Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag den US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama im Kanzleramt empfängt, dann wird Punkt eins der Tagesordnung ein sehr schlichter sein: Es geht um das gegenseitige Kennenlernen. Das Treffen ist die erste Gelegenheit für die Kanzlerin, den Hoffnungsträger der amerikanischen Demokraten näher unter die Lupe zu nehmen, mit dem sie schließlich noch häufiger zu tun haben könnte.

Ein "offener und sehr ausführlicher" Gedankenaustausch ist laut Regierungssprecher denn auch das wesentliche Ziel der Begegnung, für die etwa eine Stunde Zeit eingeplant wurde. 

Die Liste der möglichen Themen, die sowohl die Kanzlerin als auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit Obama besprechen wollen, ist lang. Im Mittelpunkt wird zweifellos die Frage stehen, inwiefern Obama Veränderungen im transatlantischen Verhältnis anstrebt. Besonders wichtig ist der Kanzlerin auch, wie sich die transatlantische Wirtschaftszusammenarbeit künftig gestalten wird.

Das Thema ist nicht ganz ohne Sprengstoff. Schließlich sei nicht auszuschließen, dass der Demokrat Obama für die in seiner Partei vorhandenen protektionistischen Tendenzen anfällig sein könnte, befürchtet etwa der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU). Wird auch ein Präsident Obama sich für Freihandel und einen engen Wirtschaftsaustausch einsetzen? Das will die deutsche Politik nun von ihm wissen.

Auf der Hand liegt natürlich auch, dass die Situation in Afghanistan und im Irak zentraler Bestandteil beider Gespräche sein wird. Doch auch in dieser Hinsicht ist längst klar, dass die deutsche Politik es mit Obama nicht unbedingt einfacher haben würde, als mit dem gegenwärtigen Amtsinhaber George W. Bush.

Zwar wird in Deutschland Obamas Ankündigung, die US-Truppen langfristig aus dem Irak zurückzuziehen, positiv aufgenommen. Und selbst sein Vorhaben, dafür etwa 10.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu schicken, stößt prinzipiell auf Zustimmung. Schließlich haben die Deutschen, die selbst mit eigenen Soldaten in Afghanistan engagiert sind, ein großes Interesse daran, dass die Lage dort stabilisiert wird.