David Beckham Der 55 Millionen-Dollar-Rockstar

David Beckham spielt seit einem Jahr in der US-Liga. Seinetwegen stürmen neue Fans in die Stadien, die Einschaltquoten von Fußballspielen steigen. Sogar Tore schießt er

David Beckham schaut ein letztes Mal, nimmt Maß und schlenzt den Ball gefühlvoll über die Mauer aus Plastik-Männchen in den linken Torwinkel. Das war’s. Das Morgentraining der Los Angeles Galaxy ist beendet. Beckham geht gemütlich zu den wartenden Journalisten: “Good Morning”, er lächelt. Beide Seiten wissen, was jetzt kommt. "Beckham-Verfügbarkeit” heißt dieses Prozedere offiziell bei Galaxy. Beckham weiß, was er zu sagen hat, und die Journalisten haben gelernt, dass das, was er sagt, selten spektakulär ist. Man hat sich aneinander gewöhnt. Zehn Minuten Frage-Antwort.

Heute spricht der 33-Jährige vor allem über sein erstes Jahr in Amerika, seine Erfahrungen mit dem Land und der Fußball-Liga, Major League Soccer. “Ich habe schon bei meiner Ankunft gesagt, dass sich der Fußball nicht in ein, zwei Jahren ändern wird, dass es fünf bis zehn Jahre dauert, um das Niveau deutlich anzuheben”, betont Beckham. Er weiß mittlerweile, dass Amerikaner wenig Geduld haben. Sie wollen Ergebnisse sehen, Veränderungen, Verbesserungen – so schnell wie möglich. Genau das, so Beckham, sei ein Problem.

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Als “bester Fußballer des Planeten” wurde er im Juli 2007 in Los Angeles von Klub-Präsident Alexi Lalas vorgestellt. Es regnete Konfetti, mehr als 700 Journalisten berichteten bis in den letzten Winkel der Welt über Amerikas teuersten Import der Sportgeschichte, über das Premium-Produkt der Major League Soccer. Doch zunächst wich die Freude dem Frust. Beckham verletzte sich, kam bis zum Saisonende im November auf nur fünf Pflichtspiele. Er bezeichnete seine erste Saison als Albtraum. Andere erkannten in seiner Person eine globale Ikone, die den Triumph von Image über Substanz verkörpert.

Doch selbst ein angeschlagener Beckham war für die Amerikaner eine Attraktion. Zum Galaxy-Gastspiel in New York im vergangenen August kamen 66.237 Zuschauer. So viele wie zuletzt 1980, als Pelé und Franz Beckenbauer dort spielten.

Inzwischen, nach 21 Partien in der Major League Soccer, hat Beckham sich nach eigenen Aussagen „akklimatisiert“. Er sei immer noch überzeugt, dass Fußball hier in den USA wachsen könne. Es gebe ein riesiges Potenzial, sagt er. Und meint somit auch weitere riesige Einnahmequellen. Als Fußballer verdient er 6,5 Millionen Dollar pro Jahr. Als Geschäftsmann bringt er es dank lukrativer Werbeverträge und Einnahmen aus Ticket- und Trikotverkauf auf weitere knapp 45 Millionen Dollar jährlich. Doch sein Wechsel ist kein einseitiges Geschäft. Auch die Liga profitiert von ihrem prominentesten Profi. „David sorgt für höhere Fernseh-Einschaltquoten, sagt Michael Hitchcock, Manager des FC Dallas. „Er ist wie ein Rockstar, und wir in Amerika lieben Rockstars.“

Tatsächlich sind die Zuschauerzahlen seit der Ankunft Beckhams um neun Prozent gestiegen. Zu den bisherigen zehn Heimspielen der Saison kamen im Schnitt 25.513 Besucher ins Galaxy-Stadion, knapp 30 Kilometer südlich von Los Angeles. Das ist Ligaspitze. Der Durchschnittspreis für eine Eintrittskarte ist innerhalb von zwei Jahren von 20 auf 38 Dollar gestiegen. Trotzdem kommen mehr Zuschauer denn je. Auch bei Auswärtsspielen lockt Beckham die Fans. Galaxy-Spiele in Boston, Houston und Chicago werden im Schnitt von 27.094 Zuschauern verfolgt. Das sind mehr als bei einigen Begegnungen der ersten Baseball-Liga. Und die zählt immerhin zu den beliebtesten in Amerika.

In New York wollten am vergangenen Samstag fast 50.000 Besucher Beckham sehen. Einige von ihnen zahlten 275 Dollar für ein Ticket. Aber – eine berechtigte Zwischenfrage – für was eigentlich? Tempofußball gewöhnte und -verwöhnte Fußballfans aus England, Spanien, Italien und Deutschland können es sich schwer vorstellen, aber am Wichtigsten für die amerikanische Liga sind immer noch Beckhams Flanken, Finten und Freistöße.

In dieser Saison hat er bisher immerhin fünfmal getroffen, darunter einmal aus fast 70 Metern (allerdings ins leere Tor). Zudem hat er sieben Treffer vorbereitet und Los Angeles auf Rang zwei der Weststaffel geführt. So gut war der Verein seit drei Jahren nicht mehr.

“Er hat den Fußball beeinflusst, wie kein anderer”, sagt Tim Leiweke. Leiweke gehört Los Angeles Galaxy, er hat Beckham nach Amerika geholt. Und Leiweke war im Juni bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Dort, berichtet er stolz, habe man über die Major League Soccer geredet. Das ist ein riesiger Fortschritt.

Künftig könnte die US-Liga für weitere internationale Stars interessant werden. Frankreichs Nationalspieler Thierry Henry deutete vor Kurzem an, dass er sich gut vorstellen könne, nach Vertragsende beim FC Barcelona in die USA zu wechseln. Aber mindestens bis dahin ist David Beckham das Maximum. Alexi Lalas geht noch etwas weiter: Beckhams wahren Wert, sagt der Präsident von L. A. Galaxy, werden viele sowieso erst erkennen, wenn er nicht mehr da ist.

 
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