagt der Branchenexperte. Vor allem am Conti-Unternehmenssitz in Hannover dürften Jobs wegfallen.

Dem fränkischen Familienunternehmen Schaeffler traut Meinig die Übernahme des nach Umsatz dreimal so großen Continental-Konzerns zu. "Sie können das stemmen", sagte er. "Die Akteure sind tough, mutig und konsequent, sie machen keine Schnörkel." Auch weise die Schaeffler-Gruppe eine solide Finanzstruktur auf. Generell könnten Schaeffler und Conti gute Partner sein, sagte Meinig. "Von der Produktpalette her macht ein Zusammengehen Sinn." Zu bezweifeln sei allerdings, ob der neue Eigentümer die Reifensparte von Conti halten werde. "Das ist ein hartes und enges Geschäft, die Lieferanten sind schnell austauschbar."

Meinigs Prognose entspricht der Befürchtung von Gewerkschaften, Schaeffler werde Conti zerschlagen und Arbeitsplätze streichen. Auch die Automobilanalysten vieler Banken erwarten, dass Schaeffler im Falle einer Übernahme die Reifenwerke verkaufen wird. Die Conti-Führung hat bereits am Montag erklärt, dass sie nur an Investoren interessiert sei, die das Unternehmen intakt lassen und die eigene Strategie mittragen werden.

Der Conti-Aufsichtsrat kommt derweil zu einer Krisensitzung zusammen. Alleiniges Thema des Treffens sei der Übernahmeversuch, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Vermutlich werde es auch um mögliche Abwehrstrategien gehen. Conti lehnte eine Stellungnahme ab.

Zu den denkbaren Abwehrmaßnahmen gehört etwa eine Kapitalerhöhung. Der Reifenhersteller könnte einem Hauptversammlungsbeschluss zufolge bis zu 36 Prozent neue Aktien mit Bezugsrecht ausgeben, darüber hinaus ohne Bezugsrecht neun Prozent. Das würde eine Übernahme bei derzeitigem Kurs um knapp vier Milliarden Euro verteuern. Medienberichten zufolge will sich Schaeffler den Deal inklusive Schulden bis zu 21 Milliarden Euro kosten lassen. Branchenexperten erwarten jedoch, dass sie wohl mindestens drei bis sechs Milliarden Euro mehr bieten müssten, um Investoren zu überzeugen. Zur Abwehr von Schaeffler könnte sich Conti zudem nach einem alternativen Bieter umsehen oder selbst ein Gebot für Schaeffler vorlegen.